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Jüdische Schulzeitung · 1931-08-14 · 8 (14.8.1931) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
7 (1931)
Issue
8 (14.8.1931)
Date
1931-08-14
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nummer 8 Jüdische Schulzeitung. Seite 3 evangelischen Erzählungen und Wundergeschichten auf Mythen und fromme Dichtung zurückzuführen, will der Zweifel an einem . MHilkttitjM ZiMtz Nicht M Mhs ktzlllMM- ÄkttNN ÄUtttzk dük die historische Existenz Jesu angefochten und in seiner Schrift „Christus und die Cäsbren, der Ursprung des Christentums aus dcur römischen Griechentum" (1877) das Leben Jesu als eine freie Erfindung des Urevangelisten Markus nachzuweisen versucht, während Alb. Kalthoff in seinem Buche über „Das Christusproblem, Grundlinien zu einer Sozialtheologie" (1003) die Entstehung der christlichen Religion ohne Zuhilfenahme eines geschichtlichen Jesus rein aus einer sozialen Bewegung der niederen Klassen zur Kaiserzeit erklären zu können meint. Im Mittelpunkt des wissenschaftlichen Streites steht gegenwärtig der Karlsruher Professor Arthur Drews mit seinem schon sehr beträchtlichen Anhang. In seinem Buche „Die Christusmythe" — dieser Titel spricht deutlich genug — und in einem anderen, „das Markus-Evangelium als Zeugnis gegen die Geschichtlichkeit Jesu" (1921) bringt er so viele sorgfältig begründete Argumente gegen' die Geschichtlichkeit des Markus-Evangeliums, daß man glauben sollte, die offiziellen Verfechter eines historischen Jesus-Bildes . würden unbedingt zur Kapitulation gezwungen. Muß doch ihr O hervorragendster Vertreter, Adolf Harnack, das Geständnis ablegen: „Wir wissen nichts von der Geschichte Jesu in den ersten 90 Jahren seines Lebens." (Das Wesen des Christentums, 1901, S. 20.) Auf jüdischer Seite tritt der bereits genannte Klausner für die Geschichtlichkeit Jesu ein. Auf Grund der Quellen und in der Erwägung, daß unmöglich das, was Millionen ergriffen hat, nur ein Mythos sein kann, macht er sich die Anschauung Rousseaus zu eigen: „In Wirklichkeit ist dies (die Leugnung der Existenz Jesu) ein Ausweichen vor den schwierigen Widersprüchen in den Evangelien, aber nicht deren Auflösung. Es wäre weit schwieriger zu erklären, daß viele Männer dieses Buch (das Evan- ' gelium) im Einverständnis miteinander verfaßt haben sollten, als daß ein einziger Mann den Stoff dafür hergab... Es ist so . . unmöglich, die Charakterzüge des Evangeliums nachzuahmen, daß . der Mann, der sie erfunden hätte, größer gewesen sein müßte als dessen Held selbst." (Emile,?rokor>sion <lo koi, S. 90.) „Mein Freund, solche Dinge erfindet man nicht. Die Tatsachen über Sokrates, an dessen Existenz niemand zweifelt, sind viel schwächer fundiert als jene, welche man über Jesus von Nazareth berichtet." (I. I. Nausseau Oeuvres eompletes, Paris 1846, IV, S. 771 f., # S.9Sf.) . Dieser Ansicht möchte ich mich anschließen und sagen: so lange - die wissenschaftliche Forschung nicht mit unanfechtbaren Beweisen feststcllt, daß Jesus nicht existiert hat, unterstellen wir seine Geschichtlichkeit als Tatsache. Eins allerdings ist heute schon sicher, daß Jesu Auftreten zu Lebzeiten 'nicht entfernt die nachhaltige Bedeutung gehabt haben kann, die seine oder auf seinen Namen geprägten Lehren späterhin gewonnen haben. Die zweite Frage heißt: „War Jesus ein Jude?" „Das ist doch selbstverständlich", werden Sie sagen. Ich sage es auch. Und jedem, der es hören wollte, hat es in der Weihnachtsnummer des „Berliner Tageblatt" (vom 25. 12. 1926) der damalige preußische Kultusminister Prof: Dr. Becker klar und deutlich gesagt, daß jeder Christ sich bewußt werden möge, „daß der Stifter seiner Religion seiner menschlichen Herkunft nach ein Jude war".- Aber Sie werden bald sehen, daß man uns diesen, wenn auch vielleicht nicht größten, so doch welthistorisch zur größten Bedeutung gelangten Repräsentanten des ethischen Monotheismus der jüdischen Propheten nicht gönnt. Wie sich nach einem bekannten Wort-sieben-griechische Städte um die Ehre stritten, der: Geburtsort Homers zu sein, so suchen viele Völker. Jesus als ihren größten Sohn-für sich in Anspruch zu nehmen. ' . - . Der zur Siedehitze gesteigerte Rassenwahn eines Chamberlain flüchtet sich unter den. Schutz einer vom Fürwitz ausgeheckten' Hypothese, daß Jesus kein Jude der Rasse nach war, sondern als Galiläer vielleicht germanischer Abstammung. Es ist der Gipfel tzßk rkNötzkfkOMMlt, Mtt Ehsagt- «ElMstus war kein Jude, das läßt sich ohne jede Möglichkeit einer Gegenrede historisch Nachweisen." Und er entblödet sich nicht, Renan wegen seiner Behauptung, „Jesus war ein Jude", zu verdächtigen, von der Alliance Jsraelite mit Geld bestochen zu sein, — gewiß ein vornehmes Argument gegen einen verstorbenen geistigen Gegner! (Dies und das Folgende nach F. Kahn, Die Juden als Rasse und Kulturvolk, S. 189 ff.) „Aus dem Schoß des jüdischen Volkes von jüdischen Eltern geboren und selbst sich stolz ein Enkel Davids heißend, bewegt er (Jesus) sich in der Atmosphäre jüdischer Gedankenwelt, bekennt sich, wie selbst Ehamberlain gesteht, vom ersten bis zum letzten Atemzug zur Weltanschauung des Judentums und dokumentiert sich dadurch ebenso als Jude wie Moses oder David, Jesaja oder Hiob. Er ist ebenso Jude, wie Phidias ein Grieche und Cäsar ein Römer war — „ohne jede Möglichkeit einer Gegenrede". Daß es einem Manne Chamberlainscher Weltausfassung in der Seele zuwider, daß Christus ein Jude gewesen, ist begreiflich. Aber die peinliche Tatsache ist nun einmal selbst mit dem glänzendsten Aufgebot historischen Wissens und dialektischer Fähigkeiten nicht aus der Welt zu schaffen. Christus, der größte Kulturträger der weißen Rasse, —- -war ein Jude und, was weit wesentlicher ist als die Frage seiner Rassenzugehörigkeit, er war ein Verkünder jüdischer, seit Jahrhunderten traditionell gewordener Weltanschauung — -Von dem ersten Satz der Bergpredigt: „Selig sind die. die arm an Geist sind, denn das Himmelreich ist ihrer" (Zitat aus Jesaja) bis zu seinem letzten Sterbenswort am Kreuze: ..Eli. LU, lama asabthani“ . . . Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? (Anfang des 22. Psalms) ist die ganze Lehre dieses großen Ethikers, der' sein Volk mit Inbrunst liebte und nicht anders als alle Propheten vor ihm es aus den Banden der Kulturgefahren zu reinem Menschentum erlösen wollte, durchtränkt mit dem Blut und durchweht von dem Geiste jüdischer Tradition und jüdischer Gesinnung. „Kein Wort Jesu Christi", bekennt Schürer, „ist denkbar ohne die Voraussetzung der jüdischen Geschichte und der ganzen Vorstellungswelt des jüdischen Volkes."--Was an der Lehre Christi sittlich ist und nicht sinnlich, Kern und nicht Kult,-das sind die von Moses am Sinai zum ersten Male in der Geschichte der . Menschheit verkündeten, von den Propheten hundertfach vor Christus laut gepredigten und von Christus gelehrten und verkündeten Fundamentalideen der jüdischen Weltanschauung.- -Ein Neues hat weder Christus gegeben noch irgendeiner der Propheten und kein Neuerer nach ihnen — ein Neues gibt es nicht.-So wie der hl. Augustinus schrieb: „Post Jesum Christum nulla scientia“ — nach Jesum Christum kerne Wissenschaft, so gibt es nach Moses kein Neues in der Religion — „post Mosim nulla religio". Niemand hat dies deutlicher ausgesprochen als in seiner großen Bescheidenheit Christus selber." Vor Chamberlain hat bereits Max Bewer gradwegs be- . hauptet: „Christus war ein Deutscher." In der österreichischen Wochenschrift (1902) wird sogar klipp und klar seine Abstammung von den Westfalen nachgewiesen. Das in Agram erscheinende kroatische Tagblatt „Hrvatska" hat aus Christus einen Serben gemacht, ein englischer Methodist dagegen einen Engländer. Vor dem Richter im Posenschen meinte eine Polin: „Christus, habe wahrscheinlich polnisch gesprochen, denn er war ja Jude." Friedrich Delitzsch erklärt positiv, daß Jesus von Nazareth nichtjüdischen Blutes war. M. D. u. H.! Unter den Schreibern des Neuen Testamentes war kein einziger N.ichtjude, und alle betonten mit Nachdruck ihre Zugehörigkeit, zum jüdischen Volke. So auch Paulus-- (Korinther II 11,- 22)-: ,jSie sind Hebräer? ich auch. Sie sind-Israeliten? ich auch. Sie find Abrahams-Samen? ich auch"

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