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Jüdische Schulzeitung · 1932-07-15 · 7 (15.7.1932) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
8 (1932)
Issue
7 (15.7.1932)
Date
1932-07-15
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 . | Jüdische Schulzettung Nummer 7 lieferungey unserer Väter und b^i den Lehren unserer religiösen die bekannte Stelle (b. Schabbat 31a), wonach Hille! einem Urkunden ^u verharren. Heiden , den ganzen Inhalt der Thora, in die Worte zusammen- Es steht aber auch außer allem Zweifel, daß Philosophen und . faßte: „Was du nicht willst, daß man dir tue, das tue auch keinem Relrgionsphrlofophen seit Kant in den wesentlichsten religiösen andern." Ist das etwa nur „annähernd human" gedacht? (Chwol- Fragen vielfach judaisieren. Wenn Pfleiderer und Rauwenhosf .son hat wirklich recht, wenn er sagt: Das Streben, einen Gegenf in ihrer Darstellung des Gottesglaubens die Trinitütslehre nicht satz da zu finden, wo es keinen gibt, macht die hellsten und freii mehr zu retten versuchen, so liegt darin das Zugeständnis, daß der sinnigsten Theologen blind.) Es ist auch eine durchaus verfehlte [ Monotheismus nur in der Form, in welcher er vom Judentum Annahme, daß diese und ähnliche Aussprüche nur Konzessionen )'■ verkündet worden ist. auf universelle Bedeutung Anspruch eran die Propaganda seien und aus dem Missionstrieb des Juden-; heben kann. Herbart betrachtet die Lehre von der Erbsünde und tums sich erklärten. Dieser Missionstrieb fehlte dem offiziellen! von der Erlösungsbedürftigkeit des Menschengeschlechts als. einen palästinensischen Judentum vollkommen. Der oft angerufenen r ungeheuren Skandal und Pfleiderer fragt mit Bezug hierauf: Stelle (Matth. 23,15): „Wehe euch Gesetzeslehrern und Phari-? „Was wird dann aus dem Christentum?" Lotze meint (Grundsäern, ihr Heuchler! Ihr durchreiset Meere und Länder,'einen e züge der Neligionsphilosophie, S. 93): Da Christus im eigent- Judengenossen zu machen . . .".der kein einziges anderes Zeugm lichen Sinne nun doch einmal Gottes „Sohn" nicht sein kann, nis zur Seite steht, können höchstens Erfahrungen aus der £ der wahre Sinn aber dieses bildlichen Ausdrucks gar keine Diaspora zugrunde liegen. Innerhalb des griechisch redenden s authentische Interpretation zuläßt, so ist dieser ganze Satz gar , Judentums der Diaspora entfaltete sich' eine große Missions- - nicht geeignet, ein theoretisches Dognia zu bilden. tätigkeit und sowohl die Psalmen, wie die ältere rabbinische - Schreiner. Literatur und die Liturgie lassen viele Spuren davon erkennen. Wenn man so oft gesagt hat, es sei ein Mangel unserer Neli- In Palästina verhielt man sich ablehnend oder doch mißi gion, nidjt eifrig die Mission zu betreiben, so ist dies der richtige trauifch gegen die Proselyten. Die Menschenliebe hat sich im ■Rein in dem übrigens falschen Gedanken: daß wir den Mono- Judentum stets anders als im Seelenfang betätigt, wie denn das l theismus für den tiefst innerlichen Gedanken des Menschen- Judentum überhaupt keine andere als die innere Mission kennt. - geistes, und seine Durchführung daher für die schwerste Aufgabe Daß die von den meisten und nicht allein von Hillel vertretenen des Menschengeschlechts halten. Daher haben wir geschichtliche humanen Lehren und Grundsätze nicht von propagandistischen Ab- Eeduld. sichten bestimmt waren, beweist am besten Rabbi Akiba, der zu f Und so erwarten oder gar fördern wir nicht etwa die Aufeiner Zeit lebte, wo jeder Versuch zur Propaganda von vorn-? Hebung und Auflösung des Christentums, sondern wir wünschen herein ausgeschlossen war und doch erklärte: „Liebe deinen * und befördern alle die tiefsten Bestrebungen, welche zu einer Nächsten wie dich selbst", sei der große Grundsatz der Thora. t Idealisierung angestrengt werden. Wir sind überzeugt, daß sie P e r l e s. k alle zur Ehre des Einzigen Gottes beitragen werden. So bleiben Als sich nämlich zur Zeit der römischen Kaiser Domitian, j wir vom Eigendünkel und von der selbstsüchtigen Ueberhebung Neroa, Trajan zahllose Heiden dem Judentum anschlossen, aber s frei in unserem glühenden Enthusiasmus für unseren einzigen nicht die ganze Last des Gesetzes auf sich nehmen wollten, bek ©ott, den in dieser genauen Bestimmtheit nur unsere Religion stimmten die Gesetzeslehrer, daß es für diejenigen, die nicht jf als Urbild hat. , national, sondern religiös Juden werden wollten, genüge, wenn; Daher schöpfen wir auch wahrhafte Nächstenliebe, wahrhaftige sie die 7 Gebote befolgten, die Gott einst dem Noa und dessen . j Humanität aus unserer Religion. -Unsere Weisen haben uns Nachkommen gegeben hatte. Diese noachidischen Gebote sind aber f „die Frommen der Völker der Welt" ehren gelehrt, indem sie samt und sonders nur ethischer und nicht dogmatischer Natur i auch ihnen die Seligkeit zusprachen. Diese dogmatisierte Hü- (Awodo soro 64b). — Hier werden also zum ersten Male inner- £ manität hat keine andere Religion) und daher dürfen wir auch, halb des palästinensischen Judentums die universalistischen Eiel selbst religiöse Wahrheiten aus der fremden Religion erwarten, mente des Judentums halachifch (gesetzlich) von den national- *• . und nach dem alten talmudischen Spruche müssen wir „die Wahrpartikularistischen Elementen geschieden. Es wird für die Heiden-; heit annehmen von jedem, der sie ausgesprochen". Religiöse Ausproselyten gleichsam ein universeller Vorhos vor dem Tempel i klärung und Toleranz bedeutet Anerkennung einer fremden relides Judentums aufgerichtet, zu welchem alle „Frommen der * giösen Wahrheit. So wird der geistige, der humane Horizont Völker", alle „Eottesfürchtigen" Zutritt haben. ■ in alle Tiefen durch die messianische Religiosität geweitet und Seligmann. " erhellt. Von allen religiösen Bewegungen können und sollen Die Zahl dieser Eottesfürchtigen. die sich aus dem Heidentum ( wir lernen. Aber wahrhaftes Lernen hat überall zur Vorausaller. Länder der Synagoge anschlossen, war nach den Berichten i" setzung den festen Mittelpunkt, von dem die Anziehung ausgeht. -tm Josephus und im N. T. sehr groß. Diese, sagt Josephus. ' Und so werden wir auch allen den vielseitigen Assoziationssandten so gut wie die eigentlichen Juden aus den fcrnftcii; tendenzen, denen wir jetzt in der allgemeinen Kultur ausgesetzt Ländern Asiens und Europas ihre Opfergaben nach Jerusalem, \ sind. Stand bieten, ohne daß wir gegen sie uns versperren müßten. f0 daß sich daselbst ein großer Reichtum an Gold sammelte, der l Unsere Eigenkraft ist ursprünglich, und die wahrhaftige Oriden Neid der Römer herausforderte. Ueber die Bedeutung dieser | ginalität ist unzerstörbar und unvergänglich. Werbung von „Eottesfürchtigen" seitens des Judentums hat sich l Cohen. im Midrasch eine höchst interessante Tradition erhalten. Wenn l Bousset selber ist es auch keineswegs entgangen, daß die es in Zeph. 2,5 heißt: „Wehe ihr Bewohner der Meeresküste, f Quellen ein ganz anderes Bild von der jüdischen Nächstenliebe Volk der Kretim", so bedeutet das, daß die Heidenländer alle f geben, ah man aus dem N. T. gewinnt. Er sucht sich aber mit dem Untergange — Kareth — geweiht wären, wenn nicht alle * dieser Tatsache abzufinden, indem er .„Unterströmungen" an- Jahre ein Gottesfürchtiger gewonnen würde, dessen Uebertritt nimmt, in denen er alle seiner vorgefaßten Meinung entgegenzum Judentum allen Rettung und Schutz gewährt." Das Verstehenden Zeugnisse unterbringen zu können glaubt. So gibt er dienst dieses einen Monotheisten unter den Heiden, der die Hossgnädig zu. „in der Praxis wenigstens scheint Hillel in weitnung auf die Bekehrung aller zum reinen Eottesglauben erweckt, gehendem Maße eine milde und annähernd humane Ethik vererhält sie alle. So lehrte und empfand die ob ihres Proselyten» treten zu haben". Hillel hat nicht nur in der Praxis, sondern eisers im Matth. 23,15 als Heuchler gebrandmarkte Pharisiierauch in der Theorie eine solche Ethik vertreten, die nicht nur an- .gemeinde. . P e r l e s. nähernd, sondern im idealsten Sinne human war. B. kennt ja (Fortsetzung folgt.)

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