Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 8 (1932)
- Issue
- 3 (15.3.1932)
- Date
- 1932-03-15
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Jüdische Schulzeitung Nummer 3 Seite 6 schen Voraussetzungen"^ Politik". — Leo Baeck setzt sich in einem Aufsatz. .Zwischen Wittenberg und Rom" zugleich mit Hellpachs gleichnamigem Buch und mit bestimmten Strömungen im Protestantismus auseinander. Mit einer Abhandlung von Herbert G r a b e r t „Zur Psychologie des Unglaubens. Ein topologischer Versuch" wird, getreu der „Morgen"-Tradition. ein Weg zur Gläubigkeit gebahnt. — Max Dienemann berichtet unter dem Titel „Von U r zur Gegenwart. Glaube und Judentum, Geschichte und Politik in neuen Büchern" über eine Reihe charakteristischer Neuerscheinungen, die von Glauben und Judentum, in ihrer Verbindung mit Geschichte und Politik handeln. r Sa galo witsch, 2. M.. Rabbiner, a'üixj Predigten 1. Bd.. 144 S.. Danzig 1931. Der weise König Salomo sagt: „Alles hat seine von Gott bestimmte Zeit" und zählt vierzehn Zelten und ihre Antithesen auf. „Eine Zeit hat Gebären, und eine Zeit hat Sterben, eine Zeit hat Pflanzen, und eine Zeit hat Ausreihen des Gepflanzten, eine Zeit hat Erschlagen und eine Zeit Heilen, eine Zeit hat Einreiben und eine Zeit hat Aufbauen . . . eine Zeit hat Schweigen und eine Zeit Reden usw." (Kohelety III, 1—8). Zwischen jeder der hier aufgezühlten Antithesen aber liegt eine Zeit, in der ein Zwischenzustand herrscht, der weder der einen noch der anderen der beiden Antithesen ähnlich ist. Denn es gibt wohl auch eine Zeit, die weder Gebären noch Sterben, weder Pflanzen noch Ausreißen des Gepflanzten, weder Erschlagen noch Heilen, weder Einreißen noch Aufbauen hat. Die einzige Ausnahme scheint bei der Antithese Schweigen und Reden zu herrschen: hier glaubt man. sei kein Zwischenzustand vorhanden, entweder man redet oder man schweigt. Soll nun gerade diese Antithese eine Sonderstellung unter den änderen von Koheleth aufgezählten Zeitgegensätzen bilden? — Doch nein, auch hier gibt es einen Zwischenzustand, und zwar, manche moderne Predigt, bei der der Redner weder etwas sagt, noch schweigt. — Gar oft hört man eine Stimme aus dem Publikum: Unser Rabbiner hat heute sehr schön gesprochen'. — Was hat er gesagt? — Das weiß ich Aus diesen Gedankengängen heraus hat vor unngefähr JO Jahren Rabbiner Dr. S. Kaatz in Hindenburg verlangt, dag die Predigt im Gegensatz zu Aussprüchen von Zunz und Mayoaum keinen groben Platz beim Gottesdienst entnehmen soll. Zu gleicher Zeit verlangte Julien Weil, Obernai. un „Univers" (Paris), mehr Rückkehr zur alten Droschoh. d. h. - Anlehnung an das verlesene Schriftwort und an die Auslegun- Sen unserer Weisen. Wir halten es mit Rabbiner Weil. 2n er Hauptsache hat die Predigt an das. Wort der Schrift und an die Weisheitsschätze unserer jüdischen Vergangenheit anzuknüpfen. Leider besitzen wir wenig Predlgtsammlungen dieser Art in modernem Gewände. Das vorliegende, schön ausgestattete Buch aus der Feder eines rühmlichst bekannten Talmudgelehrten bildet eine Ausnahme. Seme Predigten. Droschaus im alten Sinne, sind dazu geeignet. Liebe und Begeisterung für das jüdische Volk zu wecken. Sie belehren und erheben. Ich möchte mich hier ganz dem Urteil meines verehrten Freundes, des berühmten Gelehrten. Prof. Dr. 2. Markon in Hamburg, anschlieben. der in seinem Gutachten zudiesem Buche schreibt: „Ihre Predigten sind ern köstlicher Schatz in der Literatur der jüdischen Homiletik. Sie offenbaren den Reichtum unseres Volksgeistes und besitzen eine grobe Kraft, die Herzen zu wecken, insbesondere die Herzen der jungen Generation. ... ihr wahre Liebe zu unseren heiligen Gütern einzuflößen" (S. 4). Rabbiner Dr. Carlebach, Leipzig schreibt: „Sie bringen da auf wenigen Serien eme Fülle von wertvollem homiletischem Material und geben so manchem Ausspruch unserer Weisen eine überraschende und einleuchtende Deutung usw." (S. 5). Und endlich Oberrabbiner Dr. 2. Carlebach. Altona, urteilt wie folgt: „Die deutschen Predigten entstammen mehr dem Gefühlsleben, wollen mehr an die weichen Stimmungen des Hörers appellieren.» Die Deutungen, die sie geben, sind geistreich und.fein. die Gleichnisse anschaulich und interessant, dre Sprache rst schlicht und leicht verständlich usw." (S. 6). Möge dieses wertvolle Buch die weiteste Verbreitung finden. Rabb. Dr. Ch. Lauer. Mannheim. Deutsches Beamten-Taschenbuch. 1. Nachtrag der Beamlenbestimmungen von 2anuar bis 2uli 1931. 36 S. 0.65 NM. Mirtschaftsverlag A. Sudan, GmbH., Berlrn-Wilhelmshagen. Das Hauptwerk enthält das gesamte Beamtenrecht und AtzstzlbtttMswesen sowie Rechtsentscheide mit Quellen auf 696 Seiten. Nach Mitteilung deß PsxlagaZ wikv mtt Rücksicht auf ^die schwierige finanzielle Lage der Beamtenschaft in diesem 2ahre von einer NeuausgaLe des Hauptwerkes abgesehen.- Damit dieses jedoch bis zum Erscheinen der Neuausgabe auf dem Laufenden bleibt und somit seinen Wert behält, werden - in größeren Zeitabständen. Nachträge erscheinen. Es lohnt sich wirklich, das Beamten-Taschenbuch zu besitzen. § Die Ausgabe 1931 wird zum ermäßigten Preis von 3,—; abgegeben. Durch die Nachträge bleibt sie noch ein weiteres l- 2ahr auf dem neuesten Stand. (Aus der „Preutz. Lehrerr Zeitung".) { 200 Jahre Kultur im Spiegl der Vossischen Zeitung. Verlag { der Vossischen Zeitung, Berlin. - Die Leser der Vossischen Zeitung erhalten seit Beginn des. - bürgerlichen Jahres in jeder Sonntagnummer eine Sondevbei- läge mit der Ueberschrift „200 Jahre Kultur im Spiegel der Vossischen Zeitung". Es. ist eine eminent dankenswerte Kultur-;; gäbe, die die „Vostische" damit ihren Lesern bietet. Vor unseren l Augen ziehen zwei Jahrhunderte weltgeschichtlichen, literarischen.; wissenschaftlichen, künstlerischen, technischen Erlebens vorüber.! und immer wieder ist man geneigt, Vergleiche zur Gegenwart anzustellen. Mit erhobenen Gefühlen stellt nran dabei fest, ein wie unendlich großes Stück Weges die Menschheit in dieser Zeit ' nach vorwärts gegangen ist, um aber gleichzeitig auch mit tiefster . Betrübnis die Wahrnehmung zu machen, daß auf dem; Gebiete wahrer Humanität — wir denken an die Greuel des Weltkrieges, z. B. an die Hungerblockade, an die - furchtbaren Kriegsrüstungen der Gegenwart, an das Boxheimer I Programm der Nationalsozialisten, an die wirtschaftliche Not l der Gegenwart, die bei wahrer humaner Denkweise der Groß- > kapitalisten zum mindesten in ihrem ganzen Umfange sich nicht > hätte auszuwirken brauchen — die Menschheit eigents lich in dieser ganzen Zeit nur geringe, viel- 5 leichtüberhauptkeineFortschrittegemachthat. k „Die Weltgeschichte ist das Weltgericht." Die „200 Jahre Kul- < tur" geben dem Leser zu Renten; wir empfehlen diese Kulturgabe, \ die wohl später als Buch erscheinen wird, aus das Angelegent-; lichste. M. S t e i n h a r d t. J Jugend und Staat. Eine Monatsschrift (Verlag Jugend und r Staat. Berlin). Preis: 35 Pfg. j Schulrat Dr. Jacobi-Naugard in Pommern, der verantwort- 1 liche Leiter dieser am 1. September 1931 erstmalig erschienenen 1 Schülerzeitschrift, gibt in dem einleitenden Aufsatz das „Fahrt-! ziel" an. Aus der staatsbürgerlichen Belehrung muß eine staats- : politische Erziehung werden, damit die Jugend mit Bereitschaft ‘ zur warmherzigen Erfassung des republikanischen Gedankens l und zu liebender Förderung des Volksstaates erfüllt werde. In Wort und Bild wird diesem Ziel zugesteuert. Instruktive Bei- - träge von Männern und Frauen des öffentlichen Lebens be- - leuchten die verschiedenartigen Wege, die die junge Republik seit 1918 gegangen ist. Dabei wird auf möglichst einsichtige Anschaulichkeit Wert gelegt. Es seien hervorgehoben der Aussatz 1 des Reichspräsidenten Loobe zum Verfaffungstag. die lebendige i Schilderung des Ablaufs eines Arbeitstages Hlndenburgs, - sowie des Zwiegesprächs zwischen Lehrer und Schüler über die Osthilse und die Landwirtschaft. Gedichte und Bilder oervottr ständigen die Jugendschrist, der wir weiteste Verbreitung; wünschen, und die sie auch erhalten dürste, wenn, wie es geplant i ist. auch die Jugend selbst zu Worte kommen wird. S. B.? Soennecken. Bonn-Leipzig: „Schrift und Schreiben", 3. Jahr- 5 gang. Heft 1, enthält wieder eine reiche Fülle bemerkenswerter ' Aussätze. Fröhlich zeigt Gedächtnishilfen beim Erlernen der ' lateinischen Kapitalschrist, die Ableitung der kleinen Buchstaben : von den großen, und den Uebergang zur Schreibschrift. Ueber; die Ausgangsschrift, die eben nur das fein soll, was ihr Name ' besagt, schreibt Busch, über die Schulung der Schreibhand in! den zwei Bewegungsarten Rektor Hahn. Es folgen noch De»» trachtungen über gotische Alphabete im Kunstunterricht und i über den Einfluß der Süterlinschrift auf die Erlernung der; Stenographie. OttoEeismar. i' Heft 2 der Zeitschrift „Schrift und Schreiben". Jahrgang 3.! schneidet wieder eine Fülle interessanter Fragen an. Der Bericht über die verschiedenen Methoden und Richtlinien im Schreib- - unterricht der einzelnen deutschen Länder ergibt kein an-' genehmes Bild von der deutschen Einheit. Es folgt ein Vortrag über die gute Handschrift der Schulkinder, und dann — was von Zeit zu Zeit sehr notwendig ist — „pro und contra die Klein- : schreioung". Daß die Blinden auch eine Stenographie besitzen, weiß mancher nicht. Dr. Bauer spricht ausführlich über die auf diesem Gebiete auftretenden Probleme. Im Ganzen genommen, bietet der Verlag Soennecken in Bonn hier ein reichhaltiges Heft voller Anregungen. Geismar '