Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 8 (1932)
- Issue
- 8 (15.8.1932)
- Date
- 1932-08-15
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8- Jüdische Schulzeitung Nummer L Abschnitten viel Anregung zu geben vermag, braucht nicht erst , betont zu -werden. i Den Ausführungen Weigls folgt ein Beitrag „Der erste Lese- und Schreibunterricht von I o s e p h S ch m i t. t. Da gerade auf diesem Gebiet vieles umstritten und arg im Flug ist, sind diese Darlegungen um so beachtenswerter. Sie geben auch dem jüdischen Lehrer, der den ersten hebräischen Unterricht erteilt, wertvolle Hinweise. Denn die meisten Methoden dieses Unterrichts knüpfen ja an die Forschungsergebnisse der Gegenwart an. Auch aus B a t t i st a s'Darlegungen kann nur einiges angeführt werden. Besonders heroorheben möchten wir das Kapitel „Die seelische Entwicklung des zehn- bis vierzehnjährigen Kindes". Was über das sogenannte Trotzalter, das in der Zeit zwischen 12 und 14 Jahren fällt, gesagt wird, ist um so wichtiger, als Untersuchungen über die Dinge der jüngsten Zeit angehören. Es sei auch hingewiesen aus die in dem erwähnten Kapitel eingehend behandelte Frage, wie Landort, Kleinstadt, Fabrikort, Großstadt die seelische Entwicklung des Kindes beeinflussen. Dattista hat sich ja bereits, was die Einwirkungen der Großstadt ängeht. in seiner Schrift „Die Grotzstadtheimat" geäußert. Das Weltanschauliche wird auch in diesem Teil des Werkes immer wieder betont. Da gibt es viel Trennendes, aber auch das Einigende, Vertiefende fehlt keineswegs. Es entspricht z. B. jüdischem Denken, wenn Battista bei der Erörterung der lebenskundlichen Bildung sagt: „Sozial-sittliche Gesinnung ohne den Hintergrund der Religion reicht nicht aus, um in allen Fragen des Lebens zu bestehen, bei denen das Gewipen das letzte Wort zu sprechen Hat. Die sittlichen Grundsätze, die sich aus der Lebenskunde ergeben, bedürfen, um bindend zu fein, einer höheren Sanktion und müsien mit dem göttlichen Gesetz im Einklang stehen." S. 305. Daß auch dieser Band des Handbuches bei aller weltanschaulichen Bindung eine bedeutende wissenschaftliche Leistung darstellt. werden unsere Bemerkungen, die nur auf einiges in dem wertvollen. Buche Hinweisen konnten, wohl erkennen laßen. Vezirksrabbiner Dr. Ern st Stecke! macher in Bad Dürkheim. Montessori. Blatter der internationalen Montesfori-Eesellschaft. Herausgegeben von Maria Montessori. In zwangloser Folge erscheinen Aufsätze der internationalen Montessori-Gesellschaft. die Rechenschaft geben wollen von der Pädagogik, deutlicher gesagt, von der Weltanschauung des Kreises, um Maria Montessori. Dieses erste Heft 1932, das uns vorliegt, ist vollkommen von Montessori selbst geschrieben. Ihm ist ein kurzer Arbeitsbericht der Montessori- Bewegung in Deutschland angefügt, der mit dem Hinweis auf das Institut für Völkerpädagogik (Mainz) endet. Der Lehrer, der in täglicher Kleinarbeit so manches Mal müde wird, und der Theoretiker, der in gelehrten Büchern über die Pädagogik nachliest, sie werden selten auf Gedanken stoßen, wie sie in diesem wertvollen Heft enthalten sind. Man liest diese Arbeiten und kommt zu der tiefen Ueberzeugung, daß aus Maria Montessori. sicherlich der Pädagoge und der Arzt spricht, aber am lautesten doch die menschliche Persönlichkeit. Sie erklärt, wie die Handlungen des Kindes, die der Erwachsene für Launen hält, gesehen werden müssen. Sie schildert das große Liebes- und Nähebedürfnis des Kindes, das so oft mißverstanden wird. Hören wir sie selbst: ..Weint jemals ein Kind wieder, aus dem tiefen Wunsch heraus, uns zu sehen und uns in seiner Nähe zu wissen, wollen wir ihm dann diesen Wunsch nicht erfüllen? Eines späteren Tages, wenn das Kind größer ist, wird die, Mutter traurig sagen: Nun weint niemand mehr, um mich in seiner Nähe zu haben." Diese Worte tun jedem, der mit Kindern in Berührung kommt, von Zeit zu Zeit not. Es kann uns Erziehern nicht oft genug gesagt werden, daß es jenseits aller Methodik und Didaktik einen' Raum gibt, in dem' eine größere Macht steht: die Liebe zum Kind. . Anselm Bing. „Ich bitte ums Wort zur Geschäftsordnung!" Praktischer Wegweiser für Verbands- und Vereinsvorsitzende.. Versammlungsleiter, Verhandlungsführer usw. 5. Aufl. Von Chefred. E. Paguin. — Preis: Bei Voreinsendung 9tM 1,95, per Nachnahme 9tM 2,25. Zu beziehen durch den Selbstverlag des Verfassers: Chefredakteur Ei.Paaujm MfeD Wez. Düsseldorf), Preußenstr. 1. — Postsck^Mo^to Eil?n^46«53.. Das innerhalb verhältnismäßig bereits in 5. Auflage vorliegende Werkchen ist fn( jesH^der mit dem Vereins? und Versammlitligsaetriebe zn tirtf Ifct, oder sonstwie an dem mannigfachen Organisationsleben beteiligt oder interessiert ist.-ein sicherer Ratgeber und unentbehrlicher Wegweiser in allen Fragen parlamentarisch korrekter Versammlungsleitung und Veryandlungsfübrung. In frischer, klarer Sprache und dabei vorbildlicher Kürze weist das Merkchen in allen, auch den schwierigsten und verwickeltsten Situationen, den richtigen Weg. Der Verfasser, ein alter, erfahrener Prak-. tiker, kennt auf Grund langjähriger Tätigkeit als politischer Redakteur im Reichstag und Preußischen Landtag die Dinge von Grund auf und weiß auch dem beschlagensten Vorsitzenden noch manches Neue zu sagen. Bei der Schriftleitung eingegangeue Bücher: Zur Charakterisierung der deutschen Jugendbewegung, von Dr. Kurt Grube. Langensalza. Julius Beltz. 74 S. Brosch. 1,02 M. Baruch Krupnik: Hebräische Phraseologie -»sns) Charlottenburg, Pestalozzistraße 15. Rubin Maß. 1,50 E. Prof. H. Delitsch (Leipzig): Umgang mit Buchstaben. Berlin NO 43. Heintze & Blankertz. Preis 2,70 E. Martin Buber: Königtum Gottes. Berlin. Schocken Verlag. 260 S. Geb. 0,50 Mi. My Visit to England. Espccially written for Foreign students of Engli.sh by II. M. Hain, Pli. D„ F. R. 8. L. 200 puges. 1932 Leipzig, L. A. Kittier, Dept. The Anglo-Saxon Book Agency 3 Rm. Notizen. Ans der Goethe-Nede Albert Schweitzers (Verlag C. H. Beck. München.) Der Goethemensch, von dem so viel und so dunkel geredet wird. was. ist er? Er ist das, wonach Goethe in seinem Leben strebt: Mensch der Verinnerlichung, der zugleich Mensch der Tat ist und als solcher in starker, aber unauffälliger Weise fersönlichkeit ist. Rur der versteht Goethe, der unter den wang dieses seines tiefen und einfachen Humanitätsideals gerät und von dem Geiste der zum Leben tüchtig machenden Resignation berührt, wird, aus dem es geboren ist. Die Botschaft Goethes an den heutigen Menschen ist dieselbe wie an den damaligen und an den Menschen aller Zeiten: „Strebe nach wahrem Menschentum! Werde du selbst als ein sich verinnerlichender Mensch, der in einer seiner Natur entsprechenden Weise Tatmensch ist." Was ist das. was in unserer grausigen Zeit vor sich geht, anderes als eine gigantische Wiederholung des Faustdramas auf der Bühne der Welt? In tausend Flammen brennt die Hütte von Philemon und Baucis! In tausendfacher Gewalttätigkeit und tausendfachem Morden treibt entmenschte Gesinnung ihr frevelhaftes Spiel! In tausend Fratzen grinst uns Mephistopheles an! In tausendfacher Weise hat sich die Menschheit dazu bringen lassen, das natürliche Verhältnis zur Wirklichkeit aufzugeben und ihr Heil in den Zauberformeln irgendeiner Wirtschafts- und Sozialmagie zu suchen, die die Möglichkeit, aus dem wirtschaftlichen und sozialen Elend herauszukommen, nur immer in weitere - Ferne rückt! Nichtraucher Garantiert in 3Tugen! 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