Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 7 (1931)
- Issue
- 4 (15.4.1931)
- Date
- 1931-04-15
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 ‘ Jüdische Schulzeitung. Nummer 4 starken Hervorhebung der Apologetik nicht ihre vorherrschende und alleinige Pflege im Unterricht vorgeschlagen wird. Auch wenn man — wie ich früher einmal andeutete — die Apologie ZUM Ausgangspunkt sük Netigiaiisuirktrrrichk machen wattte. so ist doch unerläßlich und bleibt zwingende Notwendigkeit, daß der gesamte Lehrstoff einen festen, tragfähigen Unterbau erhält, der von der Erarbeitung der Geschichte bis zur Neuzeit und von der Durchnahme der speziellen Ethik seine Bausteine erhält, wobei man dem letzteren Gebiet Dr. Baecks „Wesen des Judentums" oder auch den 3. Band der „Lehren des Judentums zugrunde legen mag. Erst durch diesen Unterbau werden unsere Schüler die notwendigen Vorkenntnisse zum geistigen Besitz erhalten, auf denen unser Verteidigungsbau errichtet werden kann.- Zur unterrichtlichen Behandlung der in das Gebiet der Apologetik eingreifenden Lehrstoffe ist wenig zu sagen. Für die Unterstufe deshalb gar nichts, weil die Behandlungsart die gleiche ist, wie die für die übrigen bei diesen Klassen zw behandelnden Gegenstände:- also Vortrag des Lehrers, Nacherzählen der Schüler, Wechselgespräche zwischen Lehrer und Schüler. Für die Oberstufe aber — das ist der früher erwähnte methodische Wink — sei eines hervorgehoben, es gilt besonders auch für die Arbeit in den Jugendvercinen, das im Sinne arbeitsschulmüßigrr Betätigung liegt. Wir greisen wegen der Fülle des Stoffes um so lieber dazu, weil hierbei das interessierte Mitarbeiten der Schüler gewährleistet ist. Ich halte es für zweckmäßig, wenn nach einführendem Vortrag des Lehrers einige Schüler die Aufforderung erhalten, auf eine der nächsten Stllndcn den Inhalt eines Schriftchens, z. B. Blutschuldlüge, oder einige Kapitel des Werkes, z. B. Fritz Kahn „Die Juden als Nasse uiib Kulturvolk", durchzuarbeiten und darüber Vortrag zu halten. Dabei dürfen sich die Schüler selbstverständlich stichwortartigen Exzerptes oder des Buches beim Vortrag bedienen. Die Schüler werden auf diese Weise gezwungen, sich mit dem ihnen aufgegebenen Abschnitt genau vertraut zu machen, und sie werden auch beim Vortrag die ihrer Stufe am besten geeignete und angemessene Ausdrucksweise finden.- Als ich mich an die Bearbeitung dieses Themas begeben wollte, zögerte ich einen Augenblick, und zwar in dem Gedanken an den erwähnten Moritz Lazarus, und aus der Erwägung heraus, daß cs vielleicht wirklich besser sein könnte, dieses garstige Lied, das sich Apologetik nennt, den jungen Herzen, den suchenden Augen, den aufnahmebereiten Ohren, dem leicht zu beeinflussenden Verstand und Gemüt unserer Schüler sernzuhalten. Doch bald ergab die Ucberlegung, daß gerade dieses.Thema das Thema der Stunde sein muß. Keines von allen Lchrerkreisen zu erörternde Thema besitzt im Augenblick die Aktualität wie dieses; und es scheint, als sollte es auf längere Zeit hinaus nichts von feiner Zugkraft einbüßen. Und es ist auch der Einwand derer nicht stichhaltig, die da sagen, man solle keine Apologetik treiben, da sich die Gegner doch nicht überzeugen lassen. Ein anderer Grund würde uns doch dazu bringen und uns verpflichten, es zu tun. Es ist der Grund, den Franz Nofenzweig für die Behandlung der Apologetik anführt, indem er sagt: „Verteidigen kann eine der edelsten, menschlichen Beschäftigungen sein, wenn es nämlich auf den Grund der Dinge und Seele geht und, auf die kleinen Mitte! der Lüge verzichtend, mit der Wahrheit selbst, der ganzen Wahrheit ent—schuldigt — verteidigt." Das ist der Wesenskern unserer Aufgabe! Da es heute ums Ganze unseres Seins, um unser und unserer Kinder Leben, um die Ehre unserer erhabenen Religion geht, müssen wir laut und weit vernehmlich die Wahrheit, die wir durch Apologetik gewinnen, aussprechen, damit sie zuerst einmal von unserer eigenen Jugend vernommen wird. Sie wird dann zufolge der ihr innewohnenden Zeugungskraft dafür Sorge tragen, daß sie immer weiter dringt und schließlich auch die bisher Unerreichbaren erreicht. So hegen wir die Zuversicht, daß. früher oder später, der Tag kommt, an dem die Wahrheit wie kkares Set vom stimmt# träufelt und auch bei denen Anerkennung findet, deren Ohren bisher einer solchen ungeschminkten Wahrheit verschlossen waren, denn das ist unsere durch nichts zu erschütternde Ueberzeugung: „Thorath mosche emeth" die Lehre Moses, sie ist die reinste und lauterste Wahrheit! Ein neues Unterrichtsverfahren zur Erlernung von Sprachen mit technischen Hilfsmitteln. In einer Sitzung des Israelitischen Lehrervereins in Frankl furt a. M. berichtete der Sprachlehrer Herr Lazar Messerer über! sein neues Unterrichtssystem, welches durch technische Hilfsmittel i die Erlernung von Sprachen wesentlich erleichtert. Der Referent! führte etwa aus: Man ist in der heutigen Zeit des Fortschritts;j auf dem Gebiete der Technik sehr weit gekommen. Nur aus dem Gebiete der Sprachenerlernung hat sich im Lause des letzten Jahrhunderts nichts Wesentliches geändert. Die Gründe hierfür j liegen darin, daß man folgende Dinge übersieht: - , j 1. Das Gedächtnis, welches in der frühesten Kindheit stark' ist, nimmt von einem gcwisien Zeitpunkt an ab, das logische ' Denken dagegen gewinnt an Stärke. Jedes Fach — Sprache oder Wissenschaft — besteht aus zwei Teilen, nämlich dem mechanischen (dem Eedächtnisstosf) und der Idee. Das Mechanische (die Sprachformen) ist an sich nicht interesiant und so versucht man im Unterricht, wenn auch auf künstlichem Wege, einigerniaßen Interesse dafür zu gewinnen. In den Unterklassen lernen die Kinder das Mechanische nicht gründlich, weil man von ihnen gleichzeitig die Kenntnis des Zusammenhanges einer Sprache -fordert. Dazu sind sie aber leider nicht imstande. In den höheren Klassen zeitigt der Sprachunterricht nicht den gewünschten Erfolg, weil das Erfassen des Gedanklichen einer Sprache durch die! inzwischen entstandenen Gedächtnislücken in den mechanischen! Kenntnissen gehindert wird. Ein oberflächliches Lernen ist die j Folge dieser Methode, weil die Schwierigkeiten allzu groß sind;! denn der Schüler muß seine Aufmerksamkeit zu stark verteilen. j Er muß gleichzeitig auf Lexion, Vokabeln und den Zusammen-! hang achten. Diese drei Feinde sind derart stark, daß ein Kamps l dagegen mit einer Niederlage endigen muß. > 2. Ein Sprachstück muß natürlich, wenn der Schüler die Form. ] die Vokabeln und den Inhalt beherrschen soll, öfters wiederholt ' , werden. Da aber andererseits das Interesse bei häufiger Wieder- * holung abstumpst, so bedeutet das den Mißerfolg der geleisteten Arbeit.;[ 3. Ein anderer Mangel unseres heutigen Unterrichtssystems;j besteht darin, daß das Erlernen eines Lehrstoffes mehr oder weniger durch das Gehör vermittelt wird. Das wirkt nicht nachhaltig. Die Sehkraft der Schüler wird nicht genügend a u s g e n u tz t. Die mangelnde Betätigung dieser Kraft führt Ablenkung und Unaufmerksamkeit herbei und zeitigt eine geringe Aufnahme des Gelehrten. Ein anderer Mangel unserer heutigen Methode besteht darin, daß im wesentlichen nach Büchern gelehrt wird. Das hat feine Nachteile, denn der Lehrstoff ist naturgemäß auf viele Seiten zerstreut, das lähmt seine Klarheit, und infolgedessen geht auch das Interesse verloren. Der Weg, der zum Ziele führen soll, ist erschwert, weil er nicht übersichtlich genug ist. Unsere Schuljugend; die zum Teil 6—10 Jahre lang mit so großem Zeit- und Kraftaufwand in vielen Wissenszweigen unterwiesen wird, wendet sich nach' vollendeter Schulzeit meist von vielen Lehrstoffen ab. Um diesem Mißerfolg der Lehrarbcit zu begegnen, hat Herr Lazar Messerer nach einem System gesucht, welches die angeführten Mängel beseitigen soll. Dieses System benutzt technische Hilfsmittel. Es besteht aus zwei Teilen,, aus drucktechnischen Mitteln, d. h. . V! ,a.. ,111.