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Jüdische Schulzeitung · 1931-07-15 · 7 (15.7.1931) · page 5

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
7 (1931)
Issue
7 (15.7.1931)
Date
1931-07-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nummer 7 Jüdische Schulzeitung. Sekte 5 beide aber zu ihrem Manne Arad-Schamasch: „Nicht bist Duunser Manu" sprechen, soll man sie erwürgen und in den Fluß werfen." Durch das Gesetz wurde bestimmt, daß der unverheiratete Schwager die Witwe seines Bruders ehelichen müsse, um „seinem Bruder Nachkommen zu erhalten". (Thamar.) Die spätere Ablösung dieser Eheverpflichtung geschah in einem bestimmten Ritus, der den Bruder mit der Verachtung der Gemeinschaft bestraft, „der, dem der Schuh ausgczogen wurde". Die Stellung der Witwe im alten Israel war eine sehr traurige. Es fehlte ihr in den meisten Fällen Besitz, und sie war auch oft vom Erbe ausgeschlossen.,s) Ein Teil des Besitztums des verstorbenen Mannes wurde von den Kindern übernommen. ") Es mar ihr unbenommen, eine ne'e Ehe einzugehen. Im Hohen Lied wird die ideale Frau im Sinne der altisraclitischcn Kultur in wunderbaren Worten und die Liebe in ihrer reinsten Form gezeichnet (8,6): „Stark wie der Tod ist die Liebe, Unerbittlich wie Scheol") die Leidenschaft. , Viele Wasser können Liebe nicht auslöschen, Ströme schwemmen sie nicht fort." Neuerscheinungen auf dem Gebiete der Psychoanalyse. Von Studienrat M. Simon, Tilsit. Stefan Zweig: Die Heilung durch den Gei st. Inselverläg 1931, Preis 8.— Stefan Zweig, der tiefe Deuter der dichterischen Seele, hat in einem Essayband 3 Persönlichkeiten zusammengestellt, welche der kranken Menschheit neue Wege gewiesen haben, ohne die übliche Methode der ärztlichen Wissenschaft anzuwenden. Franz Anton M e ß m e r — durch suggestive Verstärkung des Gcsundhcitswillcns — Mery Bakar Eddy durch die Ekstatik der Elaubenskraft — Freud durch Selbsterkennung und damit Selbstbcfreiung der unbewußt lastenden Seelenkonflikte. Abgesehen von dem meisterhaft entworfenen Charakterbild des Gelehrten wird aufgezeigt, wie die Freudsche Gedankenwelt ins Blut der Zeit und der Sprache eingedrungen sind. Wer sich in die Wissenschaft Freuds, aus dichterischer Höhe gesehen, vertiefen will, ohne der schwierigen Disziplin näherzutreten, der lese Stefan Zweigs neuestes Werk. Im Ianuar/Februar-Heft der psychoanalytischen Bewegung findet sich ein Abdruck aus diesem Werke, und zwar das Kapitel über: Siegmund Freud und die Situation der I a h r h u n d e r t w e n d e. In genanntem Heft wird die Originalarbeit eines Franzosen (Alexandre Hereger) über Goethe und Freud zum ersten Male veröffentlicht. Der Verfasser weist aus die gemeinsamen Züge hin, die sich in dem Schaffen beider Geisteshelden finden. Das Unbewußte spielt bei Goethe eine große Rolle, wenn er auch seine Bedeutung nicht richtig einschätzt. Jene unentdeckte Welt, ihre dunkle Macht, ihre Ungeheuer, wurde von ihm erkannt und in einigen packenden Sätzen beschrieben. Nach Ansicht Heregers ließ der Dichter auch dem Bewußtsein seinen gebührenden Anteil. Daß er die Jnnenschau (Analyse) freudig begrüßt hätte, wenn sie schon zu seiner Zeit existierte, dürfen wir mit dem Versasier annehmen, denn bestand nicht alle Weisheit der damaligen Zeit darin, sich seiner Krankheit anzupasien ünd zu verzichten? (Die Resignation als Wurzel des Verzichts.) Die Theorien Freuds von der Kunst finden sich auch, ohne psychoanalytische Grundlage, bei Goethe angedeutet. Vgl. die angeführte Stelle aus Ottiliens ") Ruth 4,5. ") II. Sam. 3,7. ") Unterwelt. Tagebuch. „Man weicht der Welt nicht sicherer aus als durch Kunst, und man verknüpft sich nicht sicherer mit ihr, als durch die Kunst." Heregers Untersuchung ist lediglich als Vorarbeit zu einem noch wenig erforschten Gebiete zu werten. Im -März/April-Heft der psychoanalytischen Bewegung untersucht Georg Groddeck, Baden-Baden, die Z w i e g e s ch l e ch t - lichkeit. Wenn man auch mit dem Verfasser, der bekanntlich auf dem äußersten Flügel der Bewegung steht, den geschilderten Symptomen der Bisexualität beipflichten mag. so muß man die männlichen und weiblichen Symbole, die auf die menschliche Zweigeschlechtigkeit schließen sollen, unbedingt ablehnen. Die den Gesichtshälften der Menschen zugelegte Unterschiedlichkeit mutet uns ebenso phantastisch an wie die symbolische Bedeutung der Handtasche, die uns Anna Freud in ihrer Technik der Kinderanalyse gibt. Im Februar-Heft der Monatsschrift „Die Literatur" veröffentlicht Ferdinand Bruckner, der erfolgreiche Verfasser der Dramen „Verbrecher". „Elisabeth von England" einen Aufsatz über „Freud und die Schriftsteller". Der Theatermann Bruckner (Pseudonym für Theodor Tagger) offenbart sich uns als begeisterter Anhänger der Psychoanalyse, was die Kritik schon seit langem vermutete. Die gedankenvollen Ausführungen suchen die Frage zu klären, weshalb ein großer Teil der Schriftsteller sich vor einer Bekanntschaft mit Freud sträubt. In der Arbeit Sten Selanders wird der Einfluß der Psychoanalyse aus die zeitgenössische schöne Literatur untersucht. Es handelt sich hier um einen Versuch, wahllos Schriftsteller aufzuzeigen, die von Freudscher Gedankenwelt beeinflußt sind. Doch vermißt man ungern Namen wie Stefan Zweig, Wassermann und in der französischen Literatur Marcel Presvöt. Man muß dem Verfasser beipflichten, wenn er die Behauptung aufstellt, daß in keiner Literatur die Freudsche Theorie mehr Eingang gefunden habe, als in der englischen. May Sinclairs Roman „Mary Olivier" wird als typischer Vertreter dieser Literaturgattung angesehen. Rose Macaulays „Dangerous Ages" durfte in diesem Zusammenhänge nicht unerwähnt bleiben, denn in keinem englischen Roman der Gegenwart kommt der Psychoanalyse eine solche Bedeutung zu (Verwendung der psychoanalytischen Methode als Kunstmittel). Nach Selander sind alle zeitgenössischen Schriftsteller mit Freudschem Oele mehr oder minder getränkt. Die Rede, welche Professor Vumkc vor kurzem auf der Naturforschertagung in Königsberg gehalten hat. liegt nunmehr in erweiterter Form vor. Die Psychoanalyse, eine Kritik von Oswald Bumke, München, Verlag von Julius Springer. Berlin 1931. Bumke erkennt die wertvollen Verdienste an. die Freud auf manchen Gebieten geleistet hat und daß gewisse Anschauungen ohne seine Untersuchungen nicht möglich sein würden. Freuds Lehre und ihre Methode lehnt er ab, weil sie den Gesetzen exakter Forschung und Logik nicht gerecht werden. Die Psychoanalyse sei weder Naturwissenschaft, noch Wissenschaft überhaupt. Seite 26. Das Freudsche Unbewußte vergleicht Bumke mit einem Heinzelmännchen. das im Verborgenen schafft, nur nicht so liebenswürdig und gütig wie das kleine Männchen des Märchens. Nach Bumke spielen sich die sogenannten Freudschen Mechanismen in dem einzigen Bewußtsein ab. das wir besitzen. Unbewußte seelische Vorgänge werden bestritten, also auch die in der Traumarbeit geleistete Zensur. Aus Anlaß einiger Angriffe, die nach seinem Königsberger Vortrag gegen ihn gerichtet wurden, setzt er sich noch eingehend mit der theosophischen Wissenschaft auseinander, für die er als Weltanschauung die höchste Hochachtung empfindet. Er legt aber dagegen Verwahrung ein. daß aus diesen weltanschaulichen Auffassungen ähnlich wie in der Psychoanalyse pseudowissenschaftliche Erkenntnisse abgeleitet werden. Ein Unterbewußtsein im Sinne eines psychischen Geschehens »!■' »JWWW

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