Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 8 (1932)
- Issue
- 5 (13.5.1932)
- Date
- 1932-05-13
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2825247-2825317-2825322--0616-2826235- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Jüdische Schrrlze1t»«s Seite & Nummer S Es liegt mir völlig fern, in meinen Vorschlägen ein „Allheilmittel" anpreisen zu wollen. Sie stellen nur einen der sehr vielen Versuche dar, den Erfolg des hebräischen Unterrichts zu steigern. Diese „Versteh-llebungen" müssen ihre Erweiterung und sinngemäße Ausgestaltung in mannigfachen Neuverbindungen und Umformungen des jeweilig gewonnenen Sprachstoffes finden. Zur Umschreibung des Hebräischen, die in diesem Blatte gegeben wird, bitte ich zu beachten: Sie erfolgt nach dem Gehör; 5 am Silbenschlutz ist scharf und unterschiedslos fürs- V und 7,. s ist nur am Wortanfang und -wischen 2 Vokalen weich (,> Das Zere wird durch e, das Ssegol durch e wiedergegeben. Ich darf hoffen, daß das Hebräisch der Redewendungen als einwandfrei befunden werden wird, da ich mich von einem ausgezeichneten Kenner des Hebräischen, dem Lehrer und hebräischen Schriftsteller M. Mohr in Berlin, habe beraten lassen. Ihm für seine wesentliche und wertvolle Hilfe auch an dieser Stelle zu danken, ist mir herzliches Bedürfnis. 1. Gruß. a) Sdiolaum (Allgemeiner Gruß beim Kommen und Gehen.) L’hisroaus Auf Wiedersehen. b) Boruch babbo Willkommen. Ani naussen l’cho scho- Ich begrüße dich. An! daur&scfa bisdilaum Ich lasse deinen Vater grüßen, owicho 2. Beginn des Unterrichts. a) Kumu Steht auf. SdiVu lodiem Setzt euch. Sdiewu Setzt euch. Hattalmidim komim Die Schüler stehen auf. b) Alediem lokum Ihr habt aufzustehen. Ai hattalmidim lokum Die Schüler haben aufzustehen, o) Happa-amaun zilzdl Die Glocke hat geläutet. Es hat geläutet. Hallimmud mas-dxil Der Unterricht beginnt. Maddua lau kamto Warum bist du nicht aufgestanden? Maddua Ln'dro körn Warum stehst du nicht auf? B’wau bammaure el ba- Wenn der Lehrer ins Zimmer dieder tritt, L'sdienicbuos harnmaur« haben die Schüler aufzustehen, badieder al hattalmidim lokum haben die Schüler aufzustehen. 3. Schluß des Unterrichts. a) Ssaiuf Schluß. Z6-u Geht hinaus. b) Z’u mahdr Geht schnell hinaus. Z'u w’scheket Geht ruhig hinaus. e) (Hiuue) onu gan-m'rirn Wir schließen. Hallimmud nigmor Der Unterricht ist geschlossen. 4. Pause. a) Halssoko?'«8ack es hadiallaun b) L’chu el liechozdr Ss’gaur es haddeles c) Alediem loz6s ibahafssoko Gesdiem jaured Al te-z’u bajjaum el hechozdr L’dui hajjaum el ■happ’rausdaur d) Hajjaum kar rn’aud Liwsdiu m’i-l'diem Ssim es kauwa-acho al rausdiecho Hajjaum cham P’sdiaut es m’il’dio Pis-dvu es hadialiaunaus 1 ma-an jowau awlr Haliafssoko nigmoro Sdiuw mas-diil hallimmud Pause. Oeffne das Fenster. Geht auf den Hof. Schließe die Tür. In der Pause müßt ihr hinausgehen. Es regnet. Geht heut nicht auf den Hof hinaus. Geht heut auf den Flur. Heut ist schr-kalt. Zieht euren Mantel an. Setz dir die Mütze auf. Heut ist warm. Zieh den Mantel aus. Oeffnet die Fenster, damit frische Lust hereinkommt. Die Pause ist zu Ende. Der Unterricht beginnt wieder. (Fortsetzung folgt.) Corpus Tannaiticum. Bon Rabbiner Dr. Wahrmann. Nicht viele Leser dieser Ueberschrift können sich unter ihr etwas vorstellen. Aber selbst wenn man erklärend hinzufügt, daß es sich um eine Buchreihe hebräischer Texte tannaitischen Ursprungs handelt, ist dieser Ausdruck auch noch nicht genügend erläutert. Diese Tatsache, die man sogar in gebildeten jüdischen Laienkreisen feststellen kann, beweist, wie wenig die ältesten Werke der „mündlichen Lehre" in weiten Kreisen des Judentums bekannt sind. Spricht man vom nachbiblischen jüdischen Schrifttum oder von den ältesten Werken der Halacha, so meint man in der Hauptsache den Talmud, manchmal auch die Mischna. Aber nur sehr selten werden die anderen Werke erwähnt. Dies kommt daher, daß der Talmud in der Tat alle ihm vorangegangenen Werke zum größten Teil in sich ausgenommen hat und daß die Halachaforscher des Mittelalters und der Neuzeit mit geringen Ausnahmen ihren ganzen Scharfsinn auf die praktische Nutzanwendung der Ueberlieferung konzentrierten und wenig Sinn für literarhistorische Arbeiten hatten. Die Ausdrücke „tannaitisch" und „amoräifch" wurden quasi verdrängt von der Bezeichnung „talmudisch", die beide deckt. Im vorigen Jahrhundert ist mit der Entstehung der „Wissenschaft vom Judentum" auf dem Gebiete der Halachaforschung ein merklicher Wandel vor sich gegangen. Zacharias Frankel und seine Schüler haben hierbei bahnbrechend gewirkt. Aber obwohl in den letzten Jahrzehnten schon Bedeutendes geleistet wurde, stehen wir immer noch erst am Anfang. Grundvoraussetzung für jede wissenschaftliche Erforschung und Auswertung des Eeistesguts unserer Ahnen ist, daß wir die Gewißheit haben, daß ihre Schriftdenkmäler uns so vorliegen, wie sie von ihnen niedergeschrieben wurden. Wenn auch dieses Ziel nie erreicht werden kann, so muß man wenigstens bestrebt sein, ihm näher zu kommen. Denn ohne sichere, wissenschaftlich einwandfreie Texte tappen wir im Dunkeln und kommen auch nicht selten zu Fehlschlüssen und Fehlurteilen. Solche Texte aber fehlen uns fast ganz; sie zu schaffen, bemüht sich seit Jahren die „Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums". Sie will zunächst die Werke der Tannaiten herausgeben und somit die ältesten Quellen unserer Ueberlieferung in neuen, allen wissenschaftlichen Anforderungen genügenden Ausgaben der Forschung zugänglich machen. In ein oorpus tauuaitioum gehören die Mischna, die Tosephta, die halachischen Midraschim (Mechilta, Siphra und Siphre ufw.) sowie die in beiden Talmuden zerstreuten Baraitoth, die bis jetzt noch nicht gesammelt wurden. Die „Gesellschaft" hat mit der Veröffentlichung der dritten Reihe (Midraschim) begonnen, von der bis jetzt zwei Bände erschienen sind, und zwar der Siphra d'be Rab und Siphre zutta zu Numeri und die Mechilta d'Rabbi Jsmael. Beide hat der verstorbene Seminarrabbiner des Jüdisch-Theologifchen Seminars zu Breslau, Dr. Saul Horovitz, bearbeitet. Während er -den Siphre noch selber im Jahre 1917 der Oeffentlichkeit übergeben konnte, hat er das Erscheinen der Mechilta nicht mehr erlebt. Als er im Jahre 1921 starb, war von der Mechilta nur die erste Hälfte fertiggedruckt. Sein Amtskollege Dr. I. Rabin übernahm die Fortsetzung und Vollendung dieser Edition, die er vom 15. Bogen ab völlig selbständig durchgeführt hat. Sie liegt jetzt abgeschlossen vor. (Beide Werke im Verlag I. Kauffmann, Frankfurt a. M.. erschienen.) Das Werk selbst zerfällt in drei Teile. Oben steht der eruierte Text, der mit Hilfe aller erreichbaren Handschriften und alter Drucke festgestellt wurde. Der untere Teil enthält in je einer Spalte den Bariantenapparat und den kurzen Kommentar, der besonders schwierige Stellen erklärt und alle Parallekstellen aus den Talmuden, den Midraschim und dem rabbinischen Schrifttum anführt. Mit welcher ungeheuren Mühe und welchen enormen Unkosten eine derartige Edition verbunden ist, wird