Mannheim
Compact Memory

Jüdische Schulzeitung · 1931-04-15 · 4 (15.4.1931) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
7 (1931)
Issue
4 (15.4.1931)
Date
1931-04-15
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2825247-2825248-2825252--0497-2826104
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite tt Jüdische Schulzeitung. Nummer 4 womit untürlich noch nicht bewiesen ist, daß der Palast dein Naeman gehörte. Trotzdem cs in Damaskus sehr viel zu sehen gibt, lieg ich mich doch nach D s ch o b a r fahren, was gerade kein Vergnügen war bei diesem Straßenzustand. In Dschobar soll schon in biblischer Zeit eine jüdische Gemeinde bestanden haben. Heute wohnt nur noch ein Jude dort, der Schames. In der Mitte der uralten Synagoge befindet sich ein großes Grabmal, und am Eingang liegt quer über der Schwelle ein etwa 20 Zentimeter hohes Marmorbrett wie bei den Moscheen als Aufforderung, beim Eintritt die Schuhe auszuziehen. Trotz meiner Einwendungen wegen des kalten Marmorfußbodens mußte ich die Vorschrift befolgen. Uralte Thorarollen sind zu sehen, und wenn man eine steinerne Treppe hinabsteigt, gelangt man in einen kleinen viereckigen Raum, in dein nach der Ueberlieferüng der Prophet Elia gewohnt und den Hasael zum König von Syrien gesalbt haben soll. (1. Kön. 10.) Schließlich habe ich in D., aber auch anderwärts, einen alten Chan gesehen. Es war ein umfriedeter Hof, der an den vier Seiten von alten Säulenumgängen begrenzt war und als Herberge für Durchreisende und Karawanen diente. Da lagen nun die Leute auf Säcken unter freiem Himmel und schliefen einen beneidenswerten, gesunden Schlaf. So, dachte ich mir, haben wohl Josefs Brüder auch die Nacht in der Herberge verbracht. (1. 12. 27.) Es sei noch bemerkt, daß die Palestine Exploration Found beabsichtigt, eine Karte herauszugeben, die das angeschnittene Thema vollständig und wissenschaftlich klärt. Literarisches Dr. Ielski, Im Wandel der Zeiten. Predigten, 2. Band, herausgegeben vom Vorstand der Jüdischen Reform - Cerncinde in Berlin. Philo-Verlag, Berlin 1930. In sehr schöner Ausstattung werden hier Predigten und Gelegenheitsreden, die zwischen 1918 und 1928 liegen, herausgegeben. Das Ilrteil hierüber wird sehr davon abhängen, ob man überhaupt die Drucklegung der Predigten für wünschenswert . hält. Der Rezensent verneint dies entschieden. Eine Predigt ist — zumal eine Synagogenpredigt -- so sehr ein Augenblickswerk, so sehr auf die Stunde eingestellt, so sehr augenblickliche Ereignisse. Vorkommnisse!. wenn man sich auch Mühe gibt, diese Einstellung zu vergessen, fo. kann man den vorliegenden ..Festpredigten" doch nichts abgewinnen. Es fehlt ihnen alles, was sie zu einer Predigt machen könnte. Es sind inhaltsreiche, gedankenschwere Reden, die infolge ihrer historischen Themenbetrachtung. infolge ihrer reichen Zitate aus allgemeiner Literatur. infolge Anführung, wörtlicher Anführung, eines Kant. Shakespeare, Friedrich des Großen, des „deutschen Staatssekretärs des auswärtigen Amtes" infolge des Mangels jeder Ausführung eines Midrasch oder eines Bibeloerses dem Charakter der Predigt m. E. vollkommen untreu werden. Günstiger wird man über die Reden urteilen, die wohl auch im Tempel der Reform-Gemeinde gehalten wurden, die aber als solche eben 'einen anderen Maßstab an sich anlegen lassen. Sie enthalten schöne Gedanken zu Fragen der Politik und betrachten, wie es, die Pflicht eines Vortrages in der Synagoge ist. Geschehnisse der Gegenwart llnter religiösem Aspekt. Ich finde hier die Kinderpredigt und die Konfirmationsreden, geradezu schön und könnte mir wohl denken, daß auch ein Rabbiner anderer religiöser Gesinnung - so sprechen könnte.. Von diesen Reden kann inan auch wohl sagen, daß sie einen dauernderen Wert haben und schließlich auch wiederholt, auch nach langer Zeit noch gelesen werden könnten. Die Hervorhebung der Menschlichkeit üsw.. dieser, nun schon banal gewordenen Schlagworte einer antireligiösen., d. h. einer spezifisch religiöse Formen bekämpfenden Zeit, wird schon etwas reichlicher ausgetragen. Dagegen ist das Bekenntnis zum Pazifismus erfreulicher. An antizionistischen Bemerkungen fehlt es ebensowenig wie an der Berechtigungsbegründung dieser -Reform. Beigegebene Bilder .erhöhen den Wert des Buches. Es muß anerkannt werden. daß der Vorstand der Reform-Gemeinde diese Ausgabe veranstaltet bat. Rabbiner Dr. A. P osncr. Kiel. Hygiene ntib Judentum. Ein repräsentatives Sammelwerk. Verlag Jacob Stcrnlicht. Dresden 'K 1, Zeughausstr. 3. Mit reicher Illustration. Gebunden 5 RM. Es ist unserer Zeit Vorbehalten geblieben, die Hygiene zu „entdecken". Gewiß waren hygienische Forderungen und Einrichtungen früher nicht unbekannt, aber „modern" ist sie erst nach dem Kriege geworden, d. h. heute gehört „Hygiene" zweifellos zu den in weitesten Kreisen gebräuchlichen Schlagwörtern. Wie dünn ist aber das allgemeine Wissen, das hinter dem Wort zu suchen ist! — Als oom Mai—Oktober 1930 in Dresden die „Internationale Hygiene-Ausstellung" bestand und in der Zeit ihrer Vorbereitung wurde mit allen verfügbaren Mitteln (Presse. Plakat. Film. Vortrag) die ausgedehnteste Propaganda getrieben, und es dürfte nur wenige Menschen in Deutschland geben, die von ihr nicht erfaßt wurden, so daß die Ausstellung sich auch auf die Ungezählten, die sie nicht besuchen konnten, segensreich auswirkte. Nicht wenig ist damals im Zusammenhang mit der besonderen jüdischen Abteilung über Hygiene und ihre Beziehungen zum Judentum geschrieben und gesprochen worden. Aber „wir haben heute viele andere Sorgen", und zu schnell gerät auch das Wertvolle in Vergessenheit. — Nun liegt uns das obengenannte Buch vor. Eine Sammelschrift, die sich weit über ven M Charakter der unter diesen Begriff fallenden Bucherscheinungcn erhebt. In über 30 Artikeln sprechen nur wahrhaft berufene Autoren über die tlnendlich reichen Zusammenhänge, die zwischen dem Judentum und dem gesamten Gebiet der Hygiene bestehen. Das überlieferte Ritualgesetz wird von allen Seiten beleuchtet und dem Standpunkt des ./Aufgeklärten". daß dieses überhaupt hygienisch fundiert und darum in unserer auf diesem Gebiet so fortschrittlichen Zeit überholt sei. durch einen Aufsatz von Rabb. Dr. Carlebach begegnet: „Wir beachten Speise-. Ehe- und Genußregeln der Bibel als Gebote der Heiligung. Aber wir freuen uns, daß sie zuglei ch einen Schutzwall um unsere Leiblichkeit bilden, daß sie die unsichtbaren Schutztrabanien sind, die vor Seuche und Epidemie, vor den geheimen Feinden des Menschenleibes eine Wehr bilden." (Ncirgionsgesetz oder hygienisckw Vorschrift'?) Von diesem Gesichtswinkel aus gesehen erhalten die folgenden Einzelbetrachtungen nicht nur einen anfklärenden, sondern auch apologetischen Wert im Sinne der Ausführungen Rabb. Dr. Goldmanns: „Ohne das Ritualgesetz mit seinen Wirkungen auf die jüdische Seele hätte das stolze Gebäude jüdischer Hygiene nicht aufgeführt werden können. Und in dem Streite um den. Wert .d e s, G e s e ß! i ch k e i t s v r i n z.i.p s. der innerhalb UNS,gUtzsichgth Mi s>»MltUII!* HM}. tgHUtWHHt) wird, sollte darum der segensreiche Einfluß des Gesetzes auf dieses wichtige Teilgebiet des Kulturlebens besser gewürdigt werden als bisher." lDie hygienische Bedeutung Q des jüdischen Ritualgesetzes.) Diese beiden Darstellungen bilden unter der Rubrik „Das Religionsgesetz als Grundlage" die Ausgangsstellung, der sich die folgenden Abteilungen anschließen: „Die Ausstrahlungen des Gesetzes" (mit den Abhandlungen über Sabbath, Beschneidung, Sexualhygiene, Ehe. Schächten. Sozialhygiene usw.). ..Das talmudische Schrifttum als Quelle der Hygienevorschriften", ./Aus großer Vergangenheit" (darunter „Cholera 1631". „Warum wurdeir die polnischen Juden .schmutzig"?", „Das Ghetto im Lichte der Wahrheit"). „Ini Wandel der Zeiten" (drei bevölkerungspolitische Abhandlungen). „Praktische Hygienearbeit — . Zukunftsaufgaben" (Berichte aus Deutschland, denr Osten, dem neuen Palästina). Aus der Reihe der Mitarbeiter seien nur folgende genannt: Rabb. Dr. Samuel (Berlin). Dr. med. Gustav Löffler (Frankfurt, am Main). Dr. Mar Grunwald (Wien), Ernestine Eschelbacher (Berlin). Dr. med. Feli.r Theilhaber (Berlin). Eugen Caspar,, (Berlin). Eva Landsberg (Krakau). Die Vielseitigkeit der ''Ausführungen erlaubt es nicht, über deren Inhalt kurz zu referieren, dies hieße auch, dem Buch seinen Reiz vorwegnehmen. Die wenigen Hinweise zeigen, daß der interessierte Leser in ihm über das ganze Gebiet vom Ursprung der hygienischen Forderung bis zu den Einrichtungen der Neuzeit und den Statistiken reiche Belehrung findet. Es ist daher zur weiteren Verbreitung zu empfehlen. * Nb. Deutsches Beamten-Tafchenbuch 1931. von A. Sudan, ist soeben erschienen. Der erste Teil enthält die gesamten Beamtenorganisationen einschließlich Erholungsheime. Hcimstättenamt. Bausparkasse. Beamteuhochschulen, Verwaltungs-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.