Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 7 (1931)
- Issue
- 9 (15.9.1931)
- Date
- 1931-09-15
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nummer 9 Jüdische Schulleitung. Seite 7 auch, mir auch!' Den Kindern wird die Offenbarung, zur Offenbarung, zum Erlebnis. Die Erzählung des Lehrers wird überflüssig. Die Sache selbst spricht im Bilde, das ist mehr als Worte. Die Kinder schauen, erleben und erzählen. Die Erkenntnis, vgß hns Lichtbild ein yottwertigss Ekstttzs mittel ist für unmittelbare Anschauung von längst verflossenen Ereignissen, dass es die Gegenstände der altisraclitischen Kultur zur klaren Vorstellung bringt, daß es die Kinder im dunklen Raume zur Konzentration zwingt und ein wirkliches Erleben vortäufcht, haben den Verfasser zur Herausgabe seines Lichtbildärchivs Aura W'simcho bestimmt. Das Archiv. das das Ergebnis langjähriger praktischer Erfahrung des Herausgebers darstellt, bietet dem Geistlichen und Rcligionslehxer eine wertvolle Hilfe zur methodischen Behanolung biblischer Stoffe, zur Uebermittlung hoher geistiger und sittlicher Werte. Das Archiv wird zur Quelle freudiger Arbeit der Schüler, zur Grundlage wahrer Arbeitsschule. Die Verwendung des Archivs gestaltet den Unterricht lebendig, befestigt jede Disziplinlosigkeit, zwingt zur Aufmerksamkeit und führt zum Erlebnis-Unterricht, in dem Bildhaftes plastisch wirkt. Das Archiv Auro W'simcho ist Vortragenden in Vereinen und Jugendorganisationen eine wertvolle Hilfe zur Veranschaulichung kulturgeschichtlicher Gegenstände, historischer religiöser Stätten und Ereignisse. Infolge der kartothekmäßigen Verwendung des Archivs können leicht Vortragsthemen zusammengestellt werde,!, wie Z. V. die Entwicklung des religiösen Lebens der Juden, das häusliche, gesellschaftliche und soziale Leben der Juden, die Entwicklung der bürgerlichen und staatlichen Verhältnisse der Juden usw." Wir zeichnen biblische Geschichten des alten Testaments. Ein Beitrag zum Religionsunterricht von Franz Bauer. Verlag Ernst Wunderlich, Leipzig 1931. Religionsunterricht, biblische Geschichte ist Sache für Herz und Gemüt, am meisten aber gewiß auf der Unterstufe. Wie viel Kämpfe gab es schon: Bild oder nur Walten der Phantasie? Und welche Bilder? Die vorhandenen sind selten gut. Sie vermitteln — immer in bezug auf die Unterstufe! — Begriffe, Land und Kulturen, die den Jüngsten noch so ganz fernliegen, den Kleinen, die doch so . gern alles Gehörte in ihre eigene Umgebung verpflanzen, in ihre Großstadtstraße, ihre Hütte, ihren Wald. So aber die Bibel in Kunstwerken darzustellen, hieße wiederum ihre Eigenart verletzen, ihre Welt verändern. Mag man meinen Standpunkt teilen oder nicht — ich bleibe Gegner der Verwendung des. vorhandenen Bildmaterials auf der Unterstufe, so weit es nicht ganz besonders künstlerischen Einschlag arrsweistz so weit es nicht Situationen darstellt, die die kindliche Phantasie nicht in ihre eigene Umwelt zu versetzen vermag; auf Mittel- und Oberstufe ist gegen ihre Verwendung nichts anzuführen. Ganz andere Wertung verdient natürlich Lehrer- und Schülcrzeichnung. Nicht nur, daß das visuelle Gedächtnis bei der weitatts größeren Zahl der Kinder stärker ist und beste Unterstützung des Gehörten bildet — das Kind, vor allem das sschs- bis neunjährige, will schaffen, will darstellen, ist in seiner manuellen Wiedergabe weit unbefangener als das größere, wagt sich an Schwierigkeiten heran, denen das altere Kind gehemmt gegenüber steht, weil ihm seine technische Unfähigkeit bewußt ist. Das Schulkind der Unterstufe will aber auch durch die Lehrerzcichnung, die vor seinen Augen entsteht, das Gehörte kommentiert, angeregt werden. — Das vorliegende Zeichenwerk ist sehr dazu angetan, die Vorbereitung auch des manuell weniger begabten Lehrers auf das wirksamste zu unterstützen;'"bie einfache Strichmanier, für die Unterstufe immer noch die am meisten zu empfehlende, welche Wirkung verinag sie heroorzubringen! Man betrachte das mit ganz wenigen Linien gezeichnete Lagerhaus, Blatt 13, die ablieferndcn ägyptischen Bauern, den Wiederverkauf der Brotfrucht an die Darbenden; dann.Blatt 14: Welche Fülle von Dramatik — allerdings liegt sie schon in dieser dramatischsten aller Geschichten des Pentateuchs —: die ehrfurchtsvollen Brüder vor dem großen Manne, die Darstellung der Tem- - peramente der im Gefängnis Harrenden, die Bestürzung des greisen Vater Jakob, der sich wieder eines Sohnes beraubt glaubt. Wie einfach und doch so eindrucksvoll die Kain- und Abelszene, Blatt 3! So ließe sich über jede Seite sprechen, doch mag der Kollege selbst sehen, selbst urteilen; die Fülle des Gebotenen will nicht ganz, nicht immer wiedergegeben sein, sie läßt die kluge Auswahl zu. Auch der Text, die technische Erläuterung, die aufgestellte Möglichkeit zur „Verkörperung und Vergeistigung des Strichmanns" ist bemerkenswert. ' Eilli Marx, Köln. Kern: Ist unsere Lesemethode richtig? Eine kritische psychologische didaktische Darstellung. Unter Mitarbeit von Erwin Kern. Freiburg im Vreisgau, Herderfche Verlagsbuchhandlung 1031. (133 Seiten, kartoniert 3.80 Ml; gebunden 5,20 ‘Ml.) Wie gelängt matt zum sinnvollen Lesen, dem Endziel des Leseunterrichtes? Die Annahme, daß Lefegeläufigkeit oder Lesefertigkeit den Sinnzusammenhang erschließen, ist eine Täuschung, die iim so vollendeter wirkt, wenn eine gewisse mechanisch erworbene Betonung für den inneren Anteil des Lesenden gehalten wird. Die Sinnersassung ist der Motor der Geläufigkeit. Dieser These wird die „Ganzheitsmethode" gerecht, die in der oben genannten Schrift („Ist unsere Lesemethode richtig", von Kern), gestützt auf neueste psychologische Forschungen, bis in die Anwendung in der Praxis eingehend behandelt wird. Den Verfassern. die sich seit Jahren mit Fibel- und Lesefragen beschäftigen und denen aus ihrer Tätigkeit als Taubstummenlehrer eine reiche Erfahrung zu Gebote steht, ist cs gelungen, überzeugend darzustellen, daß der Ausgangspunkt des Leselernprozesses nicht der Laut oder der Buchstabe, sondern das Wort oder der Satz sind. Es muß zwischen dem Leselernprozeß und der» Leseakt des Geübten unterschieden werden. Am Ende des Leselernprozesses steht der Einzellaut. Der Leseakt wird aus drei Teilprozessen gebildet: „Optisches Erfassen, Verbindung mit dem akustisch motorischen Wortklangbild und Sinnbezug." (S. 115.) Von der Simultanauffasfung des Wortes führt der methodische Weg zur Klärung und Durchstruktuierung der Wortgestalt. Wiederholung, kleine Hilfen des Lehrers (Lokalisation und Verwendung von bunter Kreide) ermöglichen es dem Kinde, die Buchstaben zu erkennen und selbst zu verwenden, ohne sie eigentlich gelernt zu haben. Das Erlebnis des Kindes wird zur wertvollen Stütze. Der Leseakt wird dadurch von positiven Gesühlsmomenten begleitet und verspricht eine größere Dauer des Behaltens. Der Lehrer der Schulanfänger weiß um die Mühe, die er aufwenden muß, um durch künstliche Beziehungen zwischen Sprachgestalt und Sinn von außen her dem Sprach- oder Schriftsymbol, Laut oder Buchstabe, Leben zu geben. Der Kernfche Weg von „innen her" an den Laut heranzukommen und Analyse und Synthese der Elemente nur nebenbei zu behandeln, um keine Unterbrechungen des Leseunterrichts mit seinen Ganzheitswirkungen zu veranlassen, überwindet viele Schwierigkeiten, die sonst entmutigend auf Lehrer und Schüler wirken. Daß bei einer solchen Ganzheitsauffaffung des Wortes nicht sofort mit dem Schreiben begonnen werden kann, ergibt sich von selbst. Der Verfasser befürwortet einen Vorkurs im Darstcllen und Zeichnen, der 4 bis 6 Wochen dauern dürfte. Dann schreibt das Kind (ahmt die Gestalt des Wortbildes nach) einsilbige Wörtchen. Die fortwährende Uebung. Verbesserung, das zunehmende Durchstruktuieren der Wortgestalt lassen dann den klar erfaßten Umriß des Einzelbuchstabens zurück. Don dieser Methode profitiert auch das Rechtschreiben, dadurch, daß das Optische immer im Vordergründe bleibt. Die Operationsbasis des Leselernens bleibt doch die Schultafel mit dem in seiner Ganzheit dargestellten Wort. Das Kernfche Buch, das in sehr klaren, streng logischen Gedankengängen den neuen Weg wissenschaftlich unterbaut, dürfte nicht nur den Lehrer, sondern auch den.Fachpsychologen zur Auseinandersetzung auffordern. Führende Psychologen und Pädagogen haben seinen Feststellungen zugestimmt und die bereits erschienene Kern-Fibel empfohlen. „Die neue Methode stellt sich uns demnach dar als eine psychologisch richtige, geistbildende, schönes, flüssiges Lesen frühzeitig bewirkende, die Rechtschreibung günstig beeinflussende Lesemetyode." (Aus: „Ist unsere Lesemethode richtig?" S. 133.) Bacher-Kassel. Arna Gürtler: Das Zeichnen im erdkundlichen Unterricht. 1. Heft, Deutschland. Verlag Ernst Wunderlich. Leipzig 1931. Geb. 4 m. Heimat- und Erdkunde ist zu einem der Zentren des neuzeitlichen Schulunterrichts geworden, ist der Unterricht, dessen Belebung mit Hilfe moderner Technik am besten und greifbarsten zu gestalten ist, der den dem Deutschen eigenen Wandertrieb heute in der günstigsten. Weise zu beeinflussen versteht: Film, Lichtbild, Stehbild, jede Art der künstlerischen Gestaltung wird beute herangezogen, nickt zuletzt — wie ich es in einer vorbildlichen Dorfschulstube sah — die schöne, moderne Reiscreklame- Bilder der Bahnhöfe und Plakatsäulen, die Prospekte und Reiseführer. Aber das Fertige wirkt, besonders auf die jüngeren Schüler, nie wie das Werdende, das Entstehende. Immer noch ist die Zeichnung — Lehrer- und Schülerzoichnung — guter Vermittler, guter Kommentator. Das vorliegende Werk ermöglicht auch dem manuell ungeschickten Lehrer in prägnanter Weise Begriffe zu erläutern, vor allem Begriffe, die die Schüler nicht auf Ausflügen oder Reisen in der engeren Heimat erwerben können, gleichgültig, ob es sich um Geologisches, Botanisches. lU fl.Wijjj iiwujjjjjii "swwgway 1 ■ ^ji>-