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Jüdische Schulzeitung · 1932-04-15 · 4 (15.4.1932) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
8 (1932)
Issue
4 (15.4.1932)
Date
1932-04-15
Page
– (sequence 6)
Language
German
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beite 61 Jüdifche Sch»lrert«»s Nummer 4 meinden zu bemühen, die Leser werden ihnen dankbar dafür sein. Und wahrlich, ich kann mir in den schicksalsschweren Tagen, die die deutsche lJudenheit zur Zeit durchlebt, keine erhebendere Lektüre denken, die uns den Glauben an uns selbst, an Israels ewigen Bestand so zuversichtlich vor die Seele führt. M. Steinhardt. D r. M. R o s e n m a n n. Dr. Adolf Jellinek, sein Leben und Schaffen. Zugleich ein Beitrag zur Geschichte der israelitischen Kultusgemeinde Wien in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, Wien 1931. Jos. Schlesinger, Verlag. Eine Biographie, und doch wieder mehr als dies, ein Werk würdig einer Geschichtsepoche, und doch ein Mann in seinem Mittelpunkt. Man kann verstehen, daßAdolf Jellinek einen Forscher reizen kann, dah man seinem Werke eine ganze Forschungsarbeit widmet, und man stellt mit Freuden fest, daß Rosenmann in seinen „Helden" nicht so verliebt ist, daß er nicht auch den Schatten sieht, der ihm anhaftet. Ja das Schönste an dem ganzen fein geschriebenen Werk, ist die Charakteristik Jellineks, die man in die Worte kleiden könnte — en kauchau eloh bepeh. — Alles dreht sich um seine Predigten, seine Midrascharbeiten sind nur eine Vorarbeit dazu, seine Veröffentlichungen gelten diesem Gebiete seiner Predigertätigkeit. sein Einfluh aus die Geschichte der Wiener Kultusgemeinde, ja auf die Anstellung von Predigern und Rabbinern auch anderswo ist einzig und allein auf feine Rednergabe zurückzuführen, die nach Rosenmanns überzeugenden Nachweisen in die Fußstapfen Ciceronischer Beredsamkeit treten will, sich an ihnen bildet, ihnen nachzueifern strebt. Nach meiner Meinung muh es eine außerordentliche lleberwindung kosten, wenn ein Rabbiner Predigten anderer in solcher Unmenge liest, wie es Rosenmann für Jellinek getan hat. Aber das gibt uns das Recht, seinem Urteile Glauben zu schenken, und macht es uns zur Pflicht, ihm für seine Arbeit bestens zu danken. Daß er sich der Hilfe der Familie bedient hat, daß er noch lebende Gelehrte befragen konnte und sich die Urteile derer, die Jellinek noch gehört hatten, notierte und verwertete, steigert den Wert des Buches, das ein Bild Jellineks und zwei Tafeln, als Beilage enthält. Mit Freude und Nutzen wird jeder dieses Buch lesen, es sollte in Predigerkreisen und bei Historikern recht viele Leser finden. Rabbiner Dr. P o s n e r. Kiel. Sendung und Schicksal. Aus dem Schrifttum des nachbiblischen Judentums. Von NahumNorbert Glatzer und L u d w i g S t r a u h. Berlin. Schocken-Verlag. Eine treffliche Auslese aus dem nachbiblischen Schrifttum, die von der gesamten jüdischen Presse in überaus günstiger Weise beurteilt wird. Die Sprache — und dies ist ein besonderer Vorzug des Buches — erinnert uns fast auf jeder Zeile an Vuber-Rosenzweigs Uebertragung der „Schrift". Zur Belebung des Religionsunterrichts überaus wertvoll und geradezu eine Fundgrube für die Vorbereitung für die Kanzel. M. St. Paul Koch. Kindrrfchrist und Charakttt. Brause & Co.. Iserlohn 1931. 2n unserer Kölner Beratungsstelle für Kinder und Jugendliche wirb in vielen Fällen von dem beteiligten Nervenarzt aus das Schriftbild großer Wert gelegt, und es hat uns auch oft mancherlei Aufschlüsse gegeben. Gewiß ist die Graphologie noch immer nicht ganz unter die Wissenschaften aufgenommen, doch schenkt man ihr zur Zeit schon große Beachtung. Wer wäre besser in der Lage, Studien an Schriftbildern zu machen, als der Lehrer? Gewih. bei den überfüllten Klassen, die die Notzeit ihm aufzwingt, leidet naturgemäß die Individualisierung, wird manches wieder zum Massenbetrieb und Schema — dennoch muh man das Höchstziel aller Pädagogik — Jndioidualbehandlung — nicht aus dem Äuge lassen. Und welche Aufschlüsse gibt eine Kinderschrift selbst dem Lehrer, dessen graphologische Kenntnisse nicht fest basiert sind, wenn er sich nur die Mühe gibt, ihre Entwicklung zu verfolgen! Das vorliegende Buch von Paul Koch gibt vorzügliche Anhaltspunkte zu Dergleichen, zum Erkennen: es berücksichtigt selbstverständlich alle Aeußerlichkeiten, die bei der Kinderschrift mehr ins Gewicht fallen, als bei der ausgeschriebenen Handschrift eines Erwachsenen. Es geht ausgezeichnet auf diese technischen wie auf die charatteristischen Hemmungen und Motive beim Kinde — Schulvorschrift, Schreibwerkzeug, Kladden- oder Reinschrift. Nachahmungstrieb, körperliche Anlage,, Zensurenangst usw. — ein. schematisiert das Gefundene, skizziert die Persönlichkeits- und Jntelligenztnpen, in bescheidener Weise alles als Versuch mit Wahrscheinlichkeitswert hinstellend. Einblick in die Geschichte der Graphologie, Kinderpsychologisches vervollständigen die Theorie des Buches, während der Anhang eine grobe Anzahl gut analysierter Kinderschriften bringt — kurzum, ein Merkchen, das die Bibliothek des Lehrers um Wertvolles bereichern, bei eifrigem Studium in einzelnen Fällen gewiß manches harte Urteil umbiegen würde, und damit wäre das Wesentliche erreicht: noch weiteres Verstehen und Hilfe für unsere Schüler. ' Cilli Marr-Köln. OttoHeller: Der Untergang des Judentums. Verlag für Literatur und Politik. Wien/Berlin. Gelehrter Herr Autor! Die marxistisch-dialektische Betrachtung der jüdischen Geschichte gibt manchen neuen Ausblick. Ich stehe nicht an. Ihnen dafür zu danken. Aber sonst kann ich Ihnen keinen Dank aussprechen. Es steht schon am Anfang Ihres Buches zu deutlich fest, was erst bewiesen werden soll. Wir glauben in Hinsicht der Entwicklung des Judentum a priori an gar nichts, nicht an Untergang und nicht an Aufstieg, sondern nur an den „Lohn entsprechend der Mühe". Palästina ist klein und der Biro Bidjan istäroß. Aber den Juden zieht es eben einmal nach dem Lande der Väter und nicht nach dem Amur. In Rußland wird — auch für die Juden — eine ungeheure Arbeit geleistet^ aber die Judenfrage löst auch Rußland nickt. Und: was dem Samojeden recht ist, muß auch dem Juden billig sein. So weit ist Rußland noch nickt. Sie wollen uns glauben machen, in Rußland sei das Paradies im allgemeinen und das der Juden im besonderen. Das behauptet nicht einmal — siehe den 2. Fünfjahresplan — die Räteregierung. Sie malen aber alles Russische rosarot, alles Jüdische grau in grau. Man merkt die Absicht und man wird verstimmt. Und verliert den Glauben. Nein! Wir Juden sind eine kleine Gemeinschaft, aber wir haben auch ein Recht, nach unserer Fasson selig zu werden, und vor allem: wirwollennichtuntergehen! Jssi Bayer, Bingen. Goethe. Ein Bildheft zu seinem Leben und Wirken. Bearbeitet von Dr. L i n d n e r und Dr. W. S p o h r. Universum- Verlagsanstalt. Berlin-Tempelhof, Alboinstraße 21—23. Das Bildheft bringt 54 ganzseitige Bilder aus Goethes Lebenskreis in modernem Kupfertiefdruck. Neben den wichtigsten Bildnissen Goethes aus seinen verschiedenen Lebensaltern, sowie den Bildnissen von Persönlichkeiten, die für Goethes Leben von Bedeutung gewesen sind, finden wir alle die Stätten, an denen er geweilt hat und die sich in seinen Werken widerspiegeln. Eigene Zeichnungen Goethes, sowie Illustrationen zeitgenössischer Künstler zu Goethes bedeutendsten Werken, die zum Teil hier zum ersten Male veröftentlicht werden, vervollständigen das reichhaltige Gesamtbild. Durch die Zusammenstellung dieses Heftes wird, wie jeder Eoethefreund sofort bemerken wird, eine fühlbare Lücke in der bestehenden Goetüeliteratur ausgefUllt; denn Bildstoff gleichen Umfanges war bisher nur in den größeren, für Fachkenner bestimmten Werken zu finden, während es noch kein wirklich billiges und volkstümliches Heft gab. das eine so große Zahl von Bildern um Goethe bringt. Durch die Bilder, die dem jugendlichen Empfinden angepaßt sind, wird die große Persönlichkeit Goethes der deutschen Jugend durch das moderne Mittel des Bildes auf anschaulichem Wege nahegebracht. Eine kurzer Abriß von Goethes Leben, der dem Heft vorangeht, stellt die Beziehungen der einzelnen Bilder untereinander her. So bedeutet das Heft nicht nur eine einzigartige Ergänzung zu Goethes Werken und dem hierüber vorhandenen Schrifttum, sondern auch ein wertvolles Hilfsmittel für den deutschen Unterricht. Es ist dazu berufen und geeignet, den Lehrer in seiner schwierigen Aufgabe, die Persönlichkeit des größten deutschen Dichters der deutschen Jugend lebendig zu machen, wirksam zu unterstützen. R. N. Coudenhove-Kalergi: Gebote des Lebens. Paneuropa-Verlag, Wien/Leipzig/Berlin. Preis kart. 2,60 Mt. Coudenhove-Kalergi — der Verfasser genannten Buches — ist eine der sympathischsten Gestalten der Nachkriegszeit, der im Jahre 1923 seinen ersten größeren schriftstellerischen Erfolg mit seiner Zeitschrift „Paneuropa" errang. Wenn auch dieser Begriff nicht von ihm stammt, so ist es ihm doch gelungen, durch immer neue Formulierung desselben in. seinen Werken, weitere Kreise für den Gedanken des Pazifismus, die sich bis dahin ablehnend und mißtrauisch verhielten, — zu gewinnen. Die jüngste, sehr anregende Schrift von ihm ist eine Sammlung von Aphorismen, die teilweise feinen früheren Werken entstammen. „Die Gebote des Lebens" sotten der geistigen Orientierung des abendländischen Menschen dienen. „Klein ist dies Büchlein an Umfang nur, doch eindringlich seines Geistes tiefinnerste Spur." Auf nur etwa 50 Seiten sucht Cudenhove-Kalergi einen formelhaften Querschnitt der verschiedensten Gebiete des Lebens zn geben — und alles, was er sagt, ist durchaus richtig und wahr. Es ist ein Buck der Besinnung, der Besinnung auf uns selbst und auf das Leven, ein lauter Mahner zur Umkehr und Einkehr. Nach seiner Ansicht und Einstellung ist der Unter-?ang des Abendlandes nur dann unausbleiblich, wenn Europa' n stummer Resignation das selbstgeschaffene Schicksal auf sich nimmt. Nur Selbstbesinnung kann Erneuerung bringen!

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