Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 8 (1932)
- Issue
- 9 (15.9.1932)
- Date
- 1932-09-15
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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einedeiondere Schwuagtras:: ousjcidjnci. Denn doöh r *nunt zweifellos dem hebräischen doob „sich schwingen" gleich. Ich wüßte deshalb keine bessere Aebersetzung für diesen Namen als „Bussard", zu dessen Art der Baum- und Wanderfalk gerechnet werden kann. Dieser Gruppe gehört auch noch der ajo an. Dafür . spricht ja die-enge Derbindung dieses Worte mit doüb. Weil er aher ganz im Gegensatz zu den doüb-Arten, die sich sogar zum . Teil von Insekten ernähren, alle für ihn ergreifbaren Tiere mordet und lustmordet, -wird er mit einem besonderen Namen gekennzeichnet. Das Wort ist dem- Arabischen entlehnt und meint damit Len Habicht und seine Unterart, den Sperber. Die aramäische Sprache hat ihn treffend mit torokiso, Zerreißer bezeichnet. Mit dem ajo ist die Aufzählung der Raubvögel beendet. Der ,nächste Vers bringt nun eineneueOrdnung der „avos": ös kol aurew l’minau. Hier hat die sprachliche Tradition keine Lücke hinterlassen. Aurew ist von jeher als Bezeichnung für „eorvus", Rabe bekannt. Das hebräische Wort ist mit dem gleichbedeutenden arabischen buradun verwandt, aber nicht von diesem abgeleitet, Aurew hat einen hebräischen Stamm, und zwar oraw, dunkel werden (Abend). Allerdings ist es falsch, wie es einige annehmen, diesen Namen auf die Farbtönung dieser Vögel zu beziehen. Dafür hat das Hebräische ein anderes Wort sdiochaur. Nein: aurew (— dunkel werdend) will auf die teilweise Verdunklung des orientalischen Himmels durch die dahinfliegende Vogelfchar hindeuten. Aurew ist hier und "auch oft an anderen Stellen (wie arbeh) wegen des scharenweisen Auftretens der Tiere ein Kollektivbegriff. Zu seiner Art gehören: die Saatkrähe, die Rabenkrähe, die Dohle und Elster. Die nächsten 4 Vögel sind ganz verschiedenartig. Einer meiner früheren Lehrer (Dr. Josef Feilchenseld s. A.) glaubte in der Farbenpracht des Gefieders dieser Vögel doch ein gemeinsames Merkmal zu erblicken. Er wies auch auf eine sinnvolle Deutung . hin, welche sein Vater (Oberlandesrabbiner Dr. F. »?«xi) diesem Merkmal' gab: nirgends, nicht in der Wüste (Strauß), noch auf der ebenen Erde (Würger), noch auf dem-Meere (Möve), noch im Hochwald (Fasan) bürgt der äußere Schein für den edlen Kern. So schön die Erklärung dieses großen jüdischen Ge« lehrten ist, kann sie doch nicht ohne Widerspruch hingenommen werden, da sie den naturwissenschaftlichen Tatsachen nicht gerecht wird. Denn mit tbacbrnos und sdiadiaf tonnen, wie wir bei der Sprachanalyse dieser Wörter sehen werden, nur Kuckuck oder Würger und Möve gemeint sein. Und diese Tiere weisen in keiner Gegend ein farbenprächtiges Gefieder auf. Mit ball bajaanob ist zweifellos der „stuthio camelus“, der afrikanische Strauß gemeint. Der Sprachausdruck ist nicht rein hebräisch. - Denn bajaanob kommt von dem arabischen Wort wa’ natun, Wüste. Der Strauß ist eben wie 'das Kamel „ein Kind der Wüste". Einige wollen das Wort aus dem Syrischen (von jana, Begierde) herleiten und den Strauß als ein gieriges, kampflustiges Tier hinstellen. Sie weisen auf die Stelle in edto (IV, 3) hin: ball ammi l’achsor haj'enim hamidbor, die Tochter meines Volkes ist grausam geworden, gleich den Straußen In der Wüste. Diesen.Vergleich konnte ich nie verstehen, da der Strauß durchaus kein grausamer Vogel ist. Obwohl er eine furchtbare Waffe, seine starken, muskulösen Beine, hat, mit denen er selbst Panther, Schakale usw. niederschlägt, meidet er den aggressiven Kampf. Es ist also nicht richtig, bajaanob von jana abzuleiten. Früher brachte ich bajaanob mit dem hebräischen Stamm ouob, „antworten" in Verbindung, und übersetzte baß bajaanob mit „Tochter der Verantwortung". Ich dachte dabei an den Umstand, daß sich oft' schutzbedürstige Tiere (Zebra, Gnu) in der Nähe des Straußes aufhalten und dieser die Verantwortung für eine hereinbrechende Gefahr zu übernehmen habe. Das zweite Wort dieses Satzes, thadimos, wird sehr ver- ■ schreoenarrrg gedeurer. Meines Erruyrens ist immun.», L,. p. Fut., Kal von chomas, gcwalttärig sein. Es soll mit bicfetn Wort ein Vogel bezeichnet werden, der von Natur aus gewaUtätig ist und es für immer bleiben wird. (Vgl., gramm. das Tetragrammaton: Er wird (als Schöpfer, Richter und Erhalter der Welt diese) immer bestehen lassen.) Da es sich nicht um eine Art der raptatoros handeln kann, da diese ja schon früher vollständig ausgezählt wurden, könnten hier nur die „cueuüdue" oder „laniidae" in Frage kommen. Denn diese haben, obwohl sie keine Raubvögel sind, doch etwas Grausames an sich. Bekanntlich überläßt der Kuckuck die Aufzucht seiner Jungen fremden Vögeln. Es ist auch zur Genüge beobachtet worden, daß der junge Kuckuck die fremdartigen Vögelchen aus dem Neste drängt und, wenn er stärker geworden ist, seine Pflegemutter angreift. Sollte die Thora, welche einen so großen Wert auf üki 3K1133 und D'Ml “mn legt, nicht in dieser naturwissenschaftlichen Tatsache Grund genug gefunden haben, diesen Vogel — als war- - nendes Mahnwort für uns Menschen — thadimos zu nennen? Freilich ist damit noch nicht ganz entschieden, daß tbachmos . Kuckuck heißt. Denn, wenn man die Tötungsart der Würger betrachtet (sie spießen ihre Opfer an Dornen auf und reißen Bissen um Bissen von ihnen), so könnte man eher dazu geneigt sein, das Wort mit W ü r g e r zu übersetzen. Das hätte ich auch trotz des oben angeführten Argumentes getan, wenn die hunidue im Orient häufiger vorkämen, von den anderen Völkern tatsächlich gegessen würden und der Kuckuck bei den Südländern nicht von jeher als Delikatesse gegolten hätte. Das nächste Wort ist wie tbachmos rein hebräisch. Es ist die Pausa von der Kontextform sdiadiaf. Ich glaube bestimmt, daß es mit sdiacbefes, Tuberkulose zusammenhängt und einen Vogel bezeichnen will, der durch einen äußeren Umstand an Abzehrung leidet. Das ist nur bei den meisten Möoenarten, die durch den Einfluß der Seeluft recht mager sind, der Fall. Allerdings kann "damit der larus argentatus, wie W. Feilchenseld s. A. es glaubte, niemals gemeint fein, da er nur an den nördlichen Meeresküsten lebt. Auch der in diesem Satze zuletzt angeführte Name, »dz, ist hebräisch. Er kommt von dem Stamm no/uz, funkeln. Raschi und andere bedeutende Bibelerklärer und Semltologen sehen deshalb in diesem Namen die Bezeichnung für einen Vogel, der funkelnde Augen hat und übersetzen das Wort mit'Sperber. Falke usw. Meines Wissens kommt aber nozaz nur in bezug auf eine farbenprächtige größere Fläche vor. Deshalb glaube ' ich mich nicht zu irren, wenn ich nez mit Fasan übersetze, dessen ' Männchen ein wunderschönes schimmerndes grünblaues und rot- ■ braunes Gefieder trägt. Der phasianus cokbitus kommt auch; heute noch massenhaft in Palästina vor und wird von den! Arabern gern gegessen. . •_lSchiuk folat.); Notizen zum jüdischen Religionsunterricht i Zusammengestellt von Siegfried Moses. Liturg i. 91., Berlin-Weißensee. (Schluß) 3. .Ceremonie. * Ceremonie heißt eine jede Handlung, welche einen religiösen Gedanken in einer bestimmten Form zum anschaulichen, wahrnehmbaren Ausdruck bringt. Suchen wir nach der etymologischen Bedeutung des lateinischen Wortes, so finden wir caeremonia meist in Begleitung von religio und beides ehrfurchtsvolle Scheu vor dem Göttlichen, das man durch rituelle Bräuche caeremoniae magisch beschwören oder bannen zu können vermeinte. Sie bilden die Zeichensprache der Theo- - logie. Ein Volk z. B. verlangt nach Regen. Was tut es? Es schüttet in feierlicher Prozession Wasser aus vor der Gottheit, ihr gleichsam vorzeichnend, was fle vom Hlmmet her tun solle.