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Jüdische Schulzeitung · 1932-04-15 · 4 (15.4.1932) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
8 (1932)
Issue
4 (15.4.1932)
Date
1932-04-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nummer 4 Jüdische Schulzeit«»- Gelte b Leitsätze zur Gestaltung eines zeilgemSßen hebräischen Unterrichts (Nach den Beschlüssen der Vereinigung israelitischer Lehrer und Lehrerinnen in Frankfurta. M.) A. Allgemeines 1. Der hebräische Unterricht ist ein integrierender Teil des jüdischen Religionsunterrichts. 2. Das Endziel des Unterrichts im Hebräischen lautet: genügende Kenntnis und Beherrschung der hebräischen Sprache zu der Befähigung, dem Gottesdienst mit innerer Anteilnahme zu folgen und die der jeweiligen geistigen Entwicklung des Schülers entsprechenden Teile der Tauroh und des T'nach, gegebenenfalls auch des weiteren jüdischen Schrifttums, in der Ursprache kennen und verstehen zu lernen. 3. Dieses höhe Ziel kann nur erreicht werden, wenn der Unterricht in der hebräischen Sprache als hochwertiger Unterricht erteilt wird. 4. Ein guter hebräischer Unterricht verlangt ebenso wie jeder Unterricht: a) qualifizierte Lehrkräfte, b) eine wirksame Organisation, e) eine zeitgemäße Unterrichtsmethode und d) genügende Lehrmittel. 5. (zu 4a) Der Lehrer muß eine religiöse Persönlichkeit mit bester jüdisch-wissenschaftlicher, sprachlicher und pädagogischmethodischer Ausbildung sein. 6. (zu 4b) Der hebräische Unterricht ist, wie aller jüdische Religionsunterricht, vornehmste Eemeinschaftsaufgabe, wird also im Aufträge der Gemeinde und in organisatorischer Verbindung mit dem übrigen Schulunterricht erteilt. Die Mindeststundenzahl für den Unterricht im Hebräischen mutz (neben dem übrigen Religionsunterricht) zwei Wochenstunden betragen. B. Methodische Anweisungen für den Unterricht in der Grundschule 1. Der Unterricht im Hebräischen beginnt mit dem letzten Quartal des ersten Schuljahrs und umfaßt in der Grundschule vier Stufen: a) Aleph-Veth-Stufe (viertes Quartal des ersten Schuljahrs), bl Fibel-Stufe (zweites Schuljahr), c) Stufe der sprachlichen Vorbereitung (drittes Schuljahr), ck) Einführung in Tauroh und Tefilloh (viertes Schuljahr). 2. Der Unterricht im Hebräischen ist auf jeder Stufe Klassenunterricht. 3. Von der ersten Stunde an ist die Selbständigkeit der Schüler anzustreben; die Klasse (Abteilung) ist als Arbeitsgemeinschaft zu führen.. 4. Die Erlernung des Aleph Beth geschieht in freudebetontem Arbeitsunterricht, ohne Zugrundelegung einer Fibel. 5. In der Grundschule wird nur die Druckschrift in vereinfachter Form geübt. 6. Das Schreiben ist so zu betreiben, daß es den Unterricht stützt und nicht zum bloßen Zeitvertreib herabsinkt, aber auch nicht zur Hauptsache wird. 7. Von Anfang an und auf allen Stufen ist die Gründung u»rd Pflege eines lebendigen Wortschatzes zu betreiben. Möglichst früh ist ein alphabetarisches Wörterbuch anzulegen und zu benutzen. Im dritten Schuljahr ist ein Wörterbuch einzuführen. 8. Die Fibel ist erstes Lese- und Arbeitsbuch. Die einzelnen Stücken (Seiten) des Textes sind durch Unterrichtsgespräch und Worterklärungen vorzubereiten und inhaltlich nahezubringen. Jedes mechanische Vorgehen ist hier besonders schädlich. In der zweiten Hälfte des zweiten Schuljahrs (etwa vor Chanukka!,) wird die (zunächst noch periodische) Arbeit in der TesUtoh ausgenommen. Geeignete Stoffe: Moaus zur, wichtige Lodsprüche. Nachtgebet, Morgengebet, die elterliche Segensormel. Mah nischtannoh. Auf allen Stufen sollen fleißige Lese- Übungen unter Beachtung richtiger Betonung und unter Hervorhroung gewisser, inhaltlich bedeutsamer Stichworte stattfinden. 10. Im dritten Schuljahr, ist in der Hauptsache die sprachliche Vorbereitung zu betreiben. Dabei ist, von Leichtem zum Schweren vorgehend, ein anschaulicher, eindringlicher Unterricht zu erteilen. Alle Wortbildungen, Veränderungen usw. sind durch Unterrichtsgespräche, anschauliche Darstellungen (Sprachtafeln und Lesekasten) und nachdrückliche Uebung (mündlich und schriftlich) näherzubringen. An allen geeigneten Stellen muß der Lehrer auch den tiefen Geist der hebräischen Sprache vermitteln. Das Sprachbuch dient insbesondere zur häuslichen Uebung. 11. Der zu behandelnde Sprachstoff: Stamm, Vor- und Nachsilben. Artikel, Geschlecht, Zahl (Mehrzahl in Verbindung mit dem Zahlwort bis 10), Biegung des Dingworts, status eonstructus, die einfache Präposition, die Bindewörter und und oder, die einfache Verneinung, das Verbum in Präsenz und Infinitiv, das Eigenschaftswort in der Grundform, das persönliche und das hinweisende Fürwort. 12. Vom vierten Schuljahr an mutz der Gang des Unterrichts sich nach örtlichen und schultechnischen Verhältnissen richten, d. h. wo voraussichtlich die Kinder in etwas vorgerücktem Schulalter nicht mehr sicher und voll zu erfassen sind, mutz in dieser Schulperiode bereits Gebetbuch und Pentateuch dem Unterricht zugrunde gelegt werden. Wo solche Verhältnisse nicht zu befürchten sind, soll dieses Jahr vorzugsweise weiter unter Zuhilfenahme geeigneter Sprachführer zur sprachlichen Vorbereitung benutzt werden. Im ersten Falle mutz jetzt eine Auswahl au» Gebetbuch und Pentateuch erfolgen,' sie muß dem pädagogischen Verständnis des Lehrers überlassen bleiben und den örtlichen Verhältnissen Rechnung tragen. Auf dieser Stufe muß die analytische Methode einsetzen. Das Rückverfallen in die Unmethode des Bor- und Nachüberfetzens ist unbedingt zu verwerfen. Literarisches. Wie Ton ln des Töpfers Hand. Ein Messiasroman von F e l l r Halpern. Leipzig. Gustav Engel. Preis: Brosch. 3,75 M. gebunden 4,50 M. Die Messias-Idee ist Israels Begleiterin durch die Jahrtausende seiner Geschichte gewesen, sie gewährte ihm jene unverwüstliche innnere Widerstandskraft in all seinen drangvollen und leidensreichen Tagen. Aber sie ist auch nicht minder recht oft das Verhängnis des jüdischen Volkes gewesen. Denn die Vorstellung, es werde eines Tages ein siegreicher Held aus Davids Stamm erstehen, werde mit Waffengewalt den jüdischen Staat wiederherstellen und ihm ewige Macht verleihen, hat immer wieder Juda den Versuch unternehmen lassen, mit dem Schwerte sein ihm geraubtes Land zurückzuerobern, und diese Versuche endeten immer wieder mit Strömen jüdischen Blutes. Felix Halpern, Lehrer und Prediger in Euttstadt (Ostpr.) hat einen neuen Messiasroman geschrieben. Der Held des Romans ist die Lichtgestalt Rabbi Akibas, durch welche erst der Messias Bar Kochba Bedeutung und Anhang gewinnen konnte. Mit ganz hervorragender Meisterschaft hat Halpern jene für das jüdische Volk so bedeutungsvolle, schicksalsreiche Zeit geschildert. Der tief lodernde Haß gegen die römische Tyrannenmacht, die wunderbare Liebe zum Lande der Väter, die innere Heiligung durch die Beschäftigung mit der Eotteslehre, das Lehrhaus in Jawne, die geistigen Führer des Volkes, Rabbi Gamaliel und lein Kreis, das Schicksal Rabbi Akibas und seines Weibes, der Tochter des reichen Kalba Sabua, die inneren Zustände des Römerreiches, die Gestalten Trajans und Hadrians, die Kämpfe der Juden gegen die römische Weltmacht und schließlich ihr Unterliegen — das alles zieht mit wunderbarer Plastik an uns vorüber. Mit dramatischer Lebendigkeit, mit packendem Erzählertalent, in flüssigstem Stile geschrieben, in einer Sprache, die uns recht oft an Felix Dahn erinnert. Und zum Schluß der Glaube Israels an seine Unvergänglichkeit, aber „nicht durch Macht und nicht durch Gewalt, sondern durch meinen Geist". Die bezügliche Vision Akibas unmittelbar vor feinem Märtyrertode, sie gehört mit zu dem Schönsten, was je üoer Israels Mission und dre Messias-Idee geschrieben worden ist. Es spricht für den Wert des Buches, dag kein Geringerer als Max Brod ihm das Geleitwort geschrieben hat. Sicher ist in Halpern ein starkes literarisches Talent vorhanden, das zu den besten Hoffnungen für die Zukunft berechtigt. Ich appelliere an den kollegialen Sinn der Mitglieder unseres Standes, sich um die Verbreitung des Romans in ihren Ge-

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