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Jüdische Schulzeitung · 1932-07-15 · 7 (15.7.1932) · page 8

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
8 (1932)
Issue
7 (15.7.1932)
Date
1932-07-15
Page
– (sequence 8)
Language
German
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E. Schwertfeger: Die Vererbungslehre (unter Berücksichtigung ihrer philosophischen Grundlagen und ihrer pädagogischen Bedeutung dargestellt). Union Deutsche Verlagsanstatt. Berlin. Diese Arbeit ist als 8. Heft in der Schriftenreihe: „Pädagogische Wegweiser" von A. Pottag erschienen. Sie geht von dem Standpunkte aus, daß die biologischen Grundlagen der Erziehung bisher geringe Berücksichtigung erfahren haben und nun soll hierin ein Wandel eintreten, dazu will auch Schwertfeger beitragen. Der Verfasser behandelt im ersten Teil das Biologische der Vererbungserscheinungen. Gewiß sind über diese Frage bisher schon eine Reihe von Arbeiten erschienen, doch sind sie nach der Meinung des Verfassers nicht umfassend oder nicht klar genug gerade für die Bedürfnisse des Lehrers, denen Schwertfeger dienen will, ohne daß damit die wissenschaftliche Gründlichkeit und Zuverlässigkeit zu kurz kommen sollen. Zunächst werden die äußeren Vorgänge der Vererbung erörtert: Fortpflanzung Zellteilung, Geschlechtsdrüsen, Reduktions- und Reifeerfcheinungen, Chromosoms u. a. — das sind einige Schlagwörter aus dieser naturwissenschaftlich-medizinischen Darstellung. Im weiteren werden die inneren Vorgänge der. Vererbung . besprochen. Woran hängen die körperlichen und seelisch-geistigen Eigenschaften, die durch die Vererbung von einer zur anderen Generation weitergehen? Zellkern, Vererbungssubstanz, Chramomenen-Theorie, Biophoren, Zntraselektion, Zntagraiionstendenz. Epigenisten, Präformisten, Mendalismus — diesen Begriffen u. ü; begegnen wir hier in umfassenden Darbietungen. Dann geht der Verfasser zur erblichen Veränderung über: zur Variation und versucht Ursachen dafür aufzustellen: Funktionelle Anpassungen. Korrelation. Propfungen, Mutationen, fluktuierende Variabilität, die Theorie der „reinen Linien", Engramm, Garminalselektion, Amphimixi's. Zn einem zweiten Teil werden die philosophischen Grundlagen der Vererbungslehre gegeben, auf die der Verfasser besonders Gewicht legt: Mechanismus oder Vitalismus? Das ist die kurze Formel für die verschiedenen philosophischen Standpunkte: Letzten Endes münden dann diese Gegensätze ein. in den Gegensatz von mechanistischer oder theistischer Betrachtungsweise —und der Verfasser versucht auch hier eine Harmonisierung wie er es in den früheren rein naturwissenschaftlichen Gegensätzen schon versucht hat. Dr. I. B a m b e r g e r. Karl Weber. Die Grundbegriffe der Elektrostatik im Unterricht der höheren Lehranstalten. 52 S. Verlag Herder & Co., Freiburg i. B. Der Verfasser „versucht zu zeigen, wie man — besonders im Anschluß an die Eedankengänge von G. Mie — zu einem methodischen Lehrgang kommen kann, der die wesentlichen Forderungen erfüllt, die an einen modernen Lehrgang der Elektrostatik gestellt werden können." Die Darlegungen zeichnen sich durch sorgfältige Auswahl und Anordnung der Versuche und Klarheit der Vegrifssbildung aus und verdienen es, nachdem sie vom Verfasser mehrfach im Unterricht erprobt sind, von den Fachgenossen eingehend geprüft zu werden. Schb. Harald Poelchau. Das Menschenbild des Fürsorgerechts. Alfred Protte Verlag, Potsdam. 1932. Zn dieser) im Rahmen der von Prof. Carl Mennicke herausgegebenen Sozialpädagogischen Schriftreihe" erschienenen Schrift macht Poelchau den Versuch, in neuerartiger Weise die heute geltende Fürsorgegesetzgebung auf ihre historischen Voraussetzungen zu untersuchen. Die verschiedenen Auffassungen vom Wesen des Menschen, die theologische, die philosophische und die naturwissenschastliche wirken sich unterschiedlich auf die Gestaltung des Fürsorgerechtes aus. Für den theologischen Begriff, der ausgeht von der wefensgemäßen Ungleichheit der Menschen, ist die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Stande nichts Zufälliges, sondern Ausdruck dieser organischen Eingegliedertheit der Menschen. Zn diesem Gedankenkreis verliert Armut gänzlich den Charakter des Uebels. Der Patriarchalismus ist hier die bestimmende Form der Fürsorge. (Es wäre interessant, von diesem Gesichtspunkt aus die Armengesetzgebung der Bibel zu untersuchen.) Die autonom-individualistische Auffassung dagegen, die die wesenhafte Gleichheit aller Menschen proklamiert, die den Menschen auf sich allein stellt, wertet Vermögenslosigkeit beinahe mit Vernunftlosigkeit,;,der Vermögenslose erreicht das Wesen des Menschen mir noch unvollkommen". Der Arme, der Besitzlose, verliert deshalb in den Gesetzen der liberalen Epoche, in denen diese Anschauungen herrschen. Wahlrecht und muß sich verschiedek nen rechtlichen Einschränkungen unterwerfen. I Rach Ansicht des Verfassers ist für die neuere Fürsorgegesetz- , gebung neben den Zdeen der Carität und Humanität, die Zdee * der ethischen Solidarität wirksam gewesen. Dieser Versuch der - philosophischen Deutung des Fürsorgerechts ist besonders in einem 1 Augenblick von erhöhtem Interesse, in dem sich ebenso wie auf -> verschiedenen andern Gebieten staatlichen Denkens auch in der \ Wohlfahrtspflege und Sozialpolitik umwälzende Vorbereitun-; gen bemerkbar machen, von denen es noch unbekannt ist. in s welchem Umfang der in der Nachkriegszeit weitgespannte Rahr men staatlicher Fürsorgetätigkeit erhalten oder umgebaut werden wird. 3. ß. I Notizen. ■> Die Israelitische Religionsgemeinde Dresden macht auf i die in ihrem Besitz übergegangene wertvolle Bibliothek des f namhaften Orientalisten Professor Dr. August Wünsche aufmerksam. Unter den sehr umfangreichen Abteilungen des . - in Druck vorliegenden Katalogs wird besonders auf Religionsj gefchichte. talmudische Literatur. Bibelwissenschaft und Graml matik hingewiesen. Auch auswärtigen Interessenten steht die ' Bücherei auf Wunsch zur Verfügung. Anfragen sind an die Eemeindebibliothek, Zeughausstr. 3. zu richten.! Jüdischer Lehrerverein für Bayern. Die diesjährige Mitgliederversammlung findet am 17. und £ 18. Zuli in Würzburg in den Räumen der Israelitischen k Lehrerbildungsanstalt statt. § Am 17.. nachmittags 3 Uhr. Vorstandssitzung.- abends fr 8 Uhr gemütliches Beisammensein. t Hauptversammlung am 18., morgens 9 Uhr. Neben Erl ledigung der geschäftlichen Angelegenheiten Referat von Ber- J linger. München: ..Der hebräische Unterricht der Unterstufe i im Rahmen des Gesangunterrichts." Ferner: „Der Arbeitsl plan für die Bezirkskonferenzen für 1932/33."? Berichtigung. I In Nr. 6. Seite 7,. Spalte 1, Zeile 12 muß es statt *! ” .Sichtbare Schrift" „Sichtbare Sprache" heißen. t — -.- 1 ' | Nichtraucher Garantiert in 3 Tagen! Auskunft kostenlos! 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