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Jüdische Schulzeitung · 1932-05-13 · 5 (13.5.1932) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
8 (1932)
Issue
5 (13.5.1932)
Date
1932-05-13
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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2üdi,cheSch»lreit»»s Nummer 5 Seite« Fc^chma nur der Fachmann ermessen können. Um so mehr find wir den Bearbeitern für ihre im Dienste des Judentums und der Wissenschaft geleistete selbstlose Arbeit und der „Gesellschaftfür die vorzügliches Ausstattung, die sie trotz der jetzigen großen Wirtschaftsnot dom Werke hat angedeihen lassen, zu heißem Dank verpflichtet. Unserer Anerkennung können wir am besten dadurch Ausdruck geben, daß wir der „Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums" in Form von Mitgliodsbeiträgen die Mittel geben. Las begonnene Unternehmen zu Ende zu führen lehagdil tauro ulehaadiro. Literarisches. Dr. JosephPrys, „Die Familie von Hirsch auf Gereuth". Selbstverlag des Verfassers München. Preis 20 ML Im Dezember des vergangenen Jahres waren hundert Jahre verflossen, seitdem der Philanthrop Baron Moritz von Hirsch — sein Bildnis zierte ungezählte jüdische Stuben namentlich in Süddeutschland — geboren wurde. Dieser Gedenktag war Anlaß mr Abfassung des Buches, das hier angezeigt werden soll. Es lst eine aufs sorgfältigste ausgestattete Familiengeschichte, überaus aufschlußreich in der kritischen Beleuchtung verwaltungs- .. politische/ Praktiken und damit das Paradigma der zähen Kämpfe, die in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts von Juden um ihre Gleichstellung geführt werden mußten. Mit dem Erwerb des Ebracher Hofes in Würzburg durch den Ahnherrn der Familie von Hirsch, Moses Hirsch, begann das mühevolle Ringen um den Aufstieg. Moses Sohn Jakob erhielt im Jahre 1806 das Recht der Freizügigkeit innerhalb des neuen Königreiches Bauern. Unter den zahlreichen Gütern, die er erwarb, ragt das Rittergut Gereuth bei Ebern in Unterfranken hervor. Als der König von Bayern im Jahre 1818 den mit irdischen Gütern aufs reichste gesegneten Hofbankier und Großhändler Jakob Hirsch adelte, wählte der Robilitierte den Beinamen ,/ruf Gereuth". Nach seiner Uebersiedlung nach München teilte sich die Familie in eine Würzburger und eine Münchener Linie auf. Die erste behielt auch weiterhin das Patriarchalische der Ahnen bei. während die letzte sich zum Typ internationaler Aristokratie entwickelte. In Würzburg lebte Joel Jakob als erfolgreicher Kaufmann bis zu feinem Tode im Jahre 1876. Bemerkenswert ist es, daß er viermal verheiratet war und 17 Kinder hatte. Die geschichtlich und menschlich interessanteste Gestalt der Familie von Hirsch auf Gereuth ist unzweifelhaft der Bruder Joseph, der die Münchener Linie fortsetzte. Er war es, der am zielbewußtesten und energischsten den Kampf ums Recht gegen die Tücken einer in allen Sätteln gerechten kniffeligen Verwaltungsjuristerei geführt hat, und der am Ende obsiegte. Sein Konflikt mit Behörden und Jnteressentengruppen, die ihn hindern wollten, eine Brauerei auf Schloß Planegg bei München zu errichten, verlief in einer Weise, die jeden Liebhaber des Studiums von Rechtshändeln erfreuen kann. Gleichermaßen reizvoll ist die Schilderuüg seiner Tätigkeit als Landwirt und Finanzmann, sowie bte; feiner Bemühungen um die volle Emanzipation der Juden seiner Heimat. Blieb der Einfluß dieses eigenwilligen Mannes im wesentlichen auf den heimischen Bereich beschränkt, so war es sein Sohn Moritz von Hirsch, der den Ruhm des Hauses in alle Welt hineintrug. Die Zeitgenossen haben bei keinem andern Menschen so die Art des Erwerbs und der Verwendung eines Riesenvermögens bewundert wie eben bei Baron von Hirsch. Er hat die türkische Bahn erbaut und damit der Welt einen unschätzbaren Dienst geleistet; er rief die Jewish Colonization Assoziation! Jca) ins Leben und bewährte sich damit als weitblickender Helfer aus spezifisch jüdischer Not. Ein reiches. Quellenverzeichnis und eine aufschlußreiche Stammtafel, in der wir manch illustrem Namen auch aus der internationalen Aristokratie begegnen, schließen das mit Bildnissen und Faksimiles reich geschmückte Buch ab. Gern hätten wir etwas mehr rein Familiengeschichtliches über die Geschlechter derer von Hirsch auf Gereuth erfahren. Dabei wäre ohne Zweifel auch das jüdische Element mehr zu seinem Recht gekommen. Aber des Verfassers Absichten gingen von vornherein mehr auf das Historische überhaupt, und so wollen wir ihm dafür dankbar sein, daß er uns ein -wichtiges Stück deutschjüdischer Geschichte am Beispiel mit Gründlichkeit und Sorgfalt anschaulich vor Augen gestellt hat. SiegfriedVraun. Der Morgen. Das Aprilheft wird eröffnet mit einem Aufsatz von Hans Bach: „Was kommt danach?" an das sich ein Nachwort von Heinrich Frick „Wider die Aechtung des Liberalismus" anschließt. Mit diesen beiden Aufsätzen beginnt eine Aussprache über das strittige Thema der Wertung des Liberalismus. Einem brennenden Gegenwattsproblem ist der Aufsatz von Alfred Marcus ,I>ie Berufswahl der Jugendgewidmet. Don einer betrüblichen Aktualität ist ferner der Beitrag von Michael Müller-Claudius „Psychologie des Hassens". Aus den Streitfragen der Gegenwart heraus führt der Schluß von I. Heinemanns Artikelreihe „Die griechische Weltanschauungslehre bei Juden und Römern" in die Vergangenheit hinein in das Werden des Diaspora-Judentums. Das Aprilheft enthält ferner Ludwig Rosenthal „Jüdisches Mittelalter in Frankreich und Deutschland", und zwei große Buchbesprechungen Wilhelm Michel „Das Reich" und Eva Reichmann-Jungmann „Der Untergang des Judentums". Eine Auseinandersetzung mit Konstantin Brunner, von Mauritus Kahn beschließt das anregende Heft. Der Morgen erscheint sechsmal im Jahr. Jedes Heft ist ca. 100 Seiten stark. Abonnement durch jede Buchhandlung oder durch den Philooerlag, Berlin W 15, 12 Ml jährlich. Lexikon der Pädagogik der Gegenwart, herausgegeben vom deutschen Institut für wissenschaftliche Pädagogik, Münster in Westfalen, in zwei Bänden von insgesamt zirka 2624 Spalten. Erster Band Abendgymnasium bis Kinderfreunde. Lex. 8" XVI Seiten uns 1344 Spalten. Verlag: Herder & Co. in Freiburg i. Br. 1930. Wer die pädagogischen Bemühungen der Gegenwart aufmerksam verfolgt, wird den Eindruck gewonnen haben, daß uns auch die weltanschaulich gebundene, an der katholischen Religion orientierte Pädagogik mit hervorragenden wissenschaftlichen Werken beschenkt, die eine sehr beachtliche Vertiefung und Bereicherung der in Betracht kommenden Literatur darstellen. Wir hatten erst vor einiger Zeit Gelegenheit, dies klarzulegen, als wir in den Blattern für Erziehung und Unterricht zwei Teile des Handbuches der Erziehungswissenschaft, Eggersdorfe r. Jugendbildung und Behn. Philosophie der Weite, besprachen. Auch das Lexikon der Pädagogik der Gegenwart ist als eine bedeutungsvolle wissenschaftliche Leistung zu bezeichnen. Es ist nicht nur erstaunlich in welcher Vollständigkeit auf alles eingegangen wird, was mit pädagogischen Fragen m irgendeinem Zusammenhänge steht, der Wert des Werkes besteht auch darin, daß jeder der vielen Artikel wohl immer wieder unter besonderer Berücksichtigung des katholischen Standpunktes, aber doch mit strenger Wissenschaftlichkeit und Gründlichkeit und mit Einbeziehung der jüngsten Ergebnisse der theoretischen und praktischen Pädagogik ausgeavbeitet wurde. Bei dem Artikel „Hebräischer Unterricht" wird nur das theologische Studium berücksichtigt, aus der Tendenz des Werkes heraus verständlich. Dem jüdischen Lehrer wird von Interesse die Feststellung in diesem Artikel sein, die den Wert der Erlernung der heb rätschen Sprache ins Licht setzt: „Es ist wirklich nicht schwer, ähnlich wie für Latein und Griechisch und die modernen Sprachen, auch von einem formalen Bildungswert des Hebräischen zu sprechen und die Ansicht mit guten Gründen zu belegen. Auch die Gemüts- und Willensbildung kann gewinnen." Sp. 1120. Auch die Artikel „Bibel und Pädagogik", „Biblischer Geschichtsunterricht" gehen der Tendenz des Buches entsprechend nur aus den katholischen Religionsunterricht ein. Ein Beispiel für viele: „das Alte Testament durchaus christozentrifch behandeln", Sp. 323. Demungeachtet wird der hohe erzieherische Wert der jüdischen Bibel ausdrücklich anerkannt, Sp. 319. Befriedigen wird den jüdischen Leserkreis, daß die Ausarbeitung des Artikels „Israelitische Pädagogik und israelitisches Btldungswesen", Sp. 1258, dem Seminarstu di enratEliasGut in Köln übertragen wurde. Es war infolgedessen von vornherein die Gewähr vorhanden, daß der Artikel objektiv und richtig dargestellt wurde. Besonders wertvoll scheint uns in diesem Artikel die knappe und anschauliche Darstellung der Methode des jüdischen Religionsunterrichts und des jüdischen Bildungsziels. Im Artikel „Jugendoerbände" find auch die jüdischen Jugendbünde erwähnt, Sp. 1311. Der Artikel „Frauenbewegung und Frauenfragen" weist auch auf ' den Jüdischen Frauenbund hin. Sp. 814. Der zweite Band wird bald erscheinen. Es wird dann erst die Bedeutung des Werkes ganz zu übersehen sein. Bezirksrabbiner Dr. Ernst Steckelmacher in Bad Dürkheim. Moses Mendelssohn, Gesammelte Schriften. Jubiläumsaus- Sabe. 11. Bd. 1932. Akademie-Verlag. Briefwechsel I, 1754 is 1762, bearbeitet von Bruno Strauß. Der erste Band des Mendelsfohnschen Briefwechsels liegt nun in einer musterhaften Ausgabe vor. Er gibt ein Bild von dem* Aufwärtsstreben des 25- bis 33jährigen Mannes. Der Gedanken-

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