Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 7 (1931)
- Issue
- 11 (15.11.1931)
- Date
- 1931-11-15
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nummer 11 Jüdische Schulzeitung Seite 7 dein Gegensatz zu Sellin aufbaut, denn er ist gezwungen, unendlich viel von Sellin zu zitieren, und die Leser werden verpflichtet. die Argumente nur als gegnerische. Argumente zu werten. Hntzex ist tzis Aktzßlt nach Mitzk tzis EiMtzitittikf m das AT., die wir suchen. Aber Pastor Möller kann ein solches Werk liefern, wir sollten ihn an>pornen, eine Einleitung zu schreiben, die die Einheit des Pentateuch dartut, ohne Kampf und ohne Widerlegung anderer Meinungen. Aber es sei auch diesmal mit allem Nachdruck auf dieses Werk hingewiesen. Wer den Pentateuch zu unterrichten hat, der studiere dieses Werk. Es wird ihm, wenn ihm selbst Zweifel aufkommen oder seine Schüler solche Vorbringen, gute. Dienste leisten. Es müßte auch einmal auf einer Lehrertagung auszugsweise dieses Buch behandelt werden, so daß auch jüdische Gelehrte Lust'bekommen, die Einheit unseres Fünfbuches in einer würdigen Darstellung zu verteidigen. Rabbiner Dr. A. Posner, Kiel. „Der Morgen", Nr. 4, 7. Jahrgang. Aus der neuen Nr. 4 (7. Jahrg.) des „Morgen" seien vor allem zwei für unsere Tage besonders bedeutungsvolle Arbeiten herausgegriffen: Hans Herzfeld nimmt in seinem Aufsatz: „Geistfeindlichkeit und ihre politischen Auswirkungen" Stellung zur gegenwärtigen geistigen Lage der Politik. Die immer stärker werdende Mechanisierung und Verwirtschaftlichung des Lebens erzeugen heute eine freudlose Nivellierung und Entpersönlichung des Menschen. Nietzsches Kulturkritik rief eine nicht minder extreme Gegenrichtung hervor, die den Geist als den eigentlichen Schädling bekämpfte. Besonders in der Politik zeigt sich eine ungeheure Bergröberung dieser kulturkritischen Ideen, die eine Befreiung der irrationalen Kräfte befürworten. Die wahren natürlichen Kräfte aber können sich nur entfalten, wenn sie in das richtige Verhältnis zum Geist gebracht werden. Die immer wieder brennende Frage der Stellung des Juden in der andersgläubigen Umwelt wird von LoreSeligmann in dem Aufsatz „Negativismus?" behandelt. In der falschen Auffassung des Objekts der negativen Haltung der Juden zur Welt liegt ein Mißverständnis. Nur aus dem Ja zur Zukunft könne das Nein des stetig Veunruhigtseins zur erstarrten Gegenwart verstanden werden, deren Erlebnis der Gegenwart für den Juden Durchschauen und Enthüllen ihrer Nega- . tivität bedeutet. Die Spannung zwischen dem Heute und dem Morgen werde gelöst in der Hinwendung zur Zukunft, die keine „Eegenwartsseindlichkeit" bedeutet. Aus diesem jüdisch-historischen Schicksal in der Weltgeschichte, als Minderheit unter den Völkern, -ist diese „negative" Haltung zu verstehen. In einem Nachwort zu diesem Aufsatz bekennt sich Eva Reichmann- Jung mann zu der ruhigeren Position des bodenständigen Menschen, und sie bejaht von hier aus, auch für den heutigen Juden, die Gegenwart. Wertvoll und lesenswert sind ferner die Beiträge von Friedrich Franz von Unruh: Liebe und Tod im Werk R. M. Rilkes; Hans Hartmann: Der Weltfriedenskongreß der Religionen; Ernst von Aster: Hegel; Hugo Hahn berichtet über ,Hudenmission". Ein warmherziger Nachruf für Ernestine Eschelbacher und Buchbesprechungen befchließen das anregende Heft. Die Zeitschrift erscheint zweimonatlich (jedes Heft ca. 100 S. stark) und ist durch iede Buchhandlung oder direkt durch den Philoverlag, Berlin W 15, Emser Str. 42, zum Jahrespreis von 12 91it zu beziehen. - Volz, D., Paul, Professor der Theologie in Tübingen: Die biblischen Altertümer. Mit 97 Textabbildungen und 32 Tafeln. Zweite Auflage, mit Nachträgen. Stuttgart 1925. Calver, Vereinsbuchhandlung. Als. vor einigen Jahren Bertholets „Kulturgeschichte Israels" erschien, da fand sie in jüdischen Kreisen eine so rasche Verbreitung, daß man allgemein den Eindruck gewann, dieses Buch habe eine spürbare Lücke ausgefüllt. Dem in die bibelwissenschaftliche Literatur Eingeweihten fiel es schon immer auf. daß nach dem hier angezeigten Volzschen Buche so wenig Nachfrage vorhanden war. trotzdem die biblische Kulturgeschichte — was bei - .aller Wertschätzung des Bertholetschen Buches gesagt werden muß — hier bei Volz eine weit gründlichere, durch die unzähligen Illustrationen anschaulichere und dem jüdischen Gefühle ungleich mehr zusagendere Darstellung erfährt. Der Grund der mangelhasten Popularität des Dölzschen Buches ist hauptsächlich in seinem für den Laien so wenig besagenden Titel zu suchen. So sehr auch die Kulturgeschichte des Bibelvolkes auch den Laien interesiicrt, so vermutet er doch in einem Buche, das „Biblische Altertümer" heißt, eine systematische Zusammenstellung der altisraelitischen Kulturgeschichte am allerwenigsten. Es darf auch der zweite Grund nicht verschwiegen werden, nämlich die mangel- RMMNir M Calver VerlagSr Dies ist im.Interesse der Religionswissenschaft, insbesondere aber ini Interesse des Judentums sehr zu oedauern. Kaum eine religionswissenschaftlicho Literatur ist so bestrebt, der Bibel wie dem alten Israel gerecht zu werden, als d»e im Calver Verlag geförderte, deren Werke auch noch den Vorzug prachtvoller Ausstattung haben. D r. I a m p e l. Dt. Botho Laserstein: Ludwig Börne oder Die Ueberwindung des Judentums. Verlag: Richard Lanyi, Wien. Der Verfasser gibt in aller Kürze ein vollständiges Bild von Börnes Leben. Börne, am 6. Mai 1786 in Nr. 118 der Frankfurter Judengaß geboren, wird von seinem Vater, dem Bankier Jacob Baruch, der keine Zeit für die Erziehung seiner Kinder hat, ein Hauslehrer gegeben in dem hervorragenden Pädagogen Jacob Sachs. Dieser hatte die Anweisung erhalten, in der Erziehung nicht vom jüdischen Herkommen abzüweichen und für gewissenhafte Beobachtung des Zeremonialgefetzes zu sorgen. Später gab der Vater den Knaben in die christliche Erziehungsanstalt in Gießen. Mit 16 Jahren wird B. in die Markus Hertzfche medizinische Lehre nach Berlin gegeben. Später wechselte B. von der Medizin zur Kameralistik über, promovierte 1808 in Gießen, wurde Aktuar bei der Polizei und hatte auf dem Römer seinen Amtssitz. Nicht lange erfreute er sich dieser Stellung. Mit Einzug der alten Knechtschaft gegen die Juden, wurde B. aus seinem Amte gejagt. Nun beschloß B., ein Kämpfer gegen das Unrecht zu werden. Er schrieb für viele Frankfurter Zeltungen. Er glaubte aber, für die Juden nicht als Jude kämpfen zu können und gab am 17. April 1818 bekannt, er würde künftig nicht mehr den Namen Louis Baruch, sondern Ludwig Börne führen, und am 5. Juni d. I. läßt er sich in Rödelheim taufen. In einer kleinen Studie über „Das Judentum in Börnes Schriften" heißt es: „Börne war ebensowenig ein gläubiger Christ als ein gläubiger Jude." Im letzten Teile' seiner Schrift vergleicht Dr. Laserstein Börne mit Heine. Börne ist ein Fanatiker der Sprache. Heine ihr Könner. Und so war es auch in der Politik. Börne war deutsche Politik und deutsche Freiheit eins; Lebensclcmcnt. Und weil die Menschen seinerzeit das erkannten,, weil sie fühlten, daß hier ein Kämpfer erstanden, dem alles, was er sagte, heiliger Ernst war, der sein Leben an den Kampf verschwendete, darum brachten sie ihm auch alle Liebe entgegen, deren sie fähig waren, darum mußten sie Börnes sittliche Größe und Leiden am Vaterland anerkennen. I. S p e y e r, Frankfurt a. M. Bars Handbuch der Geschichte. Union Deutsche Verlagsanstalt. Teil V, „Der Uebergang zur Neuzeit; Teil 1X3, ' „Die innerpolitische Geschichte Deutschlands 1890 bis 1919". Das wertvolle Eeschichtswerk ist in seinen früheren Teilen an dieser Stelle schon mehrfach besprochen worden. Seine Vorzüge: Uebersichtlichkeit und Klarheit in der Stoffanordnung. Beachtung der gegensätzlichen Standpunkte in kqntroversen Fragen, reichliche Literaturangaben, methodische Winke für die Heranziehung der Schüler zur selbsttätigen Mitarbeit — zeichnen auch die vorliegenden Teile aus. Teil 1X3 macht m. W. zum erstenmal den Versuch, die innere Politik von der äußeren zu trennen. Ob zum Vorteil, läßt sich erst beurteilen, wenn der korrespondierende Teil über die Außenpolitik vorliegt. Jedenfalls darf jetzt schon festgestellt werden, daß die an dramatischen Ereignissen reiche wilhelminische Epoche in ihren charakteristischen Gestalten und Geschehnissen gut gesehen und dargestellt ist. Der Bearbeiter, Oberstudiendirektor Dr. W ü l k e r - Hannover, hat es verstanden, eine der umstrittensten Epochen bei voller Wahrung eines eigenen Standpunktes von den verschiedenen Gesichtspunkten aus „u beleuchten, und damit ein Musterbeispiel objektiver Geschichtsdarstellung gegeben. Dr. H. St. Claude G. Montefiore: Umrisse des Liberalen Judentums. Verlag: G. Engel, Leipzig. „So ist es denn ein höchst persönliches Buch, das wir ihm verdanken . . ." „Ein Buch mit einer Fülle, von Anregungen und Ratschlägen.für die gedankliche und praktische Grundlegung und Ausgestaltung des Liberalen Judentums." Diesen einführenden Worten Cäsar Seligmanns kann man gewiß zustimmen. Aber mehr ist das Buch auch nicht geworden. Der Titel verspricht zuviel. „Betrachtungen über . . .", das wäre berechtigter gewesen. Wer die Hauptlehren des Liberalen Judentums erwartet, wird sehr enttäuscht werden, nicht nur vom-konkreten Inhalt, sondern auch von der Darstellungsart. Bekanntlich ist eine Spreche noch keine Schreibe. Lieber ein bißchen Schärfe und Härte, als dieser