Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 7 (1931)
- Issue
- 11 (15.11.1931)
- Date
- 1931-11-15
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Jüdische Schulzeitung.__._^_Seite 3 Nummer 11 . . alte Cheder-Methode nicht mehr anwenden darf, aber sie weih vielfach nicht, durch welche andere Methode sie die alte ersetzen 'soll. Denn drei Methoden sind in den letzten Jahren in Deutschland für den hebräischen Unterricht im Rahmen des Religionsunterrichts empfohlen worden. Die älteste ist die von Dr. Fink ' in seinen Lehrbüchern l^osckon lümmuclim. Ueber diese Methode ist im Kreise der Lehrerschaft eifrig diskutiert worden. Zwar wurde und wird noch jetzt die Finksche Methode hier und da mit Erfolg benutzt; von dem größten Teil der. Lehrerschaft und von maßgebender philologischer Seite wird sie jedoch ent- . schieden abgelehnt. Die zweite Methode ist die von Mandelbaum und Mayer, die sie in ihren vor zwei Jahren erschienenen Lehrbüchern „Auro wcsimcho" und „Auro su Thauro“ durchgeführt haben. Diese Methode geht von der Voraussetzung aus, daß Hebräisch eine lebende Sprache ist, und ist bestrebt, diese an den Schüler aus direktem Wege, d. h. mittels des Anschauungsunterrichts, heranzubringen. Diese Methode wird in der hebräischen pädagogischen Literatur als die „iwrith be-irvritli" -Methode bezeichnet. Nach dieser Methode wird nicht nur in Palästina, wo dies eine Selbstverständlichkeit ist, sondern auch in den meisten O modernen Schulen des Ostens unterrichtet. Sie erstrebt die vollkommene Ausschaltung der Muttersprache. Durch Besprechung von Bildern und sonstigen Gegenständen sowie durch Ausführung verschiedener Handlungen wird dem Schüler Gelegenheit geboten, sich in der fremden Sprache zu betätigen. Lernen von Vokabeln und Einprägen grammatischer Regeln zu Hause sind dieser Methode, wenigstens in der Anfangszeit, fremd. Die Hauptarbeit erfolgt in der Schule. Zu Hause braucht sich der Schüler nur das Bild, das gewöhnlich jede' Erzählung beigefllgt ist, nochmals anzusehen, und sofort taucht die ganze Erzählung in seiner Erinnerung auf und alle Ausdrücke nehmen lebendige Gestalt an, so daß der Schüler jeden Begriff erklären kann, ohne ihn übersetzt zu haben. Jnr . späteren Stadium, beispielsweise bei der Durchnahme biblischer Texte, muß der Lehrer ebenfalls bemüht sein, durch geschickte Fragestellungen und Umschreibungen schwerer Begriffe den Text so anschaulich wie möglich zu gestalten. Bei einem derartigen Sprachunterricht ist immer Leben und Arbeitsfreudigkeit in der Klasse und die Erfolge sind in ganz kurzer Zeit überraschend. Aber diese Berlitz-School-Methode hat, wenn sie einseitig angewandt wird, auch eine Reihe schwerwiegender Fehler, y— auf die nicht eindringlich genug hingewiesen werden kann. 'wy 1. Die erzielten Erfolge, die sehr früh in einer gewissen Gewandtheit im hebräischen Ausdruck in Erscheinung treten, sind nicht nachhaltig. Der Schüler vergißt alles ebenso schnell, wie er gelernt hat, wenn er.nicht dauernd in Uebung bleibt. 2. Die ausschließliche Anwendung der Methode führt notgedrungen dazu, daß bei der Lektüre der Schwerpunkt auf das .Sprechen gelegt wird, wodurch die sprachliche und insbesondere die inhaltliche Behandlung des Stoffes in den Hintergrund tritt, was dem Ziel unseres hebräischen Unterrichts, der doch einen Teil des Religionsunterrichts bildet, völlig widerspricht. 3. Schließlich hat der Schüler gar keine Möglichkeit, später selbständig arbeiten zu können, weil seine Sprachkenntnisse nicht genügend fundiert sind. Gerade wir sind aber auf die Selbsttätigkeit des Schülers angewiesen, weil wir in der kurzen Zeit nur einen Bruchteil von dem durchnehmen können, was zur jüdischen Elementarbildung gehört. Aus diesem Grunde wird diese direkte Methode sowohl von den Neuphilologen wie auch von den meisten hebräischen Sprachlehrern in Deutschland abgelehnt und an ihre Stelle die vermittelnde, oder, wie manche sie nennen, die gemischte Methode empfohlen. Sie ist dadurch gekennzeichnet, daß im Mittelpunkte des Unterrichts die fremdsprachlichen Lesestücke stehen, die zunächst Dinge des täglichen Lebens behandeln, allmählich aber zur Einführung in die Geschichte, Literatur, Sitten und Bräuche des betreffenden Landes und Volkes übergehen. In den Lesestücken werden gleichzeitig gewisse grammatische V Rögettt verarbeitet, sa tzfttz im 0ftUfS tztz? Zm m Wichtigste Teil der Grammatik durchgenommen' wird. Nach dieser Methode ist das vor einigen Jahren erschienene und für hebräische Sprachschulen bestimmte Lehrbuch von Bornstein: „Einführung in die hebräische Sprache der Gegenwart" angelegt, und neuerdings wird sie auch von Abraham und Levy in ihrem Lehrbuch Schaare Zedek angewandt. Für den jüdischen Religionsunterricht im allgemeinen und für unser den ungünstigen Bedingungen angepaßtes Lehrziel im besonderen, glaube ich, nur die gemischte Methode empfehlen zu dürfen. Wir müssen dem Schüler so früh wie möglich den Weg zu den Texten freilegen. Dies erreichen wir nur dann, wenn wir ihn schon frühzeitig mit den wichtigsten Gesetzen der hebräischen Sprache vertraut machen. Andererseits können und wollen wir auch nicht auf die Sprechübungen verzichten. Denn sie haben für unsere Kinder nicht nur einen bedeutsamen erzieherischen Wert dadurch, daß sie sich dessen bewußt werden, daß Hebräisch eine lebende Sprache ist, die im Lande unserer Vergangenheit von Hunderttausenden unserer Brüder und Schwestern gesprochen wird, sondern darüber hinaus bietet der mündliche Unterricht große Erleichterungen für die Erfassung der Sprache überhaupt. Denn auch hier gilt das. was ein Psychologe in bezug auf den neusprachlichen Unterricht gesagt hat: „Durch den mündlichen Unterricht wird der Gefühlswert des fremdsprachlichen Wortes den Schülern viel leichte: erschlossen als durch den auf das Buch gestellten Unterricht. Im Klang der Sprache äußern sich die begleitenden Gefühle durch dieselben Momente, welche bet der Musik gefilhlserregonü wirken/") Ist unsere Ausfassung über das Lehrziel und die Lehrmethode des hebräischen Unterrichts im Rahmen des. jüdischen. Religionsunterrichts an den öffentlichen Schulen richtig, dann ergeben sich aus ihr naturgemäß wichtige Folgerungen für die Gestaltung des Lehrplans und die Stoffverteilung des Hebräischen, wodurch die Richtlinien des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden (Lehrplan des Allgemeinen Rabbinerverbands) für den hebräischen Unterricht an den höheren Schulen vielfach einer Korrektur bedürfen. Doch über diesen Punkt ein anderes Mal. Zusammenarbeit zwischen Schule und Zugendwohlfahrt. Referat» gehalten aus der amtlichen Lehrerkonferenz . der Jüdischen Gemeinde Berlin am 2. Februar 1931. Von Julius Stern» Berlin. Wenn hier heute über die Beziehungen zwischen Jugendwohlfahrt und . Schule gesprochen werden soll, so wird damit eigentlich nur die Unterhaltung über ein Thema fortgesetzt, die seit 1922 mit mehr oder weniger großen Unterbrechungen dauernd geführt wird. Große Lehrerorganisationen, so erst in diesem Winter der Allgemeine Deutsche Lehrerinnenverein in Verbindung mit dem Zcntralinstitut für Erziehung und Unterricht, haben dies Thema seit dem Inkrafttreten des Reichsgesetzes für Jugendwohlfahrt (RJWG.) des öfteren zur Diskussion gestellt, in zahlreichen Sonderlehrgängen sind die' hier auftauchenden Probleme und Fragen ausführlich erörtert worden. So hat auch u. a. die Novembertagüng der Hauptstelle für Jugendwohlfahrt im Deutschen Lehrerverein mit besonderer Dringlichkeit die enge Zusammenarbeit zwischen Jugendamt und Schule betont. Der innere Zusammenhang, der zwischen Schule und Jugendwohlfahrt besteht, macht die Herstellung der Verbindung zwischen diesen beiden Stellen erforderlich. Alle Bemühungen der *) Vgl. „Jüdische Schulzeitung", Jahrg. 6, Nr. 11. S. 5. i; I