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Jüdische Schulzeitung · 1931-06-15 · 6 (15.6.1931) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
7 (1931)
Issue
6 (15.6.1931)
Date
1931-06-15
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nummer 6 Jüdische Schulzeitung. i ' Masse der Bevölkerung, als gleichwertig anzusehen. Ich gedenke, I grade die.Broschüre, welche die Parallelen zwischen Deutsch und! Polnisch in Wort und Zeichnung bringt, an einen englischen Kollegen (Professor Brown in Cambridge) zu schicken. Brown ist sehr deutschfreundlich... — Der berühmte Sprachforscher hat .. trotz seines hohen Alters an allen Fragen des öffetttlichen Lebens regsten Anteil genommen, und feine volle geistige Kraft blieb ihm bis zu seinem Lebensende — er starb zwei Monate vor Vollendung des 95. Lebensjahre's — erhaltbn. Michael Fr aenkel, Breslau. , Literarisches. Lehr- und Uebungsbuch der Einheitskurzfchrift, bearbeitet von M. W i n k l e r. 1. Teil: Verkehrsschrift. 17. Auflage. Winklers Verlag, Darmstadt. (Hierzu 3 Schönschreibhefte.) In 20 Lektionen führt der Verfasser einen Lehrgang der Einheitskurzschrift durch, der trotz aller Kürze einen straffen, systematischen Aufbau erkennen laßt. Zunächst wird die gesamte Selbstlautversinnbildlichung behandelt unter Berücksichtigung der Stellungsunterschiede, hierauf folgt eine zusammenfassende Wiederholung, die die Anwendung der Selbstlaute nach Stellungsgleichheit und Druckunterfchied ordnet. In einem weiteren Abschnitt folgen die Behandlungen der Wortzusammensetzung und -Verbindung, Eigen- und Monatsnamen, sowie Zahlkürzungen und Unterscheidungsmittel. Lese- und Uebungsstiicke sind gleichmäßig verteilt. Sie sind aus dem Stoffgebiet Geschichte, Geographie, Volkswirtschaft und Handelskunde gewählt. Die Schönschreibhefte enthalten vorgedruckte Uebungswörter und -satzc, die dem Lehrbuch entnommen - sind. Uebersichtliche Anordnung, saubere Schrift, klarer Druck heben das Buch aus der Fülle der Lehrbücher heraus und machen es empfehlenswert. Refchke, Dipl.-Hl. Mich hungert. Roman von Georg Fink. Berlin. Bruno Cafsirer Verlag. So begann mein Leben. Mich hungert... Ich stand im Torweg, hielt krampfhaft den Hut fest, an den die Vorübergehenden stießen, und nach dem ersten Schrei - . flüsterte ich nur noch: „Mich hungert ..." Der Vater kommt ab und zu, nimmt die Münzen aus dem Hut und verschwindet wieder in der nahen Kneipe. Am Abend, nach langem Suchen, findet die Mutter ihren Sohn. — „Und .der Hut — Geld — Geld? . . . Du hast gebettelt?" schrie sie. „Hat mein Kind gebettelt? Hat er mein Kind betteln lasten? Meiner Eltern Enkelkind auf die Straße gesetzt und betteln lasten, Hut Hinhalten, liebe Leute, gebt mir was — Vetteln, betteln? . . . das Letzte-" Sie ist Perdita, die Tochter des reichen Mühlenbesitzers Lach- . mann, die nicht nach altem jüdischem Brauch den von den Eltern ausgesuchten Mann heiraten, sondern geliebt sein wollte. Die Liebe glaubte sie bei dem Müllerburschen Georg König zu finden. Mit ihm flieht sie nach Berlin. Der Vater enterbt sie. Ihr kleiner Besitz, von dem auch die Wohnungseinrichtung erstanden war. ist bald aufgezehrt. Der Mann ist arbeitsscheu. In seiner Hoffnung, der reiche Schwiegersohn zu werden, ist er enttäuscht. Nun ist sie für ihn nur noch die „Judenschickse", die arbeiten muß, um sich und die drei Kinder kümmerlich zu ernähren, von dem, was der Mann ihr läßt. Das andere bringt er in der . Kneipe mit Dieben und Zuhältern durch. Schon in seiner dreijährigen Tochter Henni sieht er die Quelle späterer Einkünfte. Unaufhaltsam gleitet die Familie hinab in die tiefsten Tiefen des Berliner Proletariats, das Milieu dieses Buches, das v; Fink in der Form der Autobiographie des ältesten Sohnes Teddy ■ geschrieben hat. Es mag sein, daß dadurch die oft zu langen Reflexionen unglaubhaft erscheinen und manche Sentimentalität besser vermieden worden wäre. Aber der Wert dieses Romans ' ist weniger literarisch als dokumentarisch. Er wermeidet alles . Sensationelle, wenn er in die Höfe und Kammern der Hinterhäuser im Scheunenviertel hineinleuchtet, wo das Verbrechen seine biologische'Heimat hat. Es bietet keinen Nervenkitzel für. . lüsterne Neurastheniker, wenn es das für den gesetzten Bürger ’ trübe Bild der sexuell-erotischen Selbstverständlichkeit enthüllt. . Es zeigt die Jugend jener Gegend mit ihrem Schicksal, das wir alle nicht kennen, von dem wir höchstens einmal durch eine sensationelle Zeitungsmeldung einen Hauch verspüren, ohne zu ahnen, daß auf dem lichtlosen Boden, dem sie entsproß, keine edlen Blumen gedeihen. Sie verkümmert an Körper und Geist, . Hunger und: Laster sind ihre Gefährten von der Stunde der Seite 7 Geburt an. Und es sind doch Menschen, die so leben mit Freude und Leid, Mitsreude und Mitleid. Wahrste Kameradschaft zeigt sich wohl nur noch bei denen, die ihr ärmliches Lager mit den noch Aermeren teilen, die letzte Taste Milch der noch elenderen Wöchnerin opfern. Und das Heldentum der Mutter, die am Waschfaß steht, bis der Krebs aus ihrem ausgehählten Leib die letzte Kraft gefressen! Hinter diesen Massenschicksalen tritt noch die im Mittelpunkt stehende Entwicklung Teddys zurück, die Liebe zwischen ihm und der Mutter, das „Jüdische" in. diesem Buch. Und wer es gelesen, wird sich nicht schämen, daß Sk tzifttgs stunden, üls Sk in das Leben von Dieben und Dirnen, Hehlern und Zuhältern, Gärten der Nachtasyls und rasterhasten Kindern hineinsah, empfand: „Brüder! Schwestern!" — Es ist ein ganz Unpolitischer Roman. Er enthält kein Wort der Anklage gegen die Gesellschaft. Er ist nur ein Dokument, das man beachten muß. R b. Peter Peterfen. Schulleben und Unterricht einer freie» allgemeinen Volksschule nach den Grundsätzen Neuer Erziehung. (Jena Plan.) Erster Band. Verlag: Hermann Bühlaus Nachf. Preis geheftet 7 <sM. Peter Peterfen und Arno Förtsch. Das gestaltende Schaffen im Schulversuch der Jenaer Universitätsschule. 1925—1930. (Jena Plan.) Zweiter Band. Der gleiche Verlag. Preis geheftet 6 (M. In der Reihe „Forschungen und Werke zur Erziehungswissenschaft" hat Professor Dr. Peter Peterfen in Verbindung mit seinen Mitarbeitern die genannten Werke herausgegeben. Sie verdienen eine weit über den Rahmen einer Besprechung hinausreichende Würdigung. Jeder Lehrer, welcher der pädagogischen Bewegung eine freie Bahn der Fortentwicklung wünscht, der sie nicht gelenkt wissen will von politischen Strömungen, der sie nicht gehemmt wissen will von den alten Formen eines eingefahrenen „Schulbetriebs", wird aus diesen Darstellungen neuen Mut schöpfen. Diese „freie allgemeine Volksschule" bleibt nur der pädagogischen Idee verpflichtet. Wenn sie sich zu den Grundsätzen „Neuer Erziehung" bekennt, so bezeichnet sie damit nur den „pädagogischen Ort" ihres Schullebens. Sie hält sich frei von jeder Minderschätzung der Arbeit Andersdenkender. Sie grenzt allerdings die Pädagogen von den Politikern ab. Zu ihrem Bildungsgut gehören die Ideen der Humanität und Toleranz. Ihr Ziel ist die Heranbildung verantwortungsbewußter Menschen, die sich ihrer Aufgabe freudig hingeven und auch bereit sind, mehr zu tun als die andern' für diese „andern, ohne davon Aufhebens zu machen". Auf den Erkenntnissen des „Vergesettfchaftungsdranges" unter Kindern und dem Streben zur Eigentätigkeit baut sich der Jemrer Plan auf. ° Einzelunterricht. Gesamtunterricht, gegenseitiger Unterricht, Gruppenunterricht, gebundener Unterricht sind die Arbeitsformen. Man muß die Unterrichtsberichte gelesen haben, um die Anwendung dieser Arbeitsweisen zu verstehen. Diese Darstellungen bieten eine Fülle methodischer Handreichungen. Darüber hinaus zeigen sie ringende Erzieherpersönlichkeiten, die sich über jede unterrichtliche Situation Rechenschaft geben, die Vorschau und Rückschau halten und sich keinem System verschreiben. „Aus der Ruhe heraus schaffen lassen." Wer in Treuen dafür sorgt, daß alle Leistungen aus dieser inneren Ruhe heraus aufsteigen und sich entwickeln, wer es so anfängt, daß er diese Ruhe nicht verwirrt, der verdient erst voll und ganz den Namen eines Pädagogen." Die Idee der Schulgemeinde, zu welcher Kinder. Eltern und Erzieher gehören, wird voll verwirklicht. (Elternbesuche. Elternabende, Mitarbeit der Eltern.) Freier geistiger Verkehr herrscht in allen Beziehungen der einzelnen Faktoren der Schulgemeinde. Der Lehrer hat nur eine Autorität, „sie beruht auf den Eigenschaften des Menschen in ihm." Das Bewußtsein seines „Mehr- und Befferwissens" verliert er angesichts der Tatsache, daß er täglich einsehen lernt, „daß seine Schüler wirklich gescheiter und klüger sind und führen können". Diese Erziehungsarbeit braucht auch nicht mehr den Schulaufsichtsbeamten der letzten Jahrzehnte. Sie fordert die „Umwandlung des Schulrates in einen wirtlichen Berater der Lehrerschaft . — Der erste Band enthält noch die Darstellung einiger interessanter llnterrichtsoersuche. Im zweiten Band wird über die verschiedenen Formen handlicher Betätigung berichtet, welche im Dienste des unterrichtlichen Wirkens stehen. Lichtbildaufnahmen verdeutlichen das in Worten dargestellte. Wer beide Bücher durcharbeitet, hat einen großen inneren Gewinn für sich zu verzeichnen. Bacher, Kassel. Paul Fiebig, Rabbinifche Formgeschichte und Geschichtlichkeit Jesu. Leipzig. Gustav Engel. Brosch. 2.75 Ml. Der Verfasser ist einer der wenigen christlichen Gelehrten, welche'die talmudische Wissenschaft pflegen und ihr schon eine

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