Mannheim
Compact Memory

Jüdische Schulzeitung · 1931-07-15 · 7 (15.7.1931) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
7 (1931)
Issue
7 (15.7.1931)
Date
1931-07-15
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2825247-2825248-2825255--0521-2826131
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nummer 7 nächsten, die man ihnen nicht aus falscher Sentimentalität oorenthalten sollte. Hilfsbereitschaft und Opferfreudigkeit sind starke Gegenmittel gegen Egoismus und unerläßliche Grundbedingungen für das Aufblühen' der Gemeinschaft. e) Führert u in. Stellung derLehrerpersönlichk e i t z u m F ü h r e r t u m. In jeder Klasse treten Kinder als Führer auf. Teils sind es solche, die durch geistige Ueberlegenheit von Natur aus dazu bestimmt sind, eine leitende und beratende Stellung innerhalb der Gemeinschaft einzunehmen, teils sind es Kraftnaturen, kleine Herrenmenschen, die sich entweder auf Grund ihrer physischen . Kraft oder ihrer autokratischen seelischen Veranlagung zum Führer aufwerfen. Diese Kategorie von Führern werden nur von einer Herdengemeinschaft anerkannt und sie sind deshalb auch nur in Klassen, denen die größere Reife und der höhere Begriff von Gemeinschaft und Gleichberechtigung fehlt, zu finden. Für den Lehrer besteht aller Anlaß, dieser Art des Führertums entgegenzuarbeiten. 'Die Kinder sollen begreifen lernen, daß sportliche Ueberlegenheit und körperliche Tüchtigkeit keine Vor- O züge sind, denen zuliebe man sich einem anderen Menschen unterwirft. Wenn dem Lehrer bei der Wertung der Schüler Charaktervorzüge ausschlaggebend sind, wenn er ferner sittlich hochstehende Menschen in den Mittelpunkt seines Ecschichts- oder Leseunterrichts stellt, so findet auch in den Schülern eine Umwertung der Begriffe statt, so daß sie schließliche Charakterstärke und sittliche Größe als Ideale anerkennen lernen. Das wahre Führertum muß der Lehrer nach Kräften unterstützen. Besonders in kleinen Klassen mit gesundem Klassengeist wird der edle Charakter gern als Führer anerkannt.' Die Klasse muß gewissermaßen dazu erzogen werden, sich ein richtiges Werturteil über den Mitschüler zu bilden und sich dem überlegenen und reifen Klassenführer zu unterordnen. Ich lasse beispielsweise meine Klasse die Ordner immer selbst wählen. Das erstemal wurde der Klassenliebling gewählt. Aesthetische Motive waren bei der Wahl ausschlaggebend. Schon nach einigen Tagen setzte die Klasse ihre Ordnerin ab und wählte eine andere. Nach ganz - kurzer Zeit hatten die Kinder schon die richtigen Voraussetzungen für die Ordner erkannt und trafen die entsprechend gute Wahl. Machen wir einen Unterrichtsgang, so überlege ich vorher mit den Kindern, welche Schüler wohl am geeignetsten sein werden, als die Ersten voranzu'gehen. Auf diese Weise lernen die Kinder, Charaktereigenschaften anzuerkennen und zu schätzen. Um keinen Neid aufkommen zu lassen, wechsle ich häufig mit den Klasscnämtern, die stets von den Kindern selbst unter meiner Leitung verteilt werden. Dem selbstgcwählten Führer unterordnet sich die Klasse neidlos. Wahres Führertum erwächst aus dem gesunden Klassengeist und setzt schon eine größere geistige , Reise voraus, kommt also erst auf der Mittelstufe vor. Der Klassenführer, wird nicht etwa eingesetzt wie der „Klassenbeamte", sondern er ist eben naturgemäß vorhanden, wenn er selbst und. die Klasse ein gewisies Reifcstadium erlangt hat. Der Klassenführer schlichtet die Streitigkeiten der Schüler untereinander, er ist der Vertrauensmann, der auch Mißverständnisse zwischen Lehrer und Klasse zur Sprache bringt und aufzuklären sucht. Ist er selbst schöpferisch veranlagt, so gehen die meisten " Klassenvorschläge von ihm aus. In jedem Fall werden sie ihm zuerst unterbreitet und feine Stellungnahme ist von Ausschlag für die Klasse. Da dem Führertum eine gewisse Geistigkeit zugrunde liegt, so ist es vom Lehrer nur zu fördern. Der Nachahmungstrieb läßt die Schüler ihrem Führer nachstreben und die Folge davon ist eine ethisch gerichtete Zielstrebigkeit innerhalb der Klasse. Schleicht sich in das Verhältnis zwischen. Klasse und Führer ein Mißton ein, so darf der Lehrer nicht daran Vorbeigehen, sondern er muß tzon Kindern helfen, das gute Verhältnis wieder herzustellen.? Seite 3 Erscheinungen des Auseinande r. Wie können g e m e i n f ch a f t s h e m in e n d e Faktoren unterdrückt werden? Neben diesen Erscheinungen des Miteinander innerhalb der Klaffe treten auch zeitweise Bestrebungen des Auseinander auf. Die Kinder suchen sich gegeneinander in ihren Leistungen zu übertrumpfen» um die Gunst des Lehrers zu gewinnen. Die Klassenersten kämpfen um die Vorrangstellung und in diesem Kamps treten Haß und Neid mit der größten Erbitterung zutage. Mit Niedrigkeit und Intrigue suchen sich die Rivalen gegenseitig zu hintergehen'. In Mädchcnklassen spielt Rivalität eine größere Rolle als in Knabenklassen. Der Junge hat meist ein gesünderes Werturteil und ein ausgeprägteres Gemeinschaftsgefühl als das Mädchen. Gewöhnlich wird von dem Rivalitätskampf die ganze Klasse angesteckt, es entwickelt sich ein ungesundes Strebertum, das alle ethischen Werte zurückdrängt, niedrigen Motiven dagegen ein weites Betätigungsfeld gewährt. Diese negativen Erscheinungen, die die Gemeinschaft gefährden, können nur auf dem Boden eines ungesunden Klassengeistes gedeihen. Die Erziehungstendenzen des Lehrers sind dabei von großem Einfluß. Wertet er nur die schulische Leistung der Schüler, so fördert ec damit Strebertum und Rivalität und schasst dadurch einen günstigen Nährboden für Neid und Haß. Ist ihm dagegen in erster Linie der Charakter der Schüler wesentlich, sucht er mehr zu erziehen als nur zu lehren, so ist auch den Kindern der ethische Wert bei der Beurteilung ihrer Kameraden ausschlaggebend und sie verdammen in ihrer ethischen Wertgerichtetheit das falsche Strebertum. Persönlichkeit und Gemeinschaft als Erziehungsziel. Im Gegensatz zur alten Lernschule will die moderne Erziehungsschule erziehend lehren. Im Mittelpunkt steht das Kino, das nach zwei Richtungen hin gebildet werden soll. Einerseits soll es zur Persönlichkeit gefestigt werden, das heißt zum starken charaktervollen, ethisch denkenden und handelnden Individuum, andererseits soll es ein wertvolles Glied der Gemeinschaft werden, das befähigt ist, an dem sittlichen Aufbau der menschlichen Gesellschaft tätig mitzuarbeiten. Mittel zum Zweck ist der Schule der lebensvolle Bildungsstoff, der geignct ist, das eigene Ich zu bereichern und die Gemeinschaft zu fördern. Der unterrichtliche Wert dieses Stoffes besteht in der Vermittlung dec Kultur, der erzieherische in der Förderung des Fleißes, der Ordnung und der Pflichttreue und in der Erweiterung der geistigen Fähigkeit. Der höchste ethische Wert der Schule ist di; Erziehung des Individuums zum wertvollen und schaffenden Glied der Gemeinschaft. Einseitige Verstandesbildung macht da'. Leben nicht reich und den Menschen nicht glücklich. Die reiche und vielgestaltige Welt des Du, das Mitftthlen von Nächstenleio und Nächstenfreude gibt erst der kleinen Welt des Ich Inhalt und Reichtum. Diese Welt des Dll dem jungen Menschen zu erschließen und sie mit der des Ich zu verbinden, stellt die vornehmste Aufgabe der Schule dar. Literatur: Schröder: Soziologie der Volksschulklasie. Kruckenberg: Die Schulklasse. D o e r i n g : Psychologie der Schulklasse. Sawicki: Individualität und Persönlichkeit. Linde: Persönlichkeitspädagogik. Eheformen im alten Israel. Von Anselm Bing. Das Haupt der Familie ist der Vater, da bei seiner Dorrechtsstellung in allen religiösen und rechtlichen Angelegenheiten er der Ausschlaggebende bleibt. Ohne väterliche Zustimmung darf der Sohn keinen Dienst übernehmen. Selbst über den Körper seiner Hausgenoffen verfügt er. Diese Befugnisse scheinen Jüdische Schulzeitnng.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.