Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 7 (1931)
- Issue
- 12 (15.12.1931)
- Date
- 1931-12-15
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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>• ■ ' . . ■ : . V ' 0 ■ Nummer 12 Jüdische S slche Tat bildlich darzustellcn, und nur. weil sich einmal und jid)t wieder ein Simson fand, dem ein solches Kraftstiick gelang. ^ird ey'lit dieser Weise gefeiert." Der Umstand ---- schliefst der Michaöubnoer sein Gleichnis —, dah die Thora erst erzählen ■ mujj, LJ," >aß eine seltene Frau. wie es unsere Stammutter Sarah gewesen, L V )en Gästen feines Mehl brachte, wo Abraham bloß gewöhnliches i' den verlangt hatte, zeigt, dah in den meisten Fällen die Frauen nicht Nim-! ' allzu freigebig sind. . ° . Unseren Herren Bibelkritikern scheint die ans diesem Gleichnis seine 'fid) ergebende Erkenntnis völlig fremd zu sein. Sie wissen nicht L., , oder wollen nicht wissen, dag manches in der Bibel mitgeteilte LJ ‘; Geschehnis nur als Ausnahme von der Regel überhaupt mit- > y. j geteilt wird, und daß daraus nicht nur kein Beweis für die von allen ' ' ihnen gerade ausgestellte Theorie zu erbringen, sondern oft noch s. das Gegenteil zu erweisen ist. Ihnen genügt aber, wie sich aus s- . den weiter unten von mir angeführten Beispielen ergibt und 1 IC; hundertfältig Nachweisen läßt, eine einzige und nur einmal vori . i kommende Stelle, um das. was sie gern bewiesen haben möchten, i ~ ''' bewiesen zu sehen. Der Unwert solcher- Beweise liegt für jeden ' i.. klar Denkenden auf der Hand. „ l Gegen die Beweise von Michaelis ist von den Gegnern der füi fe Theorie einer Kaufehe im alten Israel eingewendet worden, lel? Zu 1: Aus den Sitten und Bräuchen anderer Völker dürfe man 1 | keine absoluten Schlüsse auf die der alten Hebräer ziehen, zumal 1, | ’ sie sich schon in frühster Zeit in vielen Dingen von ihrer Um- L'"', j gebung unterschieden und ihnen an vielen Stellen der Bibel die f. Nachahmung fremder Bräuche verboten wurde. (Die Bibelkritiker L drehen natürlich auch hier den Spieß um und argumentieren: | : inan hat ihnen die Nachahmung verbieten müsien; er^o hat sie | j stattgefunden.) Schließlich würde sich durch einen solchen Vergleich j j: eine Unmöglichkeit in der historischen Entwicklung des israelitij : scheu Volkes ergeben. Michaelis selbst muß in § HG seines Buches! | . zugcben, daß es bei den Hebräern auch andere als Kaufehe ge-! l geben habe, und führt als Beispiel die Ehen Abrahams und! ' j Isaaks an. Es müßte also bei den Hebräern eine umgekehrte j Entwicklung vor sich gegangen sein. Während bei andern Bötkern!; sich die Kausche im Laufe der Zeit verliert, müßte sie bei ihnen . - ' erst allmählich entstanden sein, was doch keinem vernünftigen Menschen einleuchtcn wird.— Zu 2: Aus Labans Verfahren, auf jüdische Sitten Schlüsse zu; . ziehen, geht schon darum nicht an, weil Laban von der Bibel \ ■ selbst als der eigennützige Mensch kat twochc» gezeichnet wird? und in der jüdischen Auffassung von jeher als solcher gegolten;; hat. Daß Jakob selbst, dem die Bibel attestiert, daß er seine i; Rahel liebte (l. Mose 20,20), um sie diente, weil er bei Labans Ge \ t p . winnsucht nicht anders in den Besitz der geliebten Frau gelangen S || konnte, ist begreiflich. Aber gerade die Erwähnung all dieser J r| . Tatsachen, noch mehr jedoch die Klage der Töchter, daß der eigene - -i. . Vater sie verknust habe, zeigt deutlich genug, daß es sich hier um j> einen Ausnahmefnll handelt. Schließt doch Michaelis selbst ■ ' f r darnrls, daß der Kauf der Frauen nicht allgemein war! — 1 - Zu 3: Dieser Beweis stützt sich darauf, daß der von Sichem l /. . gebrauchte Ausdruck Mohär als Kaufpreis betrachtet wird. Von 1 - einem Kaufpreis ist aber in der betreffenden Stelle keine Rede,? \ vielmehr verspricht Sichem die sonst üblichen Geschenke an die - . Braut und Verwandten. Die falsche. Ableitung 'des Wortes i Mohär von machar, um so um jeden Preis einen Kauf und Veri kauf zu konstruieren, ist bereits von verschiedenen Seiten widers legt und auch, von Dr. Elias in Punkt 5 erwähnt worden. Da - dieses Wort meist in Verbindung mit der geraubten Virginitäl j. vorkommt, liegt die Vermutung nahe, daß cs mit der nur im Hiphil vorkommenden Wurzel mor verwandt ist, die „ersetzen", j also hier Ersatz für die geraubte Jungfernschaft bieten, bedenkt. In - diesem Sinne erbietet sich auch Sichem. für die Schändung Dinas j soviel Ersatz zu leisten, wie man von ihm verlangen werde. ( Z" 1: Moses fetzt, vielleicht um übertriebenen Ansprüchen vorf znbeugen, die Entschädigungssumme für eine solche Vergewalti- | chulzeitung ' , Seite 7 gung auf rill Schekel fest. Selbst wenn die Annahme richtig wäre, daß diese Summe dem üblichen Wert der Brautgeschenke entsprach, berechtigt dies keinesfalls zu dem von Michaelis und feinen Nachfolgern gezogenen Schluß, den Wert der Frau auf »0 Schekel feftzusetzen. Zu 5: Bei Hosen ist weder voneiner Ehe. noch von einem Kaufe die Rede. Es handelt sich dort lediglich um eine Buhlerin, die er für eine bestimmte Zeit um den dort genannten Preis mieten sollte, damit sie nur ihm allein angehöre. (Vgl.. hierzu Saalschütz, „Das mosaische Recht il"; Buchholz. „Die Familie", denen diese Ausführungen hauptsächlich entnommen sind.) " Alles, was Bing in Anlehnung an seine Gewährsmänner über die der Kaufehe vorangegangene Raubehe und die ihr nachfolgenden Eheformen vorbringt, fallt in sich zusammen, nachdem der Theorie von der Kaufehe der Boden entzogen ist, da sie ja mir * als Vor- und Entwicklungsstadien der als Hauptstllck in der Mitte stehenden Kaufehe von den einzelnen Gelehrten entdeckt wurden. ' Nachschrift der S ch r i f t l e i t u n g. Jur Anschluß an -vorangehenden Artikel werden wir von Herrn Bing um ' Wiedergabe folgender Erklärung ersucht: > „Nachdem ich mich eingehend mit den Ausführungen Herrn Dr. K o h n s beschäftigt habe, muß ich zugeben, daß ich mich tat sächlich allzu eng an bibelkritische Werke angelehnt und dadurch die ganze Materie einseitig beurteilt habe. Ich danke Herrn Dr. Kohn für seine tiefgründige wissenschaftliche Belehrung und werde in Zukunft bei ähnlichen Arbeiten gern seinem wohlmeinenden Rat Folge geben. Anselm Bi n g." Literarisches. Eduard Engel: Deutsche Stilkunst. Einunddreißigste. neubearbeitete Auflage. Verlag von K. Freytag A.-K., Lcip« zig/Wien, 1031. Der große Literarhistoriker Eduard Engel, der verdienstvolle Vorkämpfer für die Reinheit der deutschen Svrnche. konnte am 12. November d. I. seinen 30. Geburtstag begehen. Seine Werke haben große Verbreitung im deutschen Volke gefunden. Das Werk, das den Gelehrten wohl am bekanntesten gemacht hat. ist seine „Deutsche Stilkunst", von dem erst kürzlich die 31. Auflage j erschienen ist. Mit Witz und Scharfsinn ist dieses Buch geschrieben, von einem glühenden Verehrer unserer deutschen Muttersprache. Es ist bestimmt für „Schreiber und Redner jener Art"; insbesondere für die Heranwachsende und die gereifte Jugend, die durch das Aufdccken der schlechten Stile auf den Weg zum besseren und guten Stil gewiesen werden soll. Es ist ein hilfsbereiter Stilratgeber für jeden, der durch schriftliche und mündliche Aeußerungen auf andere wirken will. Eine Fülle von Zitaten. Stilproben, Briefen usw. geben im Zusammenhang mit der Darstellung des Autors ein vorzügliches Gesamtbild des . schriftstellerischen Schaffens in Deutschland, die zahlreichen, sehr geschickt ausgewühlten Beispiele sind fast ausschließlich deu Werken bekannter, ja berühmter Schriftsteller entnommen und. wirken so um so anschaulicher, anspornender oder abschreckender. Mit seltener Gründlichkeit und beispiellosem Fleiß ist dieses Buch geschrieben. Dem guten Ratgeber in der deutschen Stilkunst, wie in sprachlichen Dingen überhaupt, ist überall Ausnahme zu wünschen. Den Lehrern möchte ich die Anschaffung des Buches ganz besonders empfehlen. . Dem 30jährigen unermüdlichen Professor Engel wünschen wir noch eine Reihe von Jahren seiner Schaffensfreude! Schäler, Gotha. OttoKeismar: Tierschnellzeichnen. Union Deutsche Berlagsgesellschaft. Zweigniederlassung Berlin. 3. bis 7. Tausend. Der moderne, nicht zeichnende Lehrer ist eigentlich undenkbar. Der Unterricht, vor allein der der Unterstufe, ist fast unmöglich . ohne die das Wort ergänzende Handtätigkeit. Und dennoch gibt es viele unserer fähigsten Kollegen, denen Geschicklichkeit und Leichtigkeit zur manuellen Darstellung völlig abgehen; vielleicht scheuen sie auch zeichnerische Anschauung, weil es nicht allzuviele Werke gab, die kurze charakteristische Anleitung bieten. Vor mir liegt die zweite erweiterte Ausgabe von Otto Geismars Tierschnellzeichnen,'- ein Werk, das keinem Naturkundelehrer, keinem Lehrer der Unterstufe fehlen dürste. Es.birgt aüch -für den llngeschicktesten die Möglichkeit, dem Kinderauge charakteristische - - -!! i l ' . ’• - ' - '• v ■ . » 1 ■ : ' - ' ' r ■ .! i