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Jüdische Schulzeitung · 1931-11-15 · 11 (15.11.1931) · page 6

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
7 (1931)
Issue
11 (15.11.1931)
Date
1931-11-15
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 _ In diesem Jahre hat das Jugendamt der Gemeinde zum ersten Male den wohl auch gelungenen Versuch unternommen, die älteren Schüler nicht mehr in ein Heim zu verschicken, sondern sie zu einer Wandergruppe mit einem festen Standort zusammenzufnssen. An einer solchen Aufgabe hätte die Schule sich wahrschcinlich auch recht aktiv beteiligen können. Die Mitarbeit der Schule würde ihre Grenze nicht finden in der jugcndfürsorgcrischen Betreuung-der Schuljugend, sie würde sich auch äußern in einem Interesse an jugendpflegerischen Maßnahmen an den Schulentlassenen. Bisher geschieht für die schulentlassene, sogenannte gesunde Jugend, soweit sie sich nicht selbst in Bünden organisiert, jugendpflcgerisch so gut wie nichts. Hier scheinen aber Arbeitsaufgaben vorzuliegen, die Schule wie Jugendamt gleichermaßen angehen und in gemeinsamer Arbeit -gelöst werden müssen. Es soll hier weder der Entstehung von Bünden ehemaliger Schüler das Wort geredet noch zu Veranstaltungen der Jugendpflege alten Stils aufgerufen werden. Es wäre aber durchaus möglich, daß man in gemeinsamer Arbeit jugendgcmäße Formen hier finden würde. Ob es nicht auch, um ein besonders aktuelles Problem zu berühren, der gemeinsamen Arbeit von Schule und Jugendwohlfahrt gelingen, sollte, etwas für unsere arbeitslosen Jugendlichen zu tun, um deren unfreiwillige Freizeit fruchtbringend nutzen zu können? Vielleicht gelingt es dem Zusammenwirken zwischen Schule und Jugendamt, auch den dritten Erziehungsfaktor, die Familie, stärker als bisher in die öffentliche Erziehungsfürsorge, mit hincinzubeziehen. Teile der Elternschaft werden' immer bereit sein, auf bestimmten Gebieten mitzuarbeiten. Es liegen ja auch hier bereits Erfahrungen vor, die uns zeigen, daß die Elternschaft oft wertvolle Sachhilfe leisten kann. Hier wurden jetzt einige Wünsche aufgezählt, die die Schule an die Jugendwohlfahrt hat und die sie in gemeinsamer Arbeit mit der Jugendwohlfahrt verwirklichen will. Sicher hat die Jugendwohlfahrt ebenfalls eine ganze Reihe von Forderungen, deren Durchsetzung sie ebenso sehr wünscht. Hierfür braucht die Jugendwohlfahrt innerhalb der Schule auch eine Stelle, die ihre Wünsche an die Lehrerschaft der einzelnen Schule weiterleitet. Es ist deshalb notwendig, daß das Jugendamt einen Vertrauensmann innerhalb des Lehrerkollegiums hat, der seine Interessen dort vertritt. Meist wird wohl der Vertreter im Verwaltungsausschuß und der Vertrauensmann des Jugendamtes dieselbe Person sein, und diese Personalunion wird sich bewähren. Gegen diesen Vorschlag werden sich wohl die meisten Bedenken erheben, man wird darauf Hinweisen, daß die Schulpflegerin schon diese Verbindung herstellt. Die Aufgaben, die diesem Verbindungsglied zufallen sollen, decken sich aber nicht mit denen der Schulpflegerin. Sie sind derart, daß sie nicht durch die Schulpflegerin gelöst werden können. Hiermit soll aber nichts gegen das System der Schulpflegerin an sich und gegen die Schulpflegerin selbst gesagt sein. Man muß dies hier mit aller Schärfe betonen, um allen Mißverständnissen von vornherein zu begegnen. Es muß noch hinzugefügt werden, daß dieser Vertrauensmann seine Arbeiten nur in engstem Zusammenhang mit der Schulpflegerin leisten kann. Hauptaufgabe dieses Vertrauensmannes de- Jugendamtes in der Schule soll es ja fein, für die Durchsetzung der Jugendwohlfahrtsgedanken in feiner Schule zu werben und deren Interessen dort zu wahren. Dies kann aber nur jemand tun, der ganz in der Schularbeit steht, mit all ihren Schwierigkeiten vertraut ist und auch von der Lehrerschaft ganz als ihr Vertrauensmann empfunden wird. Die Schulpflegerin wird nun mal — ob mit Recht oder Unrecht fei dahingestellt — als eine Kraft gewertet, die von außen in die Schule hineinkommt und im allerbesten Falle doch nur indirekte Beziehungen zu ihr unterhalten kann. - . Es ist nichts leichter, als hier nachzuweisen, daß zwischen den Arbeiten dieses Vertrauensmannes und denen der Schulpfl-- Nummer U gerin Kollisionen entstehen können, wie es ja überhaupt einfach ist, bei all diesen Vorschlägen die Gefahren einer Kompetenz- Überschreitung aufzuzeigen. Bei zwei Arbeitsgebieten, die so nahe Berührung haben, ist diese Gefahr immer gegeben, und das Gelingen dieser Arbeit hängt nur von dem Geist ab, in dem sie geleistet wird. Es wird ja auch deshalb hier immer mit allem Nachdruck die Schaffung eines engen persönlichen Kontaktes zu all den Stellen gefordert, die an diesen Arbeiteu beteiligt sind, weil nur dann die Möglichkeit besteht, diesen Gefahren zu begegnen. Es kommt hier nicht so sehr darauf an, theoretisch genau die Grenzen abzustccken, sondern vielmehr die Atmosphäre zu schaffen, aus der heraus gemeinsame Arbeit' geleistet werden kann. Wenn nicht alles täuscht, wird das System des Vertrauensmannes an allen Schulen einst Eingang finden, für die Aufgaben der Berufsberatung, ist ja dies durch einen kürzlich ergangenen Ministerialerlaß bereits geschehen. (Schluß folgt.) Literarisches. Soenneckens „Schrift und Schreiben", Heft 6, bringt wieder gediegene Aufsätze. Zunächst eine gründliche wissenschaftliche Untersuchung über das Arbeitstempo des . Schreibens von Dc. Höfer. Eine Erlösung von einem Alpdruck bedeutet der Aufsatz von Rektor Hahn über das S. Jede pädagogische Fachschrift müßte ihn abdrucken. Adolf Busch plaudert anregend über Steil- und Schrägschrift und Schreibdruck und faßt die Ergebnisse in fünf Thesen zusammen. Das Für und Wider der Deutsch¬ und Lateinschrift behandelt Robert Wert, Dr. Giesen das in letzter Zeit schon angeschnittene Thema „Schrift und Bild", und wieder über Schriftdruck Dr. Hartge. Man legt das Heft befriedigt und belehrt aus der Hand. Otto Geismar. * Robert Zion: Beiträge zur Geschichte und Legende des Propheten Elia. Reuther & Reichard Verlag, Berlin W 35. 1931. Die fleißige Arbeit behandelt in knapper, aber gut verständlicher Darstellung Namen, Heimat, Ueberlieferung und Identifikationen des Propheten Elia, der als Mensch in die schriftliche Ueberlieferung Israels eingeführt, allmählich sich zum Propheten und Engel im höchsten Sinne entwickelt, so daß aller Zukunftsglaube Israels an seine Person geknüpft ist. Die Gleichsetzungen — Elia — Moses, — Aroniden und — Pinchas — sind wohl die wertvollsten Betrachtungen dieser Monographie, die durch reiche Anmerkungen und ausgedehnte Benutzung der vorhandenen Literatur von der Befähigung dieses Neulings auf wissenschaftlichem Gebiete ein gutes Zeugnis ablegt. Die Züricher Dissertation von Moses Wolfs Lewinsohn (erschienen New Port 1929, Der Prophet Elia) scheint dem Verfasser unbekannt geblieben zu sein. Rabbiner Dr. A. P o s n e r, Kiel. * Wilhelm Möller: Die Einheit und Echtheit der fünf Bücher Moses, Abriß einer Einleitung in den Pentateuch in Auseinandersetzung mit D. Sellins Einleitung in das Alte Testament. Selbstverlag des Bibelbundes, Bad Salzuflen. 1931. 175 S. Preis br. 15 E. Nur wer solche Vorarbeiten geleistet hat wie der Verfasser — oergl. „Jüdische Schulzeitung" 1931. Nr. 7 — kann sich daran wagen, das vorliegende Buch zu schaffen, das mit allem Rüstzeug des belesenen Bibelkenners und mit aller Lust dessen, der den Irrweg verlassen hat. geschrieben ist. Ein Bild des großen Inhaltes möge die Nennung ausgewählter Kedankengänge geben: Hypothesen der Bibelkritik. Erklärung von Dubletten, Deutung der Formeln ad hajaum hasseh.ewerlajarden.kaascher 0880b, Sprachgebrauch. Namen-Wechsel und -Gleichheit, z. B. Horeb—Sinai. Jakob—Israel. Jethro—Reguel, Wiederholungen und Parallelen, erstere immer üblich, wenn ein neuer: Erzählungsabschnitt einjetzt. Geographisches, das Fünfbüch im Rahmen der Bibel überhaupt. Moses bezeugte Autorschaft, sein persönlicher Stil, Chronologie. Offenbarung und «Glaube u. v. a. Der Wert der Arbeit wird gesteigert durch die Benutzung von Arbeiten, die von jüdischen Verfassern herrühren, z. B. von Hoffmann. B. Jacob u. a., während sonst nichtjüdische morscher Arbeiten von Juden sozusagen grundsätzlich negieren. Es ist natürlich unangenehm, daß der Verfasser fein Werk aus Jüdische. Schulzeitung,

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