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Jüdische Schulzeitung · 1931-03-16 · 3 (16.3.1931) · page 3

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
7 (1931)
Issue
3 (16.3.1931)
Date
1931-03-16
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nummer 3 Jüdische Schulzeitung. Seite 3 Epoche wird fernerhin in unserem, vom Sport beherrschten Zeitalter einen besonderen Niihrboden vorftnden. Was das mit Apologetik zu tun hat? Ich halte dafür, daß die frühzeitige Schaffung von Gefühlswerten, gewonnen aus der Geschichte unseres Stammes, die Voraussetzung und beste Vorbedingung für ein späteres wirkungsvolles Eintreten für unser so viel geschmähtes Judentum ist. Daß aber auch auf dieser Stufe schon nicht nur an kriegerische, körperlich-heldische Taten angeknüpft weroen kann, um unsere Kinder auf die von uns beabsichtigte Apologetik hinzuführen, das will ich zum Abschluß dieser Vorstufe zur Apologetik — wie ich dieses Hineinarbeiten auf das Ziel der s y st e m a t i s ch e n P f l e g e unseres Themas nennen will — an einem lehrreichen Beispiel aufzeigen und ausführlicher darstellen, mit auch gleichzeitig damit einen methodischen Fingerzeig zu geben. Zehn-, elfjährige Schüler lernen eine der herrlichsten Erzählungen, die ich kenne: die Haftarah „mocbor cliaudescb", Abschied Jonathans von David. Die Geschichte ist vorgetragen, behandelt und damit den Kindern vertraut. Nun werden sie im Wechselgespräch zwischen Lehrer und Schüler von wahrer Freundestreue, Edelmut und Hingebung bei zwei jüdischen Helden (oder sagen wir: Gestalten) erfahren, wie sie schöner und erhabener in keiner Heldensage wiederzufinden ist. Hier der sympathische, ehemalige Hirtenjunge, der durch seinen Sieg über den Niesen berühmt geworden war, der auch durch seine künstlerische Meisterschaft im Harfenspiel sich die Achtung und Liebe des Königs erworben, der aber vor allem wegen seiner Tapferkeit der Freund des Königssohnes und .mutmaßlichen Nachfolgers des Königs geworden war. —Dort der wagemutige, tollkühne und kluge Jonathan, so recht das Ideal eines künftigen Königs, den ähnliche Eigenschaften bei dem frischen Hirtenjungen so anzogen, daß er ihm Freund wurde. — Dazwischen der argwöhnische Vater, der nach seiner Verwerfung in dem Jüngling David den einstigen Nachfolger anstatt seines eigenen Sohnes wittert. Alle Vorhaltungen an Jonathan, die Freundschaft mit diesem gefährlichen Rivalen aufzugeben, nützen ihm nichts, nicht einmal das offene Aussprcchen der von Saul geahnten Tatsache, daß David zun. König bestimmt sei: der Freund hält ihm die geschworene Treue, so daß er sie fast mit dem Tode bezahlt hätte, als fein Vater H den Speer nach ihm warf. Aber nein: „Was gesprochen zwischen den beiden, das bleibt ewiglich". Nun ist diese Freundestreue Jonathans gewiß eine wertvolle Eigenschaft, aber steht sie nicht in Wtoerspruch mit den S o h n e s p f l i ch t e n? Verliert sie nicht an ihrem er- . habcnen Werte dadurch, daß sie das Kidbucl ow woem" („Ehre Vater und Mutter") nicht beachtet? — Diese scharfe Gegenüberstellung, diese Schürzung eines Knotens wird die Kinder zur Lösung besonders anregen. — Sehen wir näher zu, wie es sich hier verhält! Wir hören nirgends davon, daß Jonathan ein widerspenstiger Sohn sei. Auch die llebertretung des Verbotes seines Vaters, an einem Kampftage keine Speise zu sich zu nehmen, kann nicht als Beweis dagegen aufgefaßt werden, denn erstens ist dieser Ungehorsam nicht gegen den Vater, sondern gegen den Oberbefehlshaber gerichtet: zweitens und ' vor allem aber geschah dieser unvermeidliche Ungehorsam bivli daas“ (aus Unkenntnis). Nein, das Gegenteil wird noch im Traucrlied Davids über den Tod von Vater und Sohn betont: „Die im Leben stets vereint, hat auch oer Tod nicht getrennt". Nur in dem einen Fall folgt Jonathan seinem Vater nicht, kann der vom höchsten Gerechtigkeitsgefühl durchdrungene Prachtkerl nicht folgen, weil er weiß, daß sein Vater gegen David ungerecht ist: weil er sieht, daß sein Vater, der König, das erste Sittengebot der Menschen, die Gerechtigkeit, mißachtet. Er mißachtet es, seitdem er durch Samuels harten Entscheid die Selbstbeherrschung und damit gerechtes königliches Denken verloren hat. So ist der vermeintliche Ungehorsam Jonathans nicht nur in unser aller Augen gerechtfertigt, sondern diese Lösung des seelisches Konfliktes steigert noch den Wert dieser wahrhaften Jdealgestalt Jonathan, die in keinem Heldenepos edler und reiner dasteht. Es sollten, meine ich, die Schüler die rechte Begeisterung aus einer solchen Darstellung gewinnen und dadurch von den Gefühlen durchdrungen werden, die nötig sind, um dereinst als Apologeten für ihre Religion einzutreten und für sie zu wirken. (Schluß folgt.) Methodisches Neuland. Von 3ssi Bayer. (Schlus;.) Was schreiben und erschreiben wir uns nun mit unserer Schreibkenntnis? 1. Zuerst erschreiben wir uns das Lesen. Schon in der ersten Stunde erscheinen die Kinder mit Schreibzeug und einem quadrierten Heft und. kurz gesagt, alle Buchstaben werden nicht erlesen, sondern erschrieben. Wobei schreiben selbstverständlich faktisch Schreiblesen bedeutet. Die Einzelheiten der Schrifterlernung, wie wir sie üben, habe ich in dem erwähnten Artikel dargestellt, und ich kann mich hier auf den Hinweis beschränken. 2. Wie bekannt, ist aber die hebräische Schrift nicht eine Zeichen-, sondern eine. Bilderschrift. Es bedeutet Alef: die Figur eines Rindes. Beth: ein Haus. Gimmel: ein Kamel. Daleth: eine Türe usf. Wir lernen nun zweierlei, zuerst den Namen des Buchstaben, also beispielsweise Resch. und seinen Klang, seinen Lesewert: r. Entsprechend den 22 Buchstabengrundformen (denn die Schlußbuchstaben und Sekundformen scheiden hier aus) lernen wir also schon bei der Aneignung der Buchstaben 22 Wörter „übersetzen". Sofort mit dem Schreibunterricht beginnt also der Ueberfetzungsunterricht und das Bertrautwerden mit dem Klang der hebräischen Sprache. 3. Aber das Hebräische ist den meisten Kindern noch zu fremd. Der.Kostwechsel — vom Deutschen ins Hebräische, darf nicht zu schroff, zu unvermittelt einsetzen, wir brauchen eine Zwischenstufe, einen Uebergang. Ein siebenjähriges Kind kann unter unseren Umständen die gleichzeitige Aneignung der hebräischen Sprache und der Schrift nicht mühelos vornehmen. Wir sind aber darauf angewiesen, dem Kinde schnell das Lesen beizubringen. Nun aber Wörter zu lesen, die dem Kinde sinnlos sind, wäre falsch. So schreiben wir also deutsche Wörter in hebräischer Druckschrift, vornehmlich Namen aller Art. von Personen. Städten, Flüssen. Ländern. 4. Und nun gehen wir wieder einen Schritt weiter: wir schreiben hebräische Namen, von Personen vornehmlich. Bei dieser Gelegenheit machen wir unsere ersten Schritte in das Gebiet der jüdischen Geschichte. Z. B. wir schreiben den Namen Simson (Schimschon). Da erzähle ich eben von Simson. Und ich möchte die Gelegenheit benützen zu bemerken: man soll ja nicht glauben, das Kind würde verwirrt.. wenn sein Geschichtsunterricht nicht bei Adam und Eoa beginnt. 2m Gegenteil, diese Geschichten müßten die Primaner erstmalig lernen. Wir schreiben Midjon und ich erzähle von Midjan. Die Kinder merken natürlich den Klangunterschied und fragen. warum heißt es denn einmal Midjon und einmal Midjan. Das gibt uns Gelegenheit» in ganz zwangloser Art von den hebräischen Dialekten zu sprechen, von der Zerstreuung der Juden, ihrer politischen und ethnischen Lage. Hier nun bin ich der umgekehrten Meinung. Von der allgemeinen jüdischen Situation müssen schon die A-B-C-Schützen hören, und sie sind wohl imstande, diese Dinge zu verstehen.

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