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Jüdische Schulzeitung · 1931-05-15 · 5 (15.5.1931) · page 6

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
7 (1931)
Issue
5 (15.5.1931)
Date
1931-05-15
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 . Jüdische Schulzeitung. Nummer 5 Händen ist. Ich brauche in diesem Zusammenhang die großen. Gefahren der Arbeitslosigkeit nur zu streifen, die neben dem' mangelnden Verdienst, der dadurch. hcrabgedrückten Lebenshaltung vor allem auch darin bestehen, daß die Kraft und der Arbeitswille dessen, der allzuviel Freizeit hat und allzulange der Arbeit fern bleibt, in bedenklichstem Maße geschwächt, ja oft vernichtet werden. In mancher Hinsicht gleicht hier unsere Zeit mit ihrer Arbeitslosigkeit .derjenigen,, da in der Mitte des vorigen Jahrhunderts die Maschine aufkam und zunächst dadurch viele Handarbeiter aus dem Arbeitsprozeß nusgeschaltet worden waren und an der vermehrten Gütcrcrzeugung auch als Konsumenten nicht mehr teilnehmen konnten. Ob die heutige Arbeitskrise wohl einen — wenn auch vielleicht verschieden abgestusten — Dauerzustand bedeuten sollte? Ls ist dies kaum anzunehmen. Denn Arbeit -gibt es auch bei fortschreitender Nationalisierung der'Arbeit und bei höchst entwickelter Technik der Maschine immer noch genug auf der Erde, wenn es gelingt, all die vielen Millionen, von Menschen, ganze Völker, die heute mehr oder minder aus dem Arbeitsprozeß ausgcschaltet sind oder die an seinen Früchten aus politischen oder anderen Gründen noch nicht tcilnchmen, in ihn einzuschalten. Es gibt in Hinsicht auf die Menschen wie aus die Erde selbst noch viel Neuland zu erschließen. , Dazu kommt ein weiteres. Durch die vollendeteren Arbeitsmethoden ist auch der Arbeitsrhythmus ein viel rascherer geworden: er erschöpft darum die körperlichen wie die psychischen Kräfte des Menschen in immer höherem Maße.' Die Folge ist die Notwendigkeit einer auch künftighin unapsbleiblichen Notwendigkeit. die Arbeitszeit weiter zu kürzen und damit wieder das jeweils gültige gesunde Verhältnis zwischen Arbeit und Freizeit herzustellen. Die Forderung einer Verkürzung der Arbeitszeit und damit einer Wiedereinstellung entlassener Arbeiter ist von seiten der Arbeitnehmer schon vielfach erhoben worden, und die Arbeitgeber haben diese Forderung nicht grundsätzlich abgelehnt: die Schwierigkeit der Durchführung liegt zunächst in der Beseitigung der für einen gewissen Zeitraum dabei austretenden ungesunden Gestaltung der Lohnverhältnisse. Ob nun die Verkürzung der Tagesarbeit, die Verlängerung der Feierschichten oder die bereits in manchen Industrien — besonders in Amerika — durchgeführte 5'Tage umfassende Arbeitswoche die Losung bringen wird, diese Frage wird wohl von den kommenden Jahren gelost werden, die uns vielleicht eine neue, bisher nicht geahnte Ordnung im großen . Arbeitsprozeß und in der Regelung von Freizeit und Beruf bringen werden. Daß an den von Amerika ausgehenden Versuchen mit der 5-Tage-Woche gerade wir Juden ein besonderes Interesse haben, möge hier besonders betont werden: denn wenn es gelingen sollte, in dieser Weise die Frage der Arbeitszeit in einer den wirtschaftlichen Notwendigkeiten entsprechenden Weise zu losen, dann wäre damit zugleich für den sabbathtreuen Juden der schwere Konflikt gelost, durch den das Judentum unserer Zeit so schwer gefährdet ist, eine solche Regelung würde darum vielleicht geradezu eine rettende Tat für das moderne Judentum bedeuten. Exegetisches. (Zum Verständnis der Thorastelle: l. Mose 31,39.) Von Hauptlehrer H. Unikower-Baisingen. In der Antwort, die Jakob dem ihn verfolgenden Laban auf seine verdächtigen Vorhaltungen gibt, gebraucht er die Worte: G’iiuwssi jaiiin 'ujj’miwssi. loj’Ioli. Diese gönn g’nuwssi bietet insofern Schwierigkeiten, als sie in dieser Vokalisicrung einem pm-licip perfocti ähnlich sieht, ohne daß die entsprechende Uebersetzung einen im Zuge des Schrifttoxtes liegenden Sinn ergäbe. Man hat darum zu mancherlei Lesarten gegriffen, die den Text harmonisieren sollten. So hat man z. B. einfach gouawti vokalisiert: oder man hat das erste Wort des auf obige Worte unmittelbar folgenden Vers 49 — *»jpvn — als Schluß von Vers 40 angesehen und die sehr vage Uebersetzung gewählt: „Ich bin um den Tag und um Ui Nacht bestohlen worden." Ader weder eine Abweichung von der überlieferten Vokalisierung noch von der überlieferten Satzeinteilung scheint uns begründet. Welche grammatische Form stellt nun g’nuwssi dar? Was zur Annahme des partieip pcrfecti verleitet, ist der Vokal „u". Für diesen gibt es bekanntlich zwei Zeichen, je nachdem ob er lang gesprochen werden soll, dann wird er mit. s bezeichnet, oder ob er kurz gesprochen werden soll, alsdann.wird ee mit r bezeichnet. Insbesondere aber ist r das. Zeichen für jenen u-Laut, zu welchem das — ohne i geschriebene — „au" ableitet, - wenn es als Segol erscheint, wie z. B. Maßkaureß, ’ ein Wort, das — im zweitfolgenden Satze hinter unserer Stelle — mit Suffix iVlaßkurti heißt. Diese Regel läßt den Schluß zu. daß g’nuwssi ebenso gebildet ist und das Substantiv g’imtiweß mit Suffix darstellt, also ähnlich k’ssauweß oder k’tuureß. : Nun könnten diejenigen, welche als partieip perkeeti ansehen, die Frage erheben, weshalb die Silbe, welche in g’nuwssi das “ enthält, nicht auch, wie in maßkurli, geschlossen.^sondern wssen sei. Diese Frage findet ihre Beantwortung in den Gesetzes des sprachlichen Rhythmus, der in der Akzentuierung seinen sichtbaren Ausdruck erhält. Danach muß das „u" g e d e h n t werden- und diese Dehnung wird durch den Meßeg-Strich gekennzeichnet. Das ' Erfordernis dieser Dehnung würde es nun angezeigt erscheinen lassen, das „u" durch ein i zu bezeichnen. Wenn dies dennoch nicht geschieht, so kann daraus besonders deutlich die Absicht erkannt werden, zu verhindern, daß 'nun etwa als pahicip pvi-kokti aufgefaßt werde: ein gedehntes kurzes „u" ist > eben noch nicht dasselbe wie ein mit i geschriebenes, und ein in der absoluten Form ohne i geschriebenes Wort, wie z. B. Maßkauicß kann eben auch in der mit Suffix versehenen Form kein i bekommen, dann erst recht nicht. ) Nach dieser grammatischen Feststellung nun zum Bedeutungsinhalt unseres Wortes g’immweß. Der Stamm- 33* bedeutet bekanntlich „übervorteilen", sei es durch Schädigung unmittelbar am Eigentum (Diebstahl), sei es durch Schädigung der Interessen des Nebenmenschen („das Herz stehlen"), in jedem Falle aber eine Interessenschädigung. Ein solches abstraktes Wort ist g’natiweß. Hier haben wir den Fallvor uns, daß 0 ein Substantiv in der absoluten Form — ohne Suffix — nirgends belegt ist. - > Und nun zu dem Sinne des Wortes g’nauwelk innerhalb des Thora-Textes. Um cs. alsbald vorwegzunehmen:' Jakob begeht keine „Interessenschädigung" Labans. Aber Laban hat ihn einer solchen geziehen (Laban durchstöbert Jakobs Gerätenach etwa gestohlenem Eigentum), und von diesem Verdacht! will Jakob sich befreien. Zu diesem Zwecke weist er aus seinen gewissenhaften Dienst als Hirte Labans hin. in welchem ev eine Haltung bewiesen habe, die mit einer so niedrigen Handlungsweise, deren Laban ihn bezichtigt, unvereinbar sei. Darnach ergibt sich folgende Uebertragung des Thora-Textes. „Zerrissenes habe - ich dir nicht gebracht; würde ich ein Fehlen verursacht haben,') so könntest du es von meiner Hand fordern, sei es eine Interessenschädigung bei Tage, sei es ein solche bei Nacht. 2) Diese Unterscheidung der etwaigen Interessenschädigung nach Tages-i und Nachtzeit nimmt Jakob vor, um der Verdächtigung Laband die zwiefache Selbstaufopferung gegenüberzustellen, die er in seiner ') Piöl von Kürt ■ . i; ') Da es sich hier um etwaige Verfehlungen alÄHirte handelt, so überträgt Onkelos ganz sinngemäß nvws.n'yoz „insofern lch gehütet habe bei Tag oder bei Nachts. - '

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