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Jüdische Schulzeitung · 1932-03-15 · 3 (15.3.1932) · page 5

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
8 (1932)
Issue
3 (15.3.1932)
Date
1932-03-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nummer 3 Jüdische Schslzeituug Seite & So laßt denn, Kinder, alle Kräfte ringen Zu Eurem und des Höchsten Ruhm und Preis Nach der Vollendung köstlichem Gelingen In heil'gem-Feuer und Bemühen heiß, Auf datz nach glücklichem Vollbringen - Von Euch die Kunde zu berichten weiß: Sie haben all' Vortreffliches vollbracht. Sie haben ihre Sache gut gemacht. — Gedichtet zur Purimfeier der Neligionsschule Berlin - Gesundbrunnen. Literarisches. Joachim Prinz. Jüdische Geschichte. Verlag für Kultutpolitif. Berlin. ' , Diese etwas späte Rezension kann sich mit bereits er» fchienenen Kritiken — wenn auch nur flüchtig — auseinandersetzen Das mutz auch geschehen, weil Joachim Prmz ein Jugendbildner von glühender Ueberzeugung ist und sich wahrhaft und hingebend bemüht. Jüdisches wieder einzupflanzen und zu veredeln. Ihm mutz Gerechtigkeit werden. „Was hier unternommen wird, ist der bescheidene Versuch. die jüdische Geschichte in einem Zuge zu erzählen, und zwar für Menschen, denen daran gelegen ist. etwas von der Spannung. von der Dynamik, von dem Drama dieser seltsamen Gemeinschaft zu spüren." Das ist der zweite Teil des ganzen, kleinen Vorwortes. Und was Prinz hier versprochen, hat er auch gehalten. Manchmal schaut noch die Subjektivierung durch, die in Prinz' „Helden und Abenteuer" wirklich zu stark hervortritt: sehr oft ist der leichte Erzählerton gewählt. um persönlich zu wirken, bei welcher Gelegenheit dann der Verfasser doch allzu souverän grammatische Gepflogenheiten beiselte schiebt —. die „Biblische Geschichte" hätte man gerne etwas ausführlicher gewünscht, manchen Personen und Zeiten wäre mit einer kürzeren Darstellung auch Genüge getan. Aber es würde ein Mißbrauch des Kritikeramtes sein, wollte man verschweigen, datz diese Fehler im Gesamtbild des Buches wenig bedeuten. An kurzen Kennzeichnungen — und das ist ja, km Gegensatz zu den groben, eingehenden Geschickfswerken. auch im Gegensatz z. B. zu dem Werke von Kastein sdas an dieser Stelle noch seine Würdigung erfährt) die eigentliche Ausgabe des Buches — enthält das Werk, viele schöne Stellen. „Samuel ist das vaterländische und religiöse Gewissen. Er ist der eigentliche Fortsetzer Moses." „Esra ist der erste Mensch der jüdischen Geschichte, der das Volk auf die Totalität der Thora verpflichtet." Um solcher Stellen willen — nian könnte noch viele zitieren — ist das Buch geschrieben worden und wertvoll. Ich bin toett davon entfernt, restlos begeistert zu sein. Aber das Buch hat mich doch gepackt. Und was mrr besonderen Respekt einflötzt, ist, datz endlich einmal ein Geschichtserzähler es unternommen hat, das bequeme und traurig-sübliche Schema »"leite zu lassen, das Schema, das in Israel das Nur-leidende- Volk sieht. Israel hat nicht immer Leid getragen. Israel war nicht nnmer passiv, sondern hat auch Geschichte gemacht. Israel — so sagt das Buch mit einer deutlichen'Frische — war oft auch Subjekt der Weltgeschichte, politisch wie geistig. Und, Israel kann wieder Einfluß gewinnen, wenn . . . Aber, daniit hätte ich die Ausgabe des Rezensenten überschritten. Ja. das kommt vor. wenn es sich um so ein aktives Buch handelt. I f s i V a y e r - Bingen. ^Zvlef Kastein. Eine Geschichte der Juden. Ernst Rowählt Verlag Berlin 1931. Preis geb. 12.50 RM. .Ziemer, der sich aus tiefoerwurzelter Leidenschaft gedrängt sieht, Geschichte zu schreiben, zumal die Geschichte »eines eigenen Volkes, kann neutral fein, weil er sie sonst nicht erleben köimte. Und wer Geschichte nicht als Schicksal erlebt. Hm dringt und wirkt, bleibt Materialsammler/' des Autors umreiben nicht nur den Sinn der Geschichtsschrelbung. sondern gleichermaßen den Sinn der Lekfire,{Jin55 ^torischen Werkes. So wie jede wahre Gefchichtsn»wun° i»us leidenschaftlicher Liebe zu ihrem Gegenstand?ud. so führt die hingebungsvolle Beschäftigung mit m” ^chpsungen des Historikers zu freudiger Einordnung in #?9.i8i2u!e?cr.,wC^)nWe' die dargestellt wurden. Dabei ist tyril$' 0& die. Darstellung der Sinnzusammenol ,7 S?"Eg" ist: es gibt eine derartig ab-!,,,!! iwvfeit Nicht, weil rm Bereich des Geschehens immer Vkn^^O^ben sind, deren sinnvolle Verknüpfung aus der rocht des .Betrachters herstammt. Hat die wissenschaftliche Kritik festgesteklt. ob die Abfolge der Fakta einwandfrei dargelegt ist. so ist ihr Werk getan. Was darüber hinaus anzunehmen oder aozuweifen ist. das hängt nicht mehr von kritischer Begabung ab, sondern von dem Mab. in dem der einzelne sich von der Art. wie die Dinge geschaut wurden, anfiezogen oder abgestoben fühlt. Hier wirken vorgegebene eelische Instanzen aus Tiefen heraus, die nicht ermessen werden können. Wer den geistigen Gehalt der Kasteinschen Geschichte erfassen will, darf sie nicht als historisches Werk schlechthin betrachten wollen. Hat dock der Autor mit Bedacht sein Buch „Eine Geschichte der Juden" genannt. Sie ist mehr als Historie, ist künstlerisch geschaute und gestaltete Wahrheit. Wirklichkeit also in einem weit höheren Sinne als die, die uns der Nurforscher zu gehe» vermöchte. Der Autor überblickt mit dem Auge des Dichters das riesengrobe Ungefüge eines mehr als dreitausend Jahre währenden Geschehens. Bor seinen aufs feinste geschärften Sinnen rundet es sich zu einem geschlossenen Ganzen, aus dem die Motive der schier übermenschlichen Kämpfe des jüdischen Volkes kristallenkkar hervorleuchten. Kastein erblickt in dem heiben Bemühn um Religiöses das treibende Element aller Lebensäuberungen der Judenheit. Indem sie von Anbeginn ihrer Geschichte unausgesetzt um eine aus dem Glauben an den einzig-einigen Gott herauswachsende sittliche Daseinsordnung ringt, ergibt sich ihr die Notwendigkeit, sich mit allen Völkern der Erde zu messen, immerfort zu schenken, zuweilen zu nehmen, stets aber auf der Hut zu sein, nicht dem Ansturm fremder Gewalten zu erliegen. Aus diesem Antrieb zur Selbstsicherung leitet sich all das her. was der jüdischen Geschichte ihren eigenen Charakter gibt: Aufgeschlossenheit gegenüber werthaltigen Kräften, sowohl als auch die Neigung zur Abkapselung bis zum Zustand der Engatmigkeit, wenn Gefahr im Verzüge war. Zu keiner Zeit löste die eine Lebensform die andere ab, immer waren die beiden zugleich wirksam und eine das Korrektiv der andern. Das gibt der jüdischen Geschichte stets die frische Farbe lebendigster Kraftentfaltung. In einer Reihe sprachlich aufs schönste ziselierter Monographien voller psychologischer Feinlunst labt Kastein die Geschehnisse unter den eben gekennzeichneten Geschichtspunkten vor uns abrollen. Es dürste nicht leicht fallen, eine reizvollere Schilderung etwa des Auftretens von Jesus und Paulus anzugeben. als die in diesem Buche. Nirgends verliert sich Kastein in Einzelheiten, immer bleibt die Darstellung aufs grobe Ganze hingerichtet, so dab der Leser am Ende der Lektüre eine klare Uebersicht bat. die ihm den Sinn der jüdischen Geschichte, so wie er sich einem schöpferischen Geiste ergab, offenbart. Und wer dem Autor in raschem Zuge durch die Länder und Zeiten gefolgt ist, der wird, nicht ohne bis ins Tiefste aufgewühlt zu sein, die wundervollen Schlutzworte lesen: „So stehen wir also da: vielfach entartet und vielfach bemüht, vielfach geschwächt und vielfach vom übermäßigen Willen gespannt, vielfach befeindet und vielfach hoffend: mit unendlicher Vergangenheit, mit geringer Gegenwart und mit einer Zukunft, die nur in der Gestaltungskraft jüdischer Herzen eine Wirklichkeit hat. So vom Wunderbaren und vom Grauenhaften, so vom Notwendigen und Zufälligen, so vom Ewigen und vom Zeitlichen ist diese Geschichte eines Volkes erfüllt, datz man ityr nicht nahen kann, ohne über alles Dogma der Religion hinweg im tiefsten Sinne gläubig zu werden. So helfe Gott uns weiter." Bedenkt man. wie stark die Kräfte sind, die an der Atomisierung des Judenoolkes arbeiten, wie sehr das den Zusammenhalt verbürgende geschichtliche Bewubtsein geschwunden ist. so wird man die Bedeutung ermessen, die einer m groben Zügen konzipierten, auf das Wesentliche Hingerichteten Geschichtsdarstellung zukommt. Möchte Kasteins Geschichte daher die Verbreitung finden, die ihr gebührt. S. B. Heft 6 des „Morgen", das um die Zeit von Goethes 100. Todestag den 7. Jahrgang beschließt, wird — in Anlehnung an ein Gedicht aus dem West-Oestlichen Diwan — von Prof. Dr. Fritzsche, Oberbibliothekar der Gietzener Universitätsbibliothek, eingeleitet: „Im Gegenwärtigen Vergangenes". Von dem Gedenken an Vergangenheit führt Dr. Gustav Loefflers. Abhandlung „Heldischer Pazifismus" in eine der umkämvftesten Gegenwartsfragen hinein. Bon ihnen wiederum kehrt sich mit der Fortführung vonI. Heinemanns groß angelegter Arbeit „Die griechische Weltanschauungslehre bei Juden und Römern" der Gedanke zwar wieder zur Vergangenheit, aber zu einer Vergangenheit, in der auf Schritt und Tritt die Parallele zu Erfcheinungen unserer Zeit deutlich wird. — Unmittelbarstes Gegenwartsdenken bieten Ignaz Maybaums „Theologie und Politik; Betrachtungen zu Alfred de Quervains'Buch: Die theologi-

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