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Jüdische Schulzeitung · 1932-02-15 · 2 (15.2.1932) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
8 (1932)
Issue
2 (15.2.1932)
Date
1932-02-15
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Sette 7 Nummer 2 I Jüdische Schnl,eit»». angewandten Naturerkenntms: Physik. Chemie. Med»in, Botanik. der Auto-. .Radio-. Telephon- und Lustschlfftechnck, der Psychoanalyse und der Relatioitütslehre ist. ihm -denn auch in heroörragendefn Matze gelungen. Die Titelhelden der vierzehn Monographien: Ehrlich. Einstein. Freud, der Botaniker Ferdinand Cohn, der geniale Autokonstrukteur Siegfried Marcus, der Erfinder des starren Luftschiffs David Schwarz, um nur diese zu inennen. 'sowie die m der instruktiven Einleitung Erwähnten, geben eine überzeugende Vorstellung von Art und Wert der jüdischen Begabung. Sie wird jeden bewußten Juden mit Stolz auf die Lebenskraft seines alten Stammes erfüllen und die freudige Bejahung des Erbes im Bluie mehren helfen. Ernst Erich Noth. Die Mietskaserne. Societätsverlag Frankfurt a. M. Der Mensch ist bekanntlich gut. Ist er nicht auch eisenfest, bleibt er dennoch Treibholz des Lebens. Der Wirbelsturm eines Weltkrieges gar knickt Menschen wie Streichhölzer. Heinrich Krause, der Senior der Familie, ist Primgeiger. Mariner. Heimkehrer. Trinker. Spielklubmusiker. Illusionist und versumpft im Jnflationsschlamm der Nachkriegsjahre. Der adoptierte Junior Albert ist sensibel, begabt, steigt als Stipendiat ins Penal. findet bourgeoise Auchfreunde und frühreife Freundinnen, hat seine Primanerliebe und seine Iungensnöte, des Körpers wie des Geistes, will das Leben meistern, fällt oft. steht immer wieder auf — Freund Fritz geleitet treu mit hart errungener Erfahrung, es waren auch immer nur Schattenbilder über die er gestolpert — würgt alle Bitternis häuslichen Elends und Zwistes hinunter, und hungert sich schließlich zum Abitur durch. Wehrverbändler war er auch mal kurze Zeit. Die Wahrheit, die er so gläubig sucht, hat er bis da noch nicht gefunden. Von der Universität erhofft er endlich wirkliches Leben, Weite und Entfaltung. Das sind nicht die einzigen Hauptpersonen. Aber es sind — ob arm ob reich — keine Individuen dabei. Alle sind Räder einer grotzen Maschine, kapitalistische Gesellschaft geheißen, die steht für die Menschen unseres Buches im Riesenschatten einer Berliner Mietskaserne, einer Kaserne für viele. Proleten sind sie alle und Geschobene sind sie alle. Geschobene sind sie alle, und wenn sie auch nicht alle dünne Graupensuppe essen, sondern Schinkenbrot, wie der dicke Wormbach, des Generaldirektors unbegabter Filius. Die wenigen bourgeoisen Randfiguren spielen ja auch nicht mit. wenigstens hier nicht, sie liefern nur das Schlaglicht für eine große anonyme Masse, für die Wohnlöcher von Hunderttausenden und Millionen, für die Arbeitstiere, die man — irrtümlicherweise — nur aus alter Gewolmheit noch als Menschen registriert. Vielleicht, weil man sie doch ab und zu braucht — als Kanonenfutter. Trübe Erkenntnisse. Aber gute Erkenntnisse. Vielleicht wird so einmal der Weg bereitet für eine Revolution von Grund auf. möglicherweise ohne Blutvergießen, nur durch den Druck einer wissenden, erwachten Masse, für eine Revolution, die nicht nur Fahne und Vignette ändert, sondern die Gesellschaft selbst umbaut. Noth. ein neuer junger Autor, der bestimmt „dabeiaewesen" ist. gibt dazu keine Anleitung. Er schenkt uns nur eine längst notwendige Bestandsaufnahme (eine gute Ergänzung zu Kracauers Angestelltenbuch), so prall gefüllt und so wahr, daß angesichts des Materials jede Formkritik schweigen mutz. Die Erinnerungen an ..Jahrgang , 1902" und das zweite Remarque-Buch — vom Buchanfang her — verblassen und besagen gar nichts mehr. Verschiedene rasch berühmt gewordene Autoren liefern pünktlich ihr jährliches Buch in ge- 'chästsiüchtige Verlegerhände und wollen nicht schweigen. Ernst Erm» Noth mutz man sagen, daß er weiterreden mutz. Jssi Bayer- Bingen. Nachschrift. Der autobiographische Charakter des Romans „Die Mietskaserne" gewinnt noch wesentlich durch die Tatschon während des Prozesses, der zu seinem Freispruch führte, von Lehrern und Gutachtern wie Professor Eduard Spranger schr,,tsteUerisches Talent bezeugt. Der Roman;,Die Mietskaserne hat zwar mit dem Schülermord, um den der Prozeß gmg. und mit dem Prozeß selbst unmittelbar nichts zu tun, macht j . a^üemein interessierende Vorgeschichte noch weit deurlicher. als cs der Prozeß zu tun vermochte, und erreicht dies gerave dadurch, daß er sich auf das reine Mittel der Darstellung beschrankt und jeder Sensation aus dem Wege geht. DieSchriftleitung. Bei der Schriftleilung eingegangene Bücher: Reich Gottes — Marrismus — Nationalsozialismus. Ein Bekenntnis religiöser Sozialisten. Herausgegeben von Georg Wünsch. 1931. V, 116 S. 8°. Tübingen. D. C. B; Mohr. 4,— RM.. in Ganzleinen 5.50 RM. JustusEhrhardl. Straßen ohne Ende. Berlin—Wien. Agis-Derlag. 200 Jahre Kultur im Spiegel der „Dofsifchen Zeitung". Verlag der „Bossischen Zeitung", Berlin. Schrift und Schreiben. Zweimonatsschrift für alle praktischen und wissenschaftlichen Fragen der Schrift und des Schreib- Unterrichts. Redigiert von Prof. Dr. Eg. Raederscheidt, Akademiedirektor. Bonn. — 3. Jahrgang. 1931132, Heft 2. Verlag: F. Soennecken. Bonn. Preis für den im Oktober beginnenden Jahrgang (6 Hefte) 3,60 0MI. Bosses Wirtschaftsbuch für deutsche Beamte 1932 und Bosses Wirtschaftsbuch für deutsche Hausfrauen. Verlag Dubert & Co.. Eöttingen. Notizen. Goethe-Feiern! Am 22. März 1932 ist der 100jährige Todestag Goethes. Trotz der Not der Zeit sollten wir nicht versäumen, diesen Gedenktag unseres grüßten deutschen Dichters in würdiger Weise in Schule. Verein und Familie zu begehen. Goethes Leben spielte sich in einer Zeit großer Umwälzungen ab. Kaum ein Jahr zwischen 1749 und 1832, das nicht ein Jahr der Not war, das nicht vom Lärm der Kriege oder Revolutionen widerhallte. In so schwerer Zeit lebte Goethe, in schwerer Zeit leben wir auch heute, Mutz uns da der Dichter nicht doppelt nahe treten? Da erscheint im bekannten Volkskunstoerlag, Richard Keutel, Lahr in Baden, ein kleines Büchlein mit 2 farbigen Eoethebildern und 15 Bildern aus den Goethe-Städten Frankfurt und Weimer. Das Heftchen, von Sofie-Luise von Binder versatzt, ist der deutschen Jugend gewidmet und für das Gebotene außerordentlich billig (0.50 RM. per Stück, bei 100 Stück sogar nur 0.40 RM. das Stück): es ist sehr gut geeignet für Massenoerteilung in Schulen und Vereinen. Nach einleitenden Worten führt uns die Verfasserin in Goethes Wirkungsstätten Frankfurt und Weimar ein. um dann in edler Sprache uns sein Leben, unter Hinweis auf seine Werke, in knapper Form zu schildern, immer dabei betonend, was Goethe für unsere heutige Jugend beden.et. Eine prachtvolle, knappe Auswahl Goethescher Kernwarte, besonders für die Jugend bestimmt und eine kleine Zeittafel beschließen das kleine, aber doch inhaltreiche Merkchen, Mit der gleichzeitigen Austeilung des Büchleins dürfte eine wirkungsvolle Feier gestaltet werden. Der höchste Wunsch der Besten eines jeden Volkes ist es, über Generationen hinaus weitergehen zu können, was ihnen war an Kraft, an Arbeitswillen, an gesammelter Weisheit, Das ist auch Goethes Wunsch. Goethes Hoffnung gewesen^ Und besonders auf die Jugend hat er gebaut. Hängt doch an ihr und ihrer Bildung jeweils die Zukunft. Wie aber bildet sich eine Jugend am höchsten, am reichsten? Sie schaut auf die grotzen Männer ihres Volkes. Sie wählt sie sich zu Vorbildern. Dieses Gebot der Selbsterhaltung, diese Forderung der Dankbarkeit soll der deutschen Jugend besonders vor Augen stehen, da ihr größter Dichter gefeiert wird. Zu diesem Zwecke entstand das Büchlein, das uns auf den größten deutschen Dichter schauen läßt, ob wir aus dem unoersieglichen Born seiner Persönlichkeit ehrlichen Trost für unser Volk gewinnen können. Wir können dieses kleine Werk nur auf das wärmste empfehlen. Noch eine andere wertvolle Gabe bietet uns der gleiche genannte Verlag als Schmuck für Schule und Haus, Ein prachtvolles großes Goethebikd im Format 63:96 cm nach einem Gemälde von Professor Karl Bauer. (Preis ungerahmt 10.—, gerahmt 20.— RM.)

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