Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 7 (1931)
- Issue
- 2 (16.2.1931)
- Date
- 1931-02-16
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2825247-2825248-2825250--0479-2826084- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Jüdische Schulzeitung. Nummer 2 Seite 6 Geschichte einer Zeit wurde allen Hörern klar, daß gerade die Verbindung mit den Quellen dem jüdischen Geschichtsunterricht Leben und Wirklichkeit verleiht. Jedenfalls ist die Gestalt von Cremieur, der so segensreich für die Emanzipation der Juden in Frankreich, für seine unterdrückten Elaubensbrüder in aller Welt und alle unterdrückten Mitmenschen gewirkt hat. einer Hörerschaft .nie so lebendig vor Augen gestellt worden, wie an diesem Abend. Möge das Hörter'sche Werk segenstistend seinen Weg gehen, es wird für das Judentum und die Judenheit von gleich großer Bedeutung sein. I. Flörsheim. Von meiner Palästina-Reise Von Otto Geismar. 4. Miszellen. Gar vieles erinnert in Palästina noch an die biblischen Zeiten, in mancher Beziehung steht die Kultur oft noch an derselben Stelle, wie damals. So sah ich. wie eine große Anzahl Frauen ein riesiges Feld besäte, indem sie Körnchen für Körnchen in die Erde steckten, und das Getreide schneidet der Araber mit einem messerartigen Instrumentfast Halm für Halm einzeln ab. So mag es schon Kain gemacht haben. Der Schafhirt ist noch genau so malerisch gekleidet wie der Hirte Iakob. und heute noch trägt der Araber das Wasser im Schlauch, das heißt in einer Eselshaut, an der nichts fehlt als der Kopf. Der Hals ist zugebunden, und von dort wird das Wasser entnommen. (1. 21. 14.) (Jos. 9. 4.') Die Mädchen gehen noch heute, wie es Genes. Kap. 24. Vers 11 u. 12 beschrieben ist. zu bestimmten Tageszeiten zur Quelle, um den Krug mit Wasser zu füllen. Den leeren Krug tragen sie auf der Schulter oder an der Hüfte, den gefüllten auf dem Kopfe, ohne ihn mit der Hand zu halten. Lebhaft stand die Szene von Elieser und Rebekka vor meinen Ailgen. als ich in El Bire. dem biblischen Beerot in Benjamin (Sam. 2. K. 4. V. 2), die Mädchen in ihren malerischen langen Kleidern — tveich und faltig und mit dem Gurt aus gleichem Stoff — das Wasser an der Quelle holen sah. und ich war nahe daran, zu der Schönsten zu sagen: “j“DD nvy'cyü (1. 21.43.) Die Quells dort ist noch dieselbe wie zu Davids Zeiten, nur scheint damals zilr Quelle hinabgestiegen zu sein wie in Haran: heute, d. h. wahrscheinlich seit dem Mittelalter, ist der Zugang von unten: doch die alte Treppe ist noch vorhanden,, bloß der Zugang ist verschlossen. (1. 24. 16.) Unter „Frühregen" mV ist nicht etwa ein Frühjahrsregen zu verstehen, und unter „Spätregen" nicht etwa Spätjahrsregen. Sondern umgekehrt. Die Regenzeit dauert den ganzen Winter über: bevor sie eintritt, kündigt sie sich durch einen ein oder mehrere Tage anhaltenden Frühregen (Borregen. n“VP) an, dann ist wieder schönes Wetter, bis der richtige Winterregen einseht. Aehnlich im Frühjahr. Hat nach dem Winterregen der Sonnenschein eingesetzt, so kommt nach einiger Zeit der Regen nochmals, um ein oder mehrere. Tage lang Abschiedsvisite zu machen (Spätregen ---- Rachregen 2st dieser aber vorbei. — er ist warm und daran als Afp'^O zu erkennen —. dann kann man bestimmt mit gutem Dauerwetter rechnen. Doch bei dieser tropischen und subtropischen Hitze würde die ganze Vegetation zugrunde gehen, wenn die Natur sich nicht ein Surrogat geschaffen hätte im Tau (ü',05yiTl?ID). Nicht wie bei uns, sondern das ganze Feld ist tropfnaß. als wenn ein Regen niedergegangen wäre: die ganze Feuchtigkeit der Luft ist niedergeschlagen und die Luft ist ganz klar: alles leuchtet in den herrlichsten Farben: die Sonnenstrahlen legen sich ungebrochen auf Berg und Tal. Von der Landstraße bei Saphed konnte ich nördlich weit über den Meronlsee und südlich über den Tiberiassee hinweg bis über den Jarden und in die moabitischen Berge sehen. Und es ist leicht denkbar, daß man vom Nebo bei klarem Wetter das ganze Land überblicken kann. Felsengräber gibt es in Jerusalem sehr viele. Außer; dem Grab Davids und dem der Prophetin Hulda befinden sich alle Gräber außerhalb der Stadtmauer. Am Ostabhang des Berges Zion (Davidstadt) hat man jetzt ein großes Feld von einfachen Felsengräbern entdeckt: man vermutet in diesem Vorhügel den lange gesuchten Golgatha. Aber außerdem gibt es noch sehr viele Familien- und Sammelgräber, vermutlich von hochstehenden oder reichen Familien. meist aus der griechischen und römischen Zeit, wie man aus den schönen klassischen Portalen schließen muß. Da ist i zumeist eine Vorhöhle von quadratischer Grundform, manch- {, mal mit in den Felsen gehauenen Sitzbänken an den vier; Wänden, von da gelangt man dann erst in die Kammeru. | wo die einzelnen Gräber in die Wand gehauen sind. Das . i schönste dieser Sammelgräber ist wohl das „Königsgräber" genannte, das einen in den Felsen gehauenen Vorhof besitzt, der die allergrößte Trauergemeinde fassen konnte. Dort sah ich auch zum erstenmal, wie eine Höhle — wie "bei ' 1 den Steinzeitmenschen — durch einen großen und schweren Rollstein, der oben in einer Rinne läuft, geschlossen wurde. Viele dieser monumentalen Gräber fallen der regen Bautätigkeit zum Opfer: über den Richtergräbern ist neuerdings eine jüdische Kolonie entstanden. Vielleicht waren manche Gräber ursprünglich Ilrzeitmenschen-Wohnungen: daß in der frühen Steinzeit Menschen im Lande gewohnt haben, weiß man durch die Erforschung der Höhlen am Westabhang des Karmel bei Atlith. deren Unmassen von Steinwerkzeugen man auf 20000 Jahre alt schätzt. In vielen Gräbern haben sich Araber wohnlich eingerichtet, neuzeitliche Höhlenbewohner.! Die architektonisch malerischste Stadt ist entschieden Hej bron, prächtig türmen sich die Bauten aus. denen man an-! sieht, daß Jahrtausende lang an ihnen gebaut, geändert, abj gerissen und zugebaut wurde. Nicht nur an der Höhle Mach- pelah, sondern an vielen Gebäuden und manchen Straßen! sind vermutlich noch erhebliche Teile aus der Zeit Davids l. vorhanden. Der als feindselig bekannten Haltung der Ein-,! wohner wegen konnte ich mich auf dieses Studium nicht weiter;! verlegen: ich mietete mir einen zufällig dienstfreien arabischen Schutzmann, der sich neben mir aufpflanzte, bis ich das Aeußere der Höhle Machpelah gemalt hatte. r Als die Israeliten unter Josua von Osten her ins is Land einbrachen, fanden sie die Ebene durch andere Völker bewohnt, ihnen blieb in der Hauptsache bloß das Bergland. Mizpah (Mizpe), Ramah. Ramathaim (Ramalla), Atharoth. Beeroth (El Bire) ufw.. sie alle liegen im Bergland. Ramah liegt auf halber Höhe des Berges. Ich verstand» daß Saul mit seinem Diener zur Stadt hinaussteigen mußte (1. Sani. 9. 11 und 14) und daß er von da weiter hinauf zur Bamah steigen mußte (Vers 19). Um an den Bergen Landwirtschaft. Gartenbau und Weinbau treiben zu können, haben die Israeliten Terrassen gemacht, auf welche sie die gute Erde von unten hinaufschleppten. Jetzt sind die Terrassen zerfallen, die abgebröckelten Steine liegen unten in: Tal und die Erde ist längst herabgeschwemmt, aber man kann -noch überall an allen Bergen besonders ans der Ferne deutlich die einstigen Terrassen erkennen. Herodes war ein prachtliebender König, noch viel mehr als Salomo. Stolz am Meer stehen noch erhebliche Reste seines Schlosses in Cäfarea. wo auch andere Ueberreste seiner Bauten: Mosaikböden. Massen von Säulen. Kapitälen. Büsten. Friesen und dergleichen herumliegen. Auch der größte