Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 7 (1931)
- Issue
- 2 (16.2.1931)
- Date
- 1931-02-16
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite Jüdische Schulzeitung. Nununer 2 w a r t s b i l d e r von dem lebenden jüdischen Volke. Wir begleiten Ulbert Londres auf seiner »Fahrt zu den Juden". Unser Weg beginnt im Whitechapel, lieber Prag, wo wir den jüdischen Friedhof besuchen, geht es nach Munkacs. Wir erleben das Ghetto. Nicht theoretische Betrachtungen, keine statistischen Zahlen werden vor uns ausgebreitet, das Leben der jüdischen Massen, ihre Sitten, ihre Bräuche, ihr Elend, ihr Leiden, ihr Beten, ihr Lernen, ihre Drangsalierungen, ihr Hoffen, ihr Verzweifeln, alles rollt sich vor uns ab, plastischer und wirklicher, wie es ein Film zeigen könnte. Ob es Munkacs ist oder Warschau, Lemberg oder die elenden Karpathenhütten, überall sieht Land res den Ewigen Juden, gehetzt und gequält und verfolgt, den Luftmenschen, Hunger leidend, aber ein Lebenskünstler. Und von den polnischen Ghettis aus geht die Reise nach Erez- Israel. Dort zählte man das Jahr 5090, hier dagegen das Jahr 10, Zehn des Zionismus. Der Ewige Jude ist am Ziel, die ewige Wanderung äst beendet, die Unruhe ist verschwunden. Frei und aufrecht, ruhig uud sicher tritt er uns entgegen. Eine tiefe Wandlung hat sich in ihm vollzogen, die Ketten sind zerbrochen, er ist ein freier Mann geworden, er spricht seine eigene alte und doch so neue Sprache wieder. Und wenn wir mit Londrcs Tel-Aviv besuchen, wenn er von den Kolonien, von der Klagemauer spricht, so geniesten wir nicht etwa die verzückte Beschreibung eines Landschaftsgemäldes, nein, wir erkennen alle Probleme, die der Aufbau des Landes in sich birgt, das Verhältnis zum Mandatar, zu den Arabern, die Berufsumfchichtung und all das Schwere und Heroischealles Große und Ueberwältigende. Und Londres war bereits wieder in Frankreich, uud sein Bericht ist noch nicht abgeschlossen, da trifft ihn die Nachricht von den Augustunruhen des Jahres 1029. Und was er fcststellt, das ist eine Anklage gegen England, gegen die Araber. Und was berichtet er von den Juden? Ungeschminkt erzählt er uns alles, was sein unbestechliches Auge gesehen hat, um am Schlüsse zu gestehen: Und vor allem — das ist das sensationelle Ereignis im Leben des Ewigen Juden — er hat sich nicht einen Augenblick geduckt. Alles in allem: ein aufschlußreiches, sehr lesenswertes Buch, das gerade durch seine nüchterne Sachlichkeit von der ersten bis zur letzten Seite packt. Abr. Reinhardt, Köln. Prinz, Joachim: Helden und Abenteurer der Bibel. Eharlottenburg, Paul Baumann. 1930. 158 Seiten. C’est le ton qui fait la lmisique. „Wenn ich vor der Klasse stehe, versuche ich die Geschichten der Bibel dem Verständnis der Kinder näher zu bringen; ich versuche, sie mit den Persönlichkeiten, soweit es möglich ist, vertraut zu machen. Ich spreche in gutem einfachen Deutsch, aber nicht in der Kleinkindersprache, etwa, dast „Bubi zu Mutti kommt". Gewiß, ein Kinderbuch soll dem Verständnis der jugendlichen Leser angepastt sein, aber „wenn man für die Jugend schreiben will, so darf man nicht für die Jugend schreiben". Schon der Titel des Buches hat Bedenken in mir erweckt. Abenteurer der Bibel! Da wäre nur ein Schritt von der heiligen Schrift bis zum Robinson. Die Gestalten der Bibel sollen den Kindern vertraut werden wie Rotkäppchen und die Sieben Raben, heißt es in der Vorrede. „Wenn Jhrs nicht fühlt, Ihr werdets nicht erjagen." Es sei zur Ehre unserer bewußt jüdischen Jugend gesagt, daß ihr doch David und Mose vertrauter sind als die Gestalten der Märchen, so schön sie sein mögen, And die jüdische Jugend, die aus dem indifferenten Lager kommt, wird keine Wärme bei der Lektüre des Buches spüren. Abgesehen von der gemacht kindlichen Sprache, ist der Stil nicht immer einwandfrei: „einmal fasten Manoah und seine Frau so (?) im Zimmer usw." In unserer Jugendschristen- Kommission und in Lehrerkreisen ist das Buch als Jugendschrift abgelehnt worden. Das Urteil deckt sich mit dem eines schärferen Kritikers, als wir Großen zu sein pflegen: Ein Kind, das es gelesen, urteilte in gleicher Weise! E. M.-Breslau. Bei der Schriftleilung eingegangene Bücher. F. M. F e l l e r : Antisemitsmus. Versuch einer psychoanalytischen Lösung des Problems. Verlag des Archiv füangewandte Psychologie. Berlin-Wilmersdorf, Rasiauifche Str. 42. 43 Seiten. Preis 4 Jl. Elfriede Bergel - Grone m a n n: Der Jüdische Weg. Ein Versuch. Herausgegeben vom Jüdischen Frauenbund. 32 Seiten. ' KurtSabatzky: Der Jude in der dramatischen Gestaltung. Königsberg i. Pr. Buchverlag der „Königsberger Hartungschen Zeitung". Otto Eberhard: Die Pädagogik der Gegenwart und der Religionsunterricht. Leipzig. Dörffling & Francke. 66 Seiten. Broschiert 1.80 Jl. Im Wandel der Zeiten. Predigten von Dr. I e l s k i. 2. Band. Berlin. 1930. Philo-Verlag. Preis geü. 5.50 Jl. „Hannah." Versuche zur Einführung in das jüdische Leben von Aron Gerechter. Berlin N 24, Krausnickstr. 12 (Selbstverlag). Preis 6.50 Jl. .Georg Fink: Mich hungert. Roman. Berlin. Bruno Cassirer. Notizen. Die Großloge für Deutschland VIK. U. D. B. B., Berlin W 62, Kleiststr. 12, bittet um Ueberlassung der Rr. 3, Jahrgang 1925 und Nr. 1 des Jahrgangs 1926 der Jüd. Schulzeitung. Aufruf zur Mitarbeit! Von der Brauchbarkeit des „Lehrer Schlesinger Würfellesekasten" sollen die Erfahrungen gesammelt werden. Zu diesem Zwecke werden 12100 'JlH zur Verfügung gestellt. Kollegen, die ab kommenden Ostern mit dem Würfellesekasten in der Anfängerklasie zu arbeiten gedenken, wollen sich bald an Lehrer Schlesinger, Ohlau-Stannowitz in Schlesien, den Ehrenvorsitzenden des Ausschusses wenden. (Rückporto.) Manche, besonders ältere Kollegen, werden sich der Tätigkeit des im Jahre 1853 gegründeten „Vereins zur Unterst ützungjüdifcherLehrerinPreußen" erinnern. Wie so vieles, ist auch er der Inflation zum Opfer gefallen. Infolge allgemeiner Aufwertung sowie auf Grund besonderer Bestimmungen des Reichskommissars für die Wohlfahrtspflege besitzt der Verein wieder einen kleinen Fonds, aus dem jetzt jährlich 1070 Jl zur Verteilung kommen können. Auf Betreiben des Herrn Direktor Dr. Gutmann, dem einzigen überlebenden Mitglied des letzten Vorstandes, hat das Amtsgericht Berlin-Mitte einen vorläufigen Vorstand bestimmt, der durch eine Generalversammlung der in Berlin lebenden Kollegen bestätigt und in das Vereinsregister eingetragen worden ist. 2n der letzten Vorstandssitzung ist nun die Frage aufgeworfen worden, ob der Verein weitergeführt oder sein Vermögen einer andern Kasse zugeführt werden solle. Um in dieser Frage ordnungsgemäße Beschlüsse faßen zu können, must der Verein zahlende Mitglieder haben. Der Beitrag kann möglichst gering bemesien werden. Wir bitten deshalb diejenigen Kollegen, die an dem Weiterbestehen des Vereins oder seine Ueberführung in einen bestehenden Verein Interesse haben, ihre Ansichten dem derzeitigen Vorsitzenden schriftlich mitzuteilen. Vorsitzender. S. S i l b e r'b e r g, Verlin-Zehlendorf-West, Lessingstr. 23, Bezüglich des Aufrufs zugunsten einer bedrängten, jüdischen Familie in Odenbach (Pfalz) in der vorigen Nummer sind uns verschiedene Zuschriften zugegangen, die uns veranlassen, den Kollegen nahezulegen, von weiteren Sammlungen für diesen Zweck absehen zu wollen. Erholungs- und Altersheim für jüdische Lehrer und Kantoren in Bad Ems. Anmeldungen für das Peßach-Fcst können nur noch bis spätestens 1. März Berücksichtigung finden. — Wir bitten w i e d e.r h o l t d r i n g e n d darum, daß Kollegen, die nicht auf die Ferienzeit angewiesen sind, sich für Mai, Juni und zweite Hälfte des August bei uns anmclden mögen. Anschrift: I. B. Levy, Frankfurt a. M., Ravensteinstraße 5, l. künstlerisch und exnktausgeführt, liesertan Lehrer zu billigsten Preisen. A. Katz, Frankfurt a. M.. Tandweg 7.