Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 7 (1931)
- Issue
- 12 (15.12.1931)
- Date
- 1931-12-15
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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mttirn. X Stammet 12 _ . .. ■.2»dilch« SJiuteitunp. Seite 5 311 einem Gelingen der Arbeit mutz aber noch ein Weiteres hinl' zukommen. Neben dieser allgemeineren Ausgabe ein Höchstmaß an Verständnis für moderne Erziehungsfürsorge innerhalb der Schule zu wecken, hgt öieN WxtMMilümmm ingükhaih seines Kotter giums noch Spezialaufgaben. Er würde den Schnittpunkt aller Verbindungsfäden zwischen Schule und Jugendamt darstellen, er würde das „soziale Gewissen" der Schule bilden. In allen Fragen der Schulorganisation, der körperlichen und geistigen Jugendpflege würde er die Forderung der Jugendwohlfahrt zur Geltung zu bringen haben. Infolge seiner engen täglichen Verbundenheit mit Kindern und Lehrern würde er schneller als die Schulpflcgerin in der Lage sein, Fälle zu erkennen, in denen ein Eingreifen der Schularbeit geboten ist. Die Einleitung und Durchführung aller eventuell zu ergreifenden Maßnahmen würde - nach wie vor natürlich der Schulpflegerin und den entsprechenden Stellen überlassen bleiben. Dadurch, daß mit Hilfe dieses Vertrauensmannes rechtzeitig und frühzeitig ein Einschreiten möglich ist, würde oft eine, leichtere und nachhaltigere Hilfeleistung möglich sein. Erfahrung und Ergebnisse moderner psy- ' chologischer Forschung zeigen uns gleichermaßen, wie stark der gg. Erfolg einer Heilmaßnahme von der frühzeitigen Einleitung fP eines Verfahrens abhängig ist. Im Anfangsstadium einer Verwahrlosung ist die Möglichkeit einer Normalisierung fast immer gegeben, in einem fortgeschrittenen Stadium sind die Erfolgsaussichten geringer und erfordern einen ganz anderen Kräfteaufwand. Von hier aus verdient der Gedanke Erwägung, ob unsere Erziehungsberatungsstellen nicht noch weiter ausgebaut werden müßten, ob nicht alle Maßnahmen einer vorbeugenden Fürsorge weitgehendst ausgenützt werden müßten. Dieser Vertrauensmann hätte im Verein mit den entsprechenden Organen der Jugendwohlfahrt sein Augenmerk auf den Ausbau aller Einrichtungen der halboffenen Fürsorge zu richten. Ebenso hätte er die Verbindung zu den Kindergärten und -horten enger zu gestalten. Von den Horten könnten wir, ebenso wie von den Heimen der Erholungsfürsorge, mancherlei Ausschluß über das Verhalten der Kinder außerhalb der Schulzeit ' erhalten. Die Kindergärten könnten uns bei den Schulneulingen, die vorher in ihrer Betreuung standen, ihre Erfahrungen über diese mitteilen. Besonders notwendig erscheint dies für die Kinder zu sein, die irgendwelche Erziehungsschwierigkeiten bereiten. Wenn wir gewillt sind, jugendwohlfahrtspflegerifche Gedanken in unserer Schularbeit stärker als bisher zur Geltung kommen zu lassen, müssen wir auch Arbeiten übernehmen, die in das eigentliche Arbeitsgebiet der Familie fallen. Die Ent- - Wicklung der großstädtischen Verhältnisse zwingt uns zur Uebernähme von Arbeiten, die, streng genommen, aus dem Aufgaben- - kreis der Schule herausfallen. Die Schule Muß sick,. wenn sie an einer gesunden Entwicklung der ihr anvertrauten Jugend . ein Jnteresie hat, um die Ausgestaltung der Freizeit ihrer Kinder kümmern. Die Siedlungsverhältnisse der Großstadt, die Raumnot der großstädtischen Wohnung, verlangen für eine große Anzahl von Kindern — auch unter den nicht hortbcdürftigen - diese Fürsorge. Es ist bekannt, daß man bei neuen Siedlungsblocks — in besonderem Umfange in Wien, das hierin Mustergültiges geleistet hat — auf diese Situation des Kindes /Rücksicht genommen und Ersatzräume geschaffen hat. Es wäre erwägenswert, ob es nicht unsere gemeinsame Aufgabe wäre, für unsere im Zentrum der Stadt unter besonders ungünstigen äußeren Verhältnissen lebende Schuljugend durch Bereitstellung von nachmittags unbenutzten Schulräumen und Schulhöfen, durch Einrichtung von Lesestuben in den einzelnen Schulen u. ä. auch eine solche Ersätzform zu finden. Vielleicht ergeben sich an manchen Stellen im Augenblick räumliche Schwierigkeiten, und man wird deshalb nicht alle Wünsche in dieser Beziehung gleich restlos erfüllen können. Ein gewisses Minimum läßt sich aber sicher auch unter gegebenen Umständen sofort leisten,, bei eventuellen Schulneubauten müßten wir aber unser Augenmerk auf die Berücksichtigung dieser Forderungen richten. Durchführung dieser Gedanken innerhalb der einzelnen Hkhutü fistß vhöii in tzgü AitsüMiWdm WmEiivi mannes. Durch seine engen Beziehungen zur Schulpflegerin und zum Jugendamt wäre dieser Vertrauensmann auch laufend über jede Phase schwebender Verfahren unterrichtet, so daß er in seinem Kollegium jederzeit über den Stand eines jeden Falles Auskunft geben könnte. Man möge« die Bedeutung solcher Aeußerlichkeiten nicht unterschätzen. Es liegt in der Natur der Sache, daß Maßnahmen der Jugendfürsorge nicht immer schnell zu einem Abschluß gebracht werden können. Es ist notwendig, keine Mißstimmung innerhalb eines Kollegiums gegenüber den Jugcndwohlfahrtsbehörden in dieser Beziehung aufkommen zu lassen. Ist ein Mitglied des Kollegiums aktiv in diese Arbeit eingespannt, so wird es ihm ein leichtes sein, alle etwa vorhandenen Verstimmungen zu beseitigen. ' Zu überlegen wäre ferner noch, ob und wie weit eine engere Beziehung zwischen dem einzelnen Klassenlehrer und den ehrenamtlichen Helfern des Bezirks herzustellen wäre: Zu wünschen wäre mindestens,' daß die Schule über alle Aenderungen der häuslichen Verhältnisse, die für die Entwicklung des Kindes von Bedeutung sein können, schnellstens unterrichtet würde, genau wie die Schule verpflichtet wäre, alle ihr bekannt werdenden Veränderungen den betreffenden Stellen der Ingensmohlfahrt bekannt zu geben. Mit Absicht ist der Kreis dieser Betrachtungen sehr eng gezogen worden, sind Möglichkeiten zu einer Zusammenarbeit nur soweit aufgezeigt worden, wie sic in einem direkten Zusammenhang mit der Schularbeit stehen. Es ist darauf verzichtet worden, all die Vetätigungsmöglichkeiten zu verzeichnen, die darüber hinaus die Lehrerschaft in der jüdischen und der allgemeinen Jugendwohlfahrtsarbeit haben kann. Damit soll weder gesagt sein, daß die Lehrerschaft an der weitergehenden Arbeit desinteressiert sei, noch daß sie sich, soweit es in ihren Kräften steht, an ihr nicht beteiligen soll. Im augenblicklichen Stadium der Beziehungen zur Jugendwohlfahrt scheint aber eine völlige Auswertung der direkten Beziehungen notwendig zu sein, die sich hieraus ergebenden Konsequenzen werden von selbst zu einer stärkeren Teilnahme an allen weiteren Arbeiten führen. Die Jugendwohlfahrt, die doch auf die Mitarbeit ehrenamtlicher Kräfte angewiesen ist, kann, von' hier aus gesehen, sogar ein egoistisches Interesse an der stärkeren Beteiligung der Lehrerschaft an ihrer Arbeit haben. Wenn sie es auszuwerren versteht, kann die Jugendwohlfahrt sich hier einen großen Mitarbeiterstab schaffen, der ihr bei ihren vielfältigen Aufgaben ein wertvoller Helfer sein kann. Sie wird dann — in noch größerem Maße als bisher — Menschen finden, die zu einer aktiven Teilnahme bereit sind. In der Jugendgerichtshilfe, in der oft schwierigen Führung von Schutzaufsichten, einem Gebiet, das in seiner Durchführung bisher noch recht problematisch ist, in der Uebernahme von Einzelvormundschaftcn werden hier neue Hilfskräfte zur Verfügung stehen. Es wird auch später vielleicht der Zeitpunkt kommen, in dem zu prüfen sein wird, wie weit jüdische Lehrer als Jugendschöffen berufen worden sind, und die jüdische Jugendwohlfahrt ist dann in der Lage, geeignete Kräfte in größerer Anzahl zur Verfügung zu stellen. Wenn wir die Zusammenarbeit zwischen Schale und Jugendwohlfahrt ernstlich wollen, so dürfen wir nicht ängstlich kleine Bedenken erheben, nicht scharfe Grenzziehungen vornehmen, Einflußnahme fremder Kräfte fürchten, nein — wir müssen mit einem inneren Schwung an diese Aufgäbe Herangehen, alle etwa vorhandenen Schwierigkeiten schnell übdrwindenl Das Gelingen dieser Arbeit hängt zu einem großen Maße von dem Willen der an ihr beteiligten Menschen ab. Gelingt es uns, ein 0