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Jüdische Schulzeitung · 1932-06-15 · 6 (15.6.1932) · page 6

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
8 (1932)
Issue
6 (15.6.1932)
Date
1932-06-15
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Jüdische Schulzeit« «g Nummer S der große Dinge tut an uns und allen Enden, Der uns von Mutterleib und Kindesbeinen an unzählig viel zu gut und noch jetzund getan. ... (Martin Rinkart) Mit diesen Versen ist Iesus Sirach '5 0, 2 4 zu vergleichen: „Nun danket alle Gott, der große Dinge tut an allen Enden: der uns von Mutterleib an lebendig erhält und tut uns alles Gute." f Luthers „Ein' feste Burg" ist dem 46. Psalm nachgeahmt. Gellerts Verse „Gott, deine Güte reicht so weit, so weit die Wolken reichen" — entstammen dem 108. Psalm: „Deine ©nabe reicht/ so weit der Himmel ist, und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen." In jedem der christlichen Choräle — auch in denen, die nicht direkte Umschreibungen alttestamentarischer Stellen sind — manifestiert sich das Judentum. „Dein Zion streut dir Palmen und grüne Zweige hin, und ich will dir mit Psalmen ermuntern meinen Sinn." Zion. Palmen, Psalmen —, jedes Wort ein Semitismus. „Jerusalem, du hochgebaute Stadt, wollt' Gott, ich wär'!n dir! Mein sehnlich Herz so groß Verlangen hat und ist nicht mehr bei mir." Hier trifft sich die christliche Sehnsucht mit der jüdischen auf eine eigenartige Weise, was indessen nur dem oberflächlich Blickenden verwunderlich erscheinen kann. Mit einem jüdischen Gebet auf den Lippen beginnen und beschließen die christlichen Schulkinder den Unterricht: „Unfern Ausgang segne Gott, unfern Eingang gleichermaßen." Das ist der letzte Vers des 121. Psalms: „Der Ewige behüte deinen Ausgang und deinen Eingang." Mit dem jüdischen Priestersegen beendet der Pfarrer feine Predigt, wie denn die Predigt überhaupt eine jüdische Kulterfindung ist. Die heidnischen Priester opferten und wahrsagten, aber sie predigten nicht. Kein Christ in allen Ländern vom Nordpol bis zum Südpol würde ein Gebet als Gebet anfehen, wenn er es nicht mit dem herrlichen hebräischen Worte „Amen" geschlossen hatte. Die Juden, die Begründer alles heutigen Gottesglaubens, erfanden auch die allerpassendste, edelste, ewig gültige Abschlußform für jedes Gebet. Es wäre wünschenswert, im jüdischen Religionsunterricht die. wichtigsten christlichen Choräle gründlich durchzunehmen und jede Strophe einzeln sofort mit der entsprechenden alttestamentarischen Stelle zu vergleichen. Dabei bedient man sich am besten der Bibelübersetzung Luthers, weil die Choräle sich im Wortlaut an diese Uebersetzung anlehnen. Wo Luther frei oder unzutreffend übersetzt, kann man die Gelegenheit benutzen, die Kinder darauf hinzuweisen. Die Internationalstenographie «nd die hebräische Kurzschrift Von Konrektor i. R. Behling (Remscheid) Die Kurzschrift ist für alle Menschen von der größten Wichtigkeit. Kann doch jeder sich seine Schreibarbeit durch diese Schrift bedeutend erleichtern. Aber welche Schrift ist denn für die deutsche und hebräische Sprache die beste? Wir sind unfern Kindern schuldig, daß wir ihnen das einfachste, leichteste und doch leistungsfähigste System bieten, eine Schrift, die, ähnlich der Langschrift, ein Lautzeichen an das andere hängt. Eine solche Kurzschrift ist die Internationalstenographie, in Deutschland Deutsche Kurzschrift genannt ^D.K. Diese Schrift der Gebrüder von Kunowski wurde vor reichlich 96 Jahren geschaffen und fand die Anerkennung der Lehrer und Beamten. Als dann die Reichskurzschrift — R. K. dem deutschen Volke ohne Erprobung aufgezwungen wurde, entstand zunächst ein kleiner Stillstand. Jeder glaubte nämlich, diese Schrift, die von der Regierung befohlen wurde, müßte die beste sein. Aber die Regierung hatte einen taktischen Fehler gemacht, sie hatte die Stenographen nicht von den Vorzügen der R.K. überzeugt. Nachdem es sich herausgestellt hatte, daß die Reichskurzschrift den gestellten Anforderungen nicht genügte, der Unterricht in den höheren Schulen Preußens und vieler anderer Länder auch als Wahlfach nicht mehr zugelassen sei, begann wieder ein ungeahnter Aufstieg der D. K. Wie konnte es auch anders fein, war doch diese Schriftung für die Schüler wie geschaffen. Ja, an Einfachheit und leichter Erlernbarkeit war sie von keiner deutschen Stenographie erreicht. Beachte den Lehrstoff folgender Systeme: System Zeichen Sigel GeditchintSetnbetten (Leichen.Sigel ».Regeln) Deutsche Kurzschrift (Nationalstenographie) 35 11 55 Stolze-Schrey 57 77 etwa 200 Reichskurzschrift 72 125 etwa 406 Man sieht auf den ersten Blick, daß die D. K. das einfachste System fein muß. Bei der R. K. muß man sich 7- bis 8mal so viel Lehrstoff aneignen. Wozu dieser kolossale Ballast? Die vielen Regeln und Sigel sind eine Plage für Schüler und Erwachsene, so schrieben viele Beamten- und Lehrerzeitungen. Warum 35 Regeln für die S-Verbindungen? Für „st" gebraucht die R. K. drei verschiedene Zeichen. Ganz energisch Ipricht sich der Reichskurzschrifter Dr. August Stubenrauch gegen die Regel in der Kurzschrift aus. Er schreibt in seiner Methodik der deutschen Einheitskurzschrift — R. K. auf Seite 97 wörtlich: „Ich bin fest überzeugt, es wird einmal eine Zeit kommen, wo man den jetzigen Regelwahn als das erkennt, was er ist: eine kurzschriftliche Verwirrung." Aehnlich spricht sich Lehrer Konersmann (Kiel) aus. Die verunglückte Einheitsbewegung kann uns nicht als Vorbild dienen. Die stenographische Entwicklung der letzten Jahrzehnte hat bewiesen, daß die Systeme am populärsten sind, welche den einfachsten Aufbau sich zu eigen machten. Es hat sich gezeigt, daß auch die einfachsten Systeme, welche recht mechanisch geschrieben werden können, die größten Leistungen vollbringen können. Das sehen wir so recht bei dem harmonisch aufgebauten System der D. K. Der 19jährige I. Bethke (jetzt Schriftleiter einer Leipziger Zeitung) schrieb bei einer Herausforderung der Eabelsbergeraner mit dem Anhänger des letzteren Systems (Weyers-Essen) 30 Minuten lang je 325 Silben. Weyers konnte sein System nicht übertragen, während Bethke nach VA Stunden (statt 12 Stunden) seine Übertragung abgab, seinen Dauerrekord also bestanden hatte. Eine solche Leistung ist bis jetzt noch nicht wieder aufgestellt worden. Mit den Leistungen der R. K. sind viele Lehrer und Studienräte, besonders solche, die früher in einem anderen System unterrichteten, nicht zufrieden, weil sie mit anderen Schriftungen bessere Resultate erzielt hatten. Sie sind deshalb wieder zur D. K. zurückgekommen. Ein Lehrer aus Berlin schreibt darüber in der Zeitschrift „A—Z", Nr. 1, Jahrgang 1931: „Die Ergebnisse des stenographischen Unterrichts in den Berliner Volksschulen sind so spottschlecht, daß der Magistrat sich jetzt endlich entschlossen hat, nunmehr gar keinen stenographischen Unterricht erteilen zu lassen etc." Selbst der preußische Kultusminister Dr. Grimme ist (laut Zentralblatt für die gesamte Unterrichtsoerwaltung in? Preußen, Heft 3, vom 5. Februar 1932) mit den wenig zureichen»', den Leistungen der R.K. nicht zufrieden. f Als Mangel der R. K. wird vor allen Dingen auch die Un-! deutlichkeit der Schrift empfunden. Dr. Stubenrauch spricht im! „Kurzschkifttehrer" (Zeitschrift der Lehrer der R.K.) von den. i

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