Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 8 (1932)
- Issue
- 8 (15.8.1932)
- Date
- 1932-08-15
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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; \ ■%*b\‘riyi -L L»; v^tm ^8. Leweth (wieder) rechtsnlätzige Hitzuug des Hynhedrions. Venn als die Sadduzäer -in ihrem Synhedrion saßen und König Jannai und die Königin Salome bei ihnen saßen und kein einziger aus Israel mit ihnen saß außer Schimon b.. Schetach und sie Eesetzesentscheidungen suchten und keine. Begründungen aus der Thora zu erbringen wußten, da sagte ihnen Schimon ben Schetach: Wer eine Begründung aus der Thora . zu erbringen weiß, sei würdig, im Synhedrion zu sitzen; hingegen wer keine Begründung aus der Thora zu erbringen weiß, sei nicht würdig, im Synhedrion zu sitzen. Einmal lag ein prak- . tischer Rechtfall vor, und sie wußten keine Begründung aus der Thora zu erbringen außer einem Alten, der gegen ihn schwatzte, . ' der sagte ihm: .Gib mir Zeit, und morgen gebe ich dir Antwort.' Er ging und beriet mit sich, und als er sah, daß er keine Begründung aus der Thora zu erbringen imstande war, da schämte er sich, hinzugehen und im großen Synhedrion zu sitzen. Da berief Schimon ben Schetach einen seiner Schüler und setzte ihn “ an dessen Stelle. Er sagte ihnen: Man verringert das Synhedrion nicht unter 71.' So machte er es Tag für Tag, bis alle , - ' ' ausgeschieden waren, und das Synhedrion Israels tagte wieder seinen Gesetzen gemäß; und den Tag. an dem das Sadduzäer- Synhedrion ausgeschieden war und da ein Synhedrion Israels wieder tagte, machte man zu einem Festtage." Hier können die Schüler nun selbst — unter Verwertung der .an den vorigen Stücken gewonnenen Ergebnisse — sehen, wie sich auf Grund sadduzäischer Lehre nicht Recht sprechen läßt, wie das . - Leben ln der Vielfältigkeit seiner Fälle sich nicht in geschriebene Gesetzeallein einfangen läßt, wie die Deutung und Auslegung i. e. die mündliche zur schriftlichen Lehre hinzukommen muß. Die Schüler können hieran feststellen, wie die Sadduzäer von den . Pharisäern nicht durch Gewalt und Macht vom Synhedrion ent- . fernt wurden, sondern über die Unhaltbarkeit ihrer eigenen Prinzipien strauchelten. Am Ausdruck inx xVi ‘ nvv p psratfa pn pa? der dem aufmerksamen Schüler unbe- . dingt auffallen muß (sind denn die anderen Synhedrion-Mitglieder nicht kann die ganze Schärfe des Kampfes emp- ' .. fanden werden. Zur Ausschöpfung und Verwertung von agadischen Stellen . im Geschichtsunterricht sei aus der erdrückenden Fülle nur ein Beispiel herausgegriffen: (Midrasch nV nm rnp'l) p pvaw 'a'2 / ■ Nd^an N'2a^?V 'a'2i Nvv. -. Es geschah zur Zeit Schimon ben ' ' . Schetachs und der Königin Salome, daß Meizenkörner wie Nieren groß wurden, Gerste wie Olivenkerne und Linsen wie ' Eolddenare, und die Gelehrten sammelten davon und hinterlegten sie für künftige Geschlechter, um zu zeigen, was die Sünde vermag..."*) Wie gut doch eine Legende eine ganze Zeit in ihrer Bedeutung erfaßt! Wie eindeutig klingt hier das Lob der ruhigen, friedlichen, schönen Zeit unter Salome Alexandra, einen der . - wenigen Lichtblicke aus der Zeit der letzten Makkabäer. Solche agadischen Stellen müssen den Schülern ohne ein Wort der Einführung oder Erklärung vorgelegt werden, und es muß ihnen ' überlassen werden, den historischen Gehalt oder Sinn herauszuschälen. Ich komme nun zu einer anderen Art von Quellenbehandlung, zur Vergleichung von zwei oder mehreren Quellen für ein und dasselbe Geschehen. Hier kommt es auf das Gegeneinanderhalten, auf das Erklären der Verschiedenheiten, das Deuten der Widersprüche, zuweilen auch auf das Sich-Entscheiden für eine der Quellen an. Kommt man zur Entstehung der Septuaginta, so gibt's eine ganze Reihe von Quellen hierüber, die aber deutlich in zwei Gruppen zu scheiden sind: die apotheosierende und die verdam- , mende Ueberlieferung. Die erste Gruppe kann man gut durch . . / *) Die Uebersetzung dieses wie des vorigen Zitates verdanke , ich Herrn I. Aschkenasy (Jerusalem). Philo Leben ivlosis 11 § .87 dis 1U mit seinem noerschwengt »mcu Lob dieser Uebersetzung und dein Gericht über das alljährliche Fest der alexandrinischen Juden am Jahrestag der Vollendung repräsentieren lassen; die andre Gruppe etwa durch die Stelle am Ende von Megillat ta'anit: mim MMJ MM MiaM •D’a’ 'A nvn Ml *]Van ’aVn ’a’a ..Am 8. Teweth wurde i die Thora griechisch niedergeschrieben, in den Tagen des Königs l Ptolomäus. und es kam eine dreitägige Finsternis über die ' Welt", oder Traktat Sofrim: Es geschah, daß fünf Alte dem; Könige Ptolomäus die Thora ins Griechische übersetzten, da war; der Tag für Israel so verhängnisvoll, wie jener Tag, an dem; das goldene Kalb gemacht wurde, da die Thora nicht ganz, wie - . sie es erfordert, übersetzt werden kann. Man lege den Schülern die verschiedenen Quellen ungeordnet vor, der Widerspruch wird sofort gemerkt; der Grund für die Verdammung, der ja in der zuletzt zitierten Stelle angedeutet ist, wird langsam gefunden, vertieft, ebenso — noch leichter — der Grund für die Freude gerade der alexandrinischen — also nicht palästinensischen Juden — und somit auch die Gründe für : dieses zwiespältige Verhalten gegenüber diesem so wichtigen Ereignis der jüdischen Geschichte. Ein anderes Beispiel für das Vergleichen von Quellen, die sich zwar nicht widersprechen, an deren Verschiedenheit jedoch vieles zu lernen ist: Josephus' Altertümer xiv, IX, 3—5: der jugendliche Herodes vor dem eingeschüchterten Sanhedrin. Da- neben aus Sanhedrin 19 a dasselbe, nur mit anderen ' Namen der handelnden Personen und der Angeklagte (Herodes) . namenlos, nur jo^a ’W’i X12V genannt und damit an Herodes' Schimpfnamen •»Kliaizm rmt erinnernd. Wie hier Josephus den Bericht breit ausführt, die verschiedenen politischen Beweggründe des Königs und anderer handelnder Personen aufdeckt, die Nebenumstände berücksichtigt, und wie der Talmud hingegen. { der nicht Geschichtsbuch ist noch sein will, das Ganze auf ein paar > Zeilen zusammendrängt, das Ganze in knapper, dialogischer Form z bringt, wie die Erzählung hier keinen anderen Zweck hat als f den juristischen Satz: „ein König richtet nicht, noch wird er gej richtet", zu begründen, und wie doch aus dem Bericht unbeugsamer •. Gerechtigkeitssinn und Mut eines Pharisäers hervorleuchtet — ' all das finden die Schüler und lernen außer der geschichtlichen - Tatsache noch eine ganje Menge dazu. '[ * f Die Veispielreihe läßt sich ins Unendliche fortsetzen und jedes ’ Beispiel fordert eine andere Behandlungsweise und läßt sich aus f andere Weise verwerten. Man wird mir nun einwenden, daß : die Schüler die verschiedenen oben dargestellten historischen Einsichten doch nicht allein herauszulesen imstande sind und der Lehrer ihnen doch alles oder das meiste sagen müßte, mithin der j Unterschied gegenüber dem durch Fragen unterbrochenen Vortrag; gar nicht so groß wäre. Hierauf ist zu erwidern, daß selbst wenn dem so wäre, wenn der Lehrer dem Schüler die Hauptsachen auf-; decken müßte, es doch ein gewaltiger Unterschied ist. ob der Schüler die fertigen Ergebnisse bekommt oder er der Arbeit an der Quelle, ihrer Deutung, ihrer Ausschöpfung beiwohnt. Aber abgesehen davon muß gesagt werden — und jeder, der Erfahrung j im Arbeitsunterricht hat, wird dem beistimmen —, daß die Schüler sich überraschend schnell an diese Methode gewöhnen. - Da ja ihr Ziel nicht so sehr darin besteht, einmal gewonnene Ergebnisse festzuhalten als das Suchen und Finden dieser Ergebnisse, das scharfe Beobachten, Lesen und Deuten zu lehren, so ist jedes Stück gewissermaßen auch Uebung und Vorstudie für das nächste, und so ist man nach ein paar Wochen schon überrascht zu sehen, mit welchem Eifer, ja mit welchem Verständnis sich ein großer Teil der Klasse an die Deutung der Quellen heranmacht. Natürlich muß der Lehrer darauf achten, daß da auch ein Zusammenarbeiten der Schüler zustande kommt, daß ein jeder Schüler das benutzt, was die anderen gefunden haben, daß