Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 8 (1932)
- Issue
- 5 (13.5.1932)
- Date
- 1932-05-13
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nummer 5 Jüdische Schulzeit««- austausch mit Lessing und seinem Kreise steht im hervorleuchtenden Mittelpunkte, der bedeutungsvolle Briefverkehr mit Abbt, Hamann und Jjelln schließt sich an. Vom Mai 1761 bis Mai 1762 werden diese Briefe untermengt von den Bräutigamsbriefen Mendelssohns, eine liebliche Unterbrechung durch die Aougerungen eines zärtlichen Gemüts. Die Brautbriefe haben sich leider nicht erhalten. Das ist um so bedauerlicher, als Mendelssohn von ihnen einmal schreibt: „Sie sind so voller Zärtlichkeit und wahrer Liybe, daß sie der Kunst unnachahmlich sind und nicht anders als aus dem Herzen fließen können. Sie schildern sich ganz in jeder Zeile, und ich glaube, mich mit Ihnen zu unterhalten, so oft ich Ihre Briefe lese." Diese Liebesbriefe sind in einem schon sehrmoderierten Jüdisch-Deutsch geschrieben, in dem die recht häufigen kleinen Brocken Hebräisch hervorstechender sind als sprachliche Eigentümlichkeiten. Der Herausgeber hat diese Briese, die bereits im 16. Bande originalgetreu in hebräischer Schrift veröffentlicht sind, feinfühlig deutsch gegeben mit Beibehaltung bezeichnender Wortformen und Satzoildungen. Nur in dieser Straußschen Gestaltung können diese Briefe, in denen sich die schlichte Menschlichkeit des liebenswerten Weisen am deutlichsten zeigt, wirklich populär werden. Die gesammelten Briefe sind nach ihrer zeitlichen Folge geordnet, so daß nun das Anwachsen des immer mehr sich erweiternden Kreises nicht nur der Korrespondenten, sondern auch der Gegenstände der philosophischen und literarischen Aussprache unmittelbar miterlebt wird. Dabei fällt Mendelssohns merkwürdige stilistische Anpassungsfähigkeit an die Art der Adressaten besonders auf. Ob ein Brief an Lessing oder an Hamann gerichtet ist, kann man allein schon aus der Darstellungsart erkennen. Bruno Strauß hat mit seinem Forschersinn und Finderglück manchen bedeutungsvollen, bisher ungedruckten Brief aufgestöbert, darunter z. V. einen Brief vom 2. Juli 1756, in dem Mendelssohn bekennt: „Ich weiß gar wohl, daß mein Ohr noch nicht deutsch genug ist, das Gewicht der Worte und die Regelmäßigkeit der Wortfügung zu beurteilen." Das Verzeichnis oer Lesarten, das nicht immer fo bedeutungsvolle Abweichungen wie Anwesenheit und Abwesenheit, berührt und berühmt, Einwurf und Entwurf notiert, oestärkt uns in dem Gefühl der Sicherheit, daß Strauß in opfervoller Kleinarbeit einen völlig zuverlässigen Text hergestellt hat. Die Anmerkungen sind nicht durch Selbstverständliches aufgebläht, sondern gehen keiner Schwierigkeit aus dem Wege und erfreuen durch die knappe, aber gründliche sprachliche oder fachliche Erklärung und Wegweisung. Die Vorgeschichte der auf die Sammlung des Mendelsfohnschen Briefwechsels gerichteten Bemühungen und eine Einführung in Gehalt und Form der Briefe vom geschichtlichen und analysierenden Standpunkte, stellt uns der philologisch und philosophisch hierzu besonders befähigte Herausgeber in erfreuliche Aussicht. Aber schon jetzt gewährt die Lektüre dieses ersten Bandes unter der kundigen Führung von Bruno Strauß einen großen Genuß. S p.-B. Eeschichtsbogen Nr. 1. Biblische Geschichte. I. Urgeschichte. Schöpfung bis Abraham. Von S. Rosenfelder, Lehrer in Ladenburg a. N. Künstlerischer Mitarbeiter: C. L. Fort ne r , München. 1932. Im Selbstverlag des Verfassers. Wer. meint, daß im ersten Biblischen Geschichtsunterricht die lebendige Gestaltung des Stoffes durch den Lehrer ein Hilfsmittel in der Hand der Schüler nicht überflüssig mache, beachte das vorliegende Heft. In einer sehr knappen und kindertümlichen Sprache ist das Wesentliche gegeben. (Die mundartliche Steigerungsform „bräver" verrät die süddeutsche Herkunft des Verfassers.) Diese schlichte Ausdrucksweise führt besser zur Bibel als so manche „poetische" Ausmalung, die oft unleidlich trivial wirkt. Das Sechstagewerk der Schöpfung ist hier allerdings nur in Aufzählungsform behandelt, doch machen die beigefügten netten Bildchen in Strich- und llmrißmanier den Stoff lebendig. Nur eine Geschichte weist keine Bilder auf: Ham verspottet seinen Vater — und diese hätte hier fehlen dürfen. Den weiteren Heften, die hoffentlich durch Billigkeit die Verbreitung ermöglichen, sieht man gern entgegen. Dr. Spanier, Berlin. Die neue deutsche Schule. Monatsschrift für alle Fragen der Volksschule. Frankfurt a. M. Moritz Die st er weg. Preis: Vierteljährlich 1.80 ML Eine beachtenswerte, vielseitige, gutorientierende Zeitschrift. Das Heimatkunde- und das Naturkundegebiet wird mit besonderer Liebe betreut. Erfreulich ist es. in der Aufzählung vsn empfehlenswerten Jugendbüchern: Svend Fleuron, den großen Schweden (ich habe nie bezauberndere Tiergeschichten gelesen als l>ie seinen, z. B. „Strix"), Ruijard Kipling (dessen Geschichte «Wie der Elefant seinen Rüssel bekam", in jeder Grundschule gelesen werden sollte). Jack London und viele andere, die bisher in Schulbibllotheken fehlen. In theoretischer Hinsicht manches anfechtbar. So, im Nachruf Kerschensteiners der verfängliche Satz: „Wie schaffen wir durch Erziehung und Bildung . . . eine zum Staat und Volk positiv eingestellte Jugend?" Was für eine Erziehung? Was für ein Staat? Wenn man diese Fragen schon anschneidet, sollte man auch eine deutlichere Sprache reden und bis zu Ende gehen in der Klarstellung dieser Probleme. A. B. . .g. Justus Ehrhardt: Straßen ohne Ende. Aegis-Verlag, Verlin/Wien. Der Arbeitsbursche Hans Schulze will auch einmal das Leben genießen und — unterschlägt 85 Ml. Er will den Schaden wieder gut machen. Aber es kommt nicht so weit. Der Vater läßt ihn fallen. Die Fürsorge nimmt ihn auf. um ihn nicht wieder loszulassen. Es müßten schon Tausende, von Menschen gleich dem Fürsorger Leukel ihre Mechanik bedienen, wenn solchen Menschen wie Hans wirklich geholfen werden sollte. Leukel allein bleibt machtlos. Und die „Sache Schulze" nimmt eben ihren Lauf. Anstalt . . . türmen. . . Polizei . . . da capo ad inkinltum. Justus Ehrhardt hat wissend und fühlend ein Buch gestaltet, ergreifend für jeden Menschen, für uns Erzieher ergreifend und lehrreich. I s s t B a y e r. Bingen. Die Aufnahmeprüfung beim Uebertrltt von der Grundschule in die höheren Schulen. Eine Sammlung von Prüfungsaufgaben aus allen deutschen Bundesstaaten. Herausgegeben von Robert Fischer, Ludwigsburg. Selbstverlag von Robert Fischer, Ludwigsburg (Württemberg). In dieser sehr lobenswerten Arbeit bemüht sich der Herausgeber Aufgaben zusammenzustellen, die bei Prüfungen den Erundschülern des 4. S<f^^l^ja^)res hei Aufnahme in Sexta gestellt wurden. Die Grundschule ist durch Reichsgesetz festgelegt (1925). Das Maß der notwendigen Kenntnisse ist durch die Länderregierungen festgesetzt. Dieses Buch enthält eine große Anzahl Aufgaben, Themen und Fragen aus den verschiedensten Fächern der Grundschule. Dieses Buch wird den Lehrer des 4. Grundschuljahres in hohem Grade interessieren. Run finden aber in Preußen gem. Min.- Erl. vom 10. Februar 1931, U II 77 U III D. U III A 1. keine Aufnahmeprüfungen nach Sexta mehr statt. Dieser Erlaß bestimmt: „Es erscheint daher an der Zeit, von Ostern d. I. (1931) ab auf eine besondere Aufnahmeprüfung beim Uebergang von der Grundschule in weiterführende Schulen grundsätzlich zu verzichten." Maßgebend ist das Zeugnis der Grundschule und das vom letzten Klassenlehrer erstattete . eingehende schriftliche Gutachten" über den Schüler. Die Aufnahme der Schüler in die unterste Klasse der höheren oder mittleren Schulen erfolgt unter der Bedingung der Bewährung, Wer nach dem Urteil der Klassenkonferenz frühestens nach halbjährigem Besuch dieser Klasse für die Ausbildung auf den höheren Schulen sich als nicht geeignet erweist, muß die Schule verlassen. Besonders wichtig erscheint es, daß der Herausgeber am Schluffe seines Buches „Richtlinien für das Gutachten über Erundschüler beim Uebertritt von der Grundschule zur höheren Schule" bringt. Diese werden den Klassenlehrer in seinem Bericht über den Schüler ein allseitig erschöpfendes Gutachten abzugeben wesentlich unterstützen, Das Buch ist sehr zu empfehlen. E. —e. Reich Gottes — Marxismus — Nationalsozialismus. Ein Bekenntnis religiöser Sozialisten. Von E. W ü n) ch. Mohr-Verlag. Tübingen 1931. In diesem Buch sind drei Arbeiten vereinigt. Der erste Aufsatz — geschichtlicher Natur — zeigt den Weg der schweizerischen religiös-sozialen Bewegung zur dialektischen Theologie. (Leonhardt Ragaz-Zürich.) Hier wird eine Spezialfrage behandelt, die die Leser dieses Blattes kaum sonderlich interessieren dürfte. In der zweiten Arbeit — systematischer Natur — wird oie Aufgabe des Marxismus in der Bewegung „des Reiches Gottes" aufgezeigt. (Georg Wünsch, Marburg.) Hier wird der Boden der Eschatologie verlaßen, und untersucht, in welcher Weise der Marxismus in den theologischen Idealismus einmündet. Mutig schreibt Wünsch gegen die Gotteslästerung, die darin liegt, wenn die Kirche den Krieg verherrlicht und unterstützt. Ich zitiere wörtlich: „Die Geschichte der christlichen Kirche ist reich am bewußten und unbewußten Mißbrauch der Formel: „Gott will es!" oder: «Gott mit uns!", das das Koppelschloß unseres vorrevolutionären Militärs zierte!" Dis zweite erfreuliche Erkenntnis, die uns der Autor vermittelt, besagt: „Das Ziel der christlichen Liebe muß sein die Aufhebung der Klassen, wie auch der Biarxismus sie aufheben will." Es lohnt sich um dieser