Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 8 (1932)
- Issue
- 3 (15.3.1932)
- Date
- 1932-03-15
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Jüdische Schulzeit«»« Nummer 8; seiner Umgebung verbannen, und die bewußte Schönheit seines Milieus Wird ihm den Wog zu den tiefsten Quellen der Kunstleicht machen. Um dem künstlerischen Unterricht in der Schule einen weiten und sicheren Halt zu geben, bedarf es natürlich der Mithilfe des gesamten Kollegiums. Nicht nur, daß die Stoffe aus dem Deutschen, der Geschichte und Naturgeschichte, im Musik- und Zeichensaal bildnerisch ergänzt werden, sondern daß auch andererseits mit der gleichen Berechtigung der Deutsch- oder Geschichtslehrer versucht, im gleichen Sinne schöpferisch zu arbeiten. Ein Weg zur Konzentration in der Kunst. Durch die Gymnastik Rudolf o. Labans kam ich auf den Gedanken, daß ein Wag von der Bewegung sowohl zum musikalischen Ausdruck, als zum bildnerischen möglich sei. Die Bewegungschöre ergaben trotz ihrer Mannigfaltigkeit gewisse gleichbleibende Grundideen. Der Aufbau jeglicher Bewegungsübung war so: Der Lehrer gibt die einzelnen Elemente nacheinander: das Schreiten, die Drehung, das Zusammenkauern, das Emporfchnellen zum Beispiel. Aus diesen Elementen entwickeln sich nun nach seiner Angabe die verschiedensten Variationen, wobei eine Steigerung des Tempos bis zu einem Höhepunkt erfolgt; ein langsames Abflauen setzt ein und endigt mit der Rückkehr zu den Elementen. Ich habe nun verschiedentlich versucht, aus Grund dieser Erfahrung den gleichen Weg im Kunstunterricht zu beschreiten. Am Anfang einer Zeichenstunde stand die Bewegung (z. V. Schrittübungen und Drehungen). Anschließend versuchten wir diese Bewegungen auf dem Papier zum Ausdruck zu bringen und kamen dazu, Vewegungsgruppen von Strichen und Drehungen in steigender Reihe als Ornament zu zeichnen. Aus dieser Idee der Bewegtheit ergab sich ein sinnvolles, felbstgesühltes zeichnerisches Tun. Im Musikunterricht wurde die Bewegung des Turnens in der gleichen Weise öfters zu musikfchöpferifchen Uebungen verwendet. Mir scheint, daß dieser Weg durchaus gangbar ist und ein gesteigertes Interesse am künstlerischen Tun erweckt. Vor allem ist durch diese Sinnfälligkeit des Unterrichten» einem viel größeren Kreis der Kinder der Weg zur Kunst erleichtert. Ideal und Wirklichkelt. Die Voraussetzung, andere Menschen zu künstlerischem Tun zu führen, ist die dauernde, stets zunehmende Verbindung mit der Kunst. Im Laufe der künstlerischen Ausbildung auf den verschiedensten Gebieten erwacht der Wunsch, eine möglichst große Menge von Schönend und Förderndem weiterzugeben. Wenn man nun vor die Aufgabe gestellt wird „Kunst zu unterrichten", so ist es notwendig, eine Auslese unter dem zu Uebermittelnden zu treffen. Es fällt natürlich schwer, auf so viele, an sich lehrbare Stoffe zu verzichten. Andererseits hängt aber der Erfolg des Unterrichts von seiner Qualität ab, ebensosehr als davon, daß man sich über die Grenzen und Möglichkeiten der Kunst in der Schule ohne alle Illusion klar wird. Literatur und Quellen. Die deutsche Schulreform, ein Handbuch für die Reichsschulkonferenz. Quelle & Mayer, Leipzig. Berichte über Kunsterziehungstage in Dresden und Weimar. Quelle & SWaper, Leipzig. Hendrik van Loon, Die Geschichte der Menschheit. Rudolf Masse, Berlin. Die Kunst in der Schule. Alfred Lichtwark. Die Aesthetik von Meumann. Die Erfahrungen während dreier Semester auf der Landeskunstschule Hamburg. Die Erfahrungen während des Winterhalbjahres 1927/28 bei den Hamburger Bewegungschören Rudolf von Laban. Prolog zu einer Purimfeler. Bon Moritz Weiß. Ihr, die Ihr heut' gekommen seid, zu lauschen Mit Andacht unsres Festes Feierklängen, Die Ihr mit Lust Euch alle wollt berauschen An. frohen und ergötzlichen Gesängen Und nach des Tages Müh'n Ihr wollet tauschen .? Der Arbeit Ernst mit Freude — und in Mengen * Erschienen seid, — Euch grüßt mein Lied in dieser Feierstunde:! Von unsres Fest's Verlauf Euch geb' es Kunde. Was ist's, das uns mitsamt hierher geführt. Läßt unsres Liedes Harfenklang erschallen? Das mächtig unsre Saiten hat gerührt, Und ein Gefühl der Dankbarkeit in allen, Ein Hochgefühl der Freude neu gebiert, — Daß viele nun zum Musentempel wallen — — Erinn'rung ist's an großer Helden Zeiten, Wie Licht und Glanz erwuchs aus Rot und Lewen. Ihr alle kennt des Purimfest's Geschichte, Wißt Hamans Anschlag, seinen Teufelsplan, Wißt auch, wie nach dem göttlichen Gerichte, Das, was er Böses gegen uns ersann. Kam auf das Haupt dom argen Vösewichte, , Und man ihn knüpfte an den Galgen an; Das wißt Ihr — auch von Mardechais Erhebung Und Esthers und der Juden Neubelebung. Dank Dir, o Gott, und Ruhm und Preis ohn' Ende Dir. der Du thronest in erhab'nen Höhen. Zum Himmel hoch erheb' ich meine Hände Und bete zu Dir in inbrünst'gem Flehen: Zum Guten stets auch unser Schicksal wende Und laß auch un» stet» Männer neu erstehen, Die in Vegeist'rung und heiligem Erbeben Einsteh'n für ihren Glauben, — für ihn leben. Und das ist's. was der Sinn von unserm Feste: Vegeist'rung soll es wecken unfern Reih'n, Daß unsre Alten, Jungen stets das Beste Der Religion der Väter sollen weih'n, Und mit des Atemzuges letztem Reste Dom Judentums treu ergeben sein — — ' Durch Tanz und Reigen, in Theater, Bildern Soll dies der heut'ge Abend uns nun schildern. Ihr sehet des Theaters Bühne wohl gerichtet. Wohl vorbereitet auch der Sänger Chor. Was Künstler, was der Dichter einst gedichtet. Das soll gelangen nun an unser Ohr. Bald tritt auch, wenn der Vorhang sich gelichtet. Der Künstler schaffend, wirkend selber vor. Um mit dem Gang der Handlung reges Leben Mit Wirklichkeit, mit Phantasien zu verweben. Auch bunte Bilder, Vortrag, Tanz und Reigen Sollt Ihr heut' abend dargeboten feh'n. Es will die Jugend sich dem Volke zeigen So, wie sie wandelt auf der Menschheit Höh'n. Und will, daß huldigend der Kunst sich neigen Soll'n alle die. die jetzo vor ihr steh'n. Aus daß in Harmonie der Abend sich gestalte. Ein Geist der Freude und des Frohsinns , in ihm walte. i ). 1 i