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Jüdische Schulzeitung · 1932-09-15 · 9 (15.9.1932) · page 1

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
8 (1932)
Issue
9 (15.9.1932)
Date
1932-09-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Nummer S 8. Jahrgang Monalsschrifk für Pädagogik und Schulpolitik i« Herausgegeben vom' „Reichsverband der jüdischen Lehrervereine" Die„Jüd.Schulzeilung" erscheint um den 15. einesjedenMonatsundwird allen Mitgliedern derbem „Neichsverband der jüdischen Lehrervereine" angeschlossenen Vereine kostenlos zugestellt. — Post - Bezugspreis sitr Nicht- Mitglieder: Mk. 1.20 pro Quartal. Hamburg, 15. September 1932 Druck, Benag und Geschäftsstelle: M. Letzmann, Hamburg, ABC-Stratze 57. Fernruf: Sammelnunrmer Hamburg 040737 Verantwortlich für den redaktionellen Teil: M. Steinhardt- Magdeburg, für den Inseratenteil: L.K n u d s e n, Hamburg. Anzeigenpreis 40 für die Kgespaltene Nonpareille-Zeile. . Inhalt dieser Nummer: Sprachliche Erklärung der Tiernamen im 3. Buche Mose, Kapitel 11 (Sidra Sch'mini) von I. Prag. — Notizen zum jüdischen Religionsunterricht von Siegfried Moses. (Schluß.) — Hebräische Ausdrücke und Redewendungen für den Unterricht im Hebräischen von M. Abraham. (Schluß.) — Olam-Weltzeit von Dr. Siegfried Braum— Schrift, Kurzschrift und seelische Hygiene von Eh. Behling. — Literarisches. — Bei der Schriftcilung eingegangene Bücher. — Notizen. — Aus dem Lehrerverbande. Sprachliche Erklärung der Liernamen im 3. Buche Mofe» Kapitel 11 Von I. Prag, Zülpich. Der erste Sprachausdruck birgt keine Schwierigkeiten in sich. Er ist vom hebräischey Stamm gomnl. Gutes tun, abgeleitet und will das Tier, welches dem Wüstenbcwohner einen unendlich großen Dienst erweist, bezeichnen. Es ist das „camolus droniedaiius“ das einhöckrige Kamel. In Jesaja Kp. 06, 20 wird es auch kirkoroh genannt. Der Name ist deswegen zuerst angeführt, weil die Israeliten mit diesem Tier durch ihre 40jährige Wüstenwauderui^ am besten vertraut waren. Ueber die Bedeutung des zweiten Namens sind sich die Sprachforscher nicht einig. Viele übersetzen sdiofoa mit Kaninchen, andere mit Bergmaus (wohl die Wllstenfpringmaus damit gemeint) oder Klippdachs. M. E. ist das Wort mit dem hebräischen und syrischen Stamm sdmf, zermahlen, zermalmen, oerioanbt, aber nicht davon abgeleitet. Ich kenne nämlich keine Analogie für eine solche' Nominisierung eines Verbums yy wie sdiofon. Ich halte den Namen für eine Hebraifierung des arabischen Wortes cafanun und glaube bestimmt, daß die Thora mit^V das „lepus coniculus“, das Kaninchen meint. Geheimrat Prof. Dr. ftönig hält diese Ueberfetzung allerdings für unrichtig, weil an mehreren Stellen der Heiligen Schrift (Pf. 101; Mischlö) sdiofon als Felshöhlenbewohner bezeichnet wird und das Kaninchen sich nicht einen solchen Aufenthaltsort wähle. Ich selbst habe im Sauerland wilde Kaninchen als Felshöhlentiere einmal beobachten können. Auch die Verwandtschaft mit dem Stamme sdmf, das auf die meißel- und feilartigen Zähne des Tieres hindeutct. läßt wohl die Ueberfetzung „Dachs" nicht zu. Aber auch das Argument, daß im Deuteronomium aniewos, was unstreitbar „Hase" bedeutet, mit sdiofon durch die Tonakzente verbunden ist, könnte für die Nichtigkeit der Ueberfetzung „Kaninchen" bürgen. Zu dem Worte diasir möchte ich bemerken, daß man es unmöglich von diosar ableiten und mit Wühltier übersetzen kann, da ja alle sprachlichen Voraussetzungen dafür fehlen. Die Bildner der l'sduum hakamlesdi, der Sprache, welche dem Menschen heiligkeitsbegriffe vermitteln will, wollten mit *y»m (schmal- ""d schiefäugig) aus die natürliche Mißbildung des Auges, das auch bei,,, Tier der Spiegel der Seele genannt werden kann. aufmerksam machen and damit die Tumoh des Schweines besonders veranschaulichen. Auch bei der Aufzählung der verbotenen Vogelarten kann man seststellen, daß die Thora die Tiere zuerst nennt, welche dem Volke aus dem Nomadenleben besonders bekannt waren. Vielleicht wollte sie, außer dem Apperzeptionsgesetz gerecht zu werden, noch einen anderen Zweck damit erfüllen: Die Israeliten daraus Hinweisen, daß sie genau so wie durch die große Entsagungs- und Erfahrungsfchule der Wüste durch die Unterwerfung unter das Speisegesetz zur Reinheit und Heiligkeit ihres Lebens gelangen. Das Leben des nesdier muß dem Volke ganz besonders bekannt gewesen sein, da die Bibel ihn öfter zum; Bildnis wählte. Der nesdier ift der Vogel, welcher zu der großen Gruppe der „fuleonidac“ gehört und vom Laien Adler ' und in der Wissenschaft „aqaila du-y.saetus“ (Steinadler) genannt wird. Interessant ist es, den deutschen und hebräischen Sprachausdruck für diesen Vogel zu vergleichen. Während die deutsche Sprache in Anlehnung an den alten einheimischen Sprachausdruck für eine Führerschaft auf dem Gebiete des Krieges und der Jagd den Beherrscher der Lüfte einen „Edlen" nennt, kennzeichnet die hebräische Sprache diesen großen Mörder unter den Vögeln mit „Zerfleischer". Ja, sie hat es nicht einmal gewagt, ein Wort aus ihrem ureigenen Sprachschatz für dieses Tier zu wählen; ist doch nesdier der assyrischen Sprache entnommen! .. Der an zweiter Stelle angegebene Vogel gehört ebenfalls zN den „falcoaidae“, bildet aber unter den angeführten .,raptatoros“ insofern eine Abstufung, daß er sich zum großen Teil' von A a s ernährt. Er wird deshalb in der Wissenschaft recht treffend mit „Geieradler" bezeichnet. Er ist eben in seinem Körperbau und seiner Lebensweise ein Uebergang von den „fnleonidae“ zu den „vulturidae". Die hebräische Sprache aber will seine brutale Art und Weise. wie er' junge unb schwache Tiere, besonders Lämmer, tötet, aufzeigen: in seinem Fluge überrascht er sie, schleudert sie mit einem Fliigelschlage in die Tiefe und zerbricht ihnen so das Genick. Daher der Ausdruck peros, Zerbrecher vom hebräischen Stamm porns, brechen. Der dritte Name bezeichnet einen Vogel, der schon ganz zur Gruppe der „vulturidae" gehört. Es ist der „gyps fulvns“, der Gänsegeier. Er versieht im Orient äußerst gewissenhaft den Posten der Kesundheitspolizej und trügt so sehr viel zur Verhütung von Epedemien bei. Deshalb nennt die rschnun iwrr diesen Vogel was osneho (aus mousnchu entstanden) gleichkommt und „ihre Widerstandskräfte" bedeutet. Diese Tiere tragen zur erhöhten Widerstandskraft und Gesundheit der Orientalen bei, indem sie eben die fäulniserregenden Stoffe vernichten. Der osnijo ist also gewissermaßen der a ktioe Teil der Widerstandskraft der betreffenden Menschen. Daher steht das Pronomen „ihre", welches sich nicht auf die Vögel bezieht, im . Femininum. (Eine analoge Form für mousnelio: Jesaja, 23,11.) Die nächsten beiden Vogelarten gehören auch noch,zu den „raptatores". Der duck muß ein Vogel sein, der sich durch

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