Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 7 (1931)
- Issue
- 10 (15.10.1931)
- Date
- 1931-10-15
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nummer 10 Jüdische Schulzeitung. Seite 5 Das dritte Bild zeigt die Arche. Damit leiten wir aus dem Profanen ins Religiöse hinüber. Diesen Weg gehen die meisten Modernen Methodiker: Wir suchen das Kind in seiner Eklebniswelt auf, fesseln sein Interesse, und wenn wir es gewonnen haben, führen wir es ins Religiöse hinüber. Deshalb bringt das vierte Bild eine Darstellung des Freitagabend im Fan .lienkreise. Die Einführung dieses Bildes gibt den Kindern eine religiöse Weihestunde. Sie haben jetzt ihren Wortschatz dergestalt erweitert, daß sie auch schon kleine Sätzchen ganz hebräisch sagen können. Wenn dieses Bild und damit der vierte Malbogen durchgearbeitet ist, ist die erste Arbeit geschehen. Die Freude hat niemals nachgelassen. Die Kinder können lesen, schreiben, besitzen einen schätzenswerten Wortschatz, dessen Befestigung und Erweiterung neben der Förderung der Lesefertigkeit auch auf der - zweiten Stufe die Hauptaufgabe sein muß. Vor allem aber, wenn sie jetzt die Fibel in die Hand bekommen, ist sie ihnen kein Buch mit sieben Siegeln mehr, dessen fremdartige Schriftzeichen ihnen in ihrer Fülle Beklemmung erregen, sondern es grüßen da heraus alte, vertraute, in Freude kennen gelernte Bekannte. Im Verein mit den schönen Bildern winken sie zu neuen Freuden. Rach der Durcharbeitung des ersten Lesebogens — nicht früher — (j® bekommen die Kinder auch einen Lesekasten. Da wir die bisher erschienenen Lesekästen nicht praktisch genug finden, schufen wir einen Lesekasten, der auch in der dritten Stufe die sprachliche Arbeit unterstützen soll. Es ist Sorge zu tragen, daß möglichst jedes Kind einen Lesekasten hat, der so eingerichtet ist, daß er bequem in der. Schultasche geführt werden kann, ohne daß die Buchstaben durcheinander geworfen werden. Für die Arbeit der - Vorstufe sowohl, als auch für diejenige der folgenden Stufe gilt ein wichtiger Grundsatz: Nichts geschieht, was nicht die zielbewußte Arbeit fördert. Niemals sollen die Kinder nur gut unterhalten sein. Stets muß die Arbeit einen Gewinn an Kenntnissen und Fertigkeiten bringen, der den Schüler in der Richtung auf sein Ziel vorwärts bringt. Wir sind uns bewußt, daß es leicht geschehen kann, daß man auf Nebengeleise gerät. Daher lehnen wir alles ab, was nicht auf dem geraden Wege in der Richtung auf das Lehrziel hingeht. Wohl lassen wir hin und wieder auch noch im zweiten Schuljahr Dinge selbst malen uns selbstverständlich hebräisch benennen, doch darf diese Tätigkeit keinen breiten Raum einnehmen. Die bildhafte hebräische Schrift sei stets Hauptgegenstand der malenden und schreibendeil Tätigkeit. betont arbeitsschulmäßiger Weise beginnen nun die Kinder die Fibel, ihr erstes Lesebuch, durchzuarbeiten. Wenn wir uns unter den verschiedenen erschienenen neueren Fibeln für die Mandel- baumsche „aurohw'simcho" entschieden haben, so war hierfür die Tatsache maßgebend, daß sie bei weitem am besten der Forderung entspricht, lebensnahen Stoff zu bringen, das Kind bei seinem Spiel und seiner Arbeit und seinem Erleben aufzusuchen, zu gewinnen und es ins Religiöse hinüberzuführen. Dazu wird der - Inhalt aufs wirksamste durch die beigefügten Bilder vermittelt. Auch auf dieser Stufe ist den Kindern immer wieder Gelegenheit zu geben, ihren Wortschatz in Rede und Schrift anzuwenden. Zur Befestigung des Wortschatzes und zugleich als Einführung in den Gebrauch eines Wörterbuchs legen wir jetzt ein Wörterheft mit alphabetischer Ordnung an. Jede Seite des Oktavheftes (quadratisch liniert) wird, nachdem sie alphabetarisch bezeichnet ist, in drei Rubriken geteilt: rechts schreiben wir das hebräische Wort, in die Mitte malen wir das Ding, und links erscheint die deutsche Bezeichnung. In stetiger, freudebesonnter Arbeit kommen die Kinder zu Ende des zweiten Schuljahres dahin, daß sie in ihrem hebräischen Buch ebenso geläufig und mit ebensoviel Verständnis lesen können, wie in ihrem deutschen Buch. - Zum Beginn des dritten Schuljahres stehen die Kinder vor der schwierigsten Stufe des ganzen Lehrganges. Wir müssen da Die zweite Stufe umfaßt das ganze zweite Schuljahr. In die Frage entscheiden, ob es möglich ist, mit Kindern dieser Altersstufe Gebete unserer T'filloh durchzunehmen. Gewiß kannten sie mühsam gelesen werden, aber Verständnis und innere Anteilnahme können ohne weiteres nicht erreicht werden. Dazu sind die allermeisten Gebete doch zu wesensfremd, und alle sprach-, lich so voller Schwierigkeiten, daß neunjährige Kinder den Wortlaut nicht erfassen können. Die in allen Gebeten vorkommenden Wortungeheuer, bei denen der Stamm mit Vor- und Nachsilben behängt ist, und oft von ihnen verdeckt ist, die fremdartige Satzbildung und viele andere Eigenheiten der hebräischen Sprache verlangen eine große Fähigkeit zum Analysieren. Diese Fähigkeit erwirbt sich der Schüler aber nur durch Synthese. Also heißt unser Arbeitsplan für diese Stufe: Durch Synthese zur Analyse. Die Kinder müssen das Allernotwendigste der sprachlichen Grunvbegriffe erwerben und beherrschen, andernfalls stehen sie bei jedem Gebet der T'filloh wieder vor denselben Schwierigkeiten, und Lehrer und Schüler sind in jedem einzelnen Falle genötigt, die grammatikalische Unterweisung von vorn anzufangen, weil auf nichts zurückgegriffen werden kann; ein Verfahren, das, wie ein jeder von uns tausendmal erlebt hat. in Schüler und Lehrer bald jede Lust ertötet und den Unterricht zur Qual macht. Hier ist die Klippe, an der die meisten scheitern. Was sollen sich nun die Kinder aneignen? Sie müssen das Dingwort kennen, seine Veränderung nach Zahl, Geschlecht und Anwendung, den Artikel, der im Hebräischen nicht Geschlechtswort ist. Sie müssen unbedingt befähigt werden, zu erkennen, daß all diese Veränderungen des Wortstammes durch Vor- und Nachsilben bewirkt werden, sie müssen in allen größeren Wortgebilden den Stamm finden lernen. Zum Dingwort muß der Gebrauch des Adjektivs und feine Veränderung kommen. Das Fragewort, das persönliche Fürwort, die hinweisenden und die besitzanzeigenden Fürwörter müssen ebenfalls einigermaßen geläufig sein. Von den Zeiten sind das Präsens und der Infinitiv, ferner das Partizip Präsens und der Imperativ zu üben. Die übrigen Zeitformen, insbesondere die Konjugationsformen müssen, wenn überhaupt notwendig. einer späteren Stufe Vorbehalten werden. Wichtig ist ferner - der Gebrauch der Präpositionen. Weil wir uns bewußt sind, daß es fast eine Ungeheuerlichkeit ist, solches von Kindern dieser Altersstufe zu verlangen, haben wir unseren Unterricht von vornherein auf diese Schwierigkeiten eingestellt. All das, was in der dritten Stufe sprachlich erarbeitet.wird, kann nur erreicht werden, wenn es an einem lebendigen Wortschatz erarbeitet werden kann, denn es ist wirklich unmöglich, die schwierige Grammatik einer schwierigen Fremdsprache an Worten und in Sätzen zu üben, welche den Kindern unverständlich sind. Diese Arbeit ist auch an dem lebendigsten Wortschatz noch eine unerfreuliche Notwendigkeit, die aber bewältigt werden muß, damir die Kinder nicht in der T'filloh und in dem Pentateuch in unüberwindliche Schwierigkeiten geraten. Gemäß unserem Bestreben. Klassenunterricht zu pflegen und unseren Schülern jede mögliche Erleichterung zu verschaffen, haben wir uns bemüht, auch für diese Stufen der sprachlichen Vorbereitung ein Lehrmittel zu schaffen, das den Klassenunterricht ermöglicht, und den Lehrstoff in anschaulicher und elementarer (nicht systematischer) Weise vermittelt. Es sind unsere hebräischen Sprachtafeln: nimb Zwar besitzen, wir in der Schaare Zedek von Levy und Abraham ein Arbeitsbuch, das trotz der besonders im Anfang ungeheuerlich gehäuften Schwierigkeiten noch brauchbar ist, aber Grundlage und Ausgangspunkt des Unterrichts kann es kaum fein. Wir benutzen es zur Vertiefung des an unseren Sprachtafeln Erlernten und Erarbeiteten, zur Nachbereitung und zu häuslichen Aufgaben. Unsere Sprachtafeln, die an Beispielen aus dem Wortschatz der Kinder das oben näher bezeichnete Sprachgur / bringen, sind in Dreifarbendruck ausgeführt. Männliche Formen y/* sind schwarz, alle Suffixa und Präfixa sind rot gedruckt und di^" '.WMWMWD