Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 8 (1932)
- Issue
- 8 (15.8.1932)
- Date
- 1932-08-15
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nummer 8 Jüdische Schulzeitung Seite 7 botenen Vorsicht folgt. Es fei nicht verschwiegen, daß. der Laie sich hier nicht durchweg eindeutig geführt findet, und daß ihm der Autor die Hauptfrage, die nämlich nach dem Realitätsgrad der Gottheit und nach dem Wahrheitsgehalt der Offenbarung nicht beantwortet, weshalb denn auch die Wirkung ins Religiöse hinein kaum beträchtlich sein dürfte. ' * Siegfried Braun. Moses im Lichte der Agava, von Dr. Aaron Rosmarin. 1932. The Eoldblatt Publishing Co.. New Dort. Der gelehrte Verfasser, schöpfend aus unendlich vielen Quellen, die für seine grobe Belesenheit und Sachkenntnis zeugen, hat uns in angeführtem Werk ein Lebensbild unseres groben Lehrers Mose gegeben. Die im Meere der Agada zerstreuten kurzgefaßten fragmentarischen Abhandlungen und Bemerkungen, die sich auf diese phänomenale Gestalt beziehen, hat Rosniarin mit unendlicher Mühe zu eineni strahlenden Mosaikbild zusammengetragen. das seine Wirkung auf den Leserkreis nicht verfehlen wird. Wohl dürfte ein Teil dieser legendarischen Züge dem jüdischen Leser bekannt sein, aber seine Kenntnis wird durch das Werk Rosmarins außerordentlich erweitert. Der Lehrer wird in demselben manche wertvolle Midraschim, die er im Unterricht sicherlich gut verwerten kann, finden. Die Sprache Rosmarins ist recht flüssig und auch die Ausstattung recht ordentlich, so dab wir es interessierten Lesern empfehlen können'. M. R. Carl Mennicke, „Das pädagogische Problem im Zusammenhang mit der Kulturkrise der Gegenwart". Potsdam. Alfred Protte. 1931. Das Kennzeichen der Kulturkrise der Gegenwart ist nicht beschränkt auf die Entdeckung neuer Bildungsgüter außerhalb derer des Humanismus: vielmehr ist „das gesanlte Wertibewußtsein der Gesellschaft erschüttert." Bildung ist uns nicht mehr Bildung der einzelnen, freien Persönlichkeit an sich, sondern sie ist uns überdies ein Prozeß in aller Abhängigkeit von der jeweils erreichten gesellschaftlichen Entwicklungsstufe. Die Bildungsarbeit des Individuums besteht in der Einordnung seiner selbst in die Gesellschaft, die uns heute nur möglich ist durch Hineinwachsen in das gesellschaftliche Schicksal der sozialen Gruppe, der wir zugehören. Bon hier aus bestimmt sich die Berufsbildung, die körperliche (sozialhygienische) und künstlerische (seelische) und die geistige Bildung. Für uns ist diese Broschüre, die Antrittsvorlesung des bekannten Sozialpädagogen, wichtig vor. allem wegen der umfassenden Schau religiöser und sozialer Entwicklung und deren Einflusses auf die pädagogische Aufgabe unserer Zeit, wichtig vor allem auch wegen der Auffassung sozialer Entwicklung. mit der sich die unserer jüdischen Jugend heute weithin einverstanden weiß. Hans Löwenberg. Proletismus und Erziehung. Von Dr. Hans A l b r e ch t. (Band 3 der „Schriften zur Erziehungswissenschaft".) — Pestalozzi-Verlag, München, 1931. — In Gzl. 4,50 2Ui. Des Verfassers Doktor-Dissertation ist eine sehr gründliche Untersuchung der Titel-Begriffe, die mit größter Folgerichtigkeit ohne jede politische Tendenz als Ausweg aus unserer Kulturnot die pröletische Auftriebskraft als Movens zu einer Zukunftskultur ansieht. Mit des Verfassers eigenen Worten: „Erziehung kann immer nur Assimilation einer seienden Kultur. niemals Ursache einer neuen Kultur sein." — „Kultur entwickelt sich nicht durch Erziehung." — Unsere Kultur hat keinen Leitgedanken." — „Mit zunehmender Proletarisierung geht die Macht in der Gesellschaft auf das Proletariat über", das unbewußt „aus der christlichen Auffassung (und auch indischer Auffassung, die aus den Worten spricht: „Haben wir nicht alle einen Vater? Hat nicht ein Gott uns geschaffen?") von der Gleichheit alles Menschentums seinen Ideengehalt schöpft." Also: „Einfachheit. Boden unter die Füße, dann befruchten sich Arbeit und Gesinnung wechselseitig." — bnne gesunde Menschheit... „bleibt nicht verhaftet der Erdgebundenheit materialistischen Denkens" und dir werdende Kultur wird der Erziehung neue Bestimmungen sehen. — Wer das Büchlein liest, wird reiche Anregung gewinnen nnd den beschwingenden Hauch eines jugendfrohen Humanitären Idealismus verspüren. Schäler. Franz Weigl und LudwiaBattUta, Die Volksschule, ihre Vildungs- und Erziehungsarbeit, mit Beiträgen von Georg Räderfcheidt und Joseph Schmitt, HI. Teil, Band 2 des Handbuchs der Erziehungswissenschaft, 1931, VII und 381 Seiten, Verlag Josef Kosel und Friedrich Pustel in München. Die Herausgeber des Handbuches der Erziehungswissenschaft lassen soeben in rascher Folge die einzelnen Bände erscheinen. Der hier zur Besprechung kommende Band ist einer der wichtigsten des Handbuches. Denn die Erziehungs- und Bildungsarbeit, die in der Volksschule geleistet wird, ist ja von entscheidendster Bedeutung für die geistige und religiös-sittliche Entwicklung des allergrößten Teils der Jugend. Die Volksschule ist „Trägerin der breitesten Volksbildung für den modernen Menschen", wie sie Näderscheidt in der Einführung zu diesem Band nennt. S. 5. Diese Einführung wird jedem pädagogisch Interessierten viel Anregung geben. Die Aktualität der Themen lassen schon die Ueberschristen erkennen^ wie der Sinn der Schule, insbesondere der Volksschule. Auffassungen der Schule von heute, die Volksschule als „wirkliche" Schule, die Volksschule als „ideale" Schule. Sehr anschaulich wird dargestellt, wie sehr sich heute für die Volksschule die Lage im Bildungsgrenzen kompliziert hat. Die Krise, um die es sich hier handelt, wird überzeugend geschildert. — „Die Volksschule speziell, die in ihrem Namen den Begriff „Volk" trägt, sieht sich vor die Tatsache gestellt, in breitester Form und nachdrücklichster Forderung „Volk", deutsches Volk, bilden, erziehen zu sollen-und spürt in ihren Gliedern, Kindern und Lehrern, in ihrer zugewiesenen Aufgabe, in Zielsetzung und Lehr st off, deutlich das Schwinden der Erilndelemente unddes geistigen Zusammenhalts, das im Begriff und der Tatsache Volk gegeben ist." S. tif. Entsprechend der Tendenz, die das Handbuch beherrscht, steht die religiöse Unterweisung in der „idealen" Schule an erster Stelle. „So ist die Religion nicht „Eckstunde" in ihr. sondern Eckstein und Fundament, bestimmt dazu, die Distanz zu allem irdischen Tagewerk finden zu lassen. In ihrem Spiegel bricht echtes Merken, orientiert an Ewigkeitsnormen, durch und flutet heroische Haltung in Tagesnot und das Ringen um die eigenfeste Persönlichkeit." S. 19f. Die Erziehungs- und Bildungsarbeit der Unter- und Oberstufe wird aus äußeren Gründen, aber auch aus Gründen innerer Natur gesondert dargestellt, weil die Erziehungsarbeit der beiden Stufen entsprechend der Entwicklung des Kindes verschieden ist. Die Grundschule (Unterstufe) behandelt Franz Weigl, mit oer Oberstufe befaßt sich Ludwig B a t t i st a. LlKnn wir nun zunächst auf Weigls Ausführungen eingehen, können wir im Nahmen einer Besprechung nur einiges hervorheben. Sehr beachtenswert erscheint z. V., was Weigl vom Uebergang des Schulneulings von Familie und Kindergarten in die Schule sagt. Auch seine Darlegungen zu der körperlichen Beschaffenheit des Grundschülers und zur Psychologie des Grundschulalters verdienen besonders erwähnt zu werden. Die wesentlichen Züge des seelischen Lebens gelangen zur Darstellung, insofern sie für die Pädagogik des Grundschulalters von Bedeutung sind. In diesem Zusammenhang wird auch die Frage der Schulreife erörtert, die einschlägigen Arbeiten des Charlotte B ü h l e r s ch e n Kreises werden eingehend gewürdigt. Mit großem Geschick versteht Weigl die Bildungsausgabe zu umreihen. Es werden hier Themen wie die Umwelt des Kindes. Kinder- und Volksmärchen, die Kinderdichtung, Kinder- und Volksreime, Stoffe aus der Erwachsenendichtung, das religiöse Lehrgut behandelt. Auf das letztere wird vom weltanschaulichen Standpunkt des Handbuches aus eingegangen. Der jüdische Lehrer wird es , immer wieder, wie hier, wo weltanschauliche Dinge berührt werden, schmerzlich empfinden, daß uns noch ein ähnlich großnngelegtes jüdisches Handbuch fehlt. Und doch finden sich auch in solchem Zusammenhang Bemerkungen, denen wir ohne weiteres zustimmen können, z. B. wenn Weigl sagt: „die religiöse Unterweisung und Erziehung in der Grundschule gewinnt an Bedeutung, je mehr das Elternhaus nach dieser Seite versäumt. Die Mutter wäre die beste Vermittlerin der ersten religiösen Vorstellungswelt des Kindes." S. 82. Auch werden wir zustimmen, wenn vom Religionsunterricht des ersten Grundschuljahrs gesagt wird: „Der Religionslehrer wird auf dieser Stufe an das Kind herankommen müssen wie eine gute Mutter, damit er bei den ohne besondere religiöse Anregung ausgewachsenen Kindern erst die Voraussetzungen für das Religiöse schaffe." S. 83. Besonders beachtenswert erscheinen uns die Kapitel, die auf die Forderung .(Arbeit.vom Kinde aus" und die arbeitsschulmäßige Gestaltung des »Unterrichts-erngehen. Daß gerade Weigl, der '„Wesen und Gestaltung.deh^beitsschule", „Bildung durch Selbsttun" und „das^P)ychogram-n einer Schulklasse als Unterlage für pädagogische Asassnahmen" verfaßt hat. uns in den erwähnten