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Jüdische Schulzeitung · 1932-06-15 · 6 (15.6.1932) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
8 (1932)
Issue
6 (15.6.1932)
Date
1932-06-15
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nummer 8 JüdtscheSchukzeituug Seite 7 vielen Knifflichketten und Peinlichkeiten des Systems. Rektor Müller (Baden-Baden), der in 40jähriger Tätigkeit als Stenographielehrer nach fünf Systemen unterrichtete, hat den Unterricht in der R.K.i mit der Begründung niedergelegt, daß er es mit seinem pädagogischen Gewissen nicht verantworten könne, eine so schwere und undeutliche Schrift lehren zu müssen. Bei der Intersteno oder ®: K. ist alles natürlich; eine Kurzschrift verträgt keine Kunst. Die Schüler lernen 40 Zeichen (mit den Zeichen der Sigel), verbinden sie auf dem nächsten Wege und können dann stenographieren. Wie fein hat Studienrat Dr. Szyinanzig (Düsseldorf) in seinem lesenswerten Aufsatz: „Sichtbare Schrift" den wundervollen, harmonischen Aufbau dieser Schrift entwickelt. Aber jeder Leser urteile selbst, prüfe die D. K. (Postkarten-Lehrgänge, sowie die oben genannte Schrift von Szymanzig sendet der Verlag für deutsche Kurzschrift, Duisburg, Friedenstraße 79, gratis). Sie werden Freude an der D. K. haben und sagen: Das ist das Ei des Columbus. Was Bethke für die deutsche Kurzschrift ist. ist I. M a i m o n für die hebräische Sprache; er ist nämlich der bekannteste Praktiker für diese Schrift. Beide Systeme haben nämlich dieselben Zeichen für die Laute. General a. D. von Kunowski (Potsdam) hat die von ihm und seinem Bruder aufgestellte Nationalstenographie zu einer Internationalstenographie ausgestaltet, indem er die D. K. ohne Zeichenänderung auf Esperanto und 25 Sprachen übertragen hat. Diese Schriftung hat sich wegen der Einfachheit und leichten Erlernbarkeit sehr schnell verbreitet und hat in sehr kurzer Zeit schon in 20 Ländern Anhänger gefunden. Die beiden internationalen Zeitungen „Intersteno Tutmanda" (in Esperanto gedruckt) und „Intersteno Multlingva" (Vielsprachenzeitung in Kurzschrift) vermitteln den Verkehr der Kenner in den verschiedensten Ländern. I. Maimon erlernte die D.K. im Jahre 1916 in seinem Geburtsort Libau. 1922 siedelte er nach Jerusalem über. Hier fand er Schriften über die hebräische Stenographie von Ben Israel, van Temes, Schagorodskaia, eine llebertragung des Systems Pitman und die des Russen Krupnick. Da er diese Kurzschriften für ungeeignet hielt, fing er 1924 an, das deutsche System von Kunowski für die hebräische Sprache umzuarbeiten. Durch die Auskunft, die ihm der deutsche Systemerfinder gab, war es ihm möglich, ein System zu schaffen, das für die Praxis sehr geeignet war. Er hielt sich fast ganz an die Zeichen der Intersteno mit denselben Verbindungen. In vielen Kursen konnte er seine Schrift erproben und ihre Brauchbarkeit durch Prüfungen beweisen. Als in Jerusalem eine Handelsschule eingerichtet wurde, übernahm - er auf Bitten den Stenographieunterricht in seinem System. Zn der 2. Klasse erlernten die Schüler auch die hebräische Debattenschrift und gebrauchten die von ihm herausgegebene Sigelliste der 1000 häufigsten Wörter der hebräischen Sprache. Weil die Engländer Herren in Palästina sind, werden die Schüler auch in der englischen Intersteno unterwiesen. Mehrere seiner Schüler haben sich in der kurzen Zeit schon zu praktischen Stenographen ausgebildet. Aber auch in anderen Ländern und Städten hat die hebräische llebertragung Eingang gefunden, z. V. in Japan, Lettland, Griechenland, Aden usw. Die englische Regierung, die Herrn Maimon oft zur Aufnahme von Reden herangezogen hat, stellte ihm ein glänzendes Zeugnis aus: „Wir bestätigen, daß Herr I. Maimon der bestbekannte Sachverständige für hebräische Kurzschrift in Palästina ist. Wir haben des öfteren von seinen Diensten Gebrauch gemacht, wenn wichtige Reden ausgenommen werden mußten, ganz besonders gelegentlich des kürzlich abgehaltenen Kongresses der Jewish Constituent Assimblyin Palästina. Sein stenographischer Bericht war ein Muster der Zuverlässigkeit und Genauigkeit. i (gvz.) I. Ben Z e v i e." Ein ähnliches Zeugnis ist ihm von der Leitung des XVI. und xVii. Zionistenkongresses (Dr. Hugo Herrmann) ausgestellt. nachdem man bei vier vorhergehenden Kongressen mit verschiedenen anderen hebräischen Kurzschriftsystemen einen vollständigen Mißerfolg gehabt hatte. Alle hebräischen Zeitungen Palästinas haben Artikel über die hebräische Stenographie von Maimon gebracht, ebenso die holländische stenographische Zeitung „De Steno-Type Dozent", Rr. 1/2, Jahrgang 1932, eine italienische stenographische Zeitung (Akademie für Stenographie in Padowa, Februar 1931) und der „Jüdische Beobachter" in Berlin. Was von der deutschen Kurzschrift gesagt ist, gilt auch für die hebräische llebertragung. (Lehrgänge der hebräischen Kurzschrift sendet der Verlag in Duisburg zur Ansicht.) Prüfet alles, aber das Beste behaltet! Nachschrift. Während der Drucklegung dieser Nummer geht uns von dom Herrn Verfasser noch folgende Mitteilung zu: Die stenographische Ausstellung des Herrn Maimon und feiner Schüler (Lehrbücher, praktische Arbeiten. Zeitschriften usw.) auf der Ausstellung des „Nahen Ostens" in Tel-Awiw (Palästina), vom 7. April bis 9. Mai 1932, wurde von allen Besuchern bewundert. Von den Preisrichtern, bestehend aus den Herren Dr. Hugo Bergmann. Leiter der National- und Universitätsbibliothek, W. H. Wyatt, Aufseher der Drucksachen der Palästinaregierung, und Dr. Zlocisti, wurde die „Hebräische Stenographie" mit der silbernen Medaille ausgezeichnet. Literarisches. Charlotte Bühler: „Kindheit und Jugend." Genese des Bewußtseins. 3. umgearbeitete und erweiterte Auflage, Leipzig. S. Hirzel 1931. (Psychologische Monographien, 3. Band.) Es sind an dieser Stelle bereits zwei Werke tiefenpsychologischer Richtung — Frendsche (Pfister) und Adlersche Schule (Künkel) — besprochen worden. Kommen Psychoanalyse und Jndividualpsychologie von der Behandlung kranker und Erziehung fehlgeriHteter Individuen zur Psychologie des Normalen, so gewinnt die oekannte Kinder- und Jugendpsychologin Charlotte Bühler ihr Material aus Versuchen, Beobachtungen und Erhebungen an sich normal entwickelnden Kindern und Jugenolichen. Gerade diesem Buch liegt ein außerordentlich reiches, jahrelanger Arbeit eines großen Kreises entstammendes Material des Wiener Psychologischen Instituts zugrunde, das nun statistisch ausgewertet und gedeutet wird. Auf Grund dieses Materials kommt die Verfasserin zu einer Gliederung der Entwicklung in fünf Phasen (1.. 2. bis 4., 5. bis 8., 9. bis 13., 14. bis 19. Lebensjahr), ohne sich schon jetzt auf die zeitliche Begrenzung dieser Phasen — die übrigens von anderen Psychologen anders gesehen werden — festzulegen. Die Entwicklung von Phase zu Phase stellt sich dar als „dynamische Wellenbewegung, sei es vom Objektiven ins Subjektive, sei es umgekehrt" (S. X). Dabei erfolgt die Strukturierung des Bewußtseins, nachdem ein Reiz intentional (als zu bewältigend) erfaßt worden ist, durch die Synthese, die das Subjekt in der Reaktion auf diesen Reiz zwischen sich und dem Objekt herstellt. „Schöpferisch wird das Bewußtsein in jenem Akt der Synthese.... in dem psychische Funktion aktiv wird und ihn intentional erfaßt" (S. 209). „Uebergewicht der Synthese, der Einstellung auf den aktiven Bezug, auf Setzung, nicht auf Entnahme gegebener Verhältnisse, ist Jugendtypus" (S. 395). Charlotte Bühler bedarf in Lehrerkreisen keiner besonderen Empfehlung. Nur soviel sei daher gesagt, daß — von allem anderen abgesehen — gerade für die methodische Gestaltung des Unterrichts dieses Werk mit vielem Nutzen auszuwerten sein wird. # Hans LÜwenberg. Levinger, L. I.: A History of the Jews in the United States (Eine Geschichte der Juden in den Vereinigten Staaten). Cincinnati 1931. Der Verband amerikanisch-jüdischer Reformgemeinden bat obiges Buch für Schulzwecke herausgegeben. Es ist in gleicher Weise für Schüler und Lehrer bestimmt. Das Kind soll aus ihm Verständnis für feine jüdische Umgebung gewinnen, soll den großen Anteil der Juden an der Entwicklung Amerikas kennenlernen. Der Lehrer findet am Schlüsse jedes Kapitels eine Zusammenstellung von geeigneten Themen für Referate und die Zitierung sämtlicher Quellen, die ihm die Möglichkeit eine» tieferen Eindringens in die Materie bieten. Der Stil ist flüssig, die Darstellung interessant. Zahllose Bilder in trefflicher und geeigneter Auswahl unterstützen das Bestreben moderner Päda-

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