Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 8 (1932)
- Issue
- 2 (15.2.1932)
- Date
- 1932-02-15
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2825247-2825317-2825319--0590-2826206- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 6 Jüdische Sch»lrert«ag Nummer 2 kommt, um die^ Aussaat zu ermöglichen, wenn die Sommerhitze die Schollen zu harten Krusten geballt und aufgeworfen hat. um die Sagt kräftig keimen zu lassen und zu nähren und um dann zuletzt noch die volle Fruchtreffe zu gewähren.' Da kann man die Inbrunst des Wunsches mktfühlen in dem Spruche des Landmannes: „Die in Tränen säen, mögen in Jubel ernten", und den Ueberschwang der Freude in dem herrlichen Danklrede: „Bedacht hast Du das Land und es bewässert. in Fülle es bereichert. Gottes Strom ist voll Wasser! Du bereitest sein Getreide; denn so bereitest Du es: Seine Furchen tränkst Du, senkst seine Schollen. Mit Regen erweichst Du es. Sein Gewächs segnest Du. und Derne Geleise triefen von Ueberfluß. Es triefen die Auen der Steppe, mit Jubel gürten sich die Hügel. Es kleiden sich die Fluren mit Schafen, und die Täler Hütten sich in Korn. Alle jauchzen und singen." Der Midrasch läßt einen Glaubensfremden den Rabbi Josua ben Korcha fragen: „Wann freuen wir uns gemeinsam, da wir doch unsere Feste gesondert feiern?" Und der Weise gibt die Antwort: „Wenn es regnet?' Er weist auf diese Stelle in den Psalmen hin und verbindet sie mit dem Anfang des folgenden Liedes: „Jauchzet dem Herrn, alle Lande!" Wie fein ist hier der Gedanke angedeutet, daß die segnende Hand Gottes alle Menschenkinder eint und beglückt! Es war ein Land der Bauern und Hirten. Gottes Gnade spendete herrliche Gaben. Ueppi'g gedieh in segenoollen Jahren das Getreide, der feurige Wein, der das Herz freudig macht, und das köstliche Oel, eine Labe für den Körper in der Sommerglut. Als süßeste Kost, eine Erquickung dem Wanderer, galt der Honigseim, der aus den Waben der wilden Bienenschwärme herausfloß, die sich in den Felsspalten angesiedelt hatten. Das war ein Wunschbild des Bauern: „Fülle des Getreides auf den Bergen und Hügeln, die Speicher gefüllt, viele Schafe auf den Fluren, die Rinder sich mehrend." Seines Hauses Glück vergleicht er mit den köstlichsten Gaben des Landes: sein Werb, so schön wie der fruchttragende Weinstock, Kinder rings um den Tisch gleich den zahlreichen Sprossen des Oelbaums. Das Bild des guten Hirten kehrt oft wieder. Er späht aus nach den rechten Wegen. In den zerklüfteten Kalkbergen des Südens sind nur wenig Weideplätze zu finden. In den dunklen Schluchten lauern Räuber und wilde Tiere. Mit dem Hirtenstab muß er als Wehr und Waffe die eisenbeschlagene Keule tragen, um die Herde zu schützen. Er führt sie zu den Lagerplätzen am ruhigen Wasser, und das abirrende Schäflein leitet er zurück auf den rechten Weg. Wie nahe liegt dem Frommen das Bild: unser Hirt ist Gott; wir sind die Schafe seiner Weide! Aber all das Glück des geliebten Landes kann nur gedeihen, wenn die Gier der Feinde sich nicht darauf richtet und der Bruderzwist nicht zerstörend auflodert. Der innige Wunsch des Landmannes, oft wiederholt aus vollem Herzen, tönt uns so bedeutungsvoll entgegen: 8cliolaum al jißroel!*) Literarisches. Hermann Glöckner. Gedanken über eine neue Grundlage des Rechenunterrlchts nach Hegelscher Methode. Druck und Verlag von Gerhard Stalling. Oldenburg i. O. 1931. Die Tatsache, daß dem gesamten Unterricht die Herbart- Zillerschen Formalstusen zugrunde liegen, die Methode sämtlicher Unterrichtsfächer im Sinne Herbart-Zillers beeinflußt waren, veranlaßt den Verfasser, dem Unterricht im Rechnen, der Methode Hegels, das Wort zu reden. Er führt u. a. aus. *) Belege obiger Darstellung: Psalm 19,2—7; 8,2f.; 104; 93. 4; 29; 72. 3; 148. 9-; 36. 7; 104. 16 f.; 133. 3; 69. 13; 68. 16 f.'; 46. 3; 125. 2; 122; 137. 5f.; 42, 7ff.; 121, 5; 65, 10ff.: 66. 1: 104.14 f.: 61. 17': 19, 11; 72, 16; 144, 13f.J 128, 3 $3, & ff.; 80, 2; ll9; 17Ö; 125, 5; 128, 6. daß in Holland die Schulen Hegels Denklehre zur Norm nehmen. Es mag ja sein, daß auch in holländischen Schulen damit Erfolge erzielt worden sind. In deutschen Schulen sollen erst Versuche angestellt werden, diese Methode zu erproben. Weiter ist es bei uns in Deutschland noch nicht gekommen. Zwar ist Deutschland das Land der Schulen. Doch befinden wir uns im Fluß des Werdenden, und auch die Schule wird regsten Anteil daran nehmen müssen. Noch ist die Methodik der Unterrichtsfächer von Herbart-Zillerschem Geiste durchtränkt. aber es tagt ... Ob das Hegeljahr uns Hegels Denllehre in die Schule hineinträgt? Wir wagen es in deutscher Volkesnot nicht ohne weiteres zu bejahen. E—e. Dr. Oskar Pfister. Die Psychoanalyse im Dienste der Erziehung. 3. Ausl. Julius Klinkhardt, Leipzig 1929. Auf die Bedeutung, die das Studium der Psychoanalyse für den Pädagogen hat. ist in jüdischen Lehrerkreisen vielfach hingewkesen worden (Ä. Bing). Das Buch von Pfister hat ebenfalls die Tendenz, die Pädagogen mit den Grundtatsachen der psychoanalytischen Wissensclzaft bekanntzumachen, und ihnen die Arbeit durch die vertiefte Erkenntnis seelischer Zusammenhänge zu erleichtern, darüber hinaus jedoch den Zöglingen die Ergebnisse der psychoanalytischen Erkenntnisse rti der Erziehung zuteil werden zu lassen. Dabei ist es keineswegs die Absicht des Verfassers, alle Erzieher.zu „Pädanalytikern" (psychoanalytisch eingestellten Erziehern) zu bekehren; er hält das nicht nur für unmöglich, sondern ebensowenig für notwendig und wünschenswert, da er den Wert anderer psychologischer und erzieherischer Methoden durchaus anerkennt, die Pädanalyse aber vorwiegend in Fällen, in denen pädagogische Schwierigkeiten auftreten. angewandt wissen will- Da das Buch einerseits keine Spezialkenntnisse über die Psychoanalyse voraussetzt, sie vielmehr erst vermittelt, andererseits aber von einem erfahrenen Pädagogen und Geistlichen verfaßt ist, der insbesondere neben den naturwissenschaftlichen und medizinischen den pädagogischen und ethischen Gesichtspunkten im Erziehungsprozeß Rechnung trägt, dürfte es für den jüdischen Lehrer die gegebene Einführungslektüre über die Psychoanalyse sein. Hans Löwenberg. I. Unna: Das Schächten vom Standpunkt der Religion und des Tierschutzes, eine gemeinverständliche Darstellung.' Herausgegeben von der Reichszentrale für Schächtangelegenherten, Berlin 1931. Aus Aufsätzen, die zuerst in der Deutschen Israelitischen Zeitung (Hamburg) erschienen waren, ist diese Broschüre ent- ' standen, die im Kampf gegen das Schächten mit großem Nutzen herangezogen werden wird. Der Verfasser, der bekannt« Mannheimer Rabbiner, behandelt nach einer kurzen Einleitung das Wesen des Schächtens, die religiöse Verbindlichkeit, die Frage „ist das Schächten eine Tierquälerei?", die Betäubung vor dem Schächten und als letztes Kapitel das Schächten in der Gesetzgebung. Er faßt seine Ergebnisse in drei Thesen zusammen, und fügt dem Büchlein ein wertvolles Sachregister bei. Bei dem Verteidigungskampf, den wir leider immer noch zu führen haben werden, wird die Schrift — auch dem Kenner — gute Dienste leisten. Ihre Verbreitung in gegnerischen Kreisen ist sehr erwünscht. Rabb. Dr. A. P o s n e r - Kiel. Nachschrift. Die ..Reichszentrale für Schächtangelegenheiten". Berlin N 24, Artilleriestraße 21, ersucht, ihr bei der Vertreibung der Broschüre behilflich zu sein. Sie erklärt sich bereit bei größeren Bestellungen den Preis mit 0.40 RM. zu berechnen, erllärt sich jedoch außerstande, die Broschüre gratis zu überlassen.. Im Interesse der guten Sache geben wir den Kollegen anheim, sich die Verbreitung angelegen sein zu lassen. Die Schriftleitung' Schicksal und Leistung. Juden ln der deutschen Forschung und Technik. Von Felir A. Theilhaber. 250 S. Im Verlag des Heimatbundes. Berlin W 57. Pallasstraße 10/11. Für Nichtmitglieder geb. 6.— RM.. Nachdem in der bekannten Serie des Heine-Bundes die Leistungen der Juden — vornehmlich der deutschen — auf den Gebieten der Wirtschaft. Politik. Kunst. Bühne und Literatur der Reihe nach dargestellt wurden, erscheint jetzt ein Band, der im Zeitalter des ungeahnten Aufschwungs der . erakten Naturwissenschaften und der Technik von besonderem Interesse ist. Der Verfasser, der bekannte Arzt und Schriftsteller Felir A. Theilhaber. erfahrener Wissenschaftler, Spezialist auf dem Gebiet der biographischen Kunde, ein eifriger Bekämpfet des Kulturantisemitismus, bringt alle Voraussetzungen mit zur Bewältigung der Aufgabe, für die es an «rnstm Vorarbeiten so gut wie ytzlllg fehlt. Die Darstellung des schöpferischen Jilden in allen Zweigen der reinen und