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Jüdische Schulzeitung · 1931-08-14 · 8 (14.8.1931) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
7 (1931)
Issue
8 (14.8.1931)
Date
1931-08-14
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 0 Jüdische Schulzeitung Nummer 8 berichtet, daß er während seiner Festungshaft sich intensiv mit der Masscnpsychologie besaht habe. Die Früchte dieser Arbeit sind nicht nur in dein außerordentlichen Anwachsen der Partei, nein, auch in jedem Führerbrief,' in der Aufmachung der Zeitungen, in der Versammlungstechnik erkennbar. Es ist zwar tief tragisch, aber es ist eine Tatsache, dah das Judenproblem aus verschiedenen Gründen, die hier zu untersuchen nicht angängig erscheint, sich massenpsychologisch besonders gut verwerten läßt. Jeder, dessen Aufgabe es ist, auf diesem Gebiet praktisch zu arbeiten, findet in Stillers Werk viel aufschlußreiche Belehrung. Auch das Wesen des Kommunismus als bewußte Züchtung des Kollcktivmenschen wird an Stillers Ausführungen instruktiv beleuchtet. Nicht grundlos neigt heute die Jugend zu den radikalen Parteien — auch im inncrjüdischen Leben. Stiller zitiert einmal den Saß Schelers: „Die Masse ist eo ipso das, was der Mensch als „Kino" ist. Sie ist das Kind im Großen." Mit dem Studium der Massenpsychologie haben wir gewiß nicht einen immer passenden Dietrich für alle Erscheinungsformen des historischen und tatsächlichen Daseins in der Hand. Wie die Freudsche Psychologie immer neue Probleme ausgibt — Wissenschaft ist nie ein Endstand —, so auch die Massenpsychologie. Stiller prägt einmal den echt phänomenologischen Satz: ,H)as Leben, ist immer reicher, als jede rationale Betrachtung zu erfassen vermag." Mit den Kenntnissen, die uns dieses Buch vermittelt, vermögen wir jedoch viele dunkle Schächte des' Seelenlebens und seiner .Erscheinung in Schule, Gemeinde und Politik zu beleuchten, die uns sonst verschlossen bleiben. Literarisches. Julius Höxter: Quellenbuch zur jüdischen Geschichte und Literatur, Teil I—V Frankfurt a. M. (I. Kauffmann Verlag) 1927—1!):;». *) Als der neuzeitliche Religionsunterricht für uns Juden gestaltet wurde, hat man in ihn als neues Lehrfach die nachbiblische jüdische Geschichte eingesügt und große Hoffnungen aus diese Anordnung gesetzt. Trotzdem viele Lehrer sicherlich ihr bestes Können für dieses Gebiet bewährt haben, trotzdem eine ganze Reihe teils recht wertvoller Lehrbücher hierfür geschaffen wurde, haben sich die' gehegten Erwartungen — das muß ehrlich zngcstandcn werden — doch nicht erfüllt. An dieser Enttäuschung sind nicht so sehr die Pädagogen schuld. Bisher wurde die Eigenart des darzubietcnden Stoffes und die sich hieraus ergebenden Schwierigkeiten nicht oder nur in ungenügendem Maße gewürdigt. Die jüdische Geschichte ist nun einmal im wesentlichen, ja fast ausschließlich Kultur- und im besonderen Literaturgeschichte. Von wenigen Epochen abgesehen, handelt es sich in ihr nicht um die greifbaren anschaulichen Tatsachen staatspolitischer Vorgänge oder gar kriegerischer Ereignisse, wie sie sonst die Geschichte aller Völker oder Gemeinschaften in durchdringender Weise erfüllen. Hat man sich anderwärts erst in der jüngsten Vergangenheit dazu durchgerungen, die kulturgeschichtlichen Momente in den Vordergrund zu rücken, so lag bei uns Juden diese Notwendigkeit erst recht und schon längst vor. Lebendige zeitgenössische Schilderungen aus allen in Frage kommenden Zeitläuften waren und sind dazu notwendig. Persönlich Geschautes und Erlebtes muß darum zu den Schülern sprechen. Das bedeutet nichts anderes, als daß ihnen reichhaltiges Quellenmaterial darzubietcn ist. Noch wesentlicher aber ist es, den verkehrten Weg, der bisher beschritten wurde, Literaturgeschichte ohne Literatur zu betreiben, endgültig zu verlassen. Die überragenden Erscheinungen unter den Großen der Judenheit sind auch rein biographisch nicht zu verstehen, geschweige denn zu würdigen, ohne den Einblick in ihre literarischen Erzeugnisse. Erst recht kann die geistige innere Entwicklung des Judentums ohne diese Möglichkeit nicht erfaßt werden. Wohl wurden aus diesem Grunde schon bisher entsprechende Stoffsammlungen geschaffen. Die umfassendste dieser Art ist bekanntermaßen in der von Winter und Wünsche herausgegebenen Anthologie („die jüdische Literatur seit Abschluß des Kanons") in umfangreichem Ausmaß vorhanden. Hat dieses mehrbändige Werk den Nachteil, daß es den am stärksten an¬ *) Aus den Mitteilungen des Allgemeinen Deutschen Rabbiner-Verbandes. - ziehenden Stoff der neuesten Zeit unberücksichtigt läßt, so ist es obendrein wegen seiner weitreichenden Ausdehnung für den allgemeinen Gebrauch, besonders für den unmittelbaren pädagogischen Zweck in der Hand des Schülers nicht verwendbar. Sein Reich-, .tum ist sein Mangel in dieser praktischen Hinsicht. Was sonst an kleineren und kleinsten Quellensammlungen, teilweise nur als Anhang zu geschichtlichen Lehrbüchern oder durch Einfügungen in den laufenden Text gegeben war. hat sich als durchaus unzulänglich erwiesen. Auf Grund seiner reichen pädagogischen Erfahrungen hat sich nun Julius Höxter, der seit Jahrzehnten an höheren Schulen Frankfurts Religionsunterricht erteilt, an die Lösung der Ausgabe begeben, die klaffende Lücke auszufüllen. Seine Arbeit liegt feit November vorigen Jahres abgeschlossen vor. Dem zuerst erschienenen dritten Teil seines Buches hat er „Methodische Bemerkungen für die Hand des Lehrers" vorausgeschickt, die einen deutlichen Einblick in seine Absichten gestatten. Mir will scheinen, er hat den Kernpunkt der Aufgabe, die vom Unterricht in der jüdischen Geschichte zu lösen ist, durchgeführt und richtig verstanden. Ranke hat einmal gesagt: .„In aller Geschichte wohnt, lebt, ist Gott zu erkennen". Nach unterer Ueberzeugung verbürgt keine Geschichte besser die Wahrheit dieses Satzes als die jüdische Geschichte. Jüdische Geschichte ist Religionsgeschichte. Erst recht muß sie in diesem Sinne behandelt werden, wenn wir Religionsunterricht an öffentlichen Schulen erteilen. Das ist die Voraussetzung für die Bedeutung und Stellung dieses für uns unendlich wichtigen Lehrfaches. Höxter hat hier vollauf Genüge getan. Kultur- und vor allem Literaturgeschichte kommen durchaus für den gesamten Ablauf unserer Geschichte von der Zerstörung des ersten Tempels bis in die unmittelbare lebendige Gegenwart hinein zu ihrem vollen Recht. Nicht nur stofflich steht das Werk auf der Höhe, auch in metho- . difcher Hinsicht. Es läßt uns im Geschichtsunterricht die neue Art des Arbeitsunterrichts anwenden. Die Selbsttätigkeit des Schülers wird ermöglicht, ja in hohem Grade angeregt. .Das Quellenbuch verschafft nicht bloß in der Klasse die Gelegenheit, vielerlei Zusammenstellungen aus den verschiedenen Gebieten jüdischer Geistesgcschichte zu veranstalten, wie z. B. den Wegen der Halacha, der Neligio'nsphilosophie, der Mystik zu folgen und dabei immer den geistigen Standort der betreffenden Stufe durch die geeignete Auswahl zu berücksichtigen. Darüber hinaus kann der häusliche Fleiß des Schülers durch das Quellenbuch in eigenen Studienarbeiten kleineren Umfangs, die die vorhandenen Quellenstücke darbieten, betätigt werden. Auch Untersuchungen und Abhandlungen in größerem Ausmaß lassen sich von den Schülern der oberen Klassen bewerkstelligen, die dazu in den Literaturangaben vorzügliche Hinweise finden. Es ist ihnen durch sie der Ausblick auf die eigentlichen Quellenwerke selbst eröffnet,- die sie sich in dieser oder jener Bücherei beschasfen können. Im ganzen ist die Handhabung des Unterrichts in der jüdischen Geschichte nunmehr so zu denken, daß die Lektüre der entsprechenden — auch dem Verständnis der Lehrstufe entsprechend gewählten Stücke des Quellenbuches durch den lebendigen freien Vortrag des Lehrers, in häufigen Fällen auch des reiferen und erst recht des erwachsenen Schülers ergänzt wird. Wer nach anderer Methode den geschlossenen Vortrag an den Anfang stellt, schließt an ihn die Quellendarbietung an, die zur Veranschaulichung unentbehrlich ist. Das Buch bedarf für den Schulgebrauch noch eine Ergänzung: eines Grundrisses, der die Verbindung zwischen den Quellen- . stücken herstellt und eine knappe kläre Uebersicht über die wichtigsten Tatsachen, besonders auch die wesentlichsten Namen und Zahlen gibt. Es darf mitgeteilt werden, daß Höxter eben damit beschäftigt ist, die diesem Zweck dienenden Tabellen, soweit nur angängig, in „synchronistischer" Form und unter Beifügung der bedeutsamsten Ereignisse der Weltgeschichte, in einem anschaulich geordneten Leitfaden auszuarbeitcn und baldmöglichst dem jüdischen Religionsunterricht darzubieten. Hier wird dann auch der Lehrer die durch die Druckanordnung schon vorgcarbeitete Auswahl für den notwendigen Memorierstofs treffen und seine Aneignung beim Schüler ohne Schwierigkeit durchsetzen. Ich unterlasse es mit Absicht, auf Einzelheiten,, etwa auf die Auswahl, die Einteilung, die Art der Ueberfetzung der dar-- gebotenen Stücke cinzugehen. Persönlicher Geschmack wird sicherlich an manchen Stellen anders entscheiden. Vor allein darf auch nicht übersehen werden, daß das ganze Werk gewissermaßen einen Maximalstoff darbietet und nicht jedes beigebrachte Stück unbedingt, zumal bei Berücksichtigung des geistigen Standes der" betreffenden Klaffe heranzuziehen ist. Ich habe sogar das'Gefühl, daß sich bei späteren Auflagen die 5 Teile auf 1 Bände zusammendrängen lassen, womit sich eine nicht zu unterschätzende ■^>,1

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