Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 7 (1931)
- Issue
- 11 (15.11.1931)
- Date
- 1931-11-15
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nummer 1l Jüdische Schulzeitung. ____J__ Seite' 5 in unserem Jugendamt eine Vertretung^der Schule haben, die ihrer Bedeutung für die Jugendwohlfahrtsarbeit entspricht. Es müßte zumindest jede Profanschule der Gemeinde durch ein.' - ihrer Lehrkräfte im Jugendamt vertreten sein, bestimmt werden müßten diese Vertreter von der Lehrerschaft selbst. An sich wäre es wünschenswert, wenn im Jugendamt auch jede Religionsschule vertreten sein könnte, aus praktischen Gründen verbietet sich dies aber von selbst. Will man die Verbindung zwischen Religionsschulen und Jugendwohlfahrt ebenfalls schaffen — und sie ist gewiß wünschenswert —, so wäre dies wohl am ehesten ' möglich durch eine Vertretung jeder Religionsschule in dec /Jugendkommission des betreffenden Bezirkes. Durch eine solche Vertretung der Schule im Jugendamt wären die Voraussetzungen für eine wirkungsvolle Zusammenarbeit beider Stellen geschaffen, hier könnten beide ihre Wünsche und Erfahrungen austauschen, hier wäre Gelegenheit gegeben, . Einblicke in die Arbeit des anderen zu nehmen, manche irrigen Vorstellungen könnten berichtigt werden, es könnte auch hier der persönliche Kontakt geschaffen werden, der zu einer gemeinsamen Arbeit notwendig ist. Nichts ist der Jugendwohlfahrt - abträglicher, als wenn zwei „amtliche" Stellen ohne jede direkte w ). Beziehung nebeneinander arbeiten. Die Vertreter, der Lehrerschaft haben in diesem Ausschuß noch eine besondere Aufgabe, sie haben für die Durchsetzung der pädagogischen Interessen der Schule in der Jugendwohlfahrtsarbeit einzutreten und darüber zu wachen, daß die Eigengesetz-; lichkeit der Jugendwohlfahrt gewahrt bleibt und ihre Erziehungsgedankcn auch in der täglichen Arbeit richtunggebend bleiben.. Die Jugendwohlfahrtsarbeit ist so eng mit der allgemeinen Wohlsahrtsarbeit verbunden, daß die Gefahr einer Vernachlässigung der großen ihr vorschwebenden Gedanken besteht. Diese Feststellung bedeutet keinerlei Vorwurf für die Menschen, die in der Jugendwohlfahrtsarbeit stehen. Jeder, der nur irgendwie einmal zu dieser Arbeit'nähere Beziehungen hatte, weiß, wie schwierig die Realisierung der großen sozialpädagogischen Aufgaben in der Praxis ist, wie oft sich die ganze Arbeit nur in geringer wirtschaftlicher Hilfeleistung erschöpfen muß. Die Lehrerschaft hat es hierin besser als die „Praktiker" der Jugendwohlfahrt, sie ist mit deren Erfahrungen nicht belastet, sie kann ihre pädagogischen Forderungen in vollkommener Unbekümmertheit stellen, und vielleicht gelingt es der Jugendwohlfahrt, auch in Verbindung mit diesen Kräften leichter, wmanche Schwierigkeiten zu überwinden. An einem Beispiel, das aus einem Arbeitsgebiet genommen werden soll, das in der Jugendwohlfahrtsarbeit der Gemeinde . einen großen Räum einnimmt, möge näher gezeigt werden, welche Möglichkeiten bestehen, die pädagogischen Interessen der Schule stärker durchzusetzen. Die Erholungsfürsorge spielt für die Gesundheit unserer Kinder eine große Rolle, ein großer ., Teil der Kinder wird jährlich verschickt. Wir Lehrer freuen uns, wenn die Kinder erholt zurückkommen, und trotzdem geben wir die Erlaubnis zur Verschickung oft nur mit geteiltem Herzen. Wir wissen, daß viele der verschickten Kinder nach ihrer Rückkehr doppelte Kraft aufwenden müssen, um inzwischen Ver- . säumtes nachzuholen, daß der Erfolg der Erholung dadurch stark herabgemindert wird. Gewiß, wir haben theoretisch das Recht, in Einzelfällen die Verschickung im Laufe des Schuljahres abzulehnen und sie für die Sommerferien zu verlangen. Dies . Recht wird aber illusorisch, wenn kurz nach den Sommerferien Kinder-verschickt werden sollen, von denen wir genau wissen, daß durch diese Verschickung ihre weitere Mitarbeit in ihrer Klassengemeinschaft stark in Frage gestellt wird. Eine Ablehnung der Verschickung seitens der Schule würde meist eine . Verschiebung der Erholung für das Kind um ein Jahr bedeuten, diese Verantwortung wird die Schule meist ablehnen und trotz ' ihrer Bedenken die Erlaubnis nicht verweigern. Wir wissen auch sehr gut, daß nicht alle Kinder in den Ferien verschickt werden können. Aber sollte es nicht möglich sein, bei ein-'r engen Zusammenarbeit im Anfang des Schuljahres einen Verschickungsplan aufzustellen, der auf'diese Forderung der Schule Rücksicht nimmt? Es gibt ja doch eine Reihe von begabteren Kindern, für die-ein längeres Fehlen in der Schule weniger ins Gewicht fällt. Vielleicht ist es sogar möglich, das System unserer gesamten Erholungsfürsorge einer Revision zu unterziehen und nach anderen Maßstäben die Belegung der Heime vorzunehmen. Hierüber können hier nur Andeutungen gemacht werden, da die genauen Zahlenangaben der zu verschickenden Kinder, geordnet nach Klassen und Alter, im Augenblick nicht zur Verfügung stehen. Eine genaue Besprechung solcher Fragen wäre eben in der gemeinsamen Arbeit möglich. Man könnte bei der Verschickung vielleicht Kinder aus entsprechenden Klassen, der verschiedenen Schulen nehmen, diese Gruppen unter Führung eines Lehrers stellen und in einer geeigneten Form die Erholung für die Schularbeit auswerten. Es ließe sich auch der Gedanke erwägen, die Heime zeitweise mit ganzen Klassen zu belegen und eine Art Landschulheim so durchzuführen. Es würde sich eventuell bei einer genaueren Durcharbeitung des Zahlenmaterials zeigen, daß im Laufe eines Jahres ein hoher Prozentsatz von Kindern einer Klasse verschickt wird, und es wäre zu überlegen, ob es pädagogisch dann nicht besser wäre, die ganze Klasse für einen bestimmten Zeitraum mit ihrem Lehrer zu verschicken. Dies hätte nebenbei noch den Vorteil, daß die Kinder diese Verschickung nicht als eine Fürsorge empfinden würden, sondern als eine gesellschaftliche Normalfunktion. Es ist vielleicht in diesem Zusammenhang nicht uninteressant, darauf hinzuweisen, daß in dem vorhin schon erwähnten Referat Frau Dr. Bäumer aus neuerliche Untersuchungen Bezug nimmt, die ergeben haben, daß das Kind ein empfindlicheres Organ hat für das Annehmen als der Erwachsene. Sie verlangt deshalb, daß „die Leistungen der-sozialen Erziehungsfürsorge an alle dargeboten werden, daß in den Kindern nicht das Gefühl entsteht, zu einem ausgesonderten, Teil der Bevölkerung zu gehören." Ohne jede Reform ließe sich auch in Zusammenarbeit mit der Schule eine pädagogische Auswertung der Verschickung vornehmen. Wir kennen unsere Kinder zum allergrößten Teile nur in ihrem Verhalten und in ihrer Arbeitsweise innerhalb der Schule. Für die richtige Beurteilung der Kinder kann es von Wert sein,.zu wissen, wie sie sich in eine Gemeinschaft eingliedern, wie sie ihre Freizeit aussüllen, u. ä. In einem Heim ist nun reichlich Gelegenheit gegeben, all diese und ähnliche Beobachtungen zu sammeln. Bei unserer nur losen Beziehung zum Jugendamt wissen wir nicht, ob wir von den Heimen solche Berichte verlangen und erhalten können. In Zusammenarbeit mit dem Jugendamt müßte es uns aber gelingen, diese Forderungen durchzusetzen, zumindest für die Kinder, die irgendwelche Erziehungsschwierigkeiten machen. Man kann wahrscheinlich noch bessere und weitergehendere Vorschläge machen, man kann auch Bedenken gegen manchen hier ausgesprochenen Einzelwunsch haben. Darauf kommt er aber im Augenblick nicht an; hier sollte an einem Einzelbeispiel einmal gezeigt werden, wie eine gemeinsame, Arbeit eine Vertiefung bringen kann. Die Einzelberatung und weitere Durcharbeitung ist eben Aufgabe der Zusammenarbeit, hier wird man über jedes Detail ausführlich sprechen müssen,- und man würde es sich leicht machen, wenn man die Bedeutung der gemeinsamen Arbeit durch eine Ablehnung der Einzeloorschläge ableugnen würde. Das gleiche gilt für alle weiterhin noch zu erörternden Einzelbeispiele. Es ließe sich auch unschwer an einigen änderen Gebieten der Jugendwohlfahrtsarbeit noch die Notwendigkeit und die Bedeutung einer Zusammenarbeit genau zeigen. Es fei hier nur gestattet, emige solcher Arbeitsgebiete noch zu erwähnen. . ]» mm $ AX