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Jüdische Schulzeitung · 1931-01-15 · 1 (15.1.1931) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
7 (1931)
Issue
1 (15.1.1931)
Date
1931-01-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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*; Jüdische Schulzeitung. Nummer 1 Seite 2 noch nicht reif sind. So stehen in einem Lesebuch für das 3. und 4. Schuljahr Chamifsos „Niosenspielzeug" und „Die Reise nach dem Mond" aus Bürgers Münchhausen. Selbst wenn die Schüler den Inhalt im ganzen richtig auffassen, so verstehen ste doch zu viele Ausdrücke nicht. Und wenn sie sich unverstandene Worte aneignen, so kommen sie nicht zum Sprechen, sondern zum Schwatzen, und das führt nicht zur Achtung vor der Sprache. Die erste Fibel enthielt früher lange Reihen unzusammenhängender Wörter. Das konnte die Lebendigkeit des Unterrichts beeinträchtigen. Konnte! Aber ein Lehrer mit beweglichem Geist, ein Lehrer, der gern froh mit den Kindern war, konnte auch diese toten Reihen beleben. Heute haben wir in der Fibel von Anfang an Geschichten. Aber da die Kinder, wenn sie anfangen, die Fibel zu benutzen, manche Worte, die für den Zusammenhang notwendig sind, noch nicht lesen können, so müssen diese fortbleiben, und es entsteht ein ödes und blödes Gestammel, wie das folgende: „Bubi Bubi Wohin gelaufen Leni suche im Hofe Ich im Hause' Wo war er Am Bache Böser Bubi." Es ist ein Glück, daß diese Geschichten bald in Vergessenheit geraten, sonst sähe es mit der sprachlichen Erziehung der Schulkinder schlimm aus. Ich komme jetzt zu den Schülerbüchereien. Ich widme diesem Gegenstände meine besondere Aufmerksamkeit. Habe ich doch mit darauf hingewirkt, daß der Lehreroerband seinen ersten Jugendschriftenausschuß eingesetzt hat, und ich habe unserer Jugendschriftensache auch auf andere Weise zu dienen gesucht. Seit dem Verbandstage in München haben wir wieder einen Jugendschriftenausschuß. Gern möchte ich seine Tätigkeit loben, aber er sagt selbst in der Vorbemerkung zu seinem Verzeichnis: „Der Ausschuß übergibt das Ergebnis seiner. Gemeinschaftsarbeit der Oeffentlichkeit in dem Bewußtsein, daß dieses Verzeichnis ebensowenig wie die früheren Aufstellungen alle Kreise befriedigen wird. Ist doch die Einstellung zur Jugendschrift neben pädagogischen und künstlerischen Gesichtspunkten noch von den verschiedensten anderen Motiven diktiert." Ich sollte meinen, von anderen als pädagogischen und künstlerischen Grundsätzen sollte man sich bei der Auswahl nicht leiten lassen. Das, was der Ausschuß da sagt, klingt wie eine Entschuldigung. Und in der Tat, es kann den Ausschußmitgliedern bei mancher Empfehlung nicht wohl gewesen sein. Ich greife zwei Bücher heraus, die ich genau kenne. Das eine, Kuttners Biblische Lebensbilder, habe ich gleich, nachdem es erschienen war, im Wegweiser besprochen und habe es abgelehnt. Ich will es mir versagen, die beiden Bücher hier literarisch zu würdigen, da ich meinen Vortrag sonst über Gebühr ausdehnen müßte. Ich will mich darauf beschränken, auf Stilsünden hinzuweisen, die in den Büchern Vorkommen, in dem schon erwähnten und in „Rabbi Akiba" von Emil Bernhard Cohn. In dem Buche von Kuttner heißt es in dem Lebensbilde Abrahams: „Dieses Eottvertrauen bewährte sich glänzend". In dem von Isaak wird gesagt: „Lange hatten Abraham und Sara auf die Geburt des ihnen verheißenen Sohnes warten müssen, daß sie fast schon zweifelten, ob er ihnen überhaupt geboren werden würde." An einer anderen Stelle der Isaaks-Geschichte heißt es: „Aber eines Tages — es war gegen Abend — als er von einem weiteren Ausfluge nach dem Hagerbrunnen heimgekehrt." In der Jakobs-Geschichte: „Darauf erbot sich Esau, ihn zu begleiten; aber das lehnte Jakob sehr höflich ab, weil er mit seinen Frauen und Kindern und zum Teil noch jungen V i e h st ü ck e n mit Csaus Leuten nicht Schritt halten könne." „Mit gewohnter Liebenswürdigkeit" fragt Joseph die Hofbedienten im Gefängnis. Er „läßt sich Bart- und Haupthaar scheren, weil dieses in Aegypten zur Reinlichkeit gehörte." Es mag genug sein. Ich führe nun aus dem Buche von Emil Bernhard Cohn einiges an. „Ehe das Kind nicht geboren war." „Perlen, Edelsteine, Seide, Brokate, Elfenbein, Affen und Pfauen schleppte er in das Haus Kalba Sabuas." „Die ganze Stadt Jerusalem erzählte es sich und fragten einer den andern." „Alle Schüler waren auseinandergegangen." Nicht nur wegen der angeführten Stilwidrigkeiten habe ich das Kuttnersche Buch abgelehnt. Auch den Akiba lohne ich ab, und wiederum nicht nur wegen der Stilsllnden, die das Buch enthält. Aber ich darf mich auf eine ausführliche Würdigung, wie schon gesagt, hier nicht einlassen. Das Jugendschriftenverzeichnis unseres Verbandes ist leider kein zuverlässiger Ratgeber. Wer es benutzt, muß. wenn er sicher gehen will, die angezeigten Bücher selbst prüfen. Anders ist es Mit den Verzeichnissen der „Vereinigten deutschen Prüfungsausschüsse für Jugendschriften". Die angeführten Bücher sind da durchweg gut. Ob man das auch von der Abteilung „Schul- und Jugendbühne" sagen kann, darüber bin ich im Zweifel. Mit dem Theaterspielen der Jugend ist's überhaupt eine heikle Sache. Doch das ist ein Kapitel für sich. Selbstverständlich muß der Lehrer jedes Buch, das er für die Bücherei anschafft, auch wenn er nach einem zuverlässigen Verzeichnis auswählt, kennenlernen, um zu wissen, ob und wie es sich für seine Schüler eignet. Ich habe von jüdischen Jugendbüchern gesprochen und bin damit in den Teil meiner Ausführungen eingetreten, der von den besonderen Aufgaben des jüdischen. Lehrers auf dem Gebiete der Spracherziehung handelt. Fast alle unsere Schüler sind Kinder aus Kaufmannsfamilien, und sehr viele Kaufleute haben sich immer noch nicht von dem leidigen Kaufmannsdeutsch freigemacht. „. . . und machen wir Ihnen die Mitteilung". „Beigeschlossen erhalten Sie." „Wir bleiben Ihre Antwort erwartend." Wir kennen diese Ausdrücke des „kaufmännisch Gebildeten." Er gebraucht auch gern Fremdwörter. Eine „Fa^on" ist „apart". Eine Farbe wird mit „bleu" bezeichnet. Der Kaufmann spricht von 5 Prozent „Avance" usw. In den Häusern, denen unsere Schüler angehören, wird viel gelesen. Aber was? Der Inhalt der Zeitungen ist in vielen Familien der einzige Lesestoff, in den anderen doch der hauptsächlichste. Das Buch kommt erst in zweiter Reihe. Und sind die Bücher alle gut geschrieben? Das Deutsch unserer Zeitungen kann aber niemals durchweg gut sein, denn der Zeitungsmensch arbeitet in jagender Hast und vermag daher nicht auf den Ausdruck so, wie es nötig wäre, zu achten. Dann: So mancher Mitarbeiter wird nach Anzahl der Zeilen für seine Mühe entschädigt und zerrt deshalb die Ausdrücke in die Länge. Das tut auch wohl ein fest angestellter Zeitungsschreiber, wenn sein Aufsatz einen bestimmten Raum des Blattes ausfüllen soll und er über den Gegenstand nicht genug zu sagen weiß. „Die Arbeit gelangt zur Ausführung" statt „sie wird ausgeführt". „Wir stellen die Frage" statt „wir fragen". Roch etwas anderes! Eduard Engel sagt in seiner deut>chen Stilkunst: „Die Zeitungssprache lebt vom Steigern, ja lleüertreiben. Die Aufmerksamkeit des . . . Lesers muß immer von neuem geweckt, immer'stärker aufgepeitscht werden. Dem geschwollenen Fettdruck der Überschriften entspricht das Anschwellen des Tones in den Aufsätzen selbst." Ich wähle ein paar seiner Beispiele aus, doch führe ich sie gekürzt an, ich gebe nur die kennzeichnenden Stellen. „Vollständig ergebnislos" statt „ergebnislos". „Er verkennt keinen Augenblick" statt „er verkennt nicht". „Er zweifelt nicht im allermindesten" statt „er zweifelt nicht". Wenn wir uns alles dies vergegenwärtigen, so wird es uns klar, woher manche Sprachsünden stammen, die man in jüdischen Kreisen wahrnimmt. Ein Kaufmann schreibt: „Der Anzug wird spätestens Donnerstag zur Ablieferung gelangen." „Ich werde die Sache in die Wege leiten." „Ich lasse die Pakete morgen hinausgehen." 2n der Unterhaltung hört man: „Das würde ich entschieden tun." „Das ist unumgänglich notwendig." „Das ist absolut nicht wahr" usw. Und wie die Alten sungen, so zwitschern die Jungen. Eine meiner Schülerinnen sagte mir: nygjpipili'W! mm ll I fl

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