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Jüdische Schulzeitung · 1931-10-15 · 10 (15.10.1931) · page 3

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
7 (1931)
Issue
10 (15.10.1931)
Date
1931-10-15
Page
– (sequence 3)
Language
German
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I I j I 1 i ( i I Jüdische Schulzeitung. Seite 3 Nuunner 10 lichen Schule hat in der Auswahl und Anordnung der Bildungs- Met Sem besonderen Lüptts von JitSipiSttnNtiiten. für deren Bildung sie besteht, soweit als möglich gerecht zu werden. Zwei (Grundformen von Gymnasien sind zu fordern: Das g c i st e s w i f s e n s ch a f t l i ch e und das naturwissen» schaftlichc; keines von beiden darf die Bildungsgüter des andern völlig ausschließen, aber jedes muß das Schwergewicht auf die Bildungsgüter der besonderen Struktur der Schüler legen. Als drittes tritt das technische. Gymnasium daneben. Für alle diese Schulen aber bleibt das Ziel der Bildung „der Mensch" im S i n n e d e r Humanitätsidee. Ein weiteres Problem wird in diesem Zusammenhang noch erörtert: . „A ufstieg des Begabte n". Für die Lösung dieses Problems ist unerläßlich, daß wir uns den Bildungshochmut abgewöhnen und den gebildeten Menschen auch außerhalb der g est c m p e l t e n B i l d u n g s p a t e nt e anerkennen. Zum idealen Ich führt uns ein Weg und diesen Weg weist das Axiom der Kongruenz. Um diesen Weg zu führen,.gehören in jede Schulorganisation Bildungsvermittler, die selbst eine lebendig gewordene Idee desjenigen Menschen sind, den zu M erziehen sie als ihre Bildungsaufgabe zu betrachten sich untersangen. Das pädagogische Genie gehört — siehe Francke, Pestalozzi. Fröbel — dem Formenkreis der sozialen Geistes- und Seelenstrukturen an, deren wesentliches Merkmal die Liebe ist und die in jeder menschlichen Kreatur die Entwicklungsbahn finden, die „zum Menschen!" führen, der auf festem Boden seiner Individualität gewachsen ist und der den Weg zum rechten Weltbürger findet auf Grund des in seiner Individualität gegebenen Ideals. Wir haben diese Untersuchung Kerschensteiners ausführlich erörtert, weil sie wisseuschaftlich und für die praktische Gestaltung eine der besten Arbeiten der Gegenwart darstellt, die uns allen die reichsten Anregungen geben kann, wenn wir uns in ihr Studium vertiefen und unsere bisherige Situation kritisch prüfen. Und uns jüdischen Lehrern wird sie im besonderen Anregungen geben zur Neugestaltung unserer geistigen und praktischen Schulwclt: Mehr als bisher sollen wir jene Kulturgüter prüfen, deren geistige Struktur ganz oder teilweise der Struktur der jeweiligen Entwicklungsstufe der individuellen Lebensform unserer Kinder adäquat ist. Das wird uns davor bewahren, schablonenhafte Nachahmung der Schulorganisation unserer Umwelt in /M unsere Schulorganisation hineinzutragen, sondern wir sollen eingedenk bleiben unseres Wortes: Chunbdi Tnaar al pi «lai-kn! ganz im Sinne Kerschensteiners. Der hebräische Unterricht in der Grundschule Versuch einer zeitgemäßen Lösung. Von Heinrich Lichtenstein und Jakob Strauß, Lehrer zu Offenbach a. M. Ausgangspunkt einer jeden Unterrichtsmethode muß die vorausschauende Erkenntnis der Schwierigkeiten sein, die uns im Unterricht erwachsen. Sie sind ihrer Herkunft nach dreierlei Art: Sie erwachsen aus dem Lehrziel, dem Lehrstoff und von den Kindern, die wir zu unterrichten haben. Das Lehrziel des Unterrichts in der hebräischen Sprache lautet: Wir müssen den Kindern in der Grundschule zu einer genügenden Kenntnis und Beherrschung der hebräischen Eebetsfptache verhelfen, damit sie dem Gottesdienst ohne Mühe mit innerer Anteilnahme folgen können. Ferner müsien sie uns folgen können, wenn wir sie zu Tauroh und den übrigen Teilen des Tenach führen. . Darum muß der Unterricht stets zielbewußt fein. Die Schwierigkeiten, die der Lehrstoff, die hebräische Sprache, bietet, sind uns allen in ihrem gewaltigen Ausmaß bekannt. Sie zu meistern gibt es nur einen Weg: Eine möglichst vollkommene Ausbildung der Lehrer im HvdMcheu und in den pädagogisch, methodischen Disziplinen und ihre immanente Fortbildung. Lehrziel und Lehrstoff sind ewig unwandelbar, ewig wandelbar dagegen sind die Kinder, die wir zu unterrichten haben. Da aber unsere Schüler wahrlich nicht mehr dieselben sind, die wir. oder gar unsere Väter einst als Schüler waren, so kann auch die Lehrweise nicht mehr dieselbe sein wie einst. Sie muß vielmehr weitgehend auf die Eigenart unserer Schüler eingestellt sein, wenn der schwierige Lehrstoff gemeistert und das hohe Ziel erreicht werden soll. Wie aber ist die seelische Beschaffenheit unserer Kinder? Zuerst müssen wir darüber im klaren sein, daß der größte Teil unserer Kinder in ihrer Umwelt, auch in der Familie, keinen ergiebigen Nährboden für die heilige Sprache hat. Selbst in Familien, in denen noch bei religiös-kultischen Anlässen die hebräische Sprache erklingt, ist sie nur in vereinzelten Fällen lebendig. In zahlreichen Fällen aber wird den Kindern sogar der Klang der Gebetssprache fremd sein. Wir dürfen uns in dieser Beziehung keiner Selbsttäuschung hingeben, weil wir sonst keinen Ausgangspunkt für den einzuschlagenden Weg finden. Ja. solche Selbsttäuschung ist ein Grund für die allgemeinen Mißerfolge. Denn auch für Kinder aus religiösen Familien gilt dies: Sport und Technik, Kino, Mode, Politik, und wenn es günstig steht, Natur und profane Literatur, sind die Pole ihres Erlebens. Sie besuchen ferner einen mehr oder, minder arbeitsschulmäßig betriebenen Unterricht, der ihr Interesse und ihre Kräfte weitgehend in Anspuch nimmt. Wenn wir nun in dieser geistigen Bedrängnis, in der zeitlichen Enge von 1 bis 2 Wochenstunden am schwierigsten Stoff ein hochliegendes Ziel erreichen sollen, so kann das nur in einem freudespendenden arbeitsschulmäßigen Unterricht geschehen, der den üblichen Unterricht noch übertreffen muß, der die Kinder anspricht, anzieht und durch Freude an der lebendigen heiligen Sprache zur Freude am Judentum führt. Die Freude muß auch hier die Sonne unserer Arbeit sein. Ueber unserer Arbeit muß als Leitstern das Wort stehen: Jwdu es haschem besimchoh: „Dienet.dem Ewigen in Freude!" Die meisten unserer Kinder erhalten keinen seelischen Antrieb zur Erlernung der hebräischen Sprache aus einer religiösen Verpflichtung heraus; bei ihrer Seelen- und Geisteshaltung würde eine Methode, die die Lesefertigkeit an unsinnigen Buchstabenzusammenstellungen, an nicht verstandenen Wortverbindungen, zusammenhangslosen Sätzen üben wollte, ein Unlustgefühl und einen inneren Widerwillen anslösen, der sich nicht nur auf das Hebräische beschränken, sondern auch auf andere Bezirke jüdischen Lebens Übergriffe. . Diese Erkenntnis wurde schon seit einer Reihe von Jahren von verschiedenen bekannten Methodikern verbreitet; aber man kann nicht sagen, daß sie sich weit ausgebreitet hat. Ihren Nieder-. schlag fand sie in einer Anzahl neuerer Fibeln und Sprachbiicher; aber ein noch so gutes Buch macht noch keinen erfolgreichen Unterricht, und tatsächlich sind wir trotz mancher Anstrengungen noch nicht weit voran gekommen. Soll man da nicht hoffnungslos werden, angesichts der Tatsache, daß mit den vielfach mangelhaften Unterrichtsergebnissen das abgerissene Band der Tradition nicht wieder geknüpft werden kann? Mit nichten! Um so weniger ist dazu Grund vorhanden, als in weiten Kreisen der jüdischen Elternschaft und der jüdischen Jugend ein bemerkenswerter Wille zur Erlernung der hebräischen Sprache wieder erwacht ist. Grund zur Hoffnungslosigkeit wäre erst das Versagen der Lehrenden und aller derer, auf deren Schultern die Verantwortung für den Bestand der jüdisches Gemeinschaft liegt. Diese Ueberlegungen veranlaßten uns, in gemeinsamem Streben einen Weg zu suchen, der zum Ziele führt. T" >,» v -

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