Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 7 (1931)
- Issue
- 2 (16.2.1931)
- Date
- 1931-02-16
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2825247-2825248-2825250--0478-2826083- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nmmner 2 Jüdische Schulzeitung. Seite 5 Und harmlose Spielereien wie hebräische Kommandoworte „Iindu — steht auf. sch'wu — setzt euch, k'chu et hamachbaroth pchntt dte Hefts" usw. bringen uns nicht über diesen Weg hinüber. Erst mühte die Lehrerschaft hebraisiert werden. Vorher ist der Weg zur Erlernung des -Hebräischen durch Hebräischsprechen undiskutabel. Ganz abgesehen von der Zeitfrage, von dem Zeitmangel deutlicher gesagt. Auch in unseren Mittelschulen lernt man Fremdsprachen nicht mit zwei Wochenstunden. So bleibt uns die Ausgabe, mit sehr beschränkten Mitteln und eingeengt in jeder Hinsicht möglichst viel zu erreichen. Den Gipfel können wir nicht erreichen, ehe nicht anders Voraussetzungen geschaffen sind. Die Schaffung anderer Voraussetzungen greift aus dem rein Pädagogischen hinüber ins Jüdisch-politische. In dieser Hinsicht wollen wir uns nicht die Augen verschließen. Für politische Entscheidungen sind wir hier nicht zuständig. Wir müssen uns nur darüber klar Tein: wir können auf politische Entscheidungen nicht warten und inzwischen die Hände in den Schoß legen. Wir handeln zunächst aus Grund der heutigen Sachlage. Mit Wechseln auf die Zukunft können wir unsnicht abgeben. Wir können uns nur Hilfsmittel schaffen, die jetzt und in Zukunft gute Dienste leisten. Und ein solches Hilfsmittel ist das Schreiben. Und damit wären wir nun zu dem gekommen, womit wir uns in der Hauptsache beschäftigen müssen. Sprechen, Lesen, Schreiben — die Reihenfolge bedeutet keine Rangfolge — das ergibt einen' vollgewichtigen Dreiklang. Wenn aber das Schreiben fehlt, so gibt es nicht etwa einen Zweiklang, sondern einen Mißklang. Und dies nicht deshalb, weil vielleicht zwei Töne noch nicht selbständig und stark genug wären, sondern weil in unserem speziellen Fall, weil unter unseren speziellen Verhältnissen, die zwei Töne Lesen und Sprechen nicht „stark" und „rein" genug sind. Das brauche ich jetzt im einzelnen nicht mehr auszuführen. Zwar behaupte ich, daß das Schreiben in einem hebraisierten Religionsunterricht sehr wohl am Platze ist und zu seinem Rechte kommen wird, aber erst recht ist es heute nötig. Um ein Bild zu wiederholen — den Gipfel.zu erreichen bleibt uns nach wie vor versagt, aber wir wollen wenigstens so hoch als möglich steigen. Und das Schreiben bietet uns eben so ungeheuer viele Möglichkeiten der O Intensivierung des Religionsunterrichts, daß wir — besonders zu unserer Zeit und Lage — nichts besseres tun können, als dieses Mittel immer und immer verwenden. Das wie soll nun gezeigt werden! Da beschäftigt uns zuerst die Fragge: verwenden wir die Druckschrift oder die Schreibschrift? Es fällt uns gar nicht ein, hieraus ein „Problem" zu machen. Wir lernen ja lesen mit Hilfe des Schreibens. Wir beschränken uns beim Lesenlernen nicht auf Auge, Ohr und Mund, sondern nehmen die Hand noch dazu. Wir müssen aber zunächst die Druckschrift lesen lernen. Folglich schreiben wir auch zunächst die Druckschrift. Wer reichlich Zeit zur Verfügung hat. wessen Kinder aus traditionellem jüdischen Milieu kommen, der wird auch bald die Schreibschrift pflegen und sein Unterricht wird zweifellos eine weitere Vertiefung erfahren. In anderen Fällen wird man erst spät oder gar nicht zur Schreibschrift kommen. In der zeitlichen Reihenfolge und — unterrichtstechnisch gesprochen — in der Rangordnung, steht die Druckschrift obenan. Aber ich hoffe, daß bald in allen jüdischen Schulen und in jedem jüdischen Religionsunterricht Deutschlands Druckschrift und Schreibschrift gepflegt werden. Und ich setze den Wunsch hinzu, der meinerseits ein langjähriger ist, wir mögen bald zu einer Einheitsschrift für die ganze Judenheit kommen. (Schluß folgt.) Das Quellenbuch vsrr Dr. Zulius Höxter.*' In der Dezember-Sitzung der Vereinigung israelitischer Lehrer und Lehrerinnen in Frankfurt a. M. beschäftigte mau sich in ausführlicher Weise mit dem Q u e l l e n w e r k e von Dr. Julius Hört er und zwar mit dem 1. und 5. Teil dieser wichtigen. Arbeit. Herr Rabbiner Dr. 'Arnold Lazarus hatte die Besprechung übernommen. Von dem Gedanken ausgehend, daß jüdischer Geschichtsunterricht nichts anderes als jüdischer Religionsunterricht sein kann und darf, erscheint dem Referenten das Quellenwcrk von Dr. Hörter als die 'bedeutsamste Neuerscheinung auf dem Gebiete der jüdischen Neligionsmethodik in der Gegenwart. Wie die bereits früher erschienenen Bände, so geben auch der 1. und 5. Teil des Werkes in klarer Weise ein Bild der Religionsgeschichte des Judentums in den betreffenden Zeitabschnitten. Die Darstellung der talmudisch-midraschischen Literatur im 1. Bande nimmt über ein Drittel des Buches in Anspruch und zeigt schon damit zur Genüge, welche Bedeutung diesem Literaturzweig für den Religionsunterricht zukommt, zumal der weitaus größte Teil unserer Jugend nicht an diese Urquelle herankommt. Die in demselben Bande enthaltenen Proben aus der jüdisch-aleraudriuischen Literatur geben uns aus diesem so schwierigen Stoffgebiete interessante Aufschlüsse, die besonders bedeutsam sind, weil ja gerade das Christentum stark aus diesen Quellen geschöpft hat. Der 5. Band behandelt die Gegenwart in all ihren Problemen, Fragen und Differenzen. In sachlicher Objektivität hat der Verfasser jede Richtung des neuzeitlichen Judentums mit entscheidenden Persönlichkeiten in Proben aus deren Werken zu Worte kommen lassen. Auch mit den Fragen der lebendigen deutschen Gegenwart wird unsere Jugend bekannt gemacht uub augeregt, sich mit der modernen jüdischen Literatur zu beschäftigen. Durch das Hörtersche Quellenwerl wird die Selbst tütigkeit unserer Schüler weitgehend ermöglicht. Ausführliche Literaturnachweise im Anhang helfen den Interessierten unter den Schülern der oberen Klassen, die sich intensiver -mit den Stoffgebieten der jüdischen Geschichtswissenschaft beschäftigen wollen und erleichtern ihre Arbeit. Ein Leitfaden, dessen Bearbeitung von Dr. Hörter in Aussicht gestellt ist. wird in tabellarischer Uebersicht, daneben auch in synchronistischer Darbietung, das wichtige Namen- und Zahlenmaterial geben, sowie allgemein geschichtliche Vorgänge aufzeichnen und die jüdische Geschichte mit dem Weltgeschehen verknüpfen. Ein besonderes jüdisches Geschichtslehrbuch erscheint dann bei richtiger Benutzung der Quellenbücher überflüssig. Der Dezembervortrag beschäftigte sich mit der Emanzipation der Juden in Frankreich. Der Referent gab ein Lehrbeispiel, wie der geschlossene Nortrag des Lehrers über eine bestimmte Zeit keinesfalls die Heranziehung der Quellen entbehren darf. Den Anhängern der Vortragenden Methode wurde deutlich gezeigt, daß auch ein fesselnder, inhaltlich erschöpfender und formvollendeter Bortrag in steter Verbindung mit den Quellen zu bringen ist. mit die durch die Quellen dargestellten Tatsachen und Entwicklungen zu belegen und zu veranschaulichen. Wenn das Leben und Denken unserer Dichter den jungen Menschen nahegebracht werden soll, so versteht es sich hierbei von selbst, daß man sich nicht mit einer Darstellung der Persönlichkeit begnügt, sondern daß man die Werte dieser bedeutenden Menschen studiert und aus ihren Werken auf die Persönlichkeit schließt. Auch bei dem vorgeführten Lehrbeispiel über die äußere *) Quellenäud) zur jüdischen Geschichte und Literatur von Dr. Julius Höxter. 5 Bände. (Preis pro . Band 2 Ml.) Frankfurt a. M. I. Kaufsmann.