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Jüdische Schulzeitung · 1931-10-15 · 10 (15.10.1931) · page 6

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
7 (1931)
Issue
10 (15.10.1931)
Date
1931-10-15
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Jüdische Schuizeitung. weiblichen Formen stets grün gekennzeichnet. Diese Farben sind schon in den ersten Ständen bei Erlernung des Ales-beth für ihre endgültige Bestimmung in den Sprachtafeln vorgesehen und eingeübt worden (die männlichen Personen trugen stets dunkles Gewand, alte weiblichen grünes). Die Sprachtafeln sind in modernen Typen mit weiten Zeilenabständen. in übersichtlicher Anordnung ausgcführt. Soweit wie möglich sind auch Illustrationen beigegebcn, so z. B. für das persönliche Fürwort. Da die Tafeln in Größe und Linienabständen genormt sind, können sie beliebig kombiniert und zu recht umfangreichen Satzbildungcn benutzt werden. "Damit man' aber nicht nur an angegebene Beispiele gebunden ist, ist den Sprachtafeln noch eine Lesemaschine angegliedert, bestehend aus einer Holztafel in derselben Höhe (70 Zentimeter) wie die übrigen Tafeln und 35 Zentimeter breit, mit dazugehörigen Buchstabentäfelchen. Dieses Hilfsmittel ermöglicht es dem Lehrer, alle beliebigen Worte, Satzteile und Sätze zu dem Wortschatz der Tafel ergänzend hinzuzufügen. Selbstverständlich ist diese Lesemaschine auch für den Anfangsunterricht von besonderem Wert. Sowohl in der Borstufe, als auch im zweiten Schuljahre, gibt sie eine neue Möglichkeit, durch selbsttätiges Stellen von Wörtern, durch vom Lehrer vorbereitete Wortgruppen und Sätzchen dem Unterricht neue Anregung und Vertiefung zu geben. Die Rückseite der Holztafel ist zur Schreibtafel gestaltet (Quadrat-Lineatur). Die Sprachtafeln geben nicht bloß Lehrern und Schülern die Möglichkeit, auch auf dieser Stufe in' verständnisvoller, freudcgebendcr Arbeit bisher fast unüberwindliche Schwierigkeiten zu überwinden, sondern sie ermöglichen dem Lehrer erst einen intensiven Unterricht. Besonders der Lehrer, der mehrere Abteilungen zu betreuen hat, und das sind ja die meisten, wird es dankbar begrüßen, daß er die Möglichkeit hat, in einem Minimum von Zeit vor Beginn des Unterrichts Aufgaben vorzubereiten, sowohl zur Klassenarbeit, als auch zur stillen Beschäftigung der einzelnen Gruppen. Auch hier ist die Möglichkeit gegeben, die sprachlichen Uebungcn so zu gestalten, daß an die Erlebniswelt des Schülers angeknüpft wird und daß die Spracharbeit ins Religiöse einmündet. Am Ende des dritten Schuljahres sind dann die Kinder in ihrer Lcsefähigkcit so weit gefördert, mit einem genügenden Sprachschatz versehen und sprachlich so weit vorbereitet, daß nunmehr die Arbeit in T'filloh und T'nach fruchtbringend ausgenommen werden kann. Wir erwarten natürlich von der Anwendung unserer Methode bessere und nachhaltigere Erfolge, als wir sie bisher aufweiscn konnten. Das ist für uns aber noch nicht das Entscheidende. Das Entscheidende für uns ist die begründete Hoffnung, daß durch unseren Unterricht dem Kinde die Erlernung des Hebräischen erleichtert wird, daß der hebräische Unterricht bei ihm Freude und. damit eine positive, bejahende Einstellung zum Gebet, zum Gottesdienst, zum Schrifttum und zum Ritual des Judentums auslöst. Von den zu unserem Lehrgang benötigten Lehr- und Lernmitteln erschienen bisher: 1. nswTnimV Hebräische Sprachtafeln. 31 Blätter (Dreifarbendruck, aufgezogen auf Papptaseln (Größe 55 bis 55X70 Zentimeter), nebst Lesemaschine in Holz (70X35 Zentimeter) mit Buchstabentäfelchen, Eesamtpreis 21 tritt. 2. Hebräischer Lesekasten, stabil in Holz (Griffelkastenformat) mit vier schwarzen und einem roten Buchstabenblättern 1,50 tritt. Bestellungen richte man an H. Lichtenstein, Offenbach a. M., Hermannstraße 35. * Die zu dem aufgezeigten Unterrichtsverfahren benötigten Lehr- und Lernmittel (rnnaEH laW sind erschienen: 1. imas; nsff mmV* Hebräische Sprachtafeln, 20 Tafeln, 2 Illustrationen, Höhe 70 Zentimeter, Dreifarbendruck aufgezogen. nebst Lesemaschine. (Sperrholz. . Rückseite, liniierte Schreibtafcl). Preis 21 Ml. Nummer 10 2. Lesekasten für den hebräischen Unterricht. (Stabiler Holz-, kosten, 5 Buchstabenblätter schwarz und rot.) Preis 1,50 Ml. 3. ,invV2 nVnnn* t Malblätter für die Vor- (Alefbeth-) Stuft in ssskonmgppö. Preis o.rtä rii(. 4. Farbige Anschauungsbilder (Familienszene. Spaziergang. Arche, Schabboth) erscheinen demnächst. Anfragen und Bestellungen richte man an H. Lichtenstein, Offenbach a. M., Hermannstraße 35. Von Anselm Bing. 1. Teil. Eine der wichtigsten Forderungen, die an den neuzeitlichen Unterricht gestellt werden, ist das Verhalten des einzelnen Schülers der Unterrichtsarbeit und der Klasfengemeinschaft gegenüber so zu beobachten, daß dem Individuum sein Recht wird, ohne deshalb das Fortschreiten der Klasscnarbeit zu stören. Also spielt die Beobachtung und psychologische Einfühlung des Lehrers für den gedeihlichen Unterricht und die erfolgreiche Erziehung eine große Rolle. Die Beobachtung des Schülers ist eine Aufgabe, die in der verschiedensten Weise gelöst wurde, aber mit seltenen Ausnahinen bisher nur ganz oberflächlich betrieben worden ist. Der Vorwurf einer zu wenig tiefgehenden Beachtung des einzelnen Schülers kann den Lehrer nicht so sehr treffen, wie den Stundenplan und die Pensumsorderung. Die Erforschung der Individualität ist eine Spezialarbeit, und sogar eine Spezialistenarbeit. Es wird gefordert, daß der körperliche Zustand, die Umwelt, die Lebenskenntniffe die Ausbildung des Perstandes, des Gemütes und des Willens durch alle Schuljahre hindurch systematisch und sorgfältig geprüft und die Ergebnisse objektiv ausgezeichnet werden. Am Ende der Schulzeit wird das Material gesichtet und geordnet, es entsteht über jedes Kind ein Personalbogen. Besonders stark ist das Interesse der Berufsberatung an diesem schriftlich niedergelegtcn Seelenbild des Kindes. Da durch die verschiedeuen Schuljahre und die unterschiedlichen Lehrerpersönlichkeiten große Fehlerquellen auftreten müssen, würde eine Lösung dahin gesunden werden können, daß jedem schriftlich niedergelegten Eindruck über einen Schüler die Ursache der Entstehung dieses Eindrucks zugefügt werde. Wenn z. B. aus einer Acußerung oder Tat des Kindes ein bestimmter Schluß gezogen werden soll, und genau die Acußerung oder die Tat angeführt ist, so kann eine andere Lehrerpersönlichkeit aus derselben * Tat und demselben Ereignis einen ganz anderen Schluß ziehen. Auf diese Weise wird eine größere Objektivität in der Schülerbeurteilung erreicht. In der.Praxis muß sich die Schule in den meisten Fällen auf die Aeußerungen der Schüler stützen, wenn sie deren Charakterbild aufzcichncn will. Eine bewährte Art der Schülerbeobnchtung besteht darin, daß man charakteristische Aeußerungen während des Sprechens mitschreibt. Der Einwand, daß dieses Mitschreiben die Unterrichtsarbeit hemmen würde, kann damit widerlegt werden, daß ein Zettel mit skizzenhaften Bemerkungen nur Sekunden in - Anspruch nimmt, — aber selbst wenn auf der einen Seite einige Minuten zum Festhalten markanter Aeußerungen „verschwendet wurden", so gewinnt man auf der anderen Seite vielmehr wichtiges Material zur Erforschung der Individualität: überhaupt müßte dem erziehlichen Teile des Unterrichts ein breiterer Raum eingeräumt werden, als bisher geschieht. Die Beurteilung des Schülers geschieht zumeist, indem am - Ende der Schulzeit einige kurze allgemeine Bemerkungen in den Personalbogen geschrieben werden, die das gefühlsmäßige Urteil des Lehrers, der das letzte Schuljahr führt, enthalten. Und vor diesem Fehler kann nicht genug gewarnt werden. Es muß zugegeben werden, daß jeder Klassenlehrer im Lause eines Schuljahres und zumal des letzten, hinreichend Gelegenheit hat, ein- Personalbogen und Berufsberatung.

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