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Jüdische Schulzeitung · 1930-09-15 · 9 (15.9.1930) · page 4

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
6 (1930)
Issue
9 (15.9.1930)
Date
1930-09-15
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Sekte 4 Jüdische Schulzeitrlng. Nummer 9 Jüdische BolmL- und Instrumentalmusik. Von Anselm Bing. 2. Teil: Die Instrumentalmusik.: Ein förmltdjcr Unstern waltet über der Fassung der verschiedenen musikalischen technischen Ausdrücke. an denen das Alte Testament, namentlich in Psalter und Chronik, Ziemlich reich ist. Wir stehen ihnen so gut wie ratlos gegenüber^). Aus einer Stelle-) hat man herauslesen wollen, das; eine von der Harfe gespielte Oberstimme auf der Zither in der Oktave begleitet worden sei. Das hieße, daß der Hebräer schon die sieben Töne kannte. Aber Sicherheit ist nicht zu erlangen: richtig mag sein, daß Gesang und Begleitung unisono waren* * 3). Von Harmonie wird man in der israelitischen Musik überhaupt nicht sprechen dürfen. Dagegen scheint sie nach dem reichen -Gebrauch der verschiedenen Schlaginstrumente gut rhythmisch gewesen zu sein, und diesem Rhythmus4 * * *) mag sie ihrem lebendigen Zusammenhang mit Arbeit und Tanz verdankt haben. Die Arbeitslieder wurden wirklich gesungen. Sonst sind es die verschiedenartigsten Anlässe, freudige und traurige, Angelegenheiten des Einzelnen und der Gemeinschaft, wo Musik gang und gäbe war. So wird beim Gelage8) und bei der Hochzeit c), beim Abschied") und bei der Totenfeier °), aber auch wieder bei der Rückkehr der siegreichen Heere musiziert,, itub gerade hier ist die Rede von Reigentänzen in Verbindung mit Pauken und Zimbeln °). Andererseits kennt man die Musik als Vesänftigerin erregter Naturen*9 * * *), aber auch als Erregerin der Leidenschaften und der Ekstase"). Der Gesang scheint in Israel allerdings in besonderer Blüte gestanden zu haben. Israelitische Könige halten sich Sänger und Sängerinnen 13). Die Schönheit israelitischer Lieder muß * auch Israels Umgebung ausgefallen sein: so ergeht an die Erulanien die Aufforderung zum Gesang von Zionsliedcrn 13). Daß. wie gerne behauptet wird, Instrumentalmusik nur zur Begleitung des Gesanges vorgekommen sei, scheint unrichtig zu sein. So ist zu bezweifeln, ob die Musik, welche Ekstatikerscharen voranging"), .etwas anderes als Instrumentalmusik gewesen ist. Der Israelit kennt Saiten-, Blas-, Schlag- und Schüttelknstrumente. Saiteninstrumente sind ,■iicbcf und kinnor". nebel ist eine Art Harfe"), man Hi» ilrtj nicht Mn 8Vöi) feft litt guck gtthttick gespielt wurde. Rach alttestamentlicherlG) Angabe hat sie 10, nach Zosephus^) 12 Saiten und wird mit den Fingern angeschlagen. 2m Gegensaß dazu erzählt er vom kinnor, daß es mit dem Plecktrum*9) angeschlagen wird und 10 Saiten habe. Nach ägyptischen und assyrischen Darstellungen handelt es sich um ein lyraartiges Instrument. Da es kein Griffbrett hat, gibt jede Saite nur einen Ton. In dieser Hinsicht entspricht kinnor also weniger der Zither, mit der man es gewöhnlich zusammenstellt, als der Harfe, an die Luther mit seiner Uebersetzung denkt. Kinnor ist das Instrument, auf dem David vor Saul spielt*9 *). Auch in der Hand der Dirne, die ^singend die Straßen durchzieht, wird es vorausgesetzt -°). Es scheint überhaupt im allgemeinen *) Das gilt auch vom Selah der Psalmen. (Die Religion in Geschichte und Gegenwart, REG. 5, 579.) 2) l. Ehr. 15, 20 u. 21. 3) II. Ehr. 5. 13. 4) Durch Händeklatschen und Füßestampfen unterstützt. Hes. 6. .11. 8) Am. 6, 5: Jes. 5. 12: Ps. 69. 13: Li. 21. 12. -) Ier. 7. 34. -) 1. Mos. 31, 27. 8) Am. 8, 3. 9) II. Mos. 15. 20; Nicht. 11, 34. *°) I. Sam. 16, 16. **) I. Sam. 10, 5. *-°) II. Sam. 19, 36. *3) Ps. 137, 3. **) I. Saim 10, 5. 15) Harfe in Form eines umgekehrten Deltas (Hyronimus). ") Ps. 33. 2 u. Kap. 92. 4. u. 144, 9. *7) Josephus.' Altertümer VII 12, 3. 18) Ställchen, womit die Saiten angerissen wurden. *9) I. Sam. 16, 23. ”°) 2es. 23, 16. als aufheiterndes, fröhliches Instrument empfunden worden zu sein w). Dagegen ist Halil die elegische Flöte33). Als sinnlicher scheint man den Klang des 'ugab empfunden zu haben: Wenigstens weist es sein Name als das eigentliche Liebesinstrumsut aus9»), Ditz kräftigeren Vknoinstrumento slnb Schofar und Hazozerah, jenes zunächst das Widderhorn im eigentlichen Sinn, dieses ein ursprünglich kurzes Instrument aus Silber 2i), vermutlich gerade. Schofar und Hazozerah dienen beide als Signalinstrumente im öffentlichen Profanleben, wie beim Tempeldienst. Musikalisch sind Schofar und Hazozerah nicht hoch einzuschätzen, da sie nur einen Ton gaben. Man unterschied dabei lediglich dessen Länge und Kürze38). Das Hauptschlaginstrument ist toph, worunter man eine kleine Handpauke. das Tamburin, zu verstehen hat: es wurde vornehmlich beim Frauentanz verwendet38). In Frauenbünden erscheint auch ein Instrument, das seinem Namen nach am ehesten dem Triangel ähnlich war3-). Wie groß die in der Tempelmusik oft genannten Becken oder Zimbeln waren, läßt sich nicht genau feststellen38). Es scheint verschiedene Arten davon gegeben zu haben: vielleicht sind darunter auch Kastagnetten begriffen, deren sich die Tänzerinnen bedienten. Was das Alte Testament39) als Schüttelinstrument kennt, ist wohl jenem fistrenartigen Rasseln zu vergleichen. die die Aegypter bei ihren orgiastischen Zügen verwendet haben. Zur Zeit der hellenistischen Invasion kamen neue Instrumente in Israel auf: „kitharos", ein lyraartiges Instrument. das dem kinnor nahe kam: pesanterin39), ein hackbrettartiges Saiteninstrument, angeblich mit 20 Saiten, und sumponja, ein Lieblingsinstrument des Antiochius Epiphanes3*), dann die Dudelsackpfeife sabka, ein aus Holunderholz gefertigtes Instrument33), (bei den Griechen ein dreieckiges Saiteninstrument, das die' höchsten Töne hatte, aber für unedel galt. Ueber die Art und Weise des . Zu- Zusammenspiels der Instrumente sind keine zuverlässigen Quellen vorhanden. Es ist jedoch anzunehmen, daß, je nach dem Charakter des Tages, entweder Halil oder kinnor die führenden Stimmen trugen und daß Schofar und Hazozerah lediglich die Wendungen und Bewegungen der Priester signalisisvtm und beendeten. Toph und die Becken werden zur schärferen Rhythmisierung der Melodie gedient haben. 2n dieser gedrängten Ueberskcht wurde die geschichtliche Entwicklung der Instrumental- und Vokalmusik des jüdischen Volkes gezeigt und Wege zur Wiederbelebung einer jüdischen Volksmusik angedeutet. Benutzte Quellen. Die traditionellen Gesänge des israelitischen Gottesdienstes in Deutschland, von Dr. Iakob Schönberg. Kulturgeschichte Israels, von A. Bertholet. Talmud babli, Sota IX, 11. Sofrim XIV, 9. Pesiktah rabbathi, Fol. 25. Elbogen 231. Ackermann. Idelsohu, I. Bd. . 21) I. Mos. 31, 27; Ies. 24, 8: Ps. 137, 2; Hi. 21. 12. 23) Der Name bezeichnet das Instrument als durchbohrtes. (Ier. 48. 36.) 33) 'agab heißt brünstig sein, lieben. 34) IV. Mos. 10, 2. II. Kön. 12. 14. 38) II. Mos. 19. 13 u. 2os. 6. 5. 38) Bei Männern I. Sam. 10, 5. 37) Schulisch, I. Sam. 18. 6. 33) Aus Metall. I. Chor. 13. 1. Ps. 150, 5. 39) II. Sam. 6. 5. 20) d. i. das heutige santir der Araber. 31) Polybius 26, 1151. 33) Sambucus, ist gleich Holunderstrauch. ~\

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