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Jüdische Schulzeitung · 1931-12-15 · 12 (15.12.1931) · page 6

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
7 (1931)
Issue
12 (15.12.1931)
Date
1931-12-15
Page
– (sequence 6)
Language
German
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(SeitcB Maximum an Zusammenarbeit zu leisten, so sind wir in den Bemühungen für die gesunde Entwicklung der.uns anvertrautcn Jugend ein gutes Stück weiter gekommen. Vielleicht können wir an unserem Teil sogar etwas dazu beitragen, die Gesamtentwicklung in dieser Hinsicht zu beeinflussen. > JUtiUh ÄtiMi. Leitsätze. 1. Schule und Jugendwohlfahrt sind zwei Erziehungseinrichtungen, die dem gleichen Ziele dienen. Die Beziehungen zwischen beiden müssen verstärkt, die Schule muß an den Ausgaben der Jugendwohlfahrt stärker beteiligt werden. 2. Jede Prosanschule der jüdischen Gemeinde und jede Religionsschule soll einen Vertreter in die Jugendkommission des betreffenden Wohlfahrtsbezirkes entsenden. Aufgabe der Lehrer in diesen Kommissionen ist es, die pädagogischen Interessen der Schule innerhalb der Jugendwohlsahrt zur Geltung zu bringen, und andererseits die Interessen der Jugendwohlsahrt innerhalb ihrer Schulen zu wahren und zu propagieren. 3. Im Jugendamt der Gemeinde ist ein Fachausschuß zu bilden, in dein die Lehrerschaft genügend vertreten ist. 4. Die Jugendwohlfahrtsarbeit in der Schule hat in engster Zusammenarbeit mit der Schulpflegerin zu erfolgen, die die Verbindung zwischen Schule und Jugendamt herzustellen hat. „Eheformen im alten Israel" Von Dr. Jacob Kohn, Leipzig In Nr. 7 dieser Blätter hat Herr A. Bing einen Aufsatz unter obigem Titel veröffentlicht, der Herrn Studiendirektor Dr. M. Elias Veranlassung gab, in Nr. 0 darauf zu erwidern und in 11 Punkten den Ergebnissen des Verfassers, die er als „Jrrtümer" bezeichnete, entgegenzutreten. Herrn Vings Antwort darauf war kurz und bündig: „Jrrtümer find immer relativ, und er steht auf anderem weltanschaulichem Standpunkt als Herr Dr. E., womit sich eine Diskussion erübrigt." Obwohl nun auch die Schriftleitung die Diskussion für geschlossen erklärte, bin ich doch der Meinung, daß der hier zutage getretene Gegensatz der Weltanschauungen zu wichtig und weittragend ist, als daß B.s Antwort wirklich das letzte Wort in dieser Angelegenheit sein könnte.. Gewiß ist der Standpunkt des gesetzestreuen Juden von dem des Vibelkritikers weltanschaulich verschieden, und es sei auch zugegeben, daß ein weltanschaulicher Streit unfruchtbar bleiben muß. Aber die von Dr. E. gemachten.Einwände gegen die von B. vorgebrachten Theorien über die jüdischen Eheformen und andere damit zusammenhängende Dinge sind so positiver Art, sind — wenn auch kurz — so quellenmäßig belegt, daß jeder wirklich wissenschaftlich Denkende sich geradezu hätte freuen müssen, eine Gelegenheit zu haben, seinen wissenschaftlichen Standpunkt dort, wo dies möglich, zu verteidigen und zu beweisen, daß er der richtige sei, im anderen Falle aber der Wahrheit die Ehre zu geben und ■ seinen verfehlten Standpunkt aufzugeben. Herr Bing hat sich jedoch die Sache bequem gemacht, indem er Jrrtümcr als relativ bezeichnet .und damit jeder Diskussion aus dem Wege geht. Es geht nun keineswegs an, sich in so heiklen Dingen, wie sie B.s. Artikel zum Inhalt hat, über wohlbegründete Vorwürfe mit einer inhaltlosen Erklärung hinwegzusetzen. Jedenfalls hätte er die Pflicht gehabt, die auch in deutscher Sprache-zugänglichen und in reichhaltiger Weise vorhandenen Gegenargumente wissenschaftlicher Autoritäten zu berücksichtigen und sich nicht einseitig - nur der bibelkritischen Richtung verschreiben dürfen. Ich bin davon überzeugt, daß er, hätte er dies getan, zu einem anderen Standpunkt gekommen wäre. Ich will, was er versäumt hat, in. möglichster Kürze nachholen. ' Der erste, der die bei anderen Völkern des Altertums vorkommende KaufeHe auch in die altjüdischen Ehebräuche impor- Nummer 12 tierte, war meines Wissens der Göttinger Professor I. D. Michaelis, der in seinem Werke „Mosaisches Recht", 8 85, aus verschiedenen Stellen der Bibel den Nachweis zu erbringen versucht, daß die alten Hebräer ihre Frauen durch Kauf der Töchter von den Vätern erlangten, und daß das mosaische Gesetz sogar einen NortHtifpttfi* kiik Siefeit Zmck verschreibe- Ihm folgten darin alle späteren Forscher, die den Gegenstand behandelten, ohne seine Hypothese durch beweiskräftigere Belege stützen zu können. Die von Michaelis selbst vorgebrnchten Beweise sind: 1. die Analogie mit andern Völkern (Araber. Syrer, Germanen), bei denen es eine Kaufehe gegeben habe; 2. daß Jakob seine beiden Frauen für je sieben Dienstjahre von ihrem Vater Laban gekauft habe, und daß sich Labans Töchter über ihren Vater beklagten, der sie „verkauft" hätte; 3. daß Sichem, der Jakobs Tochter zur Frau begehrte, verspreche, dafür „Mohär umattan" (was mit Kaufpreis übersetzt wird) zu geben; -1. daß das mosaische Gesetz den Vergewaltiger einer Jungfrau verurteile, „sie zu kaufen" und zu heiraten, und dafür eine Taxe von 50 Schekel (die höchste Taxe eines Knechtes) vorschreibe; 5. daß Hosea für seine Frau 15 Schekel Silbers und 15 Efa Gerste, zusammen also 30 Schekel zahlte, was dem mittleren Preise eines Knechtes entspreche.' Bevor ich daran gehe, die von anderer Seite vorgebxachte Widerlegung dieser Beweise wiederzugeben, kann ich es mir'nicht ▼ ) versagen, hier eine allgemeine Bemerkung über die Methode der sogenannten bibelkritischen Schule einzuschalten. Zu der Stelle in l. Mose 1H,6: „Nimm eilends drei Maß seines Mehl", gibt es im Volksmund einen (tatsächlich nicht existierenden) Midrasch, der den im hebräischen Text durch die Worte kemach und solot enthaltenen Widerspruch lösen will (da kemaeb grobes, solei aber feines Mehl bedeutet). Er lautet: „Er (Abraham) sagte keniadi (grobes Mehl), sie (Sarah) aber brachte seiet (feines Mehl). Daraus ist zu schließen, daß die Frauen Gästen gegenüber mißgünstig sind." Die Schwierigkeit liegt auf der Hand, Da Sarah das bessere Mehl brachte, wäre ja gerade das Gegenteil erwiesen! Unter den vielfachen Erklärungen, die dieser Pseudomidrasch gefunden hat, ist die dem berühmten „Duhnoür Maggid" (R. Jakobs Kranz) zugeschriebene wohl am trefflichsten. Nach seiner Manier operiert er auch hier mit dem Mascha! (Gleichnis): ' Zwei junge Löwen, die das Alter erreicht hatten, in dem sich der Selbständigkeitsdrang auch bei den Tieren meldet, wollten in die Welt hinausziehen und erbaten sich vom Alten die nötige Belehrung darüber, was ihnen gestattet und was verboten fei, mit wem sie. anbinden dürften, und wem sie besser aus dem Wege gehen sollten usw. — „Der Löwe ist der König der Tiere", sagte stolz der alte Löwe; „er ist auch der Stärkste, vor dem alle andern Angst haben, der sich selbst aber vor niemand zu fürchten braucht.' Die Jungen nahmen diese erhebende Lehre mit gebührendem Stolz zur Kenntnis und zogen im Bewußtsein ihrer Kraft und Unangreifbarkeit in die Fremde. Nach kurzer Wanderung durch den Wald kamen sie in ein Städtchen, wo gerade eine herumziehende Menagerie ihre Schaubude aufgeschlagen hatte und in großen bunten Bildern die schaulustige Menge auf ihre Sehenswürdigkeiten aufmerksam machte. Darunter war auch ein Bild, das den Kampf Simfons mit dem Löwen darstellte. Kaum hatte» die beiden jungen Löwen dieses Bild erblickt, als sie in größtem Schrecken Reißaus nahmen, um eiligst heimzukehren. „Das alles, was du uns sagtest, stimmt ja gar nicht", berichteten sie vorwurfsvoll dem alten Löwen. „Gleich beim ersten Schritt, den wir in die Welt hinaus machten, sahen wir ein Bild, auf dem ein gewaltiges Geschöpf einen Löwen in zwei Teile zerriß, wie man ein Böcklein zerreißt." — „Nun", sagte lächelnd der Alte, „beweist das etwa das Gegenteil von dem, was ich euch sagte? Nein, das ist gerade ein Beweis dafür. Das Alltägliche ist nicht wert, im Bilde verewigt zu werden, und nur das Seltene, was kaum in hundert Fällen einmal geschieht, wird auf der Leinwand festgehalten. Wenn es ein alltägliches Ereignis wäre, daß ein Löwe zerrissen wird, wäre es keinem Menschen jemals eingefallen, eine Jüdische Schulzeikung.

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