Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 7 (1931)
- Issue
- 2 (16.2.1931)
- Date
- 1931-02-16
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nummer 2 Jüdische Schulzeitung. Seite 7 G Teil der Wohnhäuser scheint noch aus seiner Zeit zu stammen. In Jerusalem wohnte er nicht in dem übernommenen Schloß, sondern baute sich ein neues, prächtigeres jenseits des Lyropoontales und verband es durch zwei BkNÜen voii itnJjcimlicf) weiter Spannung mit dem Tempelberg. Jetzt hat man einen kleinen Nest der einen Brücke, die Ansatzstelle an der Westmauer des Tempels, gefunden: nach dem Entdecker nennt man die Brücke Nobinsonbrücke. » 2m vergangenen Frühjahr sind wieder große Heuschrcckenschwürme eingctroffen: die Männchen sind gelb und etwa 7—10 Zentimeter lang, die Weibchen grau und größer als die Männchen. Die Araber vertreiben sie durch Trommeln aus Blechlisten. Schwenken weißer Fahnen u. dgl. Die ausgcschreckten Insekten (Weibchen) fliegen -dann auf und setzen sich auf des Nachbars Feld, bis dieser sie wieder zurücktreibt. Die Juden graben entweder die Erde, woraus sie in dicker Schicht sitzen, tief um. damit die .Heuschrecken ersticken und gleichzeitig die Erde düngen, oder sie sammeln sie morgens um 4 Uhr, wenn sie erstarrt sind, in Säcke, um sie zu verbrennen. Die Negierung rückt ihnen mit Flammenwerfern zu Leibe. Indes die Männchen umherfliegen, legen die Weibchen Ilnmassen von Eiern. Während die Heuschrecken selbst nicht schädlich find, sind die aus den Eiern ausschlüpfenden Larven ungeheuer freßgierig: jedes Blättchen und Knöspchen nicht nur. sogar die Rinde der Bäume fressen sie ab und vernichten auf Jahre hinaus die Ernte, so daß ein Heuschreckenschwarm eine außerordentlich schwere Plage bedeutet. Man hat mir erzählt.' daß. die Aemeniten — man nennt sie dort Temoniten. Tcmonim Südländer. --- Süden. Erod. 26, 18 u. 35 — die Heuschrecken essen und sogar als Delikatesse betrachten. Es ist religionsgesehlich bekanntlich erlaubte sie zu essen. Die gemeinten sind aus Süd-Arabien eingewandert und haben zum Teil rein semitisches, zum Teil negroides Aussehen. Die Gesichtsfarbe ist schwärzlich-grau, und sie leiten ihren Stamm von den Israeliten ab. die Salomo in seiner Kolonie an der südarabischen Küste angesiedelt hat. Als nach dem babylonischen Exil Esrah ihnen befahl, zurückzukommen, folgten sie diesem Rufe nicht, weshalb Esrah sie verfluchte. Seitdem geben sie ihren Kindern nicht mehr den Namen Esrah. Die yemenitischen Kinder sind in der Schule fast ausnahmslos die besten in der Klasse. Einen eigenartigen Brauch haben sie mitgebracht: An J"JDD bin kommen sie mit Frauen (die Polygamie ist ihnen als Nichteuropäern religionsgesetzlich erlaubt) und Kindern an den nächsten Fluß, von Tel Awiw an den Iarkon: die anderen Bewohner von Tel Awiw machen nun diesen Brauch auch mit. Man amüsiert sich dort im Freien. In ihren Synagogen fiel mir auf. daß sie mehrere O^SSHp D'OV’IK haben, mindestens aber zwei: ihr Psalmodieren hat den Charakter von Negergesängen. Ihre Aussprache des Heibräischen weicht von der sephardischen Aussprache ab, daher sind sie sehr schwer zu verstehen. Nachdenklich stimmte mich die Tatsache, daß ihre Aussprache viel Aehnlichkeit mit der aschkenasischen hat. so sprechen sie das wie wir aus, ebenso das ferner machen sie feine Unterschiede in der Aussprache des Tav und Tet. des Sin, Samech und Sajin, des Chet und Chaf, Ales und Ajin. Wenn ihre Tradition der Wirklichkeit entspricht, dann kann ich mir die Eigentümlichkeit nur so erklären, daß die Jemeniten die ältere Aussprache besitzen, während später die Aussprache des Hebräischen vom Chaldäischen beeinflußt wurde, von dem die Demeniten aber nicht berührt wurden. Unser aschkenasisches „au" und „o" stammt aber keinesfalls aus derselben Quelle, sondern ist vom Fränkischen beeinflußt. - (Fortseüüna folgt.) Literarisches. Robert Koeppel, Palästina, die Landschaft in Karten und Bildern. Verlag 2. C. B. Mohr, Tübingen. 1930. (Preis 19 m.) Um richtiges Verständnis für eine Landschaft zu bekommen, bedarf es zweierlei: Vielseitiger Anschauung und begrifflicher Klarheit. Das neue Werk über Palästina, das uns R. Koeppel, Professor an der Universität Tübingen, vorlegt, versucht, beides vortrefflich vereinigt zu bieten. „Diese Landschaftsknnde Palästinas soll eine Vorarbeit für eine modern-wissenschaftlich geographische Beschreibung Palästinas sein ... um weiteste Kreise rn das Landschaftsbild des Heiligen Landes einzuführen". das ist die Aufgabe des Buches, die der Verfasser im Vorwort angibt. Eine Landschaft bietet sich dem Auge in zweierlei Gestalt: Man kann sie aus der Nähe in einem kleinen Ausschnitr betrachten (Nahlandschaft etwa bis 200 Meter im Umkreis) oder aber das Gesichtsfeld zu einem größeren Ueberblick erweitern (Fernlandschaft). Bilder der Nahlandschaft sind unerläßlich zu einer lebendigen, plastischen Ausgestaltung einer umfassenderen Vorstellung. Insbesondere zeigen sie uns das Leben in der Landschaft, den Menschen in seinem Wirken und seiner Abhängigkeit von den landschaftlichen Faktoren. Sie können aber immer nur Ergänzung und Ausfüllung der biblischen Darstellung der Fernlandschaft sein. Die bisherigen Bildwerke über Palästina (ich nenne nur zwei der bekanntesten: L. Preis und P. Rohrbach, Stuttgart, 1925; G. Landauer, München 1925) tragen mehr oder weniger den Untertitel: Das „schöne" Palästina, was zur Folge hat. daß die Aufnahmen zum großen Teil nach dem Gesichtspunkt einer guten Vildwirkung ausgenommen und ausgewählt sind. Sie bieten daher mit Rücksicht darauf in der Hauptsache Bilder desien, was ich oben als Nahlandscyaft bezeichnet habe. Der Mensch und seine Werke, insbesondere die Architekturen, sind vorwiegend dargestellt. Das Werk Koeppels füllt die vorhandene Lücke bewußt aus und bietet in seinen 195 Abbildungen neben Karten fast durchweg Aufnahmen der Fernlandschaft. Aber auch die wenigen Aufnahmen der Nahlandschast sind weniger mit Nücksicht auf ihre bildmäßige Wirkung als auf ihren Wert für die Erkenntnis der Landschaft ausgewählt. So wird etwa eine Partie östlich des Damaskustores von Jerusalem gebracht (Abb. 26), um die Lagerung der Schichten der mittleren Kreide zu zeigen. Abb. 68 zeigt am Eingang zum Grabmal in Petrag die weißen Verwitterungsländer im roten nubisthen Sandstein, Abb. 34 den spärlichen Pflanzenwuchs auf einer Sanddüne südlich von Berseba. In ausgiebigem Maße ist das Lichtbild herangezoyen. Wer sich daher ein anschauliches Bild von der Landschaft im großen machen will, dem wird das Buch wertvolle Dienste leisten. Was aber das Buch besonders wertvoll macht, ist der streng landschaftskundliche Aufbau des Werkes. Der erste allgemeine Teil behandelt den geologischen Aufbau des Landes, die morphologischen Erscheinungen, wie Verwitterungsformen. Talbildung, Bergformen ufw., alles veranschaulicht durch reiches Material an Karten. Querschnitten, Diagrammen und Bildern. Der 2. Teil behandelt die Einzellandschaften. Sehr wertvoll ist im Anfang das umfasiende Verzeichnis der Literatur, Karten und des Bildmaterials zum weiteren Studium. Neben der allgemeinen wissenschaftlich-methodischen Einstellung des Werkes, die oben skizziert ist, verdient noch hervorgehoben zu werden das pädagogisch-methodische Geschick, mit dem der Verfasser die für den Nichtfachmann wenig bekannten wissenschaftlichen Begriffe anschaulich zum Verständnis bringt' Neue Lanofchaftsformen werden in Beziehung gesetzt zu bekannten Formen aus der Heimat. In den Text sind hin und wieder kleine pädagogische Hinweise eingestreut, die den Leser zu wirklichem klarem Verständnis der Landschaft führen sollen. Das Gerüst des landschaftlichen Aufbaus wird immer wieder sehr deutlich vor die Augen gestellt. Der Geograph, der Lehrer der jüdischen Schule wird daher aus dem Werk reichen Nutzen ziehen. Denn es ist eine Binsenwahrheit, daß nur der anschaulich unterrichten kann, dessen Anschauung selbst klar und plastisch ist. Neben den oben erwähnten Bildwerken von Preiß-Rohrbach und Landauer sollte das von Koeppel als notwendige Ergänzung in kleiner Schulbibliothek fehlen. Hugo Mandelbaum. ' Albert Londres, Der Ewige Jude am Ziel. Deutsch von Alexander Benzion. Phaidon-Verlag, Wien. Die Sage vom Ewigen Juden, der ruhelos durch die Länder und durch die Zeiten irrt, ist schon oft dichterisch bearbeitet worden. Ist dieser Irrende, dieser Gehetzte. Verfolgte, Verspottete zur Ruhe gekommen? Hat er sein Ziel erreicht? Albert Londres erzählt uns von ihm in fernem Buche. Doch nicht von jener Sagengestalt spricht er, er gibt uns Gegen-! i!'