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Jüdische Schulzeitung · 1932-01-15 · 1 (15.1.1932) · page 2

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
8 (1932)
Issue
1 (15.1.1932)
Date
1932-01-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Interessant ist endlich der Hinweis auf die Erfahrung vieler Schulmänner, daß die jüdischen Kinder zunächst „aufgeweckter" erscheinen, später aber keine Steigerung der Leistungen aufweisen. Im Zusammenhang mit dieser letzten Beobachtung gibt Nemecek seinen Zweifeln darüber Ausdruck, ob „die Begabung nur Zeugnis einer gewissen Frühreife sei oder eine im Wesen potentiell, stärkere Funktion darstelle." Die Untersuchung von Nemecek ist wiederholt kritisiert worden. Die Annahme einer höheren Begabung beruht — wie noch gezeigt wird — auf einem Fehlschluß. Dennoch hat die Arbeit ihren Wert besonders durch das Bemühen des nichtjüdischen Verfassers um Verständnis der Eigenarten seiner jüdischen Versuchspersonen. Manche der von ihm sestgestellten Eigenarten sind nachträglich bestätigt worden. Die Annahme einer geringeren Visualität deckt sich z. B. mit den Ergebnissen einer Untersuchung von D. W o l b e r g: „Zur differentiellen Psychologie jüdischer Kinder". 3) 3. R. Weintrob vergleicht mit Hilfe der Binet-Simon-Test- Methode jüdische Kinder aus den sozial tiefsten Schichten mit nichtjüdischen des Mittelstandes. Die intellektuellen Leistungen sind die gleichen. Da nach den Erfahrungen der experimentellen Pfychologie die soziale Schichtung von großem Einfluß ist auf die geistige Leistung, so kommt dieser Autor zu dem Ergebnis, daß der soziale Niveauunterschied durch die höhere Intelligenz jüdischer Schüler ausgeglichen werde. 4. Eine besonders gründliche Arbeit stellen die Untersuchungen von M. Davies und A. E. Hughes dar (An investigation into the comparative intelligence and attainments of jewish and non-jewish school children — British Journal of Psycholgy XVIII. 1928). Die Untersuchungen wurden an zirka 1900 Kindern dreier Londoner Volksschulen durchgeführt. Die sozialen Verhältnisse der Schüler der einen Volksschule sind gut, in der zweiten mittelmäßig, in der dritten schlecht. Der Prozentsatz jüdischer und nichtjüdischer Schüler ist in Schule A 59 % : 41 %, in Schule B 60 % : 40 %, in Schule C 51 % : 49 %. Die annähernd gleiche Zahl Kinder der beiden Gruppen ist für das Ergebnis insofern wichtig, als bei sehr geringer Zahl jüdischer Kinder in einer Klasse die exzeptionelle Stellung der Kinder ein starker Antrieb zur Leistungssteigerung ist. Die Untersuchungen erstrecken sich auf die Prüfung der allgemeinen Intelligenz durch verschiedene Ausgaben des logischen Denkens, sowie auf die Feststellung der Leistungen im Lesen, Aufsatz, Rechtschreibung, Geschichte. Geographie und Rechnen. Die Ergebnisse dieser Untersuchung bringen eine eindeutige Bestätigung der von den beiden vorigen gewonnenen Resultate. Sowohl die allgemeine Jntelligenzlage — des Jntelligenzalters — als auch die Leistungen in den mathematischen und sprachlichen Fächern sind bei den jüdischen Kindern in allen Altersstufen höher als bei den nichtjüdischen Schülern. Diesem Ergebnis entsprechen auch die Schätzungen der Lehrer in den Zensurenbüchern. 5. Zur weiteren Bestätigung der These von der intellektuellen Überlegenheit jüdischer Kinder bringe ich einige Mitteilungen, die B. Epstein, Prag, in den Monatsblättern der Großloge für den tschechoslowakischen Staat (IX. Jahrgang Nr. 6) macht. Dieser Autor zitiert eine Äußerung von S. Redcliff aus einem Referat auf dem zweiten eugenifchen Kongreß in Amerika. „Jeder Schulmeister, der jüdische Kinder in seiner Schule hat, wird bestätigen, daß sie einen ganz besonders großen Prozentsatz von intelligenten Kindern aufweisen. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die jüdischen Mädchen und Knaben besonders begabt sind. Sie denken rasch und sind in ihrer Intelligenz über ihre Jahre weit hinaus. (Anm. des Verf.: Das letztere ist entschieden übertrieben, nach den Untersuchungen von Davies und Hughes über- 3) Jenaer Beiträge zur Jugend- und Erziehungspsychologie, S. 1727. Nummer 1 steigt das Jntelligenzalter jüdischer Kinder von 10—12 Jahren das der nichtjüdischen um %—1% Jahre.) Die Anzahl von begabten Kindern unter den Juden, besonders unter den ärmeren Klassen, ist erstaunlich." Epstein erwähnt ferner die psychologische Studie einer amerikanischen Ärztin, Grace Allen, die festgestellt hat, daß unter den 48 begabtesten Kindern der öffentlichen Newyorker Schulen 70 % Juden waren. Ein anderer Autor, Ferman, hat bei 600 höchstbegabten Kindern Kaliforniens Jntelligenzprüfungen angestellt, welche ergaben, daß 15 % der Kinder Juden waren, doppelt soviel, als dem Anteil an der Gesamtbevölkerung entspricht. Die letztgenannten Autoren weisen darauf hin, daß wir es bei der Begabung jüdischer Kinder mehr mit einem Vorauseilen in der geistigen Entwicklung als mit höherer Intelligenz zu tun haben. „Es hat den Anschein, als wäre das jüdische Kind an der Reise des normalen Kindes vorbeigehuscht. Ungefähr im Alter von 15 Jahren hört es auf, sich im gleichen Grade weiterzuentwickeln." (Redcliff.) V. Epstein kommt zu dem Ergebnis, daß das jüdische Kind „eine gewisse Beschleunigung in der geistigen Entwicklung erkennen lasse, die sich durch frühe und rasch aufeinanderfolgende Fortschritte der geistigen Tätigkeit äußert. Diese rasche geistige Entwicklung imponiert dem Lehrer und oft auch den Eltern als besondere Begabung." 6. Zu dem gleichen Ergebnis ist — früher schon — O. Scheibner gekommen. (Zeitschrift für pädagogische Psychologie 1916.) Er setzt sich in einer Arbeit mit den Resultaten von O. Nemecek auseinander und stellt ihnen eigene 15jährige Beobachtungen an einer höheren Mädchenschule gegenüber. „Von einer höheren Intelligenz jüdischer Schülerinnen kann nicht die Rede sein. Ihre höheren Leistungen ... sind die Folge einer schnelleren geistigen Entwicklung. In seinen Tabellen weist er das Ueberwiegen der jüdischen Leistungen in den ersten Schuljahren auf. Dann wird sie von der der Nichtjuden überkreuzt; im 12. und 13. Lebensjahre überholen sie abermals. Danach treten sie wieder zurück. 7. Dieses Ergebnis bestätigt Deuchler (Rassenunterschiede in der Schulentwicklung, Zeitschrift für pädagogische Psychologie 1917.) „Es darf das Ergebnis als gesichert angesehen werden, daß die jüdischen Schülerinnen (D. bearbeitet das Material von Scheibner) gegenüber dem Durchschnitt zunächst einen Entwicklungsvorsprung aufweisen, der im Alter von 814 Jahren sein Maximum erreicht, dann abnimmt und (vermutungsweise etwa im Alter von Wz Jahren) in einen Entwicklungsrückstand übergeht, der sich etwa bis zum Alter von 1014 Jahren vergrößert." II. Ich hatte schon im Anfang meiner Untersuchung darauf hingewiesen, daß die Schlüsse der Autoren, die eine Höher- bzw. Minderbegabung des jüdischen Kindes annehmen, Fehlschlüsse feien. Das wird nunmehr deutlich. Einige Autoren weisen ausdrücklich darauf hin, daß die „höhere Begabung" nichts anderes als ein Entwicklungsoorsprung sei. Bei den andern geht es klar aus dem Unterfuchungsmaterial hervor. So bei Ruppin, dessen Tabellen bei den Schülerinnen der Unterstufe eine bessere Leistung der Jüdinnen zeigen, während sie erst auf der Mittel- und Oberstufe schlechter wird — was ihre Entwicklungsbedingtheit bestätigt. So auch bei Davies und Hughes, die selbst auf das „offensichtliche Sinken der Ueberlegenheit im 12. und ihr erneutes Neigen im 13. Lebensjahre" hingewiesen haben. Endlich sei noch erwähnt, daß W. Stern (Zeitschrift für pädagogische Psychologie) die Behauptung von R. Weinfroh das jüdische Kind habe durch höhere Intelligenz den sozialen Niveauunterschied ausgeglichen, dahin richtig stellt, daß nicht jene, sondern „die intellektuelle Frühreife der jüdischen Rasse" den sozialen Niveauunterschied ausgeglichen habe. In einer Untersuchung über den „Beginn der Pubertät bei jüdischen Kindern" (Zeitschrift für pädagogische Psychologie 1031) Jüdische Schulzeitung.

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