Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 8 (1932)
- Issue
- 1 (15.1.1932)
- Date
- 1932-01-15
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nummer l Jüdische Schukeitung. Seite S Rofenzweig hat in feinem Lehrplan für den jüdischen Religionsunterricht den jüdischen Kalender als das „Rückgrat des Unterrichtes" bezeichnet. Durch das Lesen der Wochenabschnitte und der für die Festtage ausgewählten Teile, selbstverständlich zuerst im hebräischen Urtext, dann in der Uebertragung, wird der Weg durch das jüdische Jahr besonders deutlich. Dem Ziel, Kindern eine verständnisvolle Teilnahme am Gottesdienst zu ermöglichen, wird durch die Einführung der „fünf Bücher der Weisung" in den Unterricht günstig vorgearbeitet. Führung und stärksten Einfluh sollte aber der Buber-Rosenzweigschen Uebertragung im hebräischen Unterricht, beim Erarbeiten des Pentateuchs, eingeräumt werden. Der Kenner der hebräischen Sprache wird sich nur dieser Uebersetzung zuwenden, denn sie offenbart den Ursinn des hebräischen Wurzelwortes. Wer die Sorgfalt der Ueberseher in bezug auf die Wortwahl in der verdeutschten Schrift kennt, ihr mühevolles Erschlichen des Wortsinnes aus Quellen, Erklärungen. Vergleichen, Wörterbüchern (Ben jehuda), der wird sein eigenes hebräisches Wortwisien an den neuergründeten Inhalten korrigieren. Für die Kinder-sind die Neubildungen nichts Auffälliges mehr. Sie sind ihnen beim Lesen der Biblischen Erzählungen, beim Verlesen der Wochenabschnitte von selbst nähergekommen, oder sind nach einer kurzen Aussprache von ihnen verstanden worden. Für die Uebersetzung ist durch diese „Gewöhnung" an die Bibel-Verdeutschung neuer fruchtbarer Boden gewonnen. Der ursprüngliche Charakter des hebräischen Satzes in Satzbau und rhythmischer Gliederung ist in die Uebersetzung übergegangen. Diese Uebersetzung lebt im gleichen Pulsschlag, in welchem die „Schrift" lebt. Struktur und Dynamik des hebräischen Textes werden in der Uebertragung deutlich. *) Der Weg von der Uebertragung zum Text ist verkürzt. — Die neue Uebersetzung lägt allerdings am allerwenigsten das Vor- und Nachsprechen zu. Grundlage dieses Teiles des hebräischen Unterrichtes wird die Erkenntnis des hebräischen Wurzelwortes und seiner gramma- ' tischen Veränderungen bleiben. Wer es versteht, den strukturellen Untergrund der hebräischen Sprache in wenigen Strichen den Kindern immer wieder deutlich ins Bewußtsein zu heben, der wird die hohe Befriedigung der inneren Harmonie von Schrift und Uebertragung immer wieder neu erleben; er wird aber auch spüren, wie einer ganzen Generation — bei den Kindern angefangen bis zu den Erwachsenen, die sich wieder der Bibel zuwenden — das „Bewußtsein des Besitzes einer eigenen jüdischen Welt" neu geschaffen wird. Der Naschi-Unterricht Von Dr. Jakob Kohn, Leipzig Das erste im Druck erschienene hebräische Buch war Raschis Kommentar zum Pentateuch, das im Jahre 1475 in Reggio gedruckt wurde, und von dem es noch vier weitere Frühdrucke aus den Jahren 1480, 1482 und 1487 (2) gibt. In unzähligen Neudrucken ist dieser Kommentar seither verbreitet, und unübersehbar ist auch die Zahl der dazu erschienenen Superkommentare und der gelehrten Autoren, die in ihren Zitaten und Erörterungen dem Raschi-Kommentar ihre Aufmerksamkeit zuwendeten. Kein anderes hebräisches Buch hat bei Mit- und Nachwelt solche Anerkennung gefunden wie Raschis Kommentar zum Pentateuch, der sich, trotz der verschiedenen Richtungen in der Auslegung des Schriftwortes, die sich im Laufe der Zeiten entwickelten und *). Im Anschluß an obige Ausführungen verweisen wir au den kürzlich erschienenen Band XI. des Vibelwerkes „D a s B u ä, La^u< Vorzüge, die Bacher an dem gesamten Bibelwcrke hervorhebt und um deretwillen er es in den Mittelpunkt des biblischen Geschichtsunterrichts stellen will, treffen auch auf den neuen Band zu: Rofenzweig lebt in seinem Werke weiter! Der Verlag ist aus den Schokken-Konzern übergegangen. M. St. unzählige neue Kommentare hervorbrachten, Lei allen Schichten jüdischer Glaubensgenossen aller Zeiten eingebürgert hat. Es ist hier nicht am Platze, den Gründen dieser Vorzugsstellung nachzugehen, aber nicht unerwähnt darf der große Einfluß bleiben, den dieser Kommentar aus die Bildung der Juden ausgeübt hat. „Die Lehrer machten aus dem Kommentar ein Schulbuch und leiteten die Schüler schon früh zum Studium des Raschi» Kommentars an, der in seiner Schrift wie mit seinem Inhalte auch aus dem talmudischen Material, den Erwachsenen mit der Fähigkeit ausrüstete, auch andere Werke des rabbinischen Schrifttums lesen und verstehen zu können." (Berliner, Einleitung zum Raschi-Kommentar, S. 452.) In früheren Zeiten erschwerten textliche Schwierigkeiten das Studium des Raschi-Kommentars, so daß der Verfasser des berühmten, den heutigen Raschi-Ausgaben meist bekgedruckten Superkommentars „Sif'te Chachamim", schon vor fast 250 Jahren die merkwürdig anmutende Behauptung aufstellen konnte: „Wenn heutzutage wirklich einer existiert, der genügend in den Kommentaren bewandert ist, um eine Raschistelle ordentlich erklären zu können, wird mit Fingern als ein Unikum auf ihn gewiesen." In unserer Zeit hemmen auch noch technische Mängel das Raschistudium, in erster Reihe, die völlig von der hebräischen Quadratschrift verschiedene sogenannte „Raschischrift", in der dieser Kommentar ausschließlich gedruckt wird, und die den meisten Schülern nicht nur, sondern auch den Erwachsenen oft unbekannt ist. Dieser Mangel jedoch kann leicht behoben werden, da die Kenntnis der Raschischrift durch Gegenüberstellung der Raschibuchstaben mit denen der Quadratschrift, sogar im Selbstunterricht, leicht erlernt werden kann. Viel größere Schwierigkeiten bietet das Raschistudium dadurch, daß es sich bei diesem Kommentar stets um unpunktierte Texte handelt, deren Entzifferung eine gewisse Kenntnis der hebräischen Sprache voraussetzt, die vielen Interessenten fehlt. „Es bleibt ihnen darum der Raschi-Kommentar ein versiegeltes Buch", wie ein anderer Raschikommentator sich ausdrückt. Ein Lehrbuch für den Raschiunterricht wird darum hauptsächlich diese Schwierigkeiten berücksichtigen müssen. Es wird aber, auch wenn es ihm gelingt, diese Schwierigkeiten zu beheben, noch kein gutes Lehrbuch sein. Um ein solches zu bieten, wird der Autor noch ein drittes, sehr wichtiges Moment verwerten müssen. In polnischen und ungarischen „Chadarim" wird der Raschi-Kommentar stets erstematisch, d. h. nach der sokratischen Methode gelehrt. Durch geschickt gestellte Fragen sucht der Lehrer aus den Schülern selbst die passende Antwort hervorzulocken oder sie in dem durchzunehmenden Raschistück gegeben zu finden. Auf diese Weise wird der Raschiunterricht für den Schüler nicht nur interessanter und fesselnder, weil er selbständig Mitarbeiten muß, sondern auch gründlicher und wirksamer, weil er, statt den Text bloß zu übersetzen, ihn durcharbeiten lernt. Das im Verlage van C. Boas Nachf. erschienene „Lehrbuch füreinenelementarenUnterrichtinRaschi" von Jakob Prag hat in feiner triadischen Einteilung alle Erfordernisse eines guten Lehrbuches für den Raschiunterricht. In einer Gegenüberstellung der Rasch!- mit den Quadratbuchstaben lehrt er den Anfänger die Raschischrift kennen und durch schriftliche Aufgaben allmählich beherrschen. Die größere Schwierigkeit, die in dem Lesen des unpunktierten Textes besteht, sucht der Verfasser durch Uebungen in den unpunktierten Schriftoersen und unpunktierten, in Quadratschrift gedruckten, leichten Stetten im Raschitext selbst, zu beheben. Am wertvollsten aber scheint mir die in Abteilung II in Fragen an den Schüler gegebene Anregung, Schwierigkeiten im Schristoerse aufzusuchen, selbständig zu beantworten und schließlich mit Raschis Erklärung zu vergleichen. Damit hat der Verfasser auch das Wichtigste, was beim Raschiunterricht zu berücksichtigen ist, in seine Anleitung ausgenommen. Man darf darum seinem Lehrbuche das