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Jüdische Schulzeitung · 1931-06-15 · 6 (15.6.1931) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
7 (1931)
Issue
6 (15.6.1931)
Date
1931-06-15
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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WiS Seite 6 Jüdische Schulzeitung. Nummer <» reiche schriftstell.erischc Arbeit widmeten. Daher ist er mit seinem Urteil über den Talmud bescheiden und bekennt, daß zu dessen Beherrschung ein mühevolles entsagüngsreiches Lebensstudium gehört. Hier bietet er uns seine Antrittsvorlesung, die sich auf ünscrm Gebiete bewegt. Formgeschichte will aus der Form Geschichte ermitteln. Form und Inhalt hängen eng zusammen. Die Form wird durch die geschichtlichen Situationen beeinflußt. Sie tzNk „ihmi Giß ilU Leben". Die Reutestamentler zogen bisher bei ihren Arbeiten nur den hellenisch-orientalischen Kulturkreis heran. Die Umwelt des N. T. ist aber in hohem Matze die rabbinisch-palästinensische. Die mosaikartige Zusammensetzung des N. T., das aus lauter „kleinen Einheiten" besteht, hat in der rabbinifchen Traditionsliteratnr der Halakha und Haggada, deren Erzählungen, Maasim, Gleichnissen, Meschalim, und kurzen Aussprüchen, Memroth, ihren Ursprung. Die Rabbinen wussten, wie man dem Volke die Religion schinackhaft macht. Sie besahen auch die hohe Kunst, schlicht zu erzählen. Sie stellten ihre Worte auf das Behalten ein. Zu statten kam ihnen dabei der monumentale Charakter der hebräischen Sprache, von der Martin Luther rühmt: „Die hebräische Sprache ist wohl einfältig, aber majestätisch und herrlich, schlicht und wenig von Worten, aber da viel dahinter ist, also das; es ihr keine nachmachen kann." Interessant sind die Hinweise, daß das sogenannte Herrengebet — Vaterunser — nicht nur inhaltlich, sondern auch nach seinem Aufbau und seiner Form jüdischen Ursprungs ist, der jüdische Seder das christliche Abendmahl, die Berakha die christliche Eucharistie beeinflußt hat. Die Schrift ist in erster Reihe für christliche Theologen berechnet. Da aber die neutestamentliche Wissenschaft mehr und mehr auch bei uns Boden gewinnt, — siehe Montefiore, Klausner. Lessing, dann die Lehren des Judentums, 5. Band — sei sie denen, die sich dafür interessieren, bestens empfohlen. E m. H e i m a n n. - R e' m a n, Praktisches Judentum. Leipzig. Gustav Engel Brosch. 3 mi. - Ein gebildeter Jude schrieb eine warmherzige Broschüre. Der Sohn einer orthodoxen Familie, vom ehrwürdigen Rabbiner in das jüdische Schrifttum eingcführt, dannin den Universitätsjahren durch den tiefen materialistischen Sumpf watend, schließlich aber zum Judentum sich wieder zurückkämpsend. Ein Wegweiser der Irrenden will er sein, ein ernster Sittenprediger, gleich den alten Propheten. Ueber die liberalen Rabbiner ergießt sich die volle Schale seines Zornes, die theoretische geistreichelnde Betrachtungen bleten, statt der Gemeinde zu sagen, was not tut. die tote Wissenschaft statt lebendigen Judentums vermitteln, die das Judentum auf die abstrakte Formel: „Monothoismus und Menschenliebe" reduzieren. Selbst Hermann Cohen rügt er, daß dieser das Judentum in ein Museum verwandeln wolle. Aber auch die Orthodoxie findet keine Gnade in seinen Augen: sie ist versteinert. Das heutige Judentum ist eine glänzende Fassade. Unsittlichkeit hat weite Kreise ergriffen. Bei der Jugend wie beim Alter ist das Schamgefühl vielfach geschwunden. Bücher u la Lindseys Kameradschaftsehe wirken gleich süßem Gift. Re'man ruft nach neuen Propheten, die den gemeinsamen jüdischen Weg zeigen. Es ist ein ritterliches, — man könnte beinahe sagen — spartanisches Judentum, das er fordert. Ausmerzung, gesellschaftliche Boykottierung, Aechtung, ja Tötung jedes Lumpen und jeder Lumpin verlangt er. Das allgemeine Prinzip der Mischna, die in der Thora ziemlich häufigen Todesstrafen nach Möglichkeit einzuschränken, kennt Verfasser nicht. (Siehe M. Guttmann, Judentum und Umwelt, S. 39.) Er möchte noch über die Thora hinausgehen. Daß wir uns mit seinen Maßnahmen wieder dem dunklen Mittelalter nähern würden, ist ihm anscheinend nicht bewußt. Aber unsere fettherzige Gleichgültigkeit gegenüber schweren Verfehlungen in unserer Umgebung, mag schon bedenklich stimmen. Was R. über Sabbath und Feste, Fasttage, Speisegesetze, Erziehung zu kriegerischer Tüchtigkeit schreibt, ist vielfach — subjektiv aber immer anregend. Das jesajanische Friedensideal geringschätzig ein „moralisches Schlaraffenland" zu bezeichnen, ist denkbar unjüdifch. Die vorgeschlagenen Verbesserungen hebräischer Ausdrücke sind Verböserungen. Die Neueinteilung der Gebote hält wissenschaftlicher Kritik nicht stand. Die Schulbeispiele für zeitgemäße religiöse Betrachtungen vermögen mich nicht zu begeistern. Auch die Meinung, daß unser Schrifttum für die Zukunft eine einzige Menschheitsreligion Voraussage, ist nicht erweislich. Nur reine Gotteserkenntnis und geläuterte Sittlichkeit werden allmenschliches Gut sein. Es gibt Bücher, die in nüchterner Reflexion entstanden, von der ersten bis zur letzten-Zeile wissenschaftlich einwandfrei sind, aber entsetzlich langweilig. Und es gibt wieder andere'Bücher, die einem stürmisch wogenden Herzen entsprungen, Uebertreibungcn und Schiefheiten in reicher Zahl enthalten — nicht wahr, lieber Ne'man? — aber interessant und voll sprühenden Lebens sind. Wer also eine anregende Lektüre sucht, dem sei diese Broschüre empfohlen. E m. Hei m a n n - Plauen. „Ein Ghetto im Osten: Wilna." 63 Bilder von M. Vorobeichic. eiugeieiket von <S, Lhllövnk. Deurstlphedkliische Ausgabe, Schaubücher Vd. 27. Herausgeber Dr. Emil Schaoffer. Gebunden 3 Frc, 2,40 OM. Orell Füßli Verlag, Zürich und Leipzig/ Das Mittelalter steht beim Durchblättern dieses Schaubuches vor unseren Augen, aber nicht das Mittelalter dräuender Burgen und festfroher Minnehöfe, prunkender Kathedralen und blinkender Panzer — ach nein, das Mittelalter eines Ghettos im.Osten ist anders, sehr anders: Die Last der Jahrhunderte drückt, auf lichtlose Tore und Gassen, auf uralte Gewölbe, vergitterte Fenster und Synagogen, auf durchfurchte alte Gesichter und auf Kinder, die wie Greise wirken. Denn die tausendjährige Angst vor den Söhnen Edoms, die unzählige Male mit Verwüstung und Tod die Gassen der Ghettos durchzogen haben, prägte selbst auf Kinderstirnen das Ahasver-Stigma versorgter Unrast und ewiger Friedlosigkeit. Viele haben die Judengassen des Ostens beschrieben, man hat sie gezeichnet und gemalt, und fast immer ist das Ghetto dabei sentimentalisiert worden. Dieses Schaubuch des Oreü-Füßli-Verlages. Zürich und Leipzig, bringt aber endlich das wirkliche Ghetto, die echte Judengasse. Prächtige und durchwegs originelle Pyotokompositionen, die nichts fälschen und nichts, oersüßlichen, lehren uns das wahre Ghetto verstehen, enthalten wertvolles Material für Rassenforscher und Ethnographen und vermöge,r wie Chneour in seiner feinfühligen Einleitung mit Recht hervorhebt, nicht bloß Künstler und Gelehrte, sondern jedermann zu interessieren. Der der Schriftteilung eingegangene Bücher. Das Mutterbüchlein von Will V e s p e r. Bilder von William Baring und Hugo Stein. Dresden-A. 16. Erich Beleiter. Neligionsgefellschaften und Weltanschauungsvereinigungen im Volksfchulrecht. Von Dr. Max Stiefelzieher. Preis 6 'ML Verlag B. Heller, München. Plinganserstr. 64. Bars Handbuch der Geschichte. Unter Mitwirkung von Studienrat Professor Friedrich Ehringhaus in Kassel und Studiendirektor Dr. Otto Heinze in Nienburg (Weser) herausgegeben von Adolf Bär, Oberichulrat i. N. in Kassel. Band v: Der Uebergang zur Neuzeit. 2. Auflage. Vollständig neubearbeitet von Studiendirektor Dr. Otto Heinze in Nienburg (Weser^ Broschiert 10 fM, Lw. 12 .OHL Union Deutsche Verlagsgesellschaft. Zweigniederlassung Berlin SW 19. Värs Handbuch der Geschichte. Unter Mitwirkung von Studienrat Professor Friedrich Ehringhaus in Kassel und Studiendirektor Dr. Otto Heinze in Nienburg (Weser) herausgegeben von Adolf Bär, Oberschulrat i. R. in Kassel. Band IX':- Die innerpolitische Geschichte Deutschlands 1890—1919. Bearbeitet von Oberstudiendirektor Dr. Ludwig W L l k e r in Hannover. Brosch. 5.20 9Hlu Lw. 6.50 JUL Union Deutsche Verlagsgesellschaft, Zweigniederlassung Berlin SW 19. Dr. Joseph Stern: Die fünftägige Arbeitswoche und ihre Problematik. Teil I. Das wirtschaftliche Problem. Berlin NW 40, Thomasiusstraße 7. o E werhtiür die Verbreitung der Jüdischen Schulzeitung Probenummem In beschrankter Zahl stehen bei der Schriftleitung zur Verfügung. 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