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Jüdische Schulzeitung · 1932-08-15 · 8 (15.8.1932) · page 5

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
8 (1932)
Issue
8 (15.8.1932)
Date
1932-08-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nummer'8 ‘ Jüdische Schulzeitung Seite 5 so jeder gewissermaßen einen Baustein hergibt und langsam aus gemeinsamer Arbeit der Bau entsteht. Natürlich darf auch der Lehrer nicht völlig passiv danebenstehen und die Schüler nach Belieben herumdiskutieren lassen — Arbeitsunterricht wird oft in diesem Sinne mißverstanden — er muß vielmehr die Schüler anleiten, unnützes Diskutieren beschneiden, über tote Punkte des Gesprächs forthelfen, wirr durcheinander Vorgebrachtes ordnen und gruppieren: er darf aber nicht Ergebnisse vorwegnehmen, sondern das Suchen nach ihnen lehren. Vor allem aber muß er die Schüler zu den. Quellen in Beziehung setzen, sie für die Schüler fließen machen, denn nur auf diesem Wege können wir auf ein inneres Verhältnis zu den Quellen,- auf eine Beschäftigung und Auseinandersetzung mit ihnen auch nach der Schulzeit hoffen. Man wird mir ferner einwenden — und ich gebe zu, daß dieses ein Einwand ist —, daß unsere Schüler ja nicht im Besitze aller notwendigen Quellen sind. Und daß ein Buch wie die Höxtersche Quellensammlung — trotz ihrer vielen Vorzüge — für einen solchen Unterricht nicht annähernd ausreicht, liegt auf der Hand. Aber ich glaube, daß, wer bis hier mit mir einig ist. in der Notwendigkeit dieser Unterrichtsmethode, sich auch durch diese technische Schwierigkeit nicht abschrecken lassen wird. Natürlich habe ich es hier in Jerusalem an der Misrachischule*), an der ich tätig bin, wo fast alle Väter meiner Mädels den Talmud im Bücherschrank stehen haben, leichter, aber auch in Deutschland muß es Wege geben. In den großen Städten sicher. Hier müssen eben staatliche, städtische und Gemeindebibliotheken (zu denen sich doch jeder Lehrer leicht Zugang verschaffen kann) aushelfen. Bleiben wir einmal bei unserer Epoche. Bücher, wie die Werke des Josephus finden sich außer in den öffentlichen Büchereien in der einen oder anderen Privatbibliothek, die wenigen Exemplare müssen dann in der Klasse kursieren. Kurze Notizen, wie die oben aus dem Talmud zitierten Stellen, werden an die Tafel geschrieben. Die. paar Schüler — stets abwechselnd —, denen die Bücher irgendwie zugänglich sind, werden beauftragt, sie zuhause abzuschreiben. Bücher, wie die ,',Hasmonüer" und Ben Sira, können vielleicht, da ihre Benutzung eine längere Zeit in An-, spruch nimmt, von einigen gekauft werden, sind aber vor allem in öffentlichen Büchereien stets in vielen Exemplaren vorhanden. (Hier ist zu erwähnen, daß ihre hebräische Übersetzung von Fränkl so sehr im biblischen Stile gehalten ist, daß ihre Lektüre eine gute Uebung für den'Vibelunterricht ist.) — Daß es für die Schüler besser ist, sie bekommen die Werke selbst in die Hand und lesen auch wohl etwas über das gerade Verlangte hinaus, als daß sie nur kurze Brocken in einer Quellensammlung sehen, wo ihnen die Eigenart der verschiedenen Quellen gar nicht zum Bewußtsein kommen kann — bedarf wohl keines weiteren Beweises. Alles für die Epoche des II. Tempels Gesagte gilt natürlich . mutatis mutandis für alle anderen Teile unserer Geschichte. Es wäre interessant, von Kollegen, die diese Methode erprobt haben, ihre Erfahrungen an anderen Epochen zu hören. Notizen zum jüdischen Religionsunterricht Zusammengestellt von Siegfried Moses, Liturg i. N. (Berlin-Weißenfee) (Fortsehuna). 2. Die Gebote der Söhne Noahs Nach der Tradition gibt es 7 Gebote der Söhne Noahs (sdiewa mizwauss b‘ne miuudi). N Der Talmud hat sie-erfunden und aufgestellt, erstlich, um nicht ' alle Völker außerhalb des göttlichen Rechtes zu stellen, sodann *) „Misrachi" ist die religiöse Fraktion in der zionistischen Organisation. Die Misrachischulen — ein bedeutender Teil des allgemeinen zionistischen Schulnetzes — sind streng religiöser Richtung, die besonders im veränderten Lehrplan zum Ausdruck kvmmtaber auch, um nicht das biblische Gesetz als das alleinige Sittengesetz erscheinen zu lassen. Cohen. . Sie sind an den 16. Vers des 2. Kapitels der Genesis geknüpft. Jedes Wort, dieses Verses wird in agadifcher Deutung als ein Ge- bzw. Verbot erklärt. Es befahl bedeutet „die Einrichtung einer Gerichtsverfassung" (dinim), der Ewige „Verbot der Gotteslästerung" (birdiass hasdiem), © o 11 „Verbot des Götzendienstes" (awaudo soro), dem Menschen „Verbot des Mordes" (sdi’fidxass domim), rote folgt „Verbot der Blutschande" (gilluj arojauss), von allen Bäumen des Gartens. „Verbot des Raubes" (gesel), kannst du essen „Verbot des Essens eines Gliedes von einem lebendigen Tiere" (ewer min hudmj). Diese Gebote enthalten außer dem Verbot des Götzendienstes, der ohnehin mit Unsittlichkeiten verknüpft ist, und dem Verbot der Gotteslästerung im jüdischen Lande nur -sittliche Vorschriften, und an der Spitze derselben die Einrichtung einer Gerichtsverfassung. Die Noachiden betrachten die Gesetzgebung als voll und gleichberechtigt mit den Israeliten in bezug auf Rechtsverhältnisse und Nächstenliebe, ohne sie für gleichverpslichtet zu halten zur Befolgung der eigentlichen Neligionsgesetze. Der Talmud spricht ihren Frommen die ewige Seligkeit zu. Durch die Ausbildung des Begriffes von den Frommen der Welt (dmsside ummauss hoanlom) hat das Judentum die religiöse Betätigung der Nichtjuden anerkannt. Der Talmud hat bereits eine allgemeine sittliche Religion konstruiert, zu deren Träger er nicht einen Sohn Israels, sondern einen Sohn des Noah macht (Sanhedrin 56). Die Noachiden sind die Frommen der Welt, die Anteil haben am ewigen Leben (Tosefta Sanhedrin 13, Sanhedrin 105a). Berger. Die Frommen der Völker der Welt (chasside uinmauss hoanlom). Nicht Einer wird als Frommer, wie ein Jdealmenfch, gedacht, sondern nach ihrer geschichtlichen Wirklichkeit werden diese frommen Heiden als Mehrheitsbegriff definiert. Der Fortschritt kann nicht groß und weit genug ermessen werden. Dem Heiden wird die höchste religiöse Liebe zugesprochen. Er. wird als ein Liebender, und darum und in diesem also zulänglichen Sinn als ein Frommer anerkannt. Und es bleibt nicht bei der abstrakten Anerkennung der Toleranz, sondern es wird ihnen das sichere religiöse Merkmal sittlicher Vollwertigkeit aufgedrückt. Das ist der Anteil am ewigen Leben. „Die Frommen der Völker der Welt haben Anteil am ewigen Leben" (dmsside ummauss liouulom jcsdi loliein diclck l’unlom lmbbo). Der Sohn der Fremde gleich dem Fremdling-Beisaß, gleich dem Noachiden, gleich den Frommen der Völker der Welt. Das ist der Begriff des Nächsten nach der Lehre des Judentums. Und wahrlich, wenn der Talmud die Befestigung des Judentums nicht ohne den zeremonialen Abschluß desselben bewirken konnte, so hat er sich durch die originale Entdeckung und juristische Sicherung dieser Begriffe des Noachiden und des interkonfessionellen Frommen die kräftigsten, fruchtbarsten Verdienste in der Geschichte der Religion, des Staatsrechts und der Sittenlehre erworben. Die Offenbarung ist zunächst den Israeliten allein geworden, und von ihnen soll sie den Völkern der Erde mitgeteilt werden. Im Sohne Noahs kündigt sich daher eine Korrektur dieses Offenbarungsbegriffs an. Nicht erst am Sinai ist die Offenbarung erfolgt, sondern schon dem Noah hat Gott sich offenbart, und Mose selbst hat nachträglich diese Offenbarung verkündet. Das ist eine große, tiefsinnige Idee des unzweideutigen universellen Humanismus. Nicht mit Mose erst wird der religiöse Mensch geboren, er ist schon seit Noah vorhanden. Und diese natürliche Religion hat der wahre Gott selbst eingerichtet. Cohen. De? Gedanke der Offenbarung, die als eine speziell Israel

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