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Jüdische Schulzeitung · 1932-07-15 · 7 (15.7.1932) · page 7

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
8 (1932)
Issue
7 (15.7.1932)
Date
1932-07-15
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nummer 7 Seite 7. Jüdifche Schulzeitung Peter Zepv. Die weltkundliche Jugendbildung in Heimat- und Erdkunde lV. Teil. Band 3 des Handbuches der Erziehungswissenschaft. Verlag Josef Kösel. und Friedrich Nustel m München 1931. IX- und 368 Seiten. Wenn auch dieser Teil des Handbuches der Erziehungswissenschaft in erster Linie den Fachlehrer interessieren wird, so wird doch jeder, der im Lehrberuf steht, aus ihm viel Anregung schöpfen. Das Heimat- und Erdkundliche kommt ja bei der Erteilung vieler Unterrichtsfächer in Frage. Auch der jüdische Lehrer, der im Nahmen des Religionsunterrichts biblische und nachbiblische Geschichte durchnimmt, wird daher Zepps Buch mit Interesse lesen. Es wird aber auch ohnehin Beachtung finden, weil es eine Fülle von Fragen und Problemen auf allgemein-erzieherischem Gebiet in eingehender und tiefschürfender Weise erörtert, weil es eine große Zahl von Themen behandelt, die jeden Gebildeten und erst recht jeden Lehrer ernstlich beschäftigen. Auch die geschichtlichen Erörterungen, wie z. B. der Humanismus in seinem Einfluß auf die Entwicklung des geographischen Lehrstoffs, werden gewiß Beachtung finden. Besonders möchten wir auf das Kapitel die Geographie des Menschen im Unterricht und seine Abschnitte. wie Volks- und Völkerkunde. Siedlungsgeographie. politische Geographie Hinweisen. Von der letzten sagt Zepp. daß „sie ein Wissen politischer Entwicklungs- und Zustandsverhältnisse aus der gesamten Umwelt heraus klarlegt." S. 275. Sehr beachtlich ist die Bemerkung in diesem Zusammenhang: „Gerade Schüler im Neifealter sind für politisch-geographische Auseinandersetzungen sehr interessiert: wie wertvoll muh es hier sein, ihnen die Abhängigkeiten der Staatsvölker von ihrem Staatsraum mit den allgemein geographischen Verhältnissen aufzuzeigen! Das bedeutet für sie Belehrung und zugleich Warnung vor phantasl'ischen und unbegründeten Ansichten und bringt ihnen den Satz zum Verständnis: Auch alle politische Macht ist erdgebunden. Imperialistische oder parteipolitische Probleme sind nicht Lehrstoff der Schule." S. 275 Auch die Anführung der gesamten Literatur aus vielen Wissensgebieten erhöht noch den Wert des Buches. Bezirksrabbiner Dr. Ernst S t e ck e l m a ch e r-Bad Dürkheim. Der Psychologie des Einzelkindes sind zahlreiche Untersuchungen gewidmet, das Schulkind als Mitglied der Schulklasse. also eines Kollektivs, fand bisher weniger Beachtung. Dieser zeitgemäßen Aufgabe unterzieht sich Dr. Hedwig Hosp-Wallner, München: Ueber Masse und Gruppe und die durch sie bedingten Verhaltungsweisen in Schulklassen, Bd. 2. der Schriften zur Erziehungswissenschaft, Pestalozziverlag, Abt. Pädagogik. München. Verfasserin untersucht zunächst die psychologischen Grundlagen der Blasse und die Beziehungen der heute anerkannten Massenpsychologie im Rahmen der einzelnen Diszipline der modernen Psychologie. Im zweiten Teil wird das gruppen- und massenpsychologisch bedingte Verhallen von Schulklassen an zahlreichen Beispielen aus der Praris erhärtet, wobei die massierte Verhaltungsweise und motorischer, emotionaler und intellektueller Grundlage basiert ist. Beigefügte Tests erhöhen den Wert der fesselnden Ausführungen. Im Zeitalter des Arbeitsunterrichts wird kein Pädagoge an der psychologischen Wesensheit des kollektiven Verhaltens in Schulklassen vorübergehen können, wobei ihm die Schrift von Frl. Dr. Hosp wertvolle Fingerzeige gibt. Interessantes Material für kollektives Verhalten in Schule und Gesellschaft liefert auch die an anderer Stelle eingehend besprochene Schrift des Berliner Nervenarztes Dr. Künkel: Charakter und" Erziehung. M. Simon. Studienrat. Tilsit. Emil Vandervelde. „Schaffendes Palästina". Carl Reißner-Verlag. Dresden. 1930. Büchern über die Entwicklung eines Landes ergeht es zuweilen ähnlich wie der Tageszeitung: sie veralten ungemein rasch. Das Buch des Belgischen Arbeiterführers Vandervelde erschien im Jahre 1930. und wer es erst jetzt zur Hand mmmt und liest, der wird, sofern er die politischen und wirtschaftlichen Ereignisse in Palästina verfolgt hat. feststellen, daß manche der Darlegungen überholt sind. Die gewaltige Weltkrise, die heute die ganze Welt in Bann hält, war 1930 N'cht sy stark fühlbar wie jetzt, vielleicht auch noch nicht die politischen Schwierigkeiten zusätzlicher Natur, die sich ln Palästina aus dem Zusammenleben der Juden und Araber ergeben. Und dennoch entbehrt das Werk nicht des Reizes der Neuheit, weil hier ein erfahrener und bei aller Nüchternheit des Urteils optimistischer und glühender Freund des Zionismus das Wort nimmt. Wie Vandervelde denkt und fühlt, das mößen seine eignen Worte sagen, die aus dem angezeigten Buch hierhergesetzt seien: „Wenn ich mit dem ganzen Feuer meiner sozialistischen Ueberzeugung an eine günstige Endlösung glaube, so. weil ich Vertrauen habe in die Energie, in die Alassensolidarität, in die Macht des Ideals dieser „Pioniere", die ich bei der Arbeit gesehen habe, die in der Mehrheit im Schmerz aufgewachsen sind, durch die grobe Flamme der Revolution hindurchgingen, und die. in ihrem täglichen Kampf gegen feindliche Kräfte genügend gestählt sind, um sie siegreich zu überwinden." (Seite 174.) Das schön ausgestattete Buch sei allen denen, die die Entwicklung des Aufbauwerkes in Palästina verfolgen, angelegentlich empfohlen. d. n. J>Vn «min IT rnm Leipzig. M. W. Kaufmann. Der 3. Teil des Mandelbaumfchen Unterrlchtswerkes NUN ir,YYW ist zu Beginn des neuen Schuljahres erschienen. Die in den bereits erschienenen Fibeln nnyVl miK und NUN IT mix mit Erfolg angewandten Grundsätze der Verfasser werden auch im 3. Teil in streng konsequenter Weise durchgeführt. „Licht und Freude" strahlen die Mandelbaumfchen Bücher aus; spielend und sprechend wachsen die Kinder unmerklich in die neue Sprache hinein. Konkrete Wirklichkeit, dem Kinderleben abgelauscht, bildet den Grundzug auch dieses 3. Teiles. An den Quell des „Lichtes und der Freude" an die Thora, wurden die Kinder schon im 2.Teile hinangeführt. Wenn sie nun das neue Buch zur Hand nehmen, können sie die herrliche Josefsgeschichte bereits in der Ursprache mit Verständnis lesen, ohne auf das übliche Uebersetzen angewiesen zu sein. Die zunächst noch etwas schwierigen Jmperfektsormen (mit dem-,isn.i >i) werden durch Gegenüberstellung der entsprechenden 12V Formen verdeutlicht. Nicht durch trockene grammatikalische Uebungsreihen, sondern durch die lebendige Aussprache über den gelesenen Stoff, soll die Sprachkraft des Schülers allmählich erstarken. Er fühlt sich sozusagen in die Sprache hinein und „erlebt" sie. Dazu tragen nicht zum wenigsten wiederum die wohlgelungenen Zeichnungen aus Rothschilds kunstgeübter Hand bei. Angesügt sind am Schlüsse allerlei unterhaltsame Sachen: Geschichten, auch solche aus dem Lesebuch — wie interessant sie nun auf hebräisch zu lesen! — Rätsel, Gespräche. Auch lebendige Darstellungen des jüdischen Lebens fehlen nicht. — Möge auch dieses Buch, das auch äußerlich in gediegener Ausstattung erscheint, dazu beitragen, daß die Zeiten, da das Uebersetzen zur Qual für Lehrer und Schüler wurde, nun endgültig überwunden sind. Freund. Fr. Mar Soloweitschick. Vom Buch, das tausend Jahre wuchs. Weltoerlag. Berlin. Der Herausgeber hat diesem Buch den Absatz aus Heines Vorrede zu seiner „Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland" vorangestellt, in dem auf die Schönheit und Gedankentiefe der Bibel hingewiesen wird. ..Er ist nie gewesen, der es ausgründen möchte. Denn sein Sinn ist reicher, weder kein Meer. und sein Wort tiefer, denn kein Abgrund." Seit Jahrhunderten bemüht sich die Wissenschaft, dem Geheimnis des Werdens und Wachsens nahezukommen, das dem Heiligen Buche wie keinem andern eigen ist. Und noch steht sie am Anfang und es ist wenig, was sie an sicheren Ergebnissen aufzuweisen hat. Wer nicht aus Beruf und Neigung sich dem Studium der Heiligen Schrift hingibt, der weiß eigentlich gar nichts von den heroischen Versuchen, die von jüdischen und christlichen Forschern unternommen wurden, um den Schleier des Geheimnisses zu lüften. Ihm ist hier in der Sammelschrift Soloweitschicks Gelegenheit gegeben, die Studienbereiche kennen zu lernen, die unter dem Namen „Quellenkritik" bekannt sind. In acht Einzeldarstellungen werden wir über die älteste historische Tradition Israels, das prophetische Schrifttum, die altisraelitische Kultuspoesie und den Ursprung der Psalmen, die Hiobdichtung, über die Babylonischen Einflüsse u. a. m. belehrt. Das Buch hat die Vorzüge und Mängel aller Sammelschriften. Seine Aufgabe kann es auch in dem Sinne erfüllen, daß es viele Leser zur Quelle selbst hinlockt und also an das Werk heranführt. „daraus die Weisheit geflossen ist. wie das Wasser Pison. wenn es groß ist: und wie das Wasser Tigris, wenn es übersehet fit Lenzen." S. B.

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